Allergische Erkrankungen

Arzneimittelallergie

Wenn Arzneimittel in den üblichen Dosierungen für die jeweilige Prophylaxe oder Therapie krankmachende, unerwünschte Reaktionen auslösen, spricht man von einer Arzneimittel-Unverträglichkeit. Die Ursache kann eine Allergie sein und sollte sorgfältig abgeklärt werden.

Arzneimittelallergie
Vermutlich reagieren sieben von hundert Menschen auf Arzneimittel mit einer allergischen Reaktion.
(c) Jupiterimages

Rund 80 Prozent der Arzneimittel-Unverträglichkeiten sind vorhersehbar und auf die normale, pharmakologische Toxizität des Wirkstoffs zurückzuführen. Bei den übrigen 20 Prozent handelt es sich um individuelle Überempfindlichkeiten gegenüber den Wirkstoffen, die nur bei besonders disponierten Menschen auftreten und oft schwerer verlaufen. Bei diesen individuellen Arzneimittel-Unverträglichkeiten lassen sich mehrere Formen unterscheiden. Zu ihnen gehört die Allergie, bei der die einhergehenden Beschwerden durch eine Immunreaktion auf das Arzneimittel ausgelöst werden. Eine weitere Form ist die Pseudoallergie, die mit ähnlichen Beschwerden einhergeht, jedoch nicht auf Reaktionen des Abwehrsystems zurückzuführen ist.

Zur Häufigkeit von Arzneimittel-Unverträglichkeiten gibt es bislang nur wenige Studien. Nach ihnen sind sieben von 100 Menschen in der Bevölkerung von allgemeinen Arzneimittel-Unverträglichkeiten betroffen.

Hautbeschwerden sind häufig

Arzneimittel können alle Typen einer Allergie auslösen – also von der allergischen Sofortreaktion bis hin zur Spätreaktion. Die Symptome machen sich oft an Haut und Schleimhäuten bemerkbar. Neben Rötungen der Haut, akuten Ausschlägen (Exanthemen), Nesselsucht (Urtikaria), Kontaktekzemen (nach direktem Hautkontakt mit dem Medikament, zum Beispiel durch Auftragen von Salben oder Cremes), Blasen, Schwellungen des Unterhautgewebes (Angioödeme) und Juckreiz kann es in selteneren Fällen auch zu schwerwiegenden Symptomen wie Atem- und Kreislaufproblemen oder einem potentiell lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.

Während Nesselsucht, Angioödeme und allergischer Schock zu den Sofortreaktionen gehören, die innerhalb von Sekunden bis Minuten nach Anwendung des Medikamentes auftreten, zählen Kontaktekzeme und Arzneimittelexantheme zu den Spätreaktionen einer Allergie, die sich oft erst nach Tagen ausbilden. Die gefährlichste Arzneimittelunverträglichkeit ist die eher seltene toxische epidermale Nekrolyse (TEN), die mit Symptomen großflächiger Verbrennungen einhergeht und schnell auf innere Organe übergreifen sowie zu ernsthaften Komplikationen bis hin zum Tode führen kann, sodass sie einer unmittelbaren medizinischen Versorgung bedarf.

Mögliche Auslöser einer Allergie gegen Arzneimittel

Es gibt eine Vielzahl von Arzneimitteln, die eine Allergie oder pseudoallergische Reaktion hervorrufen können. Zu ihnen gehören:

  •     Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine und Sulfonamide)
  •     Schmerzmittel (Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Pyrazolone)
  •     Röntgenkontrastmittel
  •     örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika)
  •     intravenöse Narkosemittel
  •     Opiate
  •     Antiepileptika
  •     ACE-Hemmer (Blutdrucksenker)
  •     Heparine
  •     Insuline

Aber auch nach der Einnahme anderer Arzneimittel kann es zu allergischen Symptomen beziehungsweise zur Allergie kommen.

Was tun bei Verdacht auf Arzneimittelallergie?

Bei jeder Arzneimittel-Unverträglichkeit sollte die Ursache ausreichend abgeklärt werden, um gezielt Maßnahmen gegen ein erneutes Auftreten der Beschwerden ergreifen zu können. Bei der Diagnose spielt zunächst die Krankengeschichte eine wichtige Rolle, aus der sich auch die weiteren Untersuchungsschritte ergeben. Gehen die Unverträglichkeiten mit allergischen Symptomen einher, sollten entsprechende Hauttests erfolgen. Doch negative Reaktionen in diesen Tests schließen das Vorliegen einer Arzneimittel-Unverträglichkeit nicht aus.

Auch Bluttests können dazu beitragen, die Ursache der Beschwerden einzugrenzen. Bleibt der Auslöser trotzt dieser Untersuchungen unklar, ist unter Umständen ein gezielter Provokationstest mit dem Medikament sinnvoll, das für die Beschwerden infrage kommt. Dieser kann jedoch mit schweren Unverträglichkeiten einhergehen und sollte daher in der Regel stationär erfolgen.

Therapie richtet sich nach den Beschwerden

Die Therapie im akuten Stadium der Arzneimittel-Unverträglichkeit richtet sich nach den jeweiligen Symptomen. Bis zur allergologischen Untersuchung sind zunächst alle infrage kommenden Auslöser zu meiden. Zur Behandlung einer milden allergischen Reaktion können ein Antihistaminikum und/oder ein Kortison-Präparat verabreicht werden, um die Beschwerden zu lindern. Im Falle von schwerwiegenden allergischen Reaktionen, die immer einen akut lebensbedrohlichen Zustand darstellen, ist sofort eine entsprechende Therapie des anaphylaktischen Schocks erforderlich.

Auslöser meiden – jedoch Ausnahmen möglich

Sobald das Arzneimittel feststeht, das die Unverträglichkeit auslöst, sollte/n die entsprechende/n Wirkstoffgruppe/n in einen Allergiepass eingetragen werden, der bei jedem Arztbesuch, Krankenhausaufenthalt und Medikamentenkauf in der Apotheke vorzulegen ist. Hat die Behandlung mit dem Arzneimittel, gegen das eine Überempfindlichkeit vorliegt, eine große gesundheitliche Bedeutung für den Patienten, kann sie bei milden Beschwerden in Einzelfällen unter strenger Überwachung fortgeführt werden. Unter Umständen kann auch versucht werden, mit dem jeweiligen Wirkstoff eine Art Hyposensibilisierung durchzuführen, um das Immunsystem schrittweise an ihn zu gewöhnen. Diagnostik und Therapie der Arzneimittelallergie sollten jedoch durch einen spezialisierten Arzt erfolgen, der über entsprechende Erfahrungen verfügt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2013
Quellen: Ring, J.; Bachert, C.; Bauer, C.-P.; Czech, W. (Hrsg.): Weißbuch Allergie in Deutschland; 3. Aufl. München: Urban & Vogel, 2010

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