Wirkstoff zur ADHS-Behandlung

Medikinet, Ritalin und Co.: So hilft Methylphenidat ADHS-Patienten

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Ritalin und seine Alternativen mit dem Wirkstoff Methylphenidat werden zur Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt.
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Kinder mit ADHS werden durch Methylphenidat ruhiger, können sich besser konzentrieren und sind in der Schule erfolgreicher. Anhand welcher Symptome lässt sich ADHS erkennen? Wann sollten Medikinet, Ritalin oder andere Präparate mit Methylphenidat zur Therapie von ADHS eingesetzt werden und wie helfen sie?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, wird als Verhaltens- und emotionale Störung definiert. Eltern betroffener Kinder erkennen sie unter anderem am "Nichtstillsitzenkönnen" und einer fehlenden Fähigkeit, sich länger auf ein uns dieselbe Sache zu konzentrieren. Diese Faktoren können unbehandelt zu massiven Problemen sowohl zu Hause als auch in der Schule führen.

ADHS bei Erwachsenen und Kindern: 19 wichtige Symptome

Sollten sich die ADHS-Symptome durch eine Verhaltenstherapie nicht (ausreichend) bessern, erzielen Medikamente eine anerkannte Wirkung. Meist kommt dann der Wirkstoff Methylphenidat, der in Deutschland meist unter den Handelsnamen Ritalin und Medikinet erhältlich ist, zum Einsatz. Etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen wird mit Methylphenidat-Präparaten behandelt, wie eine Studie zeigt.

Verschreibungspflicht: Ritalin und Co. gibt es nicht einfach zu kaufen

Präparate mit Methylphenidat gibt es nicht einfach in der Apotheke zu kaufen; der Wirkstoff fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist deshalb verschreibungspflichtig. In Deutschland sind diese Medikamente zur Behandlung von ADHS bei Kindern ab sechs Jahren zugelassen, und zwar immer dann, wenn andere Maßnahmen wie eine Verhaltenstherapie nicht ausreichend gegriffen haben. Zu den alternativen und ergänzenden Therapien bei ADHS gehören etwa Lerntraining, Coaching, Physiotherapie, aber auch eine Elternberatung.

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Die Ritalin-Wirksubstanz Methylphenidat gehört zur Gruppe der Amphetamine. Der Pharmazeut Leandro Panizzon, der Methylphenidat in den 40er Jahren erstmals synthetisierte, testete jede von ihm neu entwickelte Substanz an sich selbst und seiner Ehefrau Rita. Diese soll von Methylphenidat so begeistert gewesen sein, dass als Handelsname Ritalin gewählt wurde. Heute gibt es viele weitere Medikamente mit Methylphenidat, etwa:

  • Medikinet
  • Concerta
  • Equasym
  • Metadate
  • diverse Generika

Wirkung und Wirkungsdauer von Ritalin und alternativen Präparaten

Amphetamine wie Methylphenidat regen den Sympathikus an, steigern also die Leistung, und zwar körperlich und mental. Die Wirkung von Ritalin, Medikinet und Co. im Einzelnen: Methylphenidat blockiert die Dopamin-Wiederaufnahme. Dadurch erhöht sich der Dopamin-Spiegel. Dopamin ist ein Neurotransmitter im Gehirn, der unter anderem für

  • Konzentration,
  • Wahrnehmung und
  • Lernfähigkeit

wichtig ist.

Dopamin in Reinform einzunehmen, lohnt sich aber nicht. Denn der Neurotransmitter kann die Blut-Gehirn-Schranke nicht überwinden und so auch nicht im Gehirn wirken. Wir sind deshalb ausschließlich auf das Dopamin angewiesen, das der Körper in den Nervenzellen selbst bildet. Ständig wird hier Dopamin auf- und wieder abgebaut. Nur wenn der Abbau abgebremst ist – wie durch Methylphenidat –, steigt der Dopaminspiegel. Die Leistungsfähigkeit nimmt zu, je nach Präparat liegt die Wirkungsdauer bei drei bis acht Stunden.

Ritalin als Gehirn-Doping oder Droge?

Wegen ihrer leistungsfördernden Wirkung werden Methylphenidat-Präparate wie Ritalin bei ADHS verordnet. Hyperaktive Kinder können damit ein paar Stunden ruhig sitzen und sich konzentrieren. Nicht nur das Folgen des Schulunterrichts ist so wieder möglich. Auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen machen mit der Medikamentengabe mehr Sinn und sind effektiver durchführbar.

Seit einigen Jahren hat sich Ritalin jedoch auch als Doping für Akademiker etabliert. Eine Studie deckte auf, dass jeder Fünfte, der im naturwissenschaftlichen oder medizinischen Bereich tätig ist, hin und wieder zu dieser Substanz greift.

Dabei ist der Übergang vom Medikament zur Droge fließend. Das Risiko einer Sucht besteht jedoch nur, wenn Ritalin absichtlich überdosiert wird. Wird das Medikament nach Anweisung des Arztes eingenommen, besteht keine Gefahr, von dem Wirkstoff abhängig zu werden.

Methylphenidat absetzen: Nie auf eigene Faust!

Allerdings darf die Einnahme von Ritalin und anderen Medikamenten mit Methylphenidat nicht eigenmächtig oder plötzlich unterbrochen oder beendet werden. Andernfalls besteht die Gefahr eines Rebounds. Das bedeutet, dass nach Absetzen eines Medikaments die Symptome der Krankheit verstärkt auftreten. Bei ADHS geht der Rebound etwa mit gesteigertem Bewegungszwang und Unruhe einher. Zusätzlich können sich Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiver Verstimmung zeigen.

Nebenwirkungen vor allem bei Überdosierung von Ritalin

Methylphenidat kann in seltenen Fällen Nebenwirkungen auslösen, sogar bei der vom Behandler vorgesehenen Anwendung. Dazu zählen:

Bei unsachgemäßer, zu hoher Dosierung – etwa wenn Methylphenidat als Droge oder zum Gehirndoping missbraucht wird – können diese Nebenwirkungen auftreten:

Allerdings bestehen diese Risiken tatsächlich nur, wenn Methylphenidat viel zu hoch dosiert ist. Die Mengen, die für Kinder mit dem "Zappelphilipp-Syndrom" empfohlen werden, sind weitgehend unbedenklich und reichen für einen Effekt vollkommen aus: Bis zu 90 Prozent der Kinder, die wegen ADHS zeitweise Methylphenidat-Präparate wie Medikinet oder Ritalin einnehmen, berichten über eine spürbare Verbesserung ihrer Lernfähigkeit und mehr Ausgeglichenheit.

ADHS-Anzeichen bei Kindern und Erwachsenen

Nach den Diagnose-Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10 Code F90.0) entwickelt sich eine ADHS meist in den ersten fünf Lebensjahren und kann sich dann durch folgende Symptome äußern:

  • Achtlosigkeit
  • Impulsivität
  • Unfallneigung
  • Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen
  • Desorganisiertheit
  • überschießende Aktivität
  • Distanzstörung und Mangel an Vorsicht und Zurückhaltung in der Beziehung zu Erwachsenen
  • Isoliertheit bei anderen Kindern
  • Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung
  • niedriges Selbstwertgefühl

Auch Erwachsene können unter ADHS leiden

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ADHS ist nicht heilbar und kann auch im Erwachsenenalter noch Symptome verursachen. Folgen der unbehandelten Störung können unter anderem Depressionen, Antriebslosigkeit, Unruhe, übermäßiger Alkohol-/Drogenkonsum oder ein damit zusammenhängender (drohender) Verlust des Arbeitsplatzes sein.

Ob ADHS bei Erwachsenen behandlungsbedürfig ist, sollte anhand des individuellen Leidensdrucks entschieden werden. Hier können ebenfalls eine Verhaltenstherapie und eine Behandlung mit Methylphenidat-haltigen Medikamenten helfen. 

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. April 2016
Durch:
Quellen: Stellungnahme der Bundesärztekammer; Internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD-10); Mayo Clinic; www.adhs-deutschland.de

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