Placebo- und Nocebo-Effekt

Freundlicher Arzt lässt Pillen besser wirken

Nimmt sich der Arzt Zeit für eine ausführliche Beratung, wirken Medikamente besser. Doch dieser Placebo-Effekt kann sich ins Gegenteil umkehren, etwa wenn der Beipackzettel Ängste schürt. Was Patienten beachten sollten, damit ihnen möglichst gut geholfen wird.

Arzt zeigt Tablette in Kamera
Placebos wirken: Es kommt immer darauf an, ob man an ein Medikament glaubt - und den richtigen Arzt gefunden hat.
Getty Images/Brand X

Wie gut eine Medizin anschlägt, hängt nicht nur vom verschriebenen Wirkstoff ab. Mindestens ebenso wichtig ist ein freundlicher Arzt, der dem Patienten genau erklärt, gegen was das Arzneimittel hilft und wie es das schafft.  „Medikamente, die ein empathischer, also einfühlsamer Arzt dem Patienten verschreibt und dabei ein längeres Gespräch mit ihm führt über die Beschwerden und wie das Mittel helfen kann, wirken besser, als wenn einfach nur das Rezept ausgehändigt wird, ohne freundliche Beratung“, sagt der Psychologie-Professor Paul Enck von der Universität Tübingen. Das ist das Ergebnis von aktuellen Studien.

Placebos setzen Gehirnprozesse in Gang

Die Erklärung für dieses Phänomen: Die Erwartungen, die der Patient aufgrund der Beratung an das Medikament hat, bewirken den so genannten Placebo-Effekt. Placebos sind Pillen, die keinen Wirkstoff enthalten, sondern nur Zucker oder andere harmlose Füllstoffe. Trotzdem tritt die erwartete positive Wirkung ein. Denn die Scheinmedikamente, besser gesagt die an sie geknüpften Erwartungen, setzen im Gehirn Stoffwechselprozesse in Gang. Diese ähneln stark den Effekten, die ein echtes Medikament hervorruft.  

Nur bei Schmerzen und Depressionen

Die Vermutung liegt also nahe, dass ein freundlicher Arzt und Zuckerpillen jede Krankheit heilen können. „Nein“, sagt Fachmann Enck dazu, „der Placebo-Effekt bezieht sich nur auf Symptome und nicht Ursachen.“ Placebos ersetzen also keine Medikamente gegen Entzündungen oder Krebs. Schmerzen und Depressionen, also Beschwerden, die von einer Krankheit hervorgerufen werden, sprechen dagegen gut auf Placebos an - vorausgesetzt, der Patient ist davon überzeugt, ein wirksames Mittel einzunehmen.

Beipackzettel hebt Nebenwirkungen hervor

Allerdings kann der Placebo-Effekt auch ins Gegenteil umschlagen. Wissenschaftlich heißt das dann „Nocebo-Effekt“. Das bedeutet: Befürchtet man Nebenwirkungen eines Medikaments, treten diese wahrscheinlich auch ein. Ängstliche Patienten sollten deshalb den Beipackzettel nicht allzu genau lesen.

„Ein guter Arzt wird seinen Patienten entsprechend darüber aufklären, ob und wann ja welche Nebenwirkungen auftreten könnten“, sagt Placeboforscher Enck. Er kritisiert, dass der Beipackzettel zu wenig positive Wirkungen eines Medikaments aufführt. Dagegen werden alle Nebenwirkungen akribisch aufgelistet – als rechtliche Absicherung der pharmazeutischen Industrie. „Das ist keine richtige Patientenaufklärung“, sagt der Experte.

Optimale Kombination: Guter Arzt plus richtiges Präparat

Doch was bringen die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse dem Patienten? „Suchen Sie sich einen Arzt, der sich ausreichend Zeit für ein Gespräch mit Ihnen nimmt“, rät Enck. Der Mediziner sollte freundlich und mitfühlend sein, Sie sollten sich bei ihm gut aufgehoben fühlen. Dann können Sie sicher sein, dass die Medikamente, die er Ihnen verschreibt, auch optimal wirken.

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Letzte Aktualisierung: 28. März 2013

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