Nicht verschreibungspflichtige Medikamente

Wann Kassen für OTC-Arzneien zahlen

Satzungsleistungen, tarifliche oder selektivvertragliche Regelungen schaffen Spielraum

Nicht verschreibungspflichtige Medikamente, sogenannte OTC-Arzneien, gehören für Erwachsene nicht zu den regulären Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Kassen haben jedoch einen gewissen Spielraum - zum Beispiel im Rahmen ihrer Satzungsleistungen.

Wann Kassen für OTC-Arzneien zahlen
Zu den nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gehören beispielsweise viele pflanzliche Medikamente.
© iStock.com/rudchenko

Medikamente ohne besondere Risiken für den Anwender sind nicht verschreibungspflichtig - der Patient kann sie direkt in der Apotheke kaufen, ohne dafür ein ärztliches Rezept vorlegen zu müssen. Daher rührt auch die Bezeichnung "OTC", "over the counter", was soviel heißt wie "über die Verkaufstheke". Sie spielen unter anderem bei der Behandlung nicht so schwerwiegender Erkrankungen, etwa bei Erkältungen, eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich beispielsweise um pflanzliche Produkte oder hoch dosierte Mineral- sowie Vitaminpräparate.

OTC-Arzneien: nur bis zum 12. Lebensjahr Kassenleistung

Seit 2004 müssen die Krankenkassen nur noch bei Kindern bis zum zwölften Geburtstag die Kosten für OTC-Arzneien erstatten, ältere Versicherten bekommen diese Medikamente nur in Ausnahmefällen als Kassenleistung. Welche dies sind, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in "Anlage I zum Abschitt F der Arzneimittel-Richtlinie" aufgeführt. Dort ist zum Beispiel geregelt, dass der ansonsten nicht zu Lasten der Krankenkasse verordnungsfähige Wirkstoff Acetylsalicylsäure bei der Koronaren Herzkrankheit und zur Nachsorge von Herzinfarkt, Schlaganfall oder arteriellen Eingriffen doch auf Kassenrezept verschrieben werden darf.

Mit dem im Januar 2012 in Kraft getretenen Versorgungsstrukturgesetz haben die Krankenkassen die Möglichkeit erhalten, ihren Versicherten die Kostenübernahme für OTC-Arzneien im Rahmen ihrer Satzungsleistungen anzubieten. Eine Option, die bereits viele Kassen auf die eine oder andere Weise nutzen. So zum Beispiel einige Landesverbände der AOK, der Kassenart mit den meisten Versicherten: Die AOK Niedersachen beispielsweise übernimmt 80 Prozent der Kosten für homöopathische OTC-Arzneien, solange diese von einem Arzt mit der Zusatzqualifikation Homöopathie verordnet wurden, begrenzt Mehrausgaben im Rahmen der Satzungsleistungen jedoch auf insgesamt 250 Euro im Jahr. Eine derartige Regelung gibt es auch bei der AOK Bremen/Bremerhaven.

Naturarzneimittel im Wahltarif

Einen anderen Weg geht die AOK Plus: Sie bietet allen Versicherten im Wahltarif AOK Plus natur gegen einen zusätzlichen, altersabhängigen Monatsbeitrag zwischen 4,50 Euro und 14,50 Euro bis zu 90 Prozent Kostenübernahme für Naturarzneimittel. Wahltarife für Naturarzneimittel bieten auch die AOK Nord-West, die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland und die AOK Hessen.

Ob mit oder ohne Wahltarif: Wollen Versicherte sich die Kosten der nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel erstatten lassen, brauchen sie dafür ein so genanntes "grünes Rezept" oder Privatrezept von ihrem Arzt. In der Apotheke legen sie das Rezept vor und zahlen das Medikament zunächst aus eigener Tasche. Danach kann das Rezept bei der Kasse samt der Apothekenquittung für das Medikament bei der Kasse eingereicht werden.

Im Selektivvertrag Verordnung auf Kassenrezept

Anders sieht es aus, wenn die Kostenübernahme außerhalb der regulären Kassenleistungen nicht in den Satzungsleistungen einer Kasse, sondern über einen Selektivvertrag geregelt ist wie bei der AOK Baden-Württemberg: Diese Kasse übernimmt die Kosten für rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Arzneien auch noch nach Erreichen des zwölften Lebenjahres bis zum 18. Geburtstag, wenn der oder die betreffende Versicherte in den Hausarztvertrag der Kasse eingeschrieben ist. Hier kann der Arzt die entsprechende Verordnung auf einem normalen Kassenrezept ausstellen.

Auch unter den Betriebskrankenkassen (BKK), den Ersatzkassen (EK) und den Innungskrankenkassen (IK) bieten inzwischen viele die Übernahme der Kosten für OTC-Arzneien an. Eine der ersten Krankenkassen überhaupt, die auf diesen Service gesetzt hat, ist die Techniker Krankenkasse (TK). Schon gleich ab dem 1. Januar 2012 konnten TK-Versicherte sich Arzneimittel der Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophie von ihrer Kasse als Satzungsleistung erstatten lassen - bis zu einer Obergrenze von 100 Euro pro Kalenderjahr. Eine weitere Ersatzkasse, die ebenfalls für pflanzliche Heilmittel im Rahmen ihrer Satzungsleistungen aufkommt, ist die Hanseatische Krankenkasse (HEK).

Unter den Betriebskrankenkassen zählt die BKK Essanelle zu den ersten, die homöopathische, pflanzliche und anthroposophische Arzneien in ihre Satzungsleistungen aufgenommen haben. Wie die TK erstatet auch die BKK Essanelle nicht verschreibungspflichtige Medikamente aus diesen Bereichen bereits seit dem 1. Januar 2012 mit bis zu 100 Euro im Jahr zu 100 Prozent. Weitere Betriebskrankenkassen, die ebenfalls seit Januar 2012 "dabei" sind:

  • Bertelsmann BKK,
  • Brandenburgische BKK,
  • BKK Herford,
  • BKK IHV,
  • BKK Miele,
  • BKK Rieker-Ricosta-Weisser,
  • BKK s-H,
  • BKK Technoform  und
  • BKK ZF & Partner.

Unterschiedliche Regelungen zur Erstattung

Weitere Betriebskrankenkassen haben inzwischen nachgezogen, wobei die Regelungen zur Auswahl der OTC-Präparate, die erstattet werden, zu Konditionen und Erstattungsobergrenzen von Kasse zu Kasse unterschiedlich sein können. Die Advita BKK beispielsweise knüpft die Erstattung nicht verschreibungspflichtiger, apothekenpflichtiger Arzneimittel aus den Bereichen Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophie inklusive Schüßler-Salzen an die Diagnosen Neurodermitis, Asthma Bronchiale und Heuschnupfen, dies bis zu einer jährlichen Obergrenze von 50 Euro. Die BKK Salzgitter setzt als Obergrenze für die Erstattung aller Satzungsleistungen, zu denen die Kostenübernahme  homöopathischer, pflanzlicher und anthroposophischer OTC-Arzneien zählt, 400 Euro pro Jahr an, erhebt aber einen Eigenanteil von 15 Prozent.

Zu Jahresbeginn 2013 haben auch Innungskrankenkassen OTC-Arzneien in ihre Satzungsleistungen aufgenommen. Bei der IKK gesund plus beschränkt sich die Kostenübernahme bei Medikamenten der Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophie sowie zur Behandlung der Neurodermitis auf Jugendliche bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres, die IKK Südwest hat ein Gesundheitskonto für ihre Versicherten eingerichtet: 150 Euro pro Jahr stellt sie für die Inanspruchnahme von Satzungsleistungen der Kasse zu Verfügung, zu denen homöopathische, pflanzliche und anthroposophische OTC-Arzneinen gehören, wobei der Versicherte aber einen Eigenanteil von 20 Prozent leisten muss. Bei mitversicherten Familienangehörigen wird das Gesundheitskonto mit 300 Euro pro Jahr aufgefüllt.

Selektvivverträge zur Homöopathie

Einige gesetzliche Krankenkassen bieten übrigens nicht nur die Erstattung homöopathischer Leistungen an, sondern auch Diagnose und Therapie durch einen Arzt mit der Zusatzqualifikation Homöopathie. Dies ist im Rahmen von Selektivverträgen möglich, die im fünften Sozialgesetzbuch geregelt sind, so zum Beispiel nach Paragraf 73c zur besonderen Versorgung oder nach Paragraf 140 und folgende zur Integrierten Versorgung. Die Teilnahme an den Verträgen ist wie bei einem Hausarztvertrag für die Versicherten kostenfrei und freiwillig. Kassen, die solche Selektivverträge für Homöopathie geschlossen haben, sind beispielsweise BKK-Linde, Daimler-BKK, BKK-Essanelle, BKK 24, BKK PFAFF, BKK Herkules, Actimonda Krankenkasse, Hypovereinsbank BKK, Barmer GEK, IKK Berlin-Brandenburg und IKK Classic.

Besondere Satzungsleistungen oder Verträge, die eine Erstattung von OTC-Arzneien beinhalten, bieten auch noch weitere, hier nicht aufgeführte Kassen. Auch können Kassen ihr Leistungsangebot verändern. Wenn Sie also Ihre Krankenkasse hier nicht wiedergefunden haben, fragen Sie doch einfach mal bei Ihrer Krankenkasse nach, wie es mit der Erstattung von OTC-Arzneien aussieht.

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