Von Rollstuhl bis Wohnungsumbau

Pflegehilfsmittel für die Pflege zu Hause

Pflege zu Hause ist in den meisten Fällen machbar, erfordert jedoch mitunter Pflegehilfsmitteln oder bauliche Veränderungen. Wofür gibt es finanzielle Unterstützung?

Pflege zu Hause: Tipps für Angehörige
Pflege daheim erleichtert durch verschiedene Hilfsmittel erleichtert.
iStock

Besonders im höheren Lebensalter verbringen Menschen immer mehr Zeit in der eigenen Wohnung, da ihnen ihr Zuhause Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Im Allgemeinen denken Menschen oder Angehörige beim Bezug oder Bau einer Wohnung nicht daran, die Wohnung für den Fall möglicher Pflege entsprechend vorzubereiten. Doch die Lebensqualität im Alter hängt maßgeblich davon ab, wie selbstständig und eigenverantwortlich man sein Leben gestalten kann.

Pflegehilfsmittel und Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds

Heute gibt es viele Pflegehilfsmittel, die eine Betreuung zu Hause erleichtern. Und bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit genügen manchmal kleine bauliche Veränderungen, um die vertraute Wohnung den veränderten Bedürfnissen anzupassen.

Es gibt zahlreiche Wohnberatungsstellen (zum Beispiel in den Seniorenbüros, im Sozialamt) in den Städten und Gemeinden, deren Mitarbeiter bei einem Hausbesuch konkrete Verbesserungsmaßnahmen mit den Angehörigen besprechen und planen sowie bei den erforderlichen Anträgen für Hilfsmittel bei der Pflege helfen. Auch Pflegedienste und Sozialstationen können als erste Ansprechpartner dienen.

Für bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds (zum Beispiel Einbau eines behindertengerechten Bads, Rampen für Rollstuhlfahrer, Türverbreiterungen) können von der Pflegeversicherung Kosten bis zur Obergrenze von 4.000 Euro pro Maßnahme bezahlt werden. Dieser Betrag wird unabhängig von der bewilligten Pflegestufe gewährt.

Anschaffung von Pflegehilfsmitteln: Was gibt es zu beachten?

Versicherte haben Anspruch auf Pflegehilfsmittel, um die körperlichen Beeinträchtigungen auszugleichen.

So gehts: Die Patienten oder deren Angehörige sollten die Erfordernisse mit dem Arzt besprechen. Er wird dann für das Hilfsmittel eine ärztliche Verordnung ausstellen. Mit der Verordnung wird das Hilfsmittel bei der zuständigen Krankenkasse beantragt. Das Sanitätshaus liefert nach Genehmigung durch die Krankenkasse das Hilfsmittel zum Kranken nach Hause. Die Einweisung in das Hilfsmittel wird durch die Mitarbeiter des Sanitätshauses durchgeführt und gegebenenfalls durch Pflegefachkräfte wiederholt.

  • Das Hilfsmittel sollte immer ausprobiert werden, bevor es angeschafft wird.

  • Vor der Anschaffung sollte zunächst die Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse erfolgen. Eine nachträgliche Erstattung der Kosten kann problematisch sein.

Welche Pflegehilfsmittel zahlt die Pflegekasse?

Die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln ist unabhängig vom gewährten Pflegegrad (ehemals Pflegestufe). Die Hilfsmittel sollen eine Überforderung des Pflegebedürftigen und der Angehörigen verhindern, die pflegerischen Tätigkeiten erleichtern und somit eine Überforderung der Pflegeperson verhindern sowie eine möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederherstellen beziehungsweise erhalten.

  • Für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind (zum Beispiel Inkontinenzwindeln, Betteinlagen), zahlt die Pflegekasse einen monatlichen Betrag von 40 Euro.

  • Bei anderen Pflegehilfsmitteln, zum Beispiel Pflegebetten, Gehwagen, Rollstuhl oder einer Lagerungshilfe, übernimmt die Pflegekasse 100 Prozent der Kosten. Unter bestimmten Voraussetzungen ist jedoch eine Zuzahlung von zehn Prozent, höchstens aber 25 Euro je Pflegehilfsmittel, zu leisten. Technische Pflegehilfsmittel werden vorrangig leihweise, also unentgeltlich, und somit zuzahlungsfrei zur Verfügung gestellt.

So gehts: Für Hilfsmittel zur ambulanten Pflege genügt ein kurzer, formloser Antrag durch Angehörige bei der Pflegekasse mit dem Namen des Pflegebedürftigen, seinem Geburtsdatum und der Art des beantragten Pflegehilfsmittels.

Liegt noch kein Pflegegrad vor, können technische Pflegehilfsmittel gegen Gebühr bei einem Sanitätshaus geliehen werden. Sollte die Pflegekasse die Kosten nicht übernehmen, sollten Betroffene Widerspruch einlegen. Verlangen Sie eine detaillierte Begründung und fordern Sie gegebenenfalls Rat vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) an.

Gestaltung und Einrichtung des Pflegezimmers

Für Pflegebedürftige, die viel Zeit im Bett verbringen, wird das häusliche Pflegezimmer zum Lebensmittelpunkt. Dort soll man sich wohl fühlen, es muss aber auch zweckmäßig sein und die Pflege durch Angehörige erleichtern. Wenn die pflegebedürftige Person dazu in der Lage ist, sollte sie in die Einrichtung des Pflegezimmers einbezogen werden. Kann sie dies nicht mehr, versuchen Sie, sich in ihre Lage zu versetzen. Überlegen Sie, welche Farben er/sie bevorzugt, welches sein/Ihr Lieblingsbettzeug ist, ob er/sie Pflanzen oder andere Erinnerungsgegenstände besonders gern mag.

Idealerweise sollte der Raum nicht abseits und isoliert vom sozialen Geschehen liegen. Zudem sollte er in der Nähe von Bad und Toilette sein. Das Zimmer sollte hell und möglichst lärmfrei sein und eine gleichbleibende, nicht zu trockene Raumtemperatur von circa 21 bis 23°C aufweisen.

Angehörige sollten darauf achten, dass das Bett so gestellt ist, dass der Pflegebedürftige eine optimale Blickrichtung zum Fenster und zur Tür hat. Zur Ablage der Pflege-Utensilien benötigt man einen Schrank oder eine Kommode, damit sie schnell griffbereit und trotzdem gut verstaut sind.

Ein geschlossener Abfalleimer im Zimmer ist sinnvoll. Ein Radio oder Fernsehgerät vermittelt den Eindruck, mit der Außenwelt verbunden zu sein. Stellen Sie einen Sessel oder einen bequemen Stuhl bereit, einen höhenverstellbaren Beistelltisch oder Nachttisch und eine Leselampe.

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Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2017
Letzte Änderung durch: sist

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