Zeit für Mutter und Kind

Wochenbett: Die ersten Wochen nach der Geburt

In der heutigen Zeit hat das Wochenbett viel von seinem Mysterium und seinem Schrecken verloren. In den ersten Wochen nach der Geburt heißt es, sich von den Strapazen der Schwangerschaft und der Entbindung zu erholen und mit dem Baby im neuen Alltag anzukommen.

Wochenbett – viel Zeit zum Kuscheln
Im Wochenbett ist viel Gelegenheit zum Kuscheln mit dem Baby. Die erste Zeit nach der Geburt ist wichtig für die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung.
© iStock.com / ChristinLola

Mit Wochenbett bezeichnet man die ersten sechs bis acht Wochen nach der Entbindung. In dieser Zeit schaltet der Organismus der Mutter langsam wieder auf den Normalmodus vor der Schwangerschaft um. Die Gebärmutter bildet sich zurück, Geburtsverletzungen heilen aus und der Hormonhaushalt stellt sich in kurzer Zeit um. Der Milchfluss setzt ein und damit beginnt die Zeit des Stillens. In das Wochenbett fällt auch die wichtige Phase, in der Mutter und Kind eine enge seelische Bindung aufbauen.

Die Zeit des Wochenbetts sollte die Mutter nutzen, um sich auszuruhen und zu erholen. Denn Ruhe und viel Schlaf sind die besten Mittel, damit der Organismus sich ausreichend regenerieren kann. Die körperlichen und hormonellen Veränderungen können mit einer Reihe von Beschwerden verbunden sein. Dazu gehören:

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All diese Beschwerden sind nicht beängstigend und zum Glück sind gesundheitliche Komplikationen im Wochenbett heute eher selten. Sollte es jedoch zu verstärktem Ausfluss oder Blutungen kommen, Fieber, starke Schmerzen im Oberbauch oder in den Brüsten auftreten, so sollte die Wöchnerin sich ärztlich untersuchen lassen. Die Symptome können mit Infektionen, Wochenflussstau oder einer Brustentzündung zusammenhängen. Psychische Probleme, die sich nicht nach wenigen Tagen geben, können sich zu einer Wochenbettdepression entwickeln, die behandelt werden muss.

Wochenfluss

Nachdem bei der Geburt die Plazenta ausgestoßen wurde, befindet sich an der Innenseite der Gebärmutterwand eine große Wunde. Diese schließt sich in der Zeit des Wochenbetts. Mit Wochenfluss (medizinisch: Lochien) wird das Wundsekret genannt, welches die heilende Gebärmutter absondert und durch die Scheide abfließt. Unterstützt wird der Abfluss durch die Nachwehen und durch Hormonausschüttung beim Stillen.

Menge, Farbe und Konsistenz des Wochenflusses verändern sich im Verlauf des Wochenbetts. In den ersten Tagen nach der Geburt ist er blutig und stärke als eine Mestruationsblutung. Am Ende der ersten Woche ist er bereits dünnflüssig-bräunlich (wie getrocknetes Blut), später nimmt er eine gelbliche, dann weißliche Farbe an. Ab der dritten Woche wird der Wochenfluss immer weniger, komplett versiegt er etwa nach sechs bis acht Wochen. Dann ist die Wundheilung der Gebärmutter abgeschlossen.

Erst wenn der Wochenfluss eitrig ist und einen üblen, fischartigen Geruch annimmt, ist von einer Infektion auszugehen. Weitere Symptome sind erhöhte Temperatur oder Fieber, Schmerzen im Oberbauch und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Diese Anzeichen deuten auf das Kindbettfieber hin. Zu früheren Zeiten waren Infektionen nach der Geburt aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen auch auf Geburtsstationen eine gefürchtete Komplikation, an der bis ins 19. Jahrhundert noch viele Wöchnerinnen starben. Heute sind sie mit Antibiotika-Gaben gut behandelbar.

Der Wochenfluss wird mit – am Anfang extragroßen – Binden aufgefangen. Es sollte darauf geachtet werden, dass diese Vorlagen luftdurchlässig sind. Slipeinlagen mit Plastik sind ungeeignet, sie würden zu einem feucht-warmen Klima am Scheidenausgang führen, welches die Entwicklung von Keimen begünstigt. Auf Tampons sollte ebenso verzichtet werden, denn diese behindern den freien Abfluss des Sekrets.

Wochenfluss und Hygiene

Der Wochenfluss besteht aus Blut, weißen Blutkörperchen, Lymphflüssigkeit, Ei- und Schleimhautresten. Er enthält zwar eine ganze Reihe an Keimen, die jedoch nicht krankheitserregend sind und die der Organismus ohne weiteres bekämpfen kann.

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Früher wurde davon ausgegangen, dass der Wochenfluss hochinfektiös sei und dass die Wöchnerin es deshalb tunlichst vermeiden sollte, mit den Ausscheidungen in Kontakt zu kommen. Davon ist man inzwischen abgekommen. Allerdings ist der Wochenfluss ein guter Nährboden für Keime, wenn er nicht richtig abfließen kann oder hygienische Grundregeln nicht beachtet werden.

Deshalb sollten Wöchnerinnen auf Hygiene bei der der eigenen Körperpflege, beim Stillen und der Pflege des Säuglings auf folgendes achten:

  • Hände: mit warmen Wasser und Seife gründlich waschen nach dem Toilettengang und der Intimpflege, nach dem Wechseln der Vorlagen, vor der Essenszubereitung, vor dem Stillen und nach dem Windeln des Kindes.

  • Intimbereich, Dammnaht: Den äußeren Genitalbereich täglich mehrmals mit klarem, warmem Wasser waschen beziehungsweise spülen. Am besten geht das auf einem Bidet oder unter der Dusche. Nach dem Spülen den Bereich gut trocknen – mit einem weichen Handtuch abtupfen, lauwarm föhnen oder einfach an der Luft trocknen lassen. Extra Handtücher für den Intimbereich, die Brust und die Hände benutzen und täglich wechseln!

  • Brust: Die Brust inklusive Brustwarzen täglich mit warmem Wasser waschen. Seife ist nicht nötig. Diese trocknet die Haut an den Warzenhöfen aus und macht sie empfindlich für kleine Verletzungen. Besondere Hautpflegemittel sind nicht nötig. Die Warzenhöfe haben spezielle Drüsen, die eine ölige Flüssigkeit absondern, damit die Haut geschmeidig bleibt. Außerdem enthält die Muttermilch pflegende und schützende Substanzen. Sie können nach dem Stillen einige Tropfen Muttermilch auf dem Warzenhof verreiben und antrocknen lassen. Still-Einlagen regelmäßig wechseln und Luft an die Brustwarzen lassen!

  • Körperpflege: Duschen ist sicherlich in den ersten Tagen die einfachste Möglichkeit, aber auch Baden in der Wanne ist nach der ersten Woche durchaus möglich. So können Sitzbäder mit Zusätzen die Heilung von Wunden beschleunigen, Rückenschmerzen lindern oder für eine kleine Entspannungsphase sorgen. Bei entzündeten Brustwarzen sollte auf Vollbäder verzichtet werden, bis die Entzündung abgeklungen ist. Nach einem Kaiserschnitt sind Wannenbäder erst ratsam, wenn die Narbe geschlossen und die Wunde abgeheilt ist. Wer sich unsicher ist, kann die Hebamme um Rat fragen.

Sex im Wochenbett?

Nach der Geburt spielt das Liebesleben der frischgebackenen Eltern meistens zunächst eine untergeordnete Rolle. Bei der Frau ist das Verlangen nach Erotik wahrscheinlich eher gering: Sie hat mit ihren körperlichen und hormonellen Veränderungen, dem Stillen und dem Alltag mit dem Baby meist ganz andere Dinge im Kopf. In der gesamten Zeit des Wochenbetts fließt durch den noch leicht geöffneten Muttermund der Wochenfluss ab. Umgekehrt können auch Keime von außen durch den Muttermund in die Gebärmutter gelangen.

Falls die Frau sich bereit fühlt, kann das Paar den Geschlechtsverkehr zwei bis drei Wochen nach der Entbindung wieder aufnehmen. Der Partner sollte jedoch während des Wochenbetts Kondome benutzen, um Infektionen zu vermeiden.

Hilfe annehmen im Wochenbett

In früheren Zeiten war es ganz normal, dass die frischgebackene Mutter während des Kindbetts sechs Wochen lang nicht vor die Tür durfte und von Familie und Nachbarsfrauen ver- und umsorgt wurde: regelmäßig wurde die Wöchnerin von den Frauen besucht. Sie kamen nicht vorrangig, um sich das Baby anzuschauen, sondern um sich nützlich zu mache: Sie brachten warme Mahlzeiten mit oder kochten, wuschen Wäsche und erledigten andere Arbeiten im Haushalt und kümmerten sich um den Rest der Familie.

Die heutigen Zeiten sind natürlich anders und schnelllebiger, trotzdem ist das Wochenbett eine wichtige und wertvolle Phase, die jede Mutter auch genießen sollte. Ehrgeiz ist fehl am Platz. Die Wohnung muss wenige Tage nach der Geburt nicht wie geleckt aussehen, der Abwasch kann durchaus liegenbleiben, um Einkäufe können sich andere kümmern. Idealerweise bespricht man schon während der Schwangerschaft mit dem Partner, den Eltern, Geschwistern und Freunden, wie die Unterstützung nach der Geburt aussehen kann.

Unterstützung durch die Hebamme

Während des Wochenbetts hat die Wöchnerin außerdem Anspruch auf Hebammenhilfe. Die Hebamme schaut bei den Hausbesuchen, ob bei Mutter und Baby gesundheitlich alles in Ordnung ist. Das Baby wird gewogen und gemessen, die Hebamme untersucht, ob der Nabel komplikationslos abheilt und sich das Kind gut entwickelt. Bei der Mutter achtet sie auf den Wochenfluss, die Rückbildung der Gebärmutter und die Narbenheilung (Dammnaht, Kaiserschnittnarbe). Sie hilft bei Stillproblemen und zeigt erste Übungen, die die Rückbildung unterstützen. Sie ist auch Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Säuglingspflege sowie bei psychischen Problemen und Alltagssorgen.

Gesetzlich versicherte Frauen haben in den ersten zehn Tagen nach der Geburt Anspruch auf einen täglichen Besuch der Hebamme. Bis zur zwölften Woche nach der Geburt können weitere 16 Beratungen vereinbart werden – wenn es ärztlich erforderlich ist, sogar mehr.  Darüber hinaus unterstützt die Hebamme bei Fragen, Problemen oder Komplikationen auch während der gesamten Stillzeit.

Zusammenfassung

Die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt werden als Wochenbett bezeichnet. In dieser Zeit findet die Rückbildung der Gebärmutter statt, der Hormonhaushalt stellt sich um. Die Phase ist auch wichtig für die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung. Wöchnerinnen sollten sich im Wochenbett viel ausruhen, um die Regeneration des Organismus zu unterstützen. Zwar ist der Wochenfluss nicht hochinfektiös, trotzdem sollte auf gewissenhafte Hygiene geachtet werden. Es empfiehlt sich, Unterstützung in der Familie, bei Freunden zu suchen. Gesetzlich versicherte Frauen haben zudem Anspruch auf Hebammenbetreuung.

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