Bösartige Tumore am Penis

Peniskrebs-Fälle rasant gestiegen

Die Zahl der Männer mit Peniskrebs ist innerhalb von 30 Jahren um 20 Prozent gestiegen. Schuld sind unter anderem Humane Papillomviren, die auch Genitalherpes und Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

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Die Überlebenschance bei Peniskrebs ist hoch, wenn das Karzinom früh diagnostiziert wurde.
(c) Siri Stafford

Während die Wahrscheinlichkeit, dass einem Mann Peniskrebs diagnostiziert wird, um ein Fünftel angewachsen ist, sank zugleich die Sterblichkeit der Patienten um den selben Anteil. Das hat eine große Langzeitstudie aus London ergeben. Ihre Studiendaten gewannen die Forscher zwischen 1979 und 2009 von fast 10.000 englischen Peniskrebs-Patienten. Besonders stark stieg die Fallzahl demnach im letzten Studienjahrzehnt zwischen 2000 und 2009.

Den Rückgang der Sterberate führen die Forscher unter anderem auf verbesserte Diagnosemöglichkeiten von Tumoren am Penis zurück. Sie ermutigen alle Männer, bei Penisproblemen ohne falsche Scham den Arzt einen Blick auf ihr bestes Stück werfen zu lassen.

Sonne, Rauchen und laxe Hygienemoral erhöhen das Risiko

Wichtige Risikofaktoren für Peniskrebs sind Humane Papillomviren (HPV), Rauchen, Sonnenlicht und schlechte Intimhygiene. Auch ein sogenanntes Lichen, eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung am Penis, kann nach derzeitigem Kenntnisstand in ein aggressives Karzinom übergehen. Außerdem vermuten die Forscher veränderte Sexualpraktiken hinter dem Anstieg.

Um den Trend hin zu mehr Neuerkrankungen zu stoppen, schlagen die Autoren eine HPV-Impfung für Jungs vor sowie mehr Aufklärung zu sexuell übertragbaren Krankheiten und der richtigen Hygiene im Intimbereich. Auch die frühe Behandlung einer Vorhautverengung (Phimose) und die umstrittene vorsorgliche Beschneidung von Jungen stellen sie zur Debatte.

Peniskrebs ist ein seltener Tumor

Die Häufigkeit von Peniskrebs schätzen Forscher aktuell auf 7,6 von 100.000 Männer. Diese Zahl bezieht sich auf einen Zehn-Jahres-Zeitraum. Vom Patientenstamm einer großen Hausarztpraxis (etwa 20.000 Menschen), rechnen die Studienautoren vor, bekommen innerhalb von zehn Jahren also nur ein oder zwei Männer Peniskrebs. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 600 Männer neu an einem Peniskarzinom - eine sehr niedrige Fallzahl im Vergleich etwa zu Darm- oder Prostatakrebs.

Tumore am Penis entwickeln meist Männer jenseits der 60. Die geringe Zahl der Fälle und der betroffene Bereich mögen Gründe sein, weshalb Peniskrebs unter den Tumorarten ein Schattendasein führt. Um mehr Aufmerksamkeit auf die seltene Krebserkrankung zu lenken, wurde 2012 ein bundesweites Peniskrebs-Register eingerichtet.

Frühe Erkennung von Peniskrebs schwierig

Peniskarzinome rufen häufig unspezifische Symptome hervor, zum Beispiel Hautveränderungen an Vorhaut oder Eichel sowie geschwollene Lymphknoten. Verdickungen, Pusteln oder Ausschlag am Penis können viele Ursachen haben. Wer solche Veränderungen, blutige Stellen oder Ausfluss aus der Harnröhre bemerkt, fährt am sichersten mit einem kurzen Check beim Arzt. Es können neben Peniskrebs zum Beispiel Pilzinfektionen, Genitalherpes oder eine Penisverkrümmung oder Eichenentzündung (Balanitis) dahinterstecken. Wird Peniskrebs in einem frühen Stadium erkannt, stehen die Chancen auf Heilung gut: Etwa acht von zehn Männern werden das Karzinom dann wieder los.

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Letzte Aktualisierung: 20. Februar 2014
Quellen: Studienergebnisse zu Peniskrebs: http://link.springer.com/article/10.1007/s10552-013-0293-y; Krebsprävalenz in Deutschland: http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/K/Krebs/Nationaler_Krebsplan/Krebspraevalenz.pdf

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