Antibiotikaresistenter Keim

MRSA: Symptome und Behandlung der Infektion

Die Abkürzung MRSA steht für eine Art von Bakterien, die Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt hat. Der Keim kommt vor allem dort vor, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden – in Krankenhäusern. Wie hoch ist das Risiko einer Infektion und kann man ihr vorbeugen?

MRSA: Verbreitung stoppen
Einfache und wichtigste Maßnahme, um die Verbreitung von multiresistenten Keimen wie MRSA zu stoppen: gründliches Händewaschen.
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MRSA ist der wohl bekannteste mulitiresistente Erreger (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und steht für Bakterien der Art Staphylococcus aureus, die gegen die Antibiotikagruppe Methicillin unempfindlich geworden sind. Auch gegen die meisten anderen Antibiotika kann MRSA Resistenzen ausbilden. Geläufig ist er vielen auch als Krankenhauskeim, da er häufig dort vorkommt, wo viele Antibiotika zum Einsatz kommen – in Altenheimen und Kliniken.

Ins Krankenhaus wegen eines Routine-Eingriffs und danach wochenlang auf Station wegen einer Infektion mit einem multiresistenten Keim. Berichte über antibiotikaresistente Bakterien schüren solche Ängste. Die Zahlen zu Infektionen mit MRSA sind jedoch rückläufig: Im Jahr 2012 waren es noch 4.498 gemeldete Fälle, im Jahr 2014 3.841. Auch wenn das gute Nachrichten sind: Eine Ansteckung ist ernst zu nehmen, da sie bei kranken Menschen sogar lebensgefährlich verlaufen kann. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge sterben jährlich etwa 2.000 Patienten an einer Infektion. Viele Menschen tragen MRSA jedoch unwissentlich auf Haut oder Schleimhäuten, ohne davon krank zu werden.

Von Kosmetik bis Smartphone: Die übelsten Keimfallen im Alltag

Bakterien als Dauergast

Keime sind an sich nichts Schlechtes für unseren Organismus. Im Gegenteil: Unser Körper ist übersät mit ihnen. Auf der Haut sorgen sie für einen gesunden pH-Wert und wehren so krankmachende Bakterien ab. Im Magen-Darm-Trakt unterstützen sie die Verdauung und sind deshalb ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Diese guten Bakterien werden auch als kommensale Keime bezeichnet. Staphylococcus aureus gehört nicht dazu. Vor allem eine Besiedelung mit ihm in seiner Methicillin-resistenten Variante kann dem Körper gefährlich werden.

Infektiologen schätzen, dass Staphylococcus aureus rund 20 bis 60 Prozent aller gesunden Menschen vor allem in Nase und Rachen mit sich tragen. Einem gesunden Immunsystem kann er nichts anhaben. Gefährlich wird Staphylococcus aureus erst, wenn der Träger körperlich geschwächt ist. Gegen einige Varianten des Keims wirken Antibiotika als wichtigstes Gegenmittel noch. Viele krankmachende Erreger haben jedoch Strategien entwickelt, um sich vor dem Medikament zu schützen. Dann können nur noch sogenannte Reserveantibiotika wie beispielsweise Vancomycin gegen den zum multiresistenten Erreger mutierten Keim eingesetzt werden.

Der unkritische Einsatz von Antibiotika – nicht nur in der Medizin beim Menschen, sondern auch in der Tierhaltung – gilt als Hauptgrund für mehr resistente Bakterien. Wissenschaftler forschen deshalb an neuen Antibiotika-Gruppen und Wirkstoffen.

Wer gehört zur MRSA-Risikogruppe?

Für gesunde Menschen ungefährlich, kann eine Infektion mit MRSA bei Menschen mit schwachem Immunsystem schwer verlaufen. Zur Risikogruppe zählen:

  • Krankenhauspatienten
  • chronisch Pflegebedürftige in Seniorenheimen
  • Dialysepatienten
  • Diabetiker
  • ältere Menschen und Säuglinge
  • Patienten mit Kathetern, einer Öffnung der Luftröhre nach außen oder Gelenkersatz
  • Menschen mit chronischen Wunden oder Hautverletzungen/entzündlichen Hauterkrankungen
  • Krebskranke

Anzeichen für eine Infektion sind Hautentzündungen wie Geschwüre und Eiteransammlungen. Der Keim kann Wundinfektionen, Harnwegsinfekte, Lungenentzündungen oder sogar eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen. Mediziner weisen den multiresistenten Keim nach, indem sie einen Nasen-, Rachen- oder Wundabstrich machen.

Wie werden multiresistente Erreger übertragen?

Am häufigsten gelangen die Erreger von Mensch zu Mensch über direkten Körperkontakt, zum Beispiel einen Handschlag. MRSA können aber auch an Türklinken, Handläufen oder anderen Griffen haften. Trägt man die Keime am eigenen Körper, kann man sich theoretisch selbst infizieren. Zum Beispiel, wenn MRSA aus der Nase über die Hände in eine Wunde und somit in die Blutbahn gelangt. Möglich ist es auch, dass man sich über ein besiedeltes Haustier ansteckt.

Vor allem in Kliniken oder Heimen gilt es, den Erreger so gut es geht an der Verbreitung zu hindern. Sorgfältige Händehygiene ist wichtig, am besten sollten sich Krankenhausbesucher vor und nach dem Aufenthalt in der Klinik die Hände desinfizieren. Auch im Alltag gehört Händewaschen mit Wasser und Seife zur wichtigsten Maßnahme, um den Keim nicht weiterzutragen.

Außerdem ratsam sind folgende Maßnahmen:

  • Wunden und Verletzungen mit sauberen Verbänden abdecken und vor und nach dem Verbandwechsel gründlich die Hände waschen.
  • Kontakt mit offenen Wunden anderer meiden.
  • Badartikel wie Zahnbürste, Handtücher, Waschlappen oder Rasierapparate sollten nicht geteilt werden.

Erste Hilfe bei Infektion mit MRSA

Steht die Diagnose MRSA fest, werden Ärzte den Patienten im Krankenhaus in ein Einzelzimmer verlegen. Diese Isolation ist deshalb nötig, weil die Infektion bei Schwerkranken schwierig zu behandeln ist und deshalb die Ausbreitung verhindert werden muss. Tragen mehrere Patienten denselben Erreger, werden sie möglicherweise auch in ein Mehrbettzimmer verlegt. Verlassen sie das Zimmer, sollten sie allerdings einen Mund-Nasen-Schutz tragen und ihre Hände gründlich reinigen. Auch das Personal schützt sich: Einmalkittel, Einmalhandschuhe und Mund-Nasen-Schutz sind aber nur bei Kontakt mit dem Patienten nötig. Findet ein Gespräch statt, sind solche Schutzmaßnahmen nicht notwendig.

Der Patient kann trotz bestehender Infektion mit multiresistenten Erregern aus der Klinik entlassen werden. Gefahr für Gesunde, Schwangere oder Kinder besteht zwar nicht, ihr intaktes Immunsystem reduziert das Risiko einer Infektion. Kontakt mit kranken Menschen sollten die noch mit MRSA besiedelten Menschen allerdings meiden.

Den resistenten Keim auf Dauer entfernen?

Durch eine sogenannte Sanierung kann der Keim beseitigt werden. Ob sie für einen Patienten in Frage kommt, muss der Arzt entscheiden. Desinfizierende Seifen und Salben kommen dann zum Einsatz. Ist der Nasen-Rachen-Raum betroffen, werden Mediziner keimtötende Nasensalbe über fünf Tage empfehlen. Auch der Mund-Rachen-Raum und die Gehörgänge werden mit antiseptischen Präparaten behandelt.

Zur Sanierung gehört auch die Ganzkörperreinigung: Für jeweils 15 Minuten über mindestens drei Tage sollen keimabtötende Waschlotionen oder Badezusätze in Dusche und Badewanne den MRSA entfernen. Ob der Keim danach tatsächlich nicht mehr nachgewiesen werden kann und ob er sich nach einiger Zeit wieder niederlässt, lässt sich aber nicht mit Sicherheit vohersagen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Juni 2016
Quellen: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/029-019l_S1_Massnahmen_bei_Auftreten_multiresistenter_Erreger.pdf; https://goo.gl/HEGLHo; https://goo.gl/3uWPjz; https://www.lgl.bayern.de/downloads/gesundheit/hygiene/doc/lare_merkblatt_patienten_angehoerige.pdf; http://goo.gl/CqxfAJ; http://goo.gl/v3geDQ; http://goo.gl/Iev5dV; Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, De Gruyter, 266. Auflage

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