Übereifriges Immunsystem beruhigen

Interview: Allergien natürlich bekämpfen

Allergien und Intoleranzen werden häufiger, ihre Behandlung schwieriger. Dabei gibt es natürliche Möglichkeiten, das überaktive Immunsystem zu beruhigen. Lifeline sprach mit einem Facharzt über sanfte und trotzdem wirkungsvolle Therapien gegen Allergien.

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Allergien gegen Pollen (Bild) sowie Unverträglichkeiten gegen bestimmte Bestandteile von Nahrungsmitteln wie Laktose nehmen zu - sanfte Hilfe ist gefragt.
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Fast jeder zweite Deutsche hat inzwischen eine Allergie gegen Pollen oder Hausstaub, leidet unter massiver Nahrungsmittelallergie oder einer so gegannten Intoleranz – etwa gegenüber Fruktose oder Laktose. Doch was ist die Ursache für diese Zunahme und was können Betroffene tun, wenn sie nicht ihr Leben lang Medikamente einnehmen oder für immer auf die Allergieauslöser verzichten wollen? Dr. Dirk Polonius, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, beantwortet die wichtigsten Fragen. Er ist Experte für Naturheilverfahren, hat in China traditionelle chinesische Medizin (TCM) studiert.

Lifeline: Worin sehen Sie die Ursachen für die explosionsartige Zunahme von Allergien?

Dr. Dirk Polonius: Es gibt zwei Gründe: Das sind einmal übertriebene Hygiene und zum anderen die große Anzahl von allergieauslösenden Stoffen in Nahrungsmitteln, Kosmetika, Kleidung – kurzum in allem, womit wir in Kontakt kommen.

Lifeline: Antihistaminika stoppen die übermäßige Ausschüttung von Histamin aus den Mastzellen bei einer Allergie. Allerdings müssen manche Patienten die Mittel lebenslang anwenden, etwa Hausstauballergiker. Was raten Sie in diesen Fällen?

D. P.: Tatsache ist, dass die Behandlung von Allergien schwieriger geworden ist. In unserer Praxis handelt sich sich bei fast der Hälfte der Patienten um solche, die Schwierigkeiten haben, ihre Allergie oder Intoleranz in den Griff zu bekommen. Zuallererst starte ich dann mit einer Darmsanierung.

Warum stehen Darmfunktion und Allergierisiko in Zusammenhang?

D. P.: Eine Allergie bedeutet im Grunde, dass die Mastzellen und andere Körperzellen eine instabile Membran haben und deshalb bereits bei harmlosen Reizen Histamin ausschütten. Histamin ist der Stoff, der die Anzeichen einer Allergie oder Entzündung verursacht. Um die Mastzellen zu stabilisieren, sind wiederum Substanzen nötig, die der Körper nur dann verwertet, wenn der Darm richtig arbeitet. Oft verhindern Pilze und Parasiten das jedoch.

Wie sieht die Darmsanierung aus?

D. P.: Die Darmdiät bedeutet kein Zucker, keine Kohlenhydrate, kein Alkohol – und alle Lebensmittel meiden, die von Natur aus viele Histamine enthalten, etwa Hartkäse, geräucherter Fisch, Schinken oder Hülsenfrüchte. Gekochte Kartoffeln sind übrigens erlaubt, sie wirken von Natur aus gegen Pilze und Parasiten. Mittel zum Darmfloraaufbau und gegen Parasiten sowie Pilze ergänzen diese etwa vierwöchige Diät.

Danach sind die Allergien und Intoleranzen weg?

D. P.: Bei 80 Prozent der Patienten tritt tatsächlich eine deutliche Besserung ein, bei den übrigen 20 Prozent geben wir bestimmte Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe, die sich in Studien zur Minderung der Histaminausschüttung oder der Reaktion im Gewebe bewährt haben.

Lassen sich diese Stoffe als natürliche Antihistaminika bezeichnen und welche sind das genau?

D.P.: Ja, durchaus. Das sind Magnesium, Kalzium, Zink, Vitamin B6 und C sowie die essentielle Aminosäure L-Methionin.

Wie wirken sie im einzelnen?

D. P.: Magnesium entspannt die glatte Muskulatur, beruhigt zusätzlich die Mastzellen und wirkt gegen Übersäuerung. Es reduziert beim Heuschnupfen Augenjucken, Niesen und Nasenfluss um ein Drittel. Kalzium erschwert die Histaminfreisetzung und wirkt gegen den Juckreiz, der bei Allergien oft eintritt.

Allergiker haben außerdem oft einen Zinkmangel. Zink hemmt die Histaminfreisetzung dosisabhängig und stimmt die Aktivität des Immunsystems um, das bei einer Allergie fehlgeleitet ist. Vitamin B6 normalisert ebenfalls in diesem Bereich, außerdem die Nerven und aktiviert ein Enzym, welches Histamin schneller abbaut.

Und Vitamin C wirkt direkt auf die Zellmembran, indem es Histamin am Rezeptor blockiert. L-Methionin fördert die Inaktivierung des Histamins. Es reicht jedoch meist nicht, auf Lebensmitteln mit diesen Inhaltsstoffen zu setzen. Bei Allergikern sollten diese Substanzen höher dosiert sein, etwa in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Hier hat sich eine spezielle Wirkstoffkombination wie in Mymineralmix bewährt

Sie erwähnen die Wirkung gegen Übersäuerung. Was hat Übersäuerung mit Allergien zu tun?

D. P.: Übersäuerung erhöht das Risiko für eine Allergie und Entzündungen. Stress, viel Fleisch oder intensiver Sport verändern den Säure-Basen-Haushalt – die Säuren überwiegen. Auf diese Übersäuerung reagiert das Immunsystem. Durch eine Übersäuerung des Gewebes wird eine Entzündung schneller ausgelöst und eine allergische Reaktion fällt stärker aus.

Wie lange sollten natürliche Antihistaminika eingenommen werden und wie hoch sind die Erfolgschancen?

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D. P.: Am Anfang besteht bei Allergikern oft ein erheblicher Mangel von diesen Stoffen. Deshalb müssen erst einmal die Speicher aufgefüllt werden. Das kann dauern. Allergiker sollten deshalb am Anfang hohe Dosen nehmen. Nach ein bis zwei Jahren sollten Patienten dann - beispielsweise bei Heuschnupfen vor dem Beginn der Pollensaison - mit etwas höheren Dosen beginnen und die Präparate nach der Allergiesaison nur noch bei Bedarf nehmen. Unsere Erfahrung zeigt, dass das den allermeisten Patienten eine Erleichterung verschafft. Von 106 behandelten Patienten mit Heuschnupfen in unserer Praxis beschrieben 100 eine Besserung.

Das dauert allerdings vergleichsweise lange. Gibt es Möglichkeiten, die Allergie rascher los zu werden?

D. P.: Ja, oft lässt sich eine Allergie sozusagen im Gehirn "löschen", vergleichbar mit einem fehlerhaften Computerprogramm. Das ist eine Methode aus der TCM. Dazu wird auf die Zunge eine winzige Menge des allergieauslösenden Stoffes gegeben, gleichzeitig setzt der Arzt eine Akupunktur. Sie soll einer bestimmten Region im Gehirn, dem Hypothalamus, signalisieren, dass diese Substanz harmlos ist und keine Überreaktion hervorruft. Dort findet sich übrigens die höchste Histaminanreicherung im Gehirn. Die Behandlung wird zwei- bis dreimal wiederholt, dann ist das falsche Programm im Gehirn, das die Allergie auslöst, meist mit dem richtigen überschrieben.

Dazu braucht man jedoch einen guten TCM-Arzt. Gibt es auch etwas, was ein Allergiker selber tun kann und das ganz einfach ist?

D. P.: Neben der Ergänzung der fehlenden Stoffe ist eine sanfte und natürliche Hilfe gegen Pollenallergien der Honig. Fast jeder verträgt ihn, es gibt kaum Allergien gegen Honig. Honig enthält in hoher Menge Immunglobuline und Spuren von Pollen. Die Selbstbehandlung sollte so aussehen: Lutschen Sie täglich etwas Honig. Beginnen Sie vor der Pollensaison mit einer sehr kleinen Menge und steigern Sie diese langsam, bis Sie einen Esslöffel pro Tag zu sich nehmen. Das wirkt wie ein sanfte Desensibilisierung, die Allergie geht zurück.

Die 21 besten Lebensmittel gegen Allergien

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. August 2014

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    Allergie mit 5 Jahren
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