Multiresistente Keime –  droht uns ein post-antibiotisches Zeitalter?

Laut einer im November 2018 veröffentlichten EU-Studie gab es allein im Jahr 2015 in der Europäischen Union rund 670.000 Erkrankungen durch multiresistente Keime. 33.000 Menschen mit Infektionen starben, weil kein Antibiotikum mehr anschlug. Vor acht Jahren waren es mit 25.000 Todesfällen noch deutlich weniger. Was sind die Folgen der zunehmenden Resistenzen?

Menschen im Bus schützen sich mit Atemmasken vor Infektionen
Wenn die Zahl multiresistenter Keime weiter zunimmt und Antibiotika ihre Wirkung verlieren, können harmlose Infektionen gefährlich werden.
© iStock.com/Drazen_

Immer mehr multiresistente Keime sind unempfindlich gegenüber Antibiotika. Der Grund dafür ist hausgemacht: Wir nehmen Antibiotika zu häufig und oftmals unnötig ein. So nehmen zum Beispiel viele Menschen bei einer einfachen Erkältung oder beispielsweise Halsschmerzen ein Antibiotikum. Erkältungen und grippale Infekte sind jedoch in 80 Prozent der Fälle viral bedingt – und Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Infektionen. Durch den sorglosen Umgang mit den antibiotischen Medikamenten haben zahlreiche Bakterien inzwischen eine Resistenz gegenüber bestimmten antibiotischen Wirkstoffen entwickelt. Der großflächige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung tut sein Übriges. 

Antibiotikaresistenz vorbeugen

Welche Bakterien sind bislang resistent?

Mehrere Bakteriengattungen oder einzelne Stämme sind bereits resistent gegen Antibiotika. Zu ihnen zählen: 

  • Enterokokken 
  • Staphylokokken wie der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) 
  • Escherichia coli 
  • Klebsiellen 
  • Pseudomonaden 

Was sind die Folgen der Resistenz?

Die Folgen sind erschreckend. Im März 2018 infizierte sich ein Brite in Südostasien beim Geschlechtsverkehr mit Gonorrhö. Diese Geschlechtskrankheit ist eigentlich mit einem Antibiotikum gut behandelbar. Der infizierte Brite sprach auf eine Behandlung allerdings nicht an. Erst ein Reserveantibiotikum, das nur im allergrößten Notfall gegeben wird, konnte dem Mann schließlich helfen.

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Doch auch Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind hinsichtlich einer Antibiotikaresistenz gefährdet. Zum Beispiel durch multiresistente Krankenhauskeime wie dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, abgekürzt MRSA.

Dieser Keim ist inzwischen unempfindlich gegenüber dem Antibiotikum Methicillin und weiteren Antibiotika. Nach Schätzungen infizieren sich jährlich etwa 8,9 Millionen Patienten in Europa in Krankenhäusern und Pflegeheimen mit diesen gefährlichen Keimen wie dem MRSA. Die Folge können schwere Infektionen wie zum Beispiel Wundinfektionen, Lungenentzündungen oder eine lebensbedrohliche Blutvergiftung sein. Durch die Antibiotikaresistenz von MRSA können diese Erkrankungen nur schwer behandelt werden.

Multiresistente Keime: Wie sieht die Zukunft aus?

Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert sehr lange. Hinzu kommt, dass neue Medikamente meist sehr teuer sind – wegen der hohen Entwicklungskosten. Seit 1987 wurde nur eine neue Wirkstoffklasse entwickelt. Nach Markteinführung bilden sich oft schnell erste Resistenzen. 

So kommt es, dass es inzwischen gegen bestimmte Erreger keine wirksamen Antibiotika mehr gibt. Wenn sich die Resistenzen weiter ausbreiten und Forscher keine neuen antibiotischen Wirkstoffe entdecken, droht uns der Rückschritt in ein post-antibiotisches Zeitalter. Denn Infektionen mit multiresistenten Bakterien sind meist schwer oder gar nicht heilbar. Im schlimmsten Fall ist es möglich, dass Menschen wieder an einfachen bakteriellen Infektionen sterben. 

Die negativen Folgen im Überblick: 

  • Ursprünglich leicht behandelbare Infektionen werden durch eine Resistenz lebensbedrohlich.
  • Infektionen dauern länger.
  • Bakterielle Infekte sind schwieriger zu behandeln.
  • Gegen einige Infektionen gibt es bereits jetzt keine wirksamen Antibiotika.

Was steckt hinter Reserveantibiotika?

Derzeit werden im Rahmen medikamentöser Behandlungen ungefähr 100 verschiedene Antibiotika eingesetzt. Es gibt zwar noch deutlich mehr Wirkstoffe – doch diese sind entweder toxisch für den Menschen oder werden so schnell vom Körper abgebaut, dass sie ihre Wirkung nicht richtig entfalten können.

Neben spezifischen Antibiotika, die gezielt gegen einzelne Bakterienstämme wirken, gibt es sogenannte Breitbandantibiotika. Diese wirken unspezifisch gegen viele verschiedene Bakterien. Außerdem gibt es Reserveantibiotika: Sie werden dann eingesetzt, wenn herkömmliche Antibiotika nicht wirken, da der Erreger eine Resistenz entwickelt hat.  

Der englische Begriff für Reserveantibiotika ist "drugs of last resort", was übersetzt "letzter Ausweg" bedeutet. Und tatsächlich sind sie sprichwörtlich die letzte Option, um eine Infektion zu behandeln, nachdem alle Wirkstoffe zuvor versagt haben. Allerdings gibt es keine Garantie, dass ein Reserveantibiotikum tatsächlich hilft. Zudem wirken Reserveantibiotika in der Regel nicht so effektiv wie ein herkömmliches Antibiotikum. Sie sind außerdem weniger gut verträglich und haben zum Teil schwere Nebenwirkungen. 

Wann sind Antibiotika wirklich sinnvoll? 

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    Unnötige Verschreibungen und falscher Gebrauch: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika ist heute wichtig. Mit einfachen Maßnahmen gelingt das.

Viele bakterielle Infekte sind selbstlimitierend, das heißt, sie heilen in der Regel innerhalb weniger Tage von alleine aus. Daneben gibt es eine Reihe von schweren Erkrankungen, bei denen die Einnahme eines Antibiotikums sinnvoll ist – vorausgesetzt, es handelt sich um eine bakterielle und nicht virale Infektion:

  • Lungenentzündung 
  • Nierenbeckenentzündung 
  • Blutvergiftung 
  • Hirnhautentzündung 
  • Magenschleimhautentzündung durch Helicobacter pylori 
  • Mittelohrentzündung 
  • Zecken-Borreliose 
  • Tripper

Wie nehme ich Antibiotika richtig?

Antibiotika sind so dosiert, dass sie eine bestimmte bakterielle Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit wirksam bekämpfen. Und das funktioniert nur, wenn der Betroffene sich an die Einnahmeempfehlungen des Arztes hinsichtlich Dosierung und Behandlungszeitraum hält. Es ist also wichtig, dass Sie ein verschriebenes Antibiotikum über den vom Arzt empfohlenen Zeitraum nehmen. Nur so ist garantiert, dass der Körper den Wirkstoff in ausreichender Konzentration aufnimmt. Setzen Sie das Antibiotikum zu früh ab, weil Sie bereits nach kurzer Zeit eine Besserung der Symptome erleben, kann die Infektion erneut aufflammen. Beachten Sie außerdem mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie der Pille oder bestimmten Nahrungsmitteln (zum Beispiel Milch) und geben Sie das Ihnen verschriebene Antibiotikum nicht an andere weiter. Diese Punkte sind wichtige Schritte, mit denen wir die Gefahr von sich neu bildenden Antibiotikaresistenzen reduzieren können.

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