Zappelphilipp-Syndrom oder Hyperaktivitätsstörung

ADHS – was ist das und wie behandelt man?

Konzentrationsprobleme, ein unbändiger Bewegungsdrang und impulsives Verhalten gelten als Hauptsymptome von ADHS. Experten zufolge sind in Deutschland rund fünf Prozent der Drei- bis Siebzehnjährigen von einem Aufmerksamkeits- und/oder Hyperaktivitätsstörung betroffen. Manchmal begleitet ADHS Betroffene sogar bis ins Erwachsenenalter.

In den meisten Fällen manifestiert sich ADHS mit dem Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule. Spezielle Tests geben Aufschluss, ob ein Kind daran leidet.
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Nicht still sitzen können (Hyperaktivität), unfähig sein, sich in der Schule zu konzentrieren (Aufmerksamkeitsstörung) oder mal wieder aus nichtigem Anlass "hochgehen wie eine Rakete" (Impulsivität): ADHS hat viele Gesichter.

ADHS bei Erwachsenen und Kindern: 19 wichtige Symptome

Bei Erwachsenen bleibt ADHS oft unerkannt

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, betrifft vor allem Kinder und Jugendliche, doch auch Erwachsene können darunter leiden. In den meisten Fällen zeigen sich die Symptome in einem bestimmten Störungsbild mit dem Eintritt in den Kindergarten oder in die Grundschule.

Klassische Symptome wie beispielsweise aggressives Verhalten, das Aufmerksamkeitsdefizit und die Hyperaktivität führen dann nicht selten dazu, dass das Kind zunehmend in die Rolle eines Außenseiters gerät. Ebenso die Eltern von ADHS-Kindern, die unter dem ständigen Druck stehen, alles richtig zu machen, geraten häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

ADHS entsteht nicht durch Erziehungsfehler

ADHS ist ein Krankheitsbild, das im Grunde genommen schon im 19. Jahrhundert Erwähnung fand – man denke nur an die Figur des "Zappelphilipp" aus dem bekannten Kinderbuch "Der Struwwelpeter". Doch in den vergangenen Jahren ist ADHS auf dem Vormarsch. Experten zufolge haben hierzulande knapp fünf Prozent der drei- bis Siebzehnjährigen ADHS.

Eine Hyperaktivitätsstörung ist keine Folge eines "Erziehungsfehlers" – vielmehr scheint eine Störung im Gehirnstoffwechsel eine zentrale, ursächliche Rolle zu spielen. Als Auslöser für ADHS führen Experten insbesondere genetische Faktoren an. Aber auch psychosoziale Einflüsse spielen eine Rolle: Die Schnelllebigkeit unserer Zeit, Reizüberflutung durch TV, Internet oder PC-Spiele sowie familiäre Probleme können durchaus zu einer Verstärkung der Symptomatik beitragen.

ADHS: Diagnose durch Tests beim Facharzt

Ihr Kind ist zappelig, kann Hausaufgaben nicht ausstehen und will am liebsten immer auf Achse sein? Das bedeutet noch lange nicht, dass es an ADHS leidet. Schließlich sind so manche Kinder aktiver oder "hibbeliger" als andere. Die voreilige Vermutung "mein Kind hat ADHS" ist daher häufig fehl am Platz.

Umso wichtiger ist es, die typischen ADHS-Symptome zu kennen und frühzeitig zu reagieren, falls sie diese bei Ihrem Kind entdecken. Zu den wichtigsten Anzeichen zählen:

Der Unterschied zwischen ADS und ADHS

Eine Aufmerksamkeitsstörung kann auch ohne nach außen erkennbare Hyperaktivität auftreten. Dann spricht man von ADS.  ADHS-Kinder sind in ihrem Verhalten sehr auffällig, werden nicht selten als sehr anstrengend oder sogar aggressiv empfunden.

Von ADS betroffene Kinder wirken dagegen meist ruhig, stören kaum im Unterricht, sind aber trotzdem nicht bei der Sache, sondern scheinen vielmehr in ihren Träumen und Gedanken versunken. Auch sie haben Probleme, sich zu konzentrieren. Daher sollte eine Aufmerksamkeitsstörung auch ohne Hyperaktivität behandelt werden.

Warum die Diagnose von ADHS so wichtig ist

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind das AD(H)S hat, gilt es, einen Experten – meist den behandelnden Kinderarzt oder auch einen Kinder- und Jugendpsychologen – aufzusuchen. Nur dieser kann anhand einer umfassenden Untersuchung sowie eines festgelegten Fragenkatalogs die Diagnose eindeutig stellen und gegebenenfalls eine individuell angemessene Therapie einleiten.

Das ist wichtig, denn wird eine Hyperaktivitäts-Störung nicht behandelt, droht den Betroffenen mitunter ein Abgleiten in die soziale Ausgrenzung. Begleitende Störungen, etwa Depressionen oder Angststörungen sind keine seltene Begleiterscheinung. Sie treten häufig bei  ADHS bei Erwachsenen oft unerkannt. Auch der verstärkte Hang zum Drogenkonsum kann laut Wissenschaftlern mögliche Folge einer unzureichend behandelten ADHS-Störung sein.

Hyperaktivitäts-Störung behandeln – negative Folgen vermeiden

In der Regel basiert eine Therapie der ADHS auf einem multimodalem Behandlungskonzept. Dazu gehören psychotherapeutische Maßnahmen, professionelles Verhaltenstraining auf Seiten der Eltern beziehungsweise erwachsenen Betroffenen und geeignete Medikamente, insbesondere dem Wirkstoff Methylphenidat (zum Beispiel in Medikinet oder Ritalin),

Klären Sie mit dem behandelnden Arzt, wie die individuell angemessene Therapie aussehen kann. Und ganz wichtig, wenn Ihr Kind betroffen ist: Sprechen Sie auch mit dem kleinen Patienten selbst über die Bausteine seiner ADHS-Therapie. Die Behandlung der Störung bedeutet immer, die Vor- und Nachteile der verschiedenen, zur Verfügung stehenden Bausteine, gegeneinander abzuwägen und eine gemeinsame Entscheidung zu treffen.

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Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2017
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