Vorsorge mit Tücken

Weniger Prostatakrebs-Tote dank PSA-Test

Der PSA-Test zur Prostatakrebs-Vorsorge ist vor allem deshalb umstritten, weil er zu oft falsch-positive Ergebnisse liefert, die zu unnötigen Therapien und grundloser Beunruhigung bei den Männern führen. Dafür kann er Leben retten: In einer Langzeitstudie senkte der Test das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu sterben, um ein Fünftel.

Weniger Prostatakrebs-Tote durch PSA-Screening
Die hohe Quote falsch-positiver Ergebnisse macht den PSA-Test nach wie vor umstritten.
Getty Images/iStockphoto

Männer, die über dreizehn Jahre hinweg regelmäßig zum PSA-Test eingeladen wurden, haben dadurch ein deutlich niedrigeres Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. Das ist das Ergebnis der European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC), einer groß angelegten Studie, mit der europäische Wissenschaftler den Nutzen eines PSA-Screenings erforschten.

In die Studie, die 1993 in acht europäischen Ländern startete, wurden mehr als 162.000 Männer im Alter von 50 bis 74 Jahren einbezogen und nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine wurde alle vier Jahre zum PSA-Test eingeladen (in Schweden alle zwei Jahre), während die andere Gruppe kein PSA-Screening erhielt.

Sterberate bei Prostatakrebs sinkt um bis zu 27 Prozent

Die Studie zeigt, dass die regelmäßigen Tests das Risiko reduzieren, an Prostatakrebs zu sterben – und zwar umso mehr, je länger die Männer regelmäßig an den Tests teilnehmen. So sank die Sterblichkeit aufgrund eines Prostatakarzinoms in der Gruppe, die sich regelmäßig den PSA-Tests unterzog, nach neun Jahren um 15 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe, nach 13 Jahren um 21 Prozent. Betrachtet man nur die Gruppe der Männer, die auch tatsächlich alle Tests wahrgenommen hatten, senkte die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung die Sterblichkeit an Prostatakrebs sogar um mehr als ein Viertel (27 Prozent).

Fortgeschrittener Prostatakrebs in Screening-Gruppe seltener

Dass der PSA-Test effektiver wird, wenn er längere Zeit regelmäßig angewendet wird, zeigen weitere Zahlen: Die Studienauswertung nach neun Jahren ergab, dass 1.410 Männer im gefährdeten Alter regelmäßig zum PSA-Test eingeladen werden müssen, um einen Tod durch Prostatakrebs zu verhindern, während es nach 13 Jahren nur noch 781 Männer waren.

Außerdem sank die Zahl der Männer, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert und behandelt werden musste, um einen Tod durch Prostatakrebs zu verhindern, von 48 auf 27. Auch verringerten die regelmäßigen PSA-Tests das Risiko für einen fortgeschrittenen Prostatakrebs.

Zeit noch nicht reif für flächendeckendes PSA-Screening

Dennoch hält Studienautor Fritz Schröder von der Universitätsklinik Rotterdam die Zeit noch nicht für gekommen, ein flächendeckendes PSA-Screening einzuführen. Denn die Langzeitstudie bestätigte zugleich ein Manko des Tests, der ihn umstritten macht und von den gesetzlichen Krankenkassen als Grund angeführt wird, nicht für dieses Früherkennungsverfahren zu bezahlen: Er führt zu oft zu falsch-positiven Ergebnissen, löst also Alarm aus, obwohl keine Krebserkrankung vorliegt.

Das PSA-Screening reduziere zwar die Prostatakrebs-Sterberate deutlich und sei in seiner Effektivität vergleichbar mit dem Mammografiescreening oder sogar noch wirkungsvoller, erklärt Schröder, beziffert aber den Anteil falsch-positiver Ergebnisse auf 40 Prozent. Daraus resultiere ein hohes Risiko für eine Übertherapie mit möglichen Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz.

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PSA-Test ohne Auswirkung auf Gesamtsterblichkeit

Hinzu kommt, dass die regelmäßigen PSA-Tests keinen großen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit hatten. Dazu war Prostatakrebs in der Studie zu selten Todesursache. Von den insgesamt 162.000 Männer verstarben im gesamten Untersuchungszeitraum 18.251 in der Studiengruppe mit PSA-Screening, davon 427 an Prostatakrebs. In der Kontrollgruppe waren es 610 von 21.992 Todesfällen, für die ein Prostatakarzinom die Todesursache war. Damit lag die Auswirkung des Screenings auf die Gesamtsterblichkeit bei Null.

Männer über Aussagekraft informieren

Um das Erkrankungsrisiko für Prostatakrebs abzuschätzen, ist der PSA-Test nach Expertenmeinung dennoch hilfreich. Professor Peter Hammerer von der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie weist darauf hin, dass Männer aber über die Aussagekraft des Tests informiert sein sollten. Studienautor Schröder hält weitere Untersuchungen zum PSA-Test für dringend geboten, "um die sehr große Zahl jener Männer zu verringern, die Vorsorge, Biopsien und Therapien unterzogen werden, um nur einigen wenigen Patienten zu helfen".

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Letzte Aktualisierung: 08. August 2015
Quellen: mit Material der dpa; The Lancet: European trial with 13-year follow-up shows prostate cancer screening reduces deaths by a fifth, but does not recommend routine screening at this time; Pressemitteilung vom 06.08.2014; Prostatakrebs: Screening senkt Sterberate in Langzeitstudie, Deutsches Ärzteblatt, 07.07.2014

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