Zeit für Mutter und Kind

Wochenbett: Die ersten Wochen nach der Geburt

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Das Wochenbett ist die Zeit nach der Geburt, in der Regel umfasst sie rund sechs bis acht Wochen. Die Phase ist wichtig, damit sich der Körper der Mutter von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt erholen kann und die jungen Eltern mit dem Baby im neuen Alltag ankommen können.

Wochenbett: Die Zeit nach der Geburt
© Getty Images/Belinda Howell

Schwangerschaft und Geburt stellen den Körper der Mutter vor eine große Herausforderung: Im Wochenbett regeneriert sich der Organismus langsam, zudem gewöhnen sich die Eltern und das Neugeborene langsam aneinander.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist das Wochenbett?

Unter dem Begriff Wochenbett werden die ersten sechs bis acht Wochen nach der Entbindung verstanden. Die Phase wird auch als Kindbett oder Puerperium bezeichnet. In dieser Zeit:

  • bildet sich die Gebärmutter zurück

  • heilen Geburtsverletzungen aus

  • stellt sich der Hormonhaushalt in kurzer Zeit um

Auch der Milchfluss setzt ein, womit die Zeit des Stillens beginnt. In das Wochenbett fällt auch die wichtige Phase, in der Mutter und Kind eine enge seelische Bindung aufbauen.

Die Zeit des Wochenbetts sollte die Mutter, auch Wöchnerin genannt, nutzen, um sich auszuruhen und zu erholen. Denn Ruhe und viel Schlaf sind die besten Mittel, damit der Organismus sich ausreichend regenerieren kann. Mit viel Ruhe und durch die ärztliche Nachsorge können Komplikationen und Infektionen, etwa das Kindbettfieber (Puerperalfieber), vermieden werden. Dabei handelt es sich um einen Überbegriff für Infektionen, die von offenen Geburtswunden ausgehen.

Frühwochenbett: Die erste Woche nach der Geburt

Besonderer Fokus wird auf das Frühwochenbett gelegt, also die ersten sieben bis zehn Tage nach der Entbindung. In den ersten Stunden, wenn das Neugeborene endlich da ist, werden Mutter und Kind in der Klinik engmaschig überwacht. Wichtige Parameter sind etwa die Körpertemperatur und der Blutdruck. So können Infekte oder schwere Blutungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Auch sinkt der Hormonspiegel schnell ab, was mit schmerzhaften Nachwehen einhergeht. Zudem setzt der Milchfluss ein und das Kind kann nun gestillt werden.

Wochenfluss: Ausfluss nach der Geburt

Nachdem bei der Entbindung die Plazenta ausgestoßen wurde, befindet sich an der Innenseite der Gebärmutterwand eine große Wunde. Diese schließt sich in der Zeit des Wochenbetts. Wochenfluss (medizinisch: Lochien) wird das Wundsekret genannt, welches die heilende Gebärmutter absondert und durch die Scheide abfließt. Unterstützt wird der Abfluss durch die Nachwehen und durch Hormonausschüttung beim Stillen.

Menge, Farbe und Konsistenz des Wochenflusses verändern sich im Verlauf des Wochenbetts. In den ersten Tagen nach der Geburt ist er blutig und stärker als eine Menstruationsblutung. Am Ende der ersten Woche ist er bereits dünnflüssig-bräunlich (wie getrocknetes Blut), später nimmt er eine gelbliche, dann weißliche Farbe an. Ab der dritten Woche wird der Wochenfluss immer weniger, komplett versiegt er etwa nach sechs bis acht Wochen. Dann ist die Wundheilung der Gebärmutter abgeschlossen.

Veränderter Wochenfluss bei Kindbettfieber

Wenn der Wochenfluss eitrig ist und einen üblen, fischartigen Geruch annimmt, ist von einer Infektion auszugehen. Weitere Symptome sind:

  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Schmerzen im Oberbauch
  • ein allgemeines Krankheitsgefühl

Diese Anzeichen deuten auf das Kindbettfieber hin. Zu früheren Zeiten waren Infektionen nach der Geburt aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen auch auf Geburtsstationen eine gefürchtete Komplikation, an der bis ins 19. Jahrhundert noch viele Wöchnerinnen starben. Heute sind sie mit Antibiotika gut behandelbar.

Spezielle Binden bei Wochenfluss

Der Wochenfluss wird mit – am Anfang extragroßen – Binden aufgefangen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Einlagen luftdurchlässig sind. Slipeinlagen mit Plastik sind ungeeignet, sie würden zu einem feucht-warmen Klima am Scheidenausgang führen, welches die Entwicklung von Keimen begünstigt. Auf Tampons sollte ebenso verzichtet werden, denn diese behindern den freien Abfluss des Sekrets, was die Infektionsgefahr erhöht.

Der Wochenfluss besteht aus Blut, weißen Blutkörperchen, Lymphflüssigkeit, Ei- und Schleimhautresten. Er enthält zwar eine ganze Reihe an Keimen, die jedoch nicht krankheitserregend sind und die der Organismus ohne weiteres bekämpfen kann.

Früher wurde davon ausgegangen, dass der Wochenfluss hochinfektiös sei und dass die Wöchnerin es deshalb tunlichst vermeiden sollte, mit den Ausscheidungen in Kontakt zu kommen. Davon ist man inzwischen abgekommen. Allerdings ist der Wochenfluss ein guter Nährboden für Keime, wenn er nicht richtig abfließen kann oder hygienische Grundregeln nicht beachtet werden.

Hygiene im Wochenbett: Tipps und Grundregeln

Wöchnerinnen sollten bei der eigenen Körperpflege, beim Stillen und der Pflege des Säuglings besonders auf Hygiene achten. Die wichtigsten Maßnahmen dabei sind:

  • Hände: Mit warmen Wasser und Seife Hände gründlich nach dem Toilettengang und der Intimpflege waschen, nach dem Wechseln der Wochenbett-Binden, vor der Essenszubereitung, vor dem Stillen und nach dem Wickeln des Kindes.

  • Intimbereich, Dammnaht: Den äußeren Genitalbereich täglich mehrmals mit klarem, warmem Wasser waschen beziehungsweise spülen. Am besten geht das auf einem Bidet oder unter der Dusche. Nach dem Spülen den Bereich gut trocknen – mit einem weichen Handtuch sanft abtupfen, lauwarm föhnen oder einfach an der Luft trocknen lassen. Jeweils verschiedene Handtücher für den Intimbereich, die Brust und die Hände benutzen und täglich wechseln.

  • Brust: Die Brust inklusive Brustwarzen täglich mit warmem Wasser waschen. Seife ist nicht nötig. Diese trocknet die Haut an den Warzenhöfen aus und macht sie empfindlich für kleine Verletzungen. Besondere Hautpflegemittel sind nicht nötig. Die Warzenhöfe haben spezielle Drüsen, die eine ölige Flüssigkeit absondern, damit die Haut geschmeidig bleibt. Außerdem enthält die Muttermilch pflegende und schützende Substanzen. Sie können nach dem Stillen einige Tropfen Muttermilch auf dem Warzenhof verreiben und antrocknen lassen. Stilleinlagen regelmäßig wechseln und Luft an die Brustwarzen lassen.

Generell ist bei der Körperpflege zu beachten, dass bei blutigem Wochenfluss Bäder nicht geeignet sind: Sie erhöhen die Infektionsgefahr. Nach der ersten Woche ist aber meist auch wieder Baden in der Wanne möglich. So können Sitzbäder mit Zusätzen:

  • die Heilung von Wunden beschleunigen
  • Rückenschmerzen lindern
  • für eine kleine Entspannungsphase sorgen

Bei entzündeten Brustwarzen sollte auf Vollbäder verzichtet werden, bis die Entzündung abgeklungen ist. Nach einem Kaiserschnitt sind Wannenbäder erst ratsam, wenn die Narbe am Bauch geschlossen und die Wunde abgeheilt ist. Wer sich unsicher ist, kann die Hebamme um Rat fragen.


Beschwerden im Wochenbett: Nachwirkungen der Schwangerschaft

Die körperlichen und hormonellen Veränderungen während des Wochenbetts können mit einer Reihe von Beschwerden verbunden sein. Dazu gehören:

  • Probleme beim Wasserlassen und Stuhlgang durch den noch geweiteten Beckenboden und mögliche Geburtsverletzungen
  • Nachwehen, die zum Teil recht schmerzhaft sein können
  • Schwitzen, Frieren und Kopfschmerzen durch die Umstellung von Kreislauf, Stoffwechsel und Hormonhaushalt
  • Stimmungsschwankungen (Babyblues) und Haarausfall durch die hormonelle Umstellung
  • Verdauungsprobleme wie Verstopfung, Blähungen oder Durchfall
  • schmerzhafte und empfindliche Brüste durch das ungewohnte Stillen

All diese Beschwerden sind unangenehm, aber ungefährlich: Schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen im Wochenbett sind heute eher selten. Sollte es jedoch zu verstärktem Ausfluss oder Blutungen kommen, Fieber, starke Schmerzen im Oberbauch oder in den Brüsten auftreten, so sollte die Wöchnerin sich ärztlich untersuchen lassen. Die Symptome können mit Infektionen, Wochenflussstau oder einer Brustentzündung zusammenhängen.

Psychische Probleme und Stimmungstiefs, die sich nicht nach wenigen Tagen geben, können sich zu einer sehr häufig auftretenden Wochenbettdepression entwickeln, die behandelt werden muss. Insbesondere sind Frauen gefährdet, die schon während der Schwangerschaft an Depressionen gelitten haben (Schwangerschaftsdepression).

Wochenbett: Wann Sex nach der Geburt wieder möglich ist

Nach der Geburt spielt das Liebesleben der frischgebackenen Eltern meistens zunächst eine untergeordnete Rolle. Bei der Frau ist das Verlangen nach Erotik wahrscheinlich eher gering: Sie hat mit ihren körperlichen und hormonellen Veränderungen, dem Stillen und dem Alltag mit dem Baby meist ganz andere Dinge im Kopf. In der gesamten Zeit des Wochenbetts fließt durch den noch leicht geöffneten Muttermund der Wochenfluss ab. Umgekehrt können auch Keime von außen durch den Muttermund in die Gebärmutter gelangen.

Falls die Frau sich bereit fühlt und Lust auf Sex hat, kann das Paar frühestens nach Abklingen des Wochenflusses, also etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt, wieder Geschlechtsverkehr haben. Kam es bei der Geburt zu einem Dammriss, ist besondere Vorsicht geboten. Schmerzen sollten keinesfalls ignoriert werden.

Da der Beckenboden oftmals noch sehr schwach ist, kann auch die Empfindung beim Verkehr nach der Geburt noch reduziert sein. Beckenbodentraining kann helfen, wieder mehr Freude am Sex zu finden. Zudem beugt es einer Harninkontinenz vor.

Hilfe annehmen im Wochenbett

In früheren Zeiten war es ganz normal, dass die frischgebackene Mutter während des Kindbetts sechs Wochen lang nicht vor die Tür durfte und von Familie und Nachbarsfrauen umsorgt wurde. Regelmäßig wurde die Wöchnerin von den Frauen besucht. Sie kamen nicht vorrangig, um sich das Baby anzuschauen, sondern um sich nützlich zu machen: Sie brachten warme Mahlzeiten mit oder kochten, wuschen Wäsche und erledigten andere Arbeiten im Haushalt und kümmerten sich um den Rest der Familie.

Die heutigen Zeiten sind natürlich anders und schnelllebiger, trotzdem ist das Wochenbett eine wichtige und wertvolle Phase, die jede Mutter auch genießen sollte. Außerdem ist Ruhe nach der Entbindung auch von gesundheitlicher Bedeutung.

Ehrgeiz ist fehl am Platz. Die Wohnung muss wenige Tage nach der Geburt nicht perfekt sauber und ordentlich aussehen, der Abwasch kann durchaus liegen bleiben, um Einkäufe können sich andere kümmern. Idealerweise bespricht man schon während der Schwangerschaft mit dem*der Partner*in, den Eltern, Geschwistern und Freund*innen, wie die Unterstützung nach der Geburt aussehen kann.

Unterstützung durch die Hebamme

Während des Wochenbetts hat die Wöchnerin außerdem Anspruch auf Hebammenhilfe. Die Hebamme oder der Entbindungspfleger schaut bei den Hausbesuchen, ob bei Mutter und Baby gesundheitlich alles in Ordnung ist. Das Baby wird gewogen und gemessen, zudem wird untersucht, ob der Nabel komplikationslos abheilt und sich das Kind gut entwickelt.

Bei der Mutter achten Hebammen auf den Wochenfluss, die Rückbildung der Gebärmutter und die Narbenheilung (Dammnaht, Kaiserschnittnarbe). Auch bietet die Hebammenunterstützung Hilfe bei Stillproblemen und zeigt erste Übungen für die Rückbildung. Auch alle Fragen rund um die Säuglingspflege sowie bei psychischen Problemen und Alltagssorgen sind bei der Nachsorgehebamme gut platziert.

Gesetzlich versicherte Frauen haben in den ersten zehn Tagen nach der Geburt Anspruch auf einen täglichen Besuch der Hebamme. Bis zur zwölften Woche nach der Geburt können weitere 16 Beratungen vereinbart werden – wenn es medizinisch erforderlich ist, sogar mehr.

Darüber hinaus unterstützt die Hebamme bei Fragen, Problemen oder Komplikationen auch während der gesamten Stillzeit.

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Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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