Hautkrankheiten

Neurodermitis: Was hilft gegen das atopische Ekzem?

Nässende Hautentzündungen, rote Flecken, unerträglicher Juckreiz, der den Patienten oder die Angehörigen auch in der Nacht auf Trab hält – Neurodermitis hat zahlreiche Auswirkungen und belastet die betroffenen Familien in der Regel stark. Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung, in der Fachsprache atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, tritt schubweise auf und beginnt häufig bereits im Kindesalter. Die Anlage wird vererbt, jedoch sorgen meist Umweltfaktoren dafür, dass Neurodermitis auch ausbricht.

ekzem am babyarm
Neurodermitis tritt häufig bereits im Kindesalter auf.
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Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung mit

  • Hauttrockenheit,
  • einer Neigung zu Ekzemen (Entzündungen der Oberhaut) und
  • Juckreiz.
Neurodermitis erkennen – die wichtigsten Symptome!

Anstelle von Neurodermitis wird in der modernen Dermatologie bevorzugt von der atopischen Dermatitis oder dem atopischen Ekzem gesprochen. Denn der Begriff Neurodermitis wurde Ende des 19. Jahrhunderts geprägt, als irrtümlich ein Zusammenhang zwischen den Hautveränderungen und einer Entzündung von Nerven angenommen wurde (neuron = Nerv, Dermatitis = Hautentzündung).

Unter einer Dermatitis oder einem Ekzem versteht man allgemein eine Entzündung der Haut, ganz unabhängig von der Ursache.

Neurodermitis-Neigung ist erblich

Weil Neurodermitis im Wesentlichen auf einer erblichen Veranlagung beruht, können Ekzemschübe auch ohne erkennbare äußere Ursache, wie zum Beispiel eine Kontaktallergie, auftreten. Dies ist der Grund für die Bezeichnung atopisches Ekzem: "Atopisch" bedeutet eigentlich "fehl am Platze" (a- = un-, fehl-; topos = Ort, Platz).

Die Bereitschaft (Disposition), ein atopisches Ekzem zu entwickeln, wird vererbt und geht häufig mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen und Bronchialasthma einher. Atopisches Ekzem, Heuschnupfen und Bronchialasthma werden daher auch als Erkrankungen des atopischen Formenkreises bezeichnet.

Neurodermitis-Stadien und Anzeichen des atopischen Ekzems

Die Symptome einer Neurodermitis hängen ab vom Krankheitsstadium und reichen von entzündlichen Veränderungen der Haut bis hin zur Entstehung von Knötchen und Flechten. Beim Säugling kann der Milchschorf die Erstmanifestation der Hautkrankheit sein, auch an den Wangen und auf der behaarten Kopfhaut können Ekzemherde in diesem Alter vorkommen.

Beim älteren Kind und auch Erwachsenen sind die typischen Stellen an den Beugeseiten der Extremitäten zu finden. Es gibt im Erwachsenenalter auch die sogenannten Minimalvarianten und das dyshidrosiforme Handekzem als Sonderform.

Drei Stadien der Neurodermitis

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In der Entwicklung eines Ekzemherds lassen sich drei Stadien beobachten: die akute Entstehungsphase, die chronische Phase und als Endzustand eine Verdickung der Hornschicht mit einer Vergröberung der Hautoberfläche.

In der akuten Entstehungsphase eines Ekzems stehen entzündliche Veränderungen wie

  • Rötung,
  • Schwellung,
  • Nässen und
  • Krustenbildung durch Eintrocknen des Sekrets im Vordergrund.

Wenn diese akute Entzündungsreaktion nicht rechtzeitig behandelt wird, zum Beispiel durch kurzfristige Anwendung eines schwach wirksamen Glukokortikoids (Kortisonpräparat) geht das Ekzem in der Regel in die chronische Phase über. In diesem Stadium können stark juckende, rote Knötchen auftreten.

Wenn entzündliche Herde an der Haut über längere Zeit (zum Beispiel einige Monate) bestehen, kann es zu einer Verdickung der Oberhaut aufgrund einer erhöhten Zellteilungsrate in der Basalzellschicht kommen. Insbesondere die Hornschicht ist verdickt und macht sich als weißliche Schuppung bemerkbar. Im Bereich eines chronischen Ekzems wirkt außerdem das Muster der Felder an der Hautoberfläche gröber. Diese Vergröberung des Hautreliefs in Kombination mit einer sichtbaren Verdickung der Oberhaut wird Lichenifikation (Flechtenbildung) genannt.

Kratzen fördert die Chronifizierung

Außerdem führt das Kratzen zu einer Schädigung der Hornschichtbarriere mit dem Eindringen von Bakterien in die Haut und der Folge einer verstärkten Entzündungsreaktion und noch intensiveren Juckreizes. Häufiges Kratzen sowie das Fehlen einer wirksamen Behandlung können die Abheilung der Entzündung behindern und dazu führen, dass die Entzündungsreaktion chronisch wird.

Symptome der Neurodermitis variieren nach Lebensalter

Die Lokalisation beziehungsweise das Aussehen der Ekzemherde hängt stark vom Alter des Betroffenen ab.

  • Im Säuglings- und Kleinkindalter herrscht in der Regel eine leicht schuppende Rötung an den Wangen oder an der behaarten Kopfhaut vor, die sich zu einem nässenden Ekzem weiterentwickeln kann.

  • Für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr sind gerötete, trockene, schuppende und juckende Ekzemherde an den Ellenbeugen und Kniekehlen typisch. Diese Körperstellen können auch im Erwachsenenalter betroffen sein.

Milchschorf als frühestes Zeichen

Beim Säugling trocknet die ausgetretene Gewebsflüssigkeit zu gelblich-bräunlichen Krusten an, die unter der Bezeichnung "Milchschorf" bekannt sind. In der Regel heilt der Milchschorf im Laufe des zweiten, spätestens des dritten Lebensjahres spontan ab. Manche Kinder, die im Säuglingsalter Milchschorf hatten, erkranken später an Ekzemen im Bereich von Ellenbeugen oder Kniekehlen (sogenanntes Beugenekzem), im Bereich der Beugeseiten der Handgelenke sowie am Hals. Andere Kinder haben lediglich eine trockene, empfindliche Haut, ohne an Ekzemen zu erkranken. Heute gilt es aber als gesichert, dass der Milchschorf die Erstmanifestation der Hautkrankheit

Minimalvarianten und Sonderformen der Neurodermitis

Bei Menschen mit einer atopischen Disposition können neben typischen Ekzemherden auch sogenannte Minimalvarianten der Neurodermitis auftreten. Insbesondere im Erwachsenenalter bleiben diese geringfügigen Hautveränderungen oft die einzigen Anzeichen der Erkrankung.

Häufig betroffene Stellen sind:

  • Lippen – Bei Menschen mit atopischer Disposition besteht eine starke Neigung zur Austrocknung der Lippen. Insbesondere in der kalten Jahreszeit kommt es, begünstigt durch Lecken der trockenen Lippen, zum sogenannten Leckekzem, einer Lippenentzündung (Cheilitis) kommen. Unter Umständen kommt Perlèche (Entzündung der Mundwinkel mit Rötung, Brennen und kleinen Hautrissen) hinzu. Im Falle einer Infektion wird örtlich mit Antibiotika behandelt, ansonsten mit Fettsalben, gegebenenfalls mit Zusatz eines Glukokortikoids zur Beschleunigung der Abheilung. Das Lecken der Lippen sollte vermieden werden; stattdessen sollte ein Lippenbalsam oder Vaseline aufgetragen werden.

  • Augenlider – Eine Rötung beziehungsweise ein Ekzem der Augenlider tritt insbesondere im Frühjahr oder Sommer auf, wenn die Gesichtshaut in Kontakt mit in der Luft fliegenden Pollen kommt. Feuchte Umschläge können die Beschwerden lindern.

  • Pityriasis alba – Unter Pityriasis alba (pityron = Kleie; alba = weiß) versteht man münzgroße helle Hautflecken mit feiner, kleieförmiger Schuppung. Diese finden sich insbesondere bei Kindern im Gesicht oder an den Armen und besitzen keinen eigenen Krankheitswert. Wenn sie kosmetisch stören, kann eine Lösung der Schuppen mit Hilfe harnstoffhaltiger Salben versucht werden.

  • Rhagaden/ atopisches Hand- und Fußekzem – Schmerzhafte Hautrisse (Raghaden) am Ansatz des Ohrläppchens oder in den Fingerzwischenräumen werden ebenso mit einer Fettsalbe (gegebenenfalls unter Folie) behandelt wie Hautrisse an den Fingerkuppen und Zehen. Die Hautveränderungen (Rötung, Schuppung, Hautrisse) können auch auf Handflächen beziehungsweise Fingerrücken übergreifen und zur Entstehung eines atopischen Handekzems führen.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Sonderformen der Neurodermitis

Eine besondere Variante der Neurodermitis ist das dyshidrosiforme atopische Ekzem. Entgegen früherer Annahmen besteht allerdings kein Zusammenhang zwischen diesen Hautveränderungen und der Funktion der Schweißdrüsen (dys- = schlecht; hidrosis = Schwitzen).

Das dyshidrosiforme Ekzem ist gekennzeichnet durch viele kleine, oft nur stecknadelkopfgroße, stark juckende Bläschen mit klarem Inhalt an den Seitenflächen der Finger und/oder der Zehen, an Handflächen und/oder Fußsohlen.

So kann einem dyshidrosiformen Ekzem unter anderem eine Kontaktallergie (zum Beispiel gegenüber Nickel oder Duftstoffen) beziehungsweise eine Pilzerkrankung der Haut zugrunde liegen. Diese möglichen Ursachen lassen sich gegebenenfalls durch einen Allergietest mit einem Pflaster am Rücken (Epikutantest) oder durch Versuch der Anzüchtung von Pilzelementen aus Schuppenmaterial von der Haut ausschließen. Außerdem kann chronische Hautschädigung zum Beispiel durch alkalische Seifen oder Putzmittel das Auftreten eines dyshidrosiformen Ekzems begünstigen, insbesondere wenn der Betroffene Raucher ist.

Ursachen für den Ausbruch der Neurodermitis

Neurodermitis ist keine Erbkrankheit, vererbt wird lediglich die Veranlagung (Disposition). Umweltfaktoren beeinflussen den Ausbruch der Erkrankung.

Beispielsweise kann der Beginn der kalten Jahreszeit oder ein Infekt bei Menschen mit einer Veranlagung zu Neurodermitis zum Auftreten von Hauterscheinungen führen oder ein bestehendes Ekzem verschlimmern.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle: So kann der Genuss von Zitrusfrüchten (Orangen, Zitronen und anderen) beziehungsweise von bestimmten Obstsäften die Haut reizen. Dem liegt im Allgemeinen keine allergische Reaktion mit Freisetzung des Botenstoffs Histamin zugrunde, sondern eine unspezifische Reizung der Haut durch nicht näher bestimmte Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel. Scharf gewürzte Speisen, Kaffee, Tee beziehungsweise Alkohol können über eine erhöhte Hautdurchblutung den Juckreiz bei atopischem Ekzem verstärken.

Neurodermitis festigt sich durch Teufelskreis aus Kratzen und Entzündung

Die genauen Ursachen des atopischen Ekzems auf der Ebene von Zellen beziehungsweise Molekülen (chemischen Teilchen) sind nicht geklärt. Vermutlich wirken im Körper unterschiedliche Faktoren zusammen.

Bei Menschen mit atopischer Veranlagung bestehen Besonderheiten bezüglich der Funktion des Immunsystems. Diejenigen Reaktionen des Abwehrsystems, die die Haut vor Infektionen durch Bakterien beziehungsweise Viren schützen, verlaufen bei Menschen mit atopischer Disposition im Allgemeinen abgeschwächt.

Es kommt hinzu, dass entzündliche Hautveränderungen, insbesondere wenn sie nässen und anschließend Krusten ausbilden, einen hervorragenden Nährboden für Bakterien abgeben. Eine erhöhte Dichte der Bakterien an der Hautoberfläche wiederum zieht eine neue Entzündungsreaktion mit der Folge intensiveren Juckreizes nach sich.

Auch bei trockenen, schuppenden Ekzemherden ist aufgrund der Störung der Hornschichtbarriere die Gefahr einer bakteriellen Zweitinfektion gegeben. Kratzen an den juckenden Ekzemherden führt zu Verletzungen der Haut, die winzig klein, aber auch als teilweise blutige Kratzspuren deutlich sichtbar sein können. Solche Verletzungen begünstigen zusätzlich das Eindringen von Bakterien in die Haut und damit die Entzündungsreaktion im Sinne eines Ekzems. Wenn dieser Teufelskreis einmal in Gang kommt, kann es unter Umständen zu einer akuten Verschlechterung des Ekzems kommen.

Erhöhte Allergieneigung bei Neurodermitis

Im Gegensatz zu der relativen Abwehrschwäche an der Hautoberfläche (gegenüber Bakterien und Viren) steht die erhöhte Bereitschaft, auf den Kontakt mit einer eigentlich harmlosen Substanz mit einer Allergie zu reagieren.

Unter einer Allergie versteht man – im Gegensatz zur schützenden Abwehrreaktion gegenüber Krankheitserregern – eine krankmachende Reaktion des Abwehrsystems gegenüber an sich unschädlichen Stoffen wie zum Beispiel Katzenhaaren, Gräserpollen oder Stoffwechselprodukten der Hausstaubmilbe. Solche Stoffe, die häufig Allergien auslösen, werden Allergene genannt. Etwa 75 Prozent aller Patienten mit atopischem Ekzem zeigen beim Prick-Test positive Reaktionen auf unterschiedliche Allergene.

Auch wenn Menschen mit atopischem Ekzem eine erhöhte Neigung zu bestimmten Allergien und zu allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen beziehungsweise Bronchialasthma haben, ist das atopische Ekzem an sich keine allergische Erkrankung. Vielmehr kann der Kontakt mit einer Substanz, gegen die eine Allergie besteht (zum Beispiel Gräserpollen), unter Umständen einen Ekzemschub auslösen.

Verschlechterung bei seelischer Belastung

Häufig beobachten die Betroffenen eine sichtbare Verschlechterung ihres Hautzustands bei Konflikten innerhalb der Familie sowie bei schulischem beziehungsweise beruflichem Stress. Auf welchem Wege genau die Psyche das Auftreten sichtbarer Hautveränderungen beeinflussen kann, ist nicht bekannt. Doch seelische Belastung scheint den subjektiv empfundenen Juckreiz zu verstärken oder die Aufmerksamkeit des Betroffenen verstärkt auf den vorhandenen Juckreiz zu lenken. Dies führt möglicherweise zu heftigem Kratzen mit zum Teil ausgeprägter Selbstverletzung. In den Blutkrusten können sich Bakterien vermehren und eine verstärkte Entzündungsreaktion hervorrufen.

Neurodermitis-Diagnose: Wie ein atopisches Ekzem festgestellt wird

Zur sicheren Diagnose einer Neurodermitis müssen verschiedene Krankheitsmerkmale nachweisbar sein, die in diagnostische Kriterien erster und zweiter Ordnung unterschieden werden.

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Mindestens drei diagnostische Kriterien erster Ordnung und gleichzeitig mindestens drei diagnostische Kriterien zweiter Ordnung müssen erfüllt sind, damit die Diagnose eines atopischen Ekzems gestellt werden kann.

Diagnostische Kriterien erster Ordnung der Neurodermitis sind:

  • Ekzeme an Stellen, die für das atopische Ekzem typisch sind (Ellenbeugen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht)
  • starker Juckreiz
  • chronischer Verlauf (länger als sechs Monate) und wiederholte Rückfälligkeit der Erkrankung
  • die Erkrankung eines oder mehrerer Menschen in der Familie an atopischem Ekzem, Heuschnupfen oder Bronchialasthma

Diagnostische Kriterien zweiter Ordnung (sogenannte Atopie-Stigmata) sind bestimmte körperliche Auffälligkeiten, die bei Menschen mit atopischer Disposition statistisch häufiger vorkommen, aber auch bei Hautgesunden auftreten können:

  • Juckreiz, wenn Wolle direkt auf der Haut getragen wird, oder bei starkem Schwitzen

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    Das Gesicht wirkt häufig blass; unter Umständen sind die Augen von dunklen Augenringen umgeben.

  • Insbesondere bei jüngeren Patienten kann eine doppelte Lidfalte am Unterlid bestehen. Diese Falte kommt bei etwa 60 Prozent aller Menschen mit atopischer Disposition, aber nur bei etwa 20 Prozent der Normalbevölkerung vor.

  • Zusätzlich kann der seitliche Anteil der Augenbrauen ausgedünnt wirken.

  • Aufgrund der Trockenheit wirkt die Haut faltig.

  • Eine verstärkte Handlinienzeichnung an den Handflächen kann hinzukommen.

  • Mit der Neigung zur Verengung der Blutgefäße im Bereich der Haut hängt der sogenannte weiße Dermographismus zusammen: Festes Streichen auf der Haut mit der Spitze eines Gegenstandes (zum Beispiel einer Büroklammer) führt in der Regel zur Erweiterung der Blutgefäße und zu einer streifenförmigen Rötung der Haut. Diese rote Linie wird bei den meisten Menschen mit atopischer Disposition (aber auch bei manchen Hautgesunden) nach etwa 15 bis 60 Sekunden aufgrund einer Engstellung der Gefäße durch einen weißen Streifen ersetzt.

So wird Neurodermitis behandelt

Die Behandlung der Neurodermitis setzt sich aus äußerlicher und innerlicher Behandlung zusammen. Die Therapie beginnt bereits bei der täglichen Hautpflege: Menschen mit atopischer Disposition, das heißt mit einer veranlagungsbedingten Neigung, an Neurodermitis zu erkranken, sollten ihre Haut gut pflegen und vor Austrocknung schützen durch

  • Benutzen von seifenfreien Hautreinigungsmitteln
  • regelmäßiges Eincremen der Haut

Anstelle alkalischer Seifen verwendet man besser seifenfreie Hautreinigungsmittel mit einem pH-Wert von 5,5, da diese die schützenden Hornschichtbarriere nicht beeinträchtigen, sondern sogar stabilisieren. Medizinische Ölbäder (in Apotheken erhältlich) haben einen rückfettenden Effekt. Nach jedem Duschen und darüber hinaus ein- bis zweimal täglich (je nach Hautzustand) sollte die Haut sorgfältig mit einer wirkstofffreien Salbe, Creme, Körpermilch oder Lotion behandelt werden.

Diese Hausmittel und Heilpflanzen helfen bei Neurodermitis

Zusätze in Cremes tun trockener Haut gut

So erhöht Zusatz von Harnstoff den Flüssigkeitsgehalt und wirkt so trockener, spröder und rissiger Haut entgegen. Bei Tendenz zu Juckreiz und Entzündungen hat sich der natürliche Wirkstoff Hyperforin aus Johanniskraut bewährt, der entzündungshemmende und antibakterielle Effekte hat.

Ganz allgemein sollte sich die Basispflege bei Menschen mit Neigung zu atopischem Ekzem jeweils am aktuellen Hautzustand orientieren; eine spezielle Empfehlung kann der Hautarzt geben.

Kortison gegen Entzündungen

Bei nässenden akuten Ekzemen können feuchte Umschläge lindernd wirken. Entzündliche Hautveränderungen sollten im Allgemeinen frühzeitig mit einem schwach oder mittelstark wirksamen Kortison-Präparat behandelt werden, um der Entstehung chronischer Hautveränderungen entgegenzuwirken.

Für feuchte Umschläge können Leitungswasser, eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung, kalter schwarzer Tee oder eine Gerbstofflösung aus der Apotheke benutzt werden. Gerbstoffe, die im schwarzen Tee enthalten sind, sowie künstlich hergestellte Gerbstoffe wirken entzündungshemmend. Auch Extrakte aus Kamillenblüten können zur Linderung der Beschwerden beitragen, doch sollte ihr Einsatz insbesondere an entzündeter Haut vermieden werden: Die Blüten von Kamille und anderen Korbblütlern (wie zum Beispiel Arnika oder Ringelblume) enthalten zahlreiche Substanzen, die unter Umständen Kontaktallergien auslösen können.

Die besten Tipps bei Neurodermitis

Glukokortikoid-Präparate: Kortison-Cremes gegen Neurodermitis

Entzündliche Hautveränderungen sollten im Allgemeinen frühzeitig mit einem schwach oder mittelstark wirksamen Glukokortikoid-Präparat behandelt werden, um der Entstehung chronischer Hautveränderungen entgegenzuwirken. Nach Abklingen der Entzündungsreaktion sollte allmählich die Anwendungshäufigkeit des Glukokortikoid-Präparats reduziert und gleichzeitig die der wirkstofffreien Pflegecreme erhöht werden. Diese Vorgehensweise wird auch als Ausschleichen des Glukokortikoids bezeichnet. Plötzliches Absetzen des Glukokortikoids sollte insbesondere bei stärker wirksamen Präparaten vermieden werden, da dies das Wiederaufflammen der Entzündungsreaktion begünstigen kann.

Glukokortikoid-haltige Salben beziehungsweise Cremes sollten ganz allgemein nur kurzfristig eingesetzt werden, da die Haut bei regelmäßiger Anwendung über einige Wochen unter Umständen dünner werden kann.

Äußerliche Behandlung bei dyshidrosiformem Hand- und Fußekzem

Ein dyshidrosiformes Hand- und Fußekzem im Rahmen eines atopischen Ekzems sollte im Allgemeinen mit mittelstark wirksamen Glukokortikoiden behandelt werden.

Die Anwendung von feuchten Umschlägen mit gerbenden Zusätzen im Wechsel mit Salben kann die Behandlung unterstützen. Hautreizung durch Kälte oder Hitze sollte vermieden werden. Außerdem kommen sogenannte PUVA-Bäder der Hände beziehungsweise der Füße infrage. Bei dieser Therapieform werden die Hände beziehungsweise die Füße zunächst in ein Bad mit einem lichtsensibilisierenden Stoff gehalten und anschließend mit ultraviolettem (UV-A-) Licht bestrahlt. Hierzu werden Hände und/oder Füße in Schlitze spezieller Bestrahlungsgeräte gehalten, die die UV-Strahlung nicht an die übrige Haut gelangen lässt.

Innerliche Behandlung der Neurodermitis (atopisches Ekzem)

Durch innerliche Gabe von sogenannten Antihistaminika kann der Juckreiz bei atopischem Ekzem gelindert werden. Bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion der betroffenen Hautareale können Antibiotika notwendig sein.

Bei sehr schweren Ekzemschüben können insbesondere erwachsenen Patienten im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts Glukokortikoide innerlich verabreicht werden.

Klimaveränderungen können die Hauterscheinungen nur kurzfristig bessern; als wirksames Prinzip wird die Kombination aus ultravioletter (UV-) Strahlung der Sonne, insbesondere am Meer oder im Gebirge, allergenarmer Umgebung am Meer und im Hochgebirge und seelischer Entspannung betrachtet.

Weitere Tipps: Was Neurodermitiker noch tun können

  • Die Suche nach den Auslösern der Neurodermitisschübe ist meist langwierig und bleibt häufig sogar erfolglos. Außerdem gibt es Auslöser, mit denen der Kontakt nicht vermieden werden kann. Daher ist die beste Vorsorge eine sorgfältige Hautpflege. Diese verschafft der Haut eine glatte, geschmeidige Beschaffenheit und damit eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen.

  • Es gibt keine allgemeingültige Neurodermitisdiät. Deshalb sind übereilte und radikale Maßnahmen zur Umstellung der Ernährung mit Vorsicht zu betrachten. Lebensmittel sollten nur dann ausgelassen werden, wenn ein eindeutiger Zusammenhang zwischen deren Verzehr und dem Auftreten von Schüben erkennbar ist.

  • Übertriebene Hygiene fördert das Austrocknen der Haut. Daher gilt beim Duschen und Baden der Grundsatz: nicht zu oft, so kurz wie möglich und mit nur lauwarmem Wasser. Danach ist die Haut mit dem Handtuch trocken zu tupfen und nicht trocken zu rubbeln. Unverzichtbar ist Eincremen nach jeder Hautreinigung. In schubfreien Phasen wird die gesamte Haut mit einem Pflegeprodukt behandelt und während eines Schubes nur diejenigen Hautstellen, die nicht betroffen sind.

  • Ausführliche Pflegetipps bei Neurodermitis für Körper, Gesicht, Hände lesen Sie hier.

Für die Behandlung der Neurodermitis gibt es keine Patentlösung, weder für die Medikamente noch für die Pflegeprodukte. Da jede Haut ihre eigenen Ansprüche hat, kann es eine gewisse Zeit dauern, bis die richtigen Mittel gefunden sind. Daher ist es wichtig, geduldig zu bleiben.

Kann man Neurodermitis vorbeugen?

Bei entsprechender erblicher Veranlagung ist es nicht grundsätzlich möglich, das Auftreten eines atopischen Ekzems zu verhindern. Doch bestimmte Maßnahmen können das Risiko reduzieren.

Wenn eine Veranlagung zur Neurodermitis besteht, mindert regelmäßige Hautpflege mit rückfettenden Cremes, Körpermilch oder Lotionen die Gefahr eines Ausbruchs.

Zudem sollten Allergie auslösende Stoffe oder Lebensmittel möglichst gemieden werden. Eine spezielle Diät gegen Neurodermitis gibt es nicht. Allerdings sollte der Verzehr von Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Zitrusfrüchten, die die Haut in unspezifischer Weise (das heißt ohne das Vorliegen einer Allergie) reizen könnten, sowie von stark gewürzten Speisen vermieden werden. Lebensmittel, gegen die nachgewiesenermaßen eine Allergie besteht (Nachweis zum Beispiel durch einen Hauttest am Unterarm oder durch Provokationstestung unter ärztlicher Aufsicht), sollten vom Speiseplan gestrichen werden.

Darüber hinaus kann der Entstehung einer Nahrungsmittelallergie beim Säugling durch die ausschließliche Ernährung mit Muttermilch in den ersten sechs Lebensmonaten wirksam vorgebeugt werden.

Sollte dies nicht möglich sein, empfiehlt sich der Gebrauch von hypoallergener, das heißt in ihrem Allergengehalt reduzierter, Säuglingsnahrung. Diese Vorsichtsmaßnahme ist bei allen Kindern zu empfehlen, die mindestens einen nahen Verwandten mit einer atopischen Erkrankung (atopischem Ekzem, Heuschnupfen oder Bronchialasthma) haben.

Vermeiden von Allergiebildung beugt auch atopischem Ekzem vor

Menschen mit atopischem Ekzem neigen zu Allergien insbesondere gegenüber Allergenen in der Luft, wie Pollen, Haaren und Hautschüppchen von Tieren sowie Allergenen der Hausstaubmilbe. Bei einer bestehenden Allergie kann Kontakt mit diesen Stoffen unter Umständen einen Ekzemschub auslösen.

Daher sollte, um von vorneherein der Entstehung einer Allergie vorzubeugen, besonders im Kindesalter der Kontakt mit den genannten Allergenen (soweit es möglich ist) gemieden werden. Dies kann durch Verzicht auf die Haltung eines Haustiers sowie durch eine geeignete Gestaltung des Wohnraums geschehen.

Der Gebrauch von Kosmetika mit Duftstoffen, Farbstoffen und Konservierungsmitteln kann einen Neurodermitisschub auslösen, daher sollen diese vermieden werden.

Auf das Rauchen sollte vollständig verzichtet werden, da durch Nikotin die Hautdurchblutung reduziert wird. Dieses Merkmal haben die meisten Menschen mit atopischer Disposition als Grundkonstitution und bei zusätzlichem Nikotingenuss würde sich die daraus resultierenden Probleme verstärken.

Hautausschlag: Welche Krankheit steckt dahinter?

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. April 2017
Durch: sist

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