Haarentfernung bei krankhaftem Haarwuchs

Laser-Epilation ist keine Kassenleistung

Gericht verweist Patientin mit Hirsutismus auf Nadelepilation als bewährtes Verfahren

Bei übermäßigem krankhaften Haarwuchs (Hirsutismus) übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Haarentfernung per Nadelepilation. Auf neuartige Behandlungsmethoden wie etwa eine Laser-Epilation haben Patienten jedoch keinen Anspruch.

Laser-Epilation ist keine Kassenleistung
Dass die Laser-Epilation besser als die Nadelepilation geeignet ist zur dauerhaften Haarentfernung, sieht die Rechtssprechung nicht als erwiesen an.
© iStock.com/rusak

Kosmetische Behandlungen wie die Entfernung unerwünschter Haare gehören generell nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). "Nur Patienten mit krankhaftem oder entstellendem Haarwuchs haben einen Anspruch auf eine Behandlung zu Lasten der Krankenkassen", teilt der AOK Bundesverband mit.

Aber selbst dann muss die Kasse nicht für neuartige Verfahren aufkommen, deren Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Methoden nicht erwiesen ist. Diese Erfahrung musste eine Patientin mit Hirsutismus Grad III machen. Sie hatte die Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse für eine Laser-Epilation beantragt. Dabei werden die Haarwurzeln mit Hilfe von Lichtimpulsen verödet, um so eine dauerhafte Enthaarung zu erreichen. Die Patientin hatte laut eigenen Angaben bereits bei einer früheren Behandlung gute Erfahrungen damit gemacht.

Kasse verweist auf Nadelepilation

Kein Grund für die Krankenkasse, für dieses Epilationsverfahren aufzukommen. Sie lehnte den Antrag ab mit der Begründung, die Laser-Epilation sei eine neue Behandlungsmethode, die noch nicht als Kassenleistung zugelassen sei. Der in der weiteren Auseinandersetzung zwischen Patientin und Krankenkasse hinzugezogene Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bestätigte die Auffassung der Kasse und verwies darauf, dass es keine Belege für die Überlegenheit der Laser-Epilation gegenüber der Nadelepilation gebe und die Langzeitwirkung der Laserbehandlung unklar sei.

Die Patientin wurde auf die Nadelepilation (Elektrokoagulation) verwiesen. Auch dieses Verfahren zielt auf eine dauerhafte Beseitigung der störenden Haare ab. Hierbei werden über eine feine Nadel, die in den Haarfolikel eingeführt wird, dosierte Stromimpulse geleitet und so die Haarwachstumszellen dauerhaft geschädigt.

Patientin hält Nadelepilation für zu schmerzhaft

Die Patientin bestand jedoch auf der Laser-Epilation und zog vor Gericht. Die von der Kasse vorgeschlagene Nadelepilation sei wegen der damit verbundenen Schmerzhaftigkeit nach Auffassung ihrer behandelnden Ärzte nicht zumutbar und auch in ihren Resultaten bei weitem nicht so überzeugend wie Lasertechnik, argumentierte sie und berief sich dabei auf eine ärztliche Bescheinigung ihrer behandelnden Hautärztin sowie auf den Arztbrief einer Medizinischen Hochschule.

Das Sozialgericht Lüneburg konnte die Frau aber nicht überzeugen, es wies die Klage ab. Zwar bescheinigte das Gericht der Patientin ein komplexes Krankheitsbild, zu dem auch der Hirsutismus gehöre, der zumindest im Bereich des Gesichtes und des Halses als entstellend gewertet werden könne. Daher müsse die Krankenkasse für eine entsprechende Behandlung aufkommen. Das bedeute aber nicht, dass die Patientin Anspruch auf eine Laser-Epilation habe, da das Verfahren nicht als abrechnungsfähige Leistung im einheitlichen Bewertungsmaßstab für vertragsärztliche Leistungen (EBM) enthalten sei. Die Richter verwiesen darauf, dass mit der Nadelepilation eine bewährte Behandlungsmethode zur Verfügung stünde. Es spreche nichts dagegen, dieses Verfahren anzuwenden.

Schmerz zählt nicht als Argument

Auch im Berufungsverfahren vor dem Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen scheiterte die Frau mit ihrer Klage (Aktenzeichen L1 KR 443/11). Die Richter bestätigten das Urteil der Vorinstanz und verwiesen unter anderem auf das Wirtschaflichkeitsgebot in Paragraf 12 Abs.1 des 5. Sozialgesetzbuches. Demnach haben gesetzlich Krankenversicherte nur Anspruch auf medizinische Leistungen, die "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich" sind und "das Maß des Notwendigen nicht überschreiten."

Die Argumentation der Hirsutismus-Patientin, die Nadelepilation sei zu schmerzhaft, ließ das Landessozialgericht nicht gelten: Den auftretenden Schmerzen könnte erforderlichenfalls durch eine lokale Betäubung vorgebeugt werden, erklärten die Richter. Im Übrigen sei auch die Behandlung mittels Laser-Epilation nicht völlig schmerzfrei.

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