Allergene meiden

Asthma: Tipps für den Sommer

Viele Menschen empfinden ein kräftiges Sommergewitter als reinigend: Die Temperaturen sinken, die Schwüle verschwindet und die Luft wird klarer. Doch der Schein trügt: Besonders Allergiker sollten sich vor dem Regen in Acht nehmen, weil er ihre Beschwerden womöglich massiv verschlechtert. In den eigenen vier Wänden kann ein Pollenschutzgitter für frische, reine Luft sorgen.

Asthma: Tipps für den Sommer
Ein Sommerregen wirkt nicht reinigend: Er setzt Pollen frei. Daher sollten Allergiker weder raus gehen, noch lüften.
(c) iStockphoto

Der enge Zusammenhang zwischen Unwetter und Asthma-Anfällen ist weltweit bereits mehrfach beobachtet worden und in der Wissenschaft gut beschrieben. So gab es beispielsweise 1989 in Melbourne, 1994 in London und 2000 in Kanada regelrechte Asthma-Epidemien nach massiven Gewittern im Frühjahr oder Sommer: Innerhalb von 24 Stunden stieg die Anzahl der Asthma-Patienten in der Notaufnahme jeweils um das Fünf- bis Zehnfache an. Der Grund dafür waren nach Ansicht der Forscher der starke Abfall der Lufttemperatur sechs Stunden vor sowie die hohe Graspollenkonzentrationen neun Stunden nach dem Gewitter.

Bei Gewitter kommen viele Risikofaktoren zusammen

Denn kalte Luft und Pollen können unter normalen Bedingungen schon für sich allein einen Asthma-Anfall auslösen oder verstärken und bei einem Sommergewitter kommen mehrere dieser Risikofaktoren zusammen: Die Lufttemperatur fällt plötzlich und massiv ab, die Luftfeuchtigkeit steigt und der Wind wirbelt vieles - so auch Pollen - durch die Luft. Außerdem haben Untersuchungen ergeben, dass der starke Regen die allergisch wirkenden Eiweiße geradezu aus den Pollen herausschlagen kann, so dass die Allergenbelastung deutlich steigt.

Besonders Gräserpollen-Allergiker sollten sich schützen

Da unter den Gewitterbedingungen vermutlich besonders Gräserpollen freigesetzt werden, sollten sich vor dieser Wetterlage insbesondere Menschen schützen, die allergisch auf Gräserpollen reagieren. Das gilt auch für diejenigen, die zuvor noch kein Asthma hatten, denn unter den Extrembedingungen treten die asthmatischen Symptome häufig erstmals auf. Prof. Dr. Dr. Angela Schuh vom Institut für Medizinische Balneologie und Klimatologie der Universität München rät in der Zeitschrift "MMW - Fortschritte der Medizin" betroffenen Personen, vor und nach Gewittern möglichst nicht rauszugehen. Auch das Lüften von Räumen sollte nach ihren Angaben mehrere Stunden nach dem Unwetter unterbleiben.

Pollenschutzgitter ermöglichen das Lüften trotz Pollenflug

Der Verzicht auf das Lüften ist allerdings nicht notwendig, wenn das entsprechende Fenster mit einem speziellen Pollenschutzgitter versehen ist. Denn wie eine Studie der Allergie- und Asthma-Klinik Bad Lippspringe im Jahr 2002 belegte, kann das in Bau- und Heimwerkermärkten erhältliche Pollenschutzgitter von tesa beim Lüften bis zu 99 Prozent der Erlen-, bis zu 93 Prozent der Birkenpollen und bis zu 100 Prozent der Eschen- bzw. Eichen- sowie auch Gräserpollen aus der Raumluft fernhalten. "Selbst an Tagen mit massivem Pollenflug blieb die Konzentration in den Innenräumen schwach", erklärte der Leiter der Studie Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann gegenüber der Fachzeitung "Medical Tribune". Die Montage des Pollenschutzgitters ist ähnlich unkompliziert wie beim Fliegengitter: Es wird einfach in den Fensterrahmen geklebt. Wie Bergmann ausführte, reicht es häufig aus, das Gitter im Schlafzimmer anzubringen und darauf zu achten, die Zimmertür immer geschlossen zu halten. Der Grund: Hier stört es am wenigsten, dass das helle, fliesartige Gewebe zwar Licht durchlässt, aber den Blick nach draußen behindert. Die Reinigung des Pollenschutzgitters sollte nach Angaben des Experten nicht von dem Allergiker, sondern von einem gesunden Familienangehörigen übernommen werden, um eine unnötige Allergenbelastung zu vermeiden.

Pollenfilter fürs Auto und abends Haare waschen

Die Allergologin Dr. Alika Ludwig vom Klinikum Augsburg rät Allergikern im Sommer darüber hinaus, im Auto einen Pollenfilter einzubauen, um eine stärkere Belastung durch die "Frischluft" aus dem Gebläse zu vermeiden. Außerdem empfiehlt sie auf der Homepage der BKK für Heilberufe, abends vor dem Schlafengehen Pollen und andere Allergene aus den Haaren zu waschen. (BSMO/pe)

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2012
Quellen: Nach Informationen der Zeitschrift MMW - Fortschritte der Medizin, der Medical Tribune und BKK für Heilberufe

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