In vertrauter Umgebung

Hausgeburt: Sicher entbinden in vertrauter Umgebung

Rund 10.000 Kinder werden in Deutschland jedes Jahr nicht in einer Klinik geboren, davon etwa 35 Prozent zu Hause. Hausgeburten sind bei guter Vorbereitung und Aufklärung genauso sicher wie eine Geburt im Krankenhaus. Wenn bei Mutter und Kind gesundheitliche Risikofaktoren bestehen, wird jedoch von einer Hausgeburt abgeraten.

Hausgeburt mit Hebamme
Die Hebamme, welche die Hausgeburt betreut, ist für die werdende Mutter eine wichtige Vertrauensperson.
© istock.com/MartinPrescott

Die intime und entspannte Atmosphäre bei der Hausgeburt ist nicht mit der in einer Klinik zu vergleichen. Möglicherweise ist das der wesentliche Grund, warum Hausgeburten meist komplikationslos verlaufen und fast nie Schmerzmittel notwendig sind.

Die werdende Mutter befindet sich in vertrauter Umgebung, in der sie sich auskennt und völlig ungehemmt sein kann. Keiner macht ihr Vorschriften, wie sie sich verhalten und wie sie ihre Wehen beatmen soll.

Während der Wehen und in längeren Wehenpausen kann sie sich leichter ablenken. Nach der Hausgeburt können die Eltern mit ihrem Kind so umgehen, wie sie es intuitiv für richtig halten.

Weitere Vorteile der Hausgeburt:

  • Auf die Klinikroutine brauchen Eltern keine Rücksicht zu nehmen.
  • Die Geschwister können an der Geburt teilnehmen.
  • Eine selbst gewählte Hebamme betreut die Kreißende während der Hausgeburt und bleibt in der Regel die ganze Zeit bei ihr.
  • In der Klinik wird bei jeder zweiten Frau bei der Entbindung ein Dammschnitt gemacht. Bei Hausgeburten bekommt diesen Entlastungsschnitt gerade Mal jede zehnte Frau.
  • Der Weg in die Klinik fällt weg.
Schwanger werden – die besten Tipps

Vorbereitung für eine Hausgeburt

  • Informationen sammeln: Die Schwangere muss mit den Vorgängen der Geburt so vertraut sein, dass sie sich zu Hause wirklich sicher fühlt. Meist ist eine Hausgeburt bei der Geburt des zweiten Kindes leichter. Ein Erfahrungsaustausch mit anderen Frauen, die ihr Kind zu Hause auf die Welt gebracht haben, kann Unsicherheiten und Ängste abbauen.
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  • Hebammenauswahl: Wer eine Hausgeburt plant, sollte sich frühzeitig um eine Hebamme kümmern, da diese schnell ausgebucht sein können. Die betreuende Hebamme sollte erfahren sein, also mindestens zwei Jahre Expertise an einem geburtenstarken Krankenhaus gesammelt haben und auch schon Hausgeburten betreut haben. Wenn die ersten Anzeichen für die Geburt beobachtet werden, muss die Hebamme erreichbar sein.

  • Einrichtung: Vier Wochen vorher gibt Ihnen Ihre Hebamme wichtige Informationen und Tipps für die Vorbereitung des Geburtszimmers.

  • Für den Notfall: Um bei einem medizinischen Notfall schnell reagieren zu können, sollte Ihr Arzt vor der Hausgeburt informiert und in greifbarer Nähe sein. Auch eine schnell erreichbare Klinik in Wohnortnähe ist wichtig. Das gilt auch für einen Kinderarzt.

     
  • Hilfe organisieren: Das Zimmer für die Entbindung sollte leicht zu säubern sein. Nach der Hausgeburt wird es eine Menge Wäsche geben und das kann sehr belastend für die Mutter sein. Eine Hilfe im Haushalt bis mindestens zwei Wochen nach der Geburt sollte auf jeden Fall eingeplant werden.

     
  • Nachsorge: In den ersten zehn Tagen nach der Hausgeburt hilft Ihre Hebamme bei der Nachsorge. Trotzdem ist die Gefahr, sich in den eigenen vier Wänden zu viel zuzumuten, groß – vor allem, wenn noch ältere Kinder zu versorgen sind. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Familie die Belastungen, die auf Sie zukommen, ab und teilen Sie die notwendigen Arbeiten auf.

Mögliche Komplikationen bei der Hausgeburt

Bei einer Hausgeburt können wie auch bei anderen Geburten verschiedene Probleme auftauchen. Kleinere Komplikationen kann die Hebamme selbst managen. Bei rund 17 Prozent aller außerklinischen Geburten (Hausgeburt und Geburtshaus) müssen die Gebärenden jedoch wegen Komplikationen in ein Krankenhaus verlegt werden.

Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Geburtsstillstand
  • Erschöpfung der Mutter
  • extrem schmerzhafte Wehen
  • starke Nachblutungen und Geburtsverletzungen
  • Probleme mit der Nachgeburt
  • Sauerstoffunterversorgung und abnehmende Herztöne beim Kind
  • gesundheitliche Probleme (Atem, Körpertemperatur) beim Kind nach der Entbindung

In vielen dieser Fälle ist eine Verlegung in eine Klinik unumgänglich. Oft sind, um die Geburt abzuschließen, operative Methoden (Saugglocke, Zange, Kaiserschnitt) nötig.

Wann von einer Hausgeburt abgeraten wird

Wenn bei Mutter und Kind gesundheitliche Risikofaktoren wie beispielsweise chronische Erkrankungen und Schwangerschaftsvergiftung bestehen, wird der betreuende Arzt und die Hebamme von einer Hausgeburt dringend abraten.

In folgenden Situationen ist eine Hausgeburt nicht möglich:

  • Komplikationen während früherer Schwangerschaften
  • Zu kleines mütterliches Becken, so dass der Kopf des Kindes nicht passieren kann
  • Beckenendlage oder Querlage des Kindes
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Drohende Frühgeburt
  • Andauern der Schwangerschaft über mehr als zehn Tage über den Entbindungstermin hinaus
  • Medizinische Probleme, die Mutter und Kind gefährden können, wie Bluthochdruck, Eisenmangel, Diabetes der Mutter, aktive Herpes-Virus-Erkrankung der Mutter, Vermehrung des Fruchtwasservolumens, vorzeitige Plazentalösung, vor dem Muttermund liegender Mutterkuchen (placenta praevia) oder Schwangerschaftsvergiftung (Eklampsie)

Auch bei Frauen, die ihr erstes Kind zur Welt bringen, wird von einer Hausgeburt abgeraten.

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Kosten der Hausgeburt

Eine Geburt daheim ist ebenfalls eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Hebamme rechnet alle Kosten für Voruntersuchungen, die Geburt selbst und die Nachsorge direkt mit der Kasse ab. Zusätzlich fällt eine Rufbereitschaftspauschale an, weil sich die Hebamme rund um den errechneten Geburttermin bereit hält. Diese Pauschale bewegt sich zwischen 200 und 400 Euro und muss selbst bezahlt werden. Hinzu kommen möglicherweise noch Kosten für Verbrauchsmaterial, einen mobilen Geburtspool und Sonderleistungen wie Akupunktur.

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