Auch das Baby bestimmt mit

Abstillen: Wie und wann? Die besten Tipps

Schnelles Abstillen von einem Tag auf den anderen ist fürs Kind extrem belastend, kann aber auch der Mutter schaden: Abrupt mit der Brustfütterung aufzuhören fördert Milchstau und sogar Depressionen. Tipps, wie man richtig abstillt, finden Sie hier.

Mutter liegt mit Baby im Bett
Im Idealfall zeigt das Baby durch bestimmtes Verhalten, dass es Zeit zum Abstillen ist.
Getty Images/Hemera

Kinder sollte man mindestens ein halbes Jahr stillen und dann mit dem Abstillen beginnen, empfehlen die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Letztlich bestimmen die Frau und ihr Baby selbst, wie lange es Muttermilch geben soll.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?

Häufige Gründe für Mütter, den Säugling langsam von der Brust zu entwöhnen, sind zum Beispiel der Wiedereinstieg in den Beruf, die Einnahme von Medikamenten,  das Durchbrechen der ersten Zähne. Bei vielen Frauen stellt sich nach mehreren Monaten auch eine gewisse "Stillmüdigkeit" ein, sie wünschen sich, wieder mehr Selbstbestimmung. Das ist ganz natürlich und nicht verwerflich. Dem Mutter-Kind-Verhältnis ist es nicht zuträglich, wenn die Frau nur aus Pflichtgefühl stillt und das Füttern an der Brust für sie eine große Last darstellt. Dies würde die Mutter nur verdrießlich stimmen, worunter vor allem ihr Kind zu leiden hätte. Hinzu kommt: moderne Babynahrung ist der Muttermilch so weit angepasst, dass dem Kind kaum etwas fehlt.

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Auf der anderen Seite sollte die Mutter nicht abstillen, nur weil sich Schwiegereltern oder Freunde peinlich berührt fühlen, wenn das Baby mit sechs Monaten und älter in ihrer Gegenwart an der Brust trinkt. Viele Mütter mit einem weiteren Kind wollen dem Älteren nicht länger zumuten, dass das Baby der Mama ständig so nah sein darf. Dies ist ebenfalls kein Grund, das Stillen einzustellen.

Sehr oft ist es jedoch auch so, dass das Baby von sich aus signalisiert, dass der natürliche Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist. Anzeichen sind zum Beispiel:

  • Es wird an der Brust nicht mehr richtig satt
  • Es trinkt nicht mehr richtig und verliert schnell das Interesse an der Mutterbrust
  • Es schaut der Familie neugierig beim Essen zu
  • Es beginnt nach Brot, Käse oder Obst zu greifen
  • Das Baby macht Kaubewegungen.

Wie Mütter ihr Baby abstillen: Praktische Tipps  

Gerade an die Breinahrung gewöhnt sich ein Säugling meist nur langsam: Die Konsistenz, der Geschmack, das Essen vom Löffel – all dies ist in der Zeit der Umstellung neu. Damit sich das Kind auf neue Kost einstellen kann, empfiehlt es sich, langsam mit dem Entwöhnen zu beginnen und lieber Woche für Woche eine der Stillmahlzeiten zu ersetzen:

  • Anfangs sollte das Kind nur eine sehr kleine Portion essen, damit sein Verdauungstrakt nicht überfordert wird, rät die Nationale Stillkommission. Nach und nach können die Eltern die Menge steigern.

  • Morgens und zum Einschlafen genießen Babys das Nuckeln an der Brust ganz besonders. Ersetzen Sie in der Abstillphase daher zunächst die Mittags- und die Nachmittagsmahlzeit.

  • Als erste Breimahlzeit eignen sich Karotten- und Kartoffelmus sowie zerdrückte Banane. Im Laufe der nächsten Wochen können als Beikost Fleisch, Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli, Spinat, Birne und Aprikose hinzukommen.

"Es können in der ersten Zeit auch Verstopfungen beim Baby möglich – darauf muss man unbedingt achten", rät Kirsten Knuth.

Abruptes Abstillen ist traumatisch fürs Baby

Überstürztes Entwöhnen von der Brust könne ein emotionales Trauma beim Baby auslösen, heißt es im Handbuch der Stillberatung der La Leche Liga Deutschland. Stillen stelle nicht nur eine Nahrungsquelle für das Baby dar, sondern spendet auch Nähe und Trost. Damit der Übergang gut klappt, ist es wichtig dass die Mutter ihr Kind weiterhin Nähe und Wärme spüren lässt. So sollte sie es während des Fütterns unbedingt im Arm halten und nicht – weil es vielleicht praktischer ist – in eine Autobabyschale oder Wippe setzen.

Auch in Zeiten großer Unruhe bei Mutter und Kind sollte nicht mit dem Abstillen begonnen werden, warnen Kinderärzte und -psychologen. Denn in seelisch turbulenten Phasen trifft es das Kind viel härter, auf den Körperkontakt verzichten zu müssen. Ein Zeitpunkt von seelischer Stabilität ist auch für die Mutter vorteilhafter, weil sie weniger das Gefühl hat, ihrem Kind gewaltsam eine liebgewordene Gewohnheit zu entziehen.

Je sanfter aber der Übergang zur Flaschenmilch ist, desto unwahrscheinlicher sind Komplikationen. Ein allmähliches Entwöhnen des Babys von der Brust hat übrigens auch für die Mutter Vorteile: Die Brust kann ganz allmählich weniger Milch bilden, so dass es nicht zum schmerzhaften Milchstau kommt. Außerdem bleibt der Busen besser in Form.

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Milchstau verhindern

Manchmal jedoch muss eine Mutter mit dem Stillen ganz plötzlich aufhören – etwa wegen einer Operation, hochdosierter Medikamente oder einer verfrühten Rückkehr in den Beruf. Doch sie tut gut daran, sich während dieser Zeit genau zu beobachten: Empfindet sie ein Druckgefühl in der Brust? Tritt die Milch nicht richtig aus? Diese Symptome sprechen für einen Milchstau. Wenn sie sich zudem matt und fiebrig fühlt, hat sich die Brust möglicherweise schon entzündet.

"Das Wichtigste in solch einer Situation ist, dass die Milch raus kommt", sagt Still-Expertin Kirsten Knuth. Warme Wickel helfen dabei, da sie das Drüsen- und Gangsystem der Brust weit stellen und so den Milchabfluss fördern. Die Frau muss zusätzlich mit sanften Fingerbewegungen nachhelfen und die Brust von oben nach unter ausstreichen. Von einer Milchpumpe wird jedoch abgeraten. Zusätzliches Abpumpen würde die Milchbildung weiter stimulieren.

Nach dem Ausstreichen heißt es: mit Quark kühlen. Das beugt einer Mastitis (Brustentzündung) vor und verhindert, dass allzu viel Milch in die Brust nachfließt.

Frauen, die direkt nach der Geburt nicht stillen möchten, wird das Kind nicht angelegt. Außerdem erhalten sie ein Medikament, das die Milchbildung hemmt.

Diese Tipps drosseln die Milchproduktion

  • die Brüste mit einem engen Tuch hochbinden

  • Salbei- oder Pfefferminztee trinken – sie bewirken, dass sich die Milchdrüsen zusammenziehen.

  • die Brust mit Zypressen-, Zitronen- oder Salbeiöl einreiben

  • kalte Umschläge machen - sie hemmen die Durchblutung und somit die Milchproduktion

Auch homöopathische Mittel aus der Kermesbeere kommen zur Reduktion der Milchbildung infrage. Sollten diese Hausmittel nicht wirken, muss die Frau ein Medikament einnehmen, das die Prolaktin-Produktion hemmt. Die Tabletten können allerdings zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Kreislaufstörungen, Übelkeit und Erbrechen führen.

Nach dem Abstillen: Ersatz für die Muttermilch

  • Ist Ihr Baby jünger als fünf Monate und Sie möchten oder müssen abstillen, so ist eine Anfangsnahrung Pre der beste Ersatz für Muttermilch. Sie ist der Muttermilch ähnlich und enthält neben Milchzucker keine weitere Stärke.

  • Eltern von allergiegefährdeten Säuglingen kaufen am besten in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten eine hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung mit der Bezeichnung HA.

  • Ältere Babys und Babys die sehr viel trinken, können auch eine Anfangsnahrung 1 erhalten, diese enthält Stärke und macht etwas länger satt.

Für die Säuglingsmilch eignet sich ein Sauger, der wie die Mutterbrust geformt ist, rät Fachfrau Knuth. Akzeptiert das Kind die Flasche nicht sofort, heißt es: immer wieder probieren.

Abstillen: die Stunde des Vaters

Gerade für den Vater ist die Zeit des Abstillens eine gute Gelegenheit, eine innige Beziehung zu seinem Kind aufzubauen. Flasche geben, Brei füttern und abends und nachts trösten können auch vom Papa übernommen werden. Natürlich hat der Vater auch zuvor sein Kind im Arm gehalten und liebkost. Aber das Grundbedürfnis des Kindes nach Nähe zu stillen, verleiht dem Zusammensein noch einmal eine ganz andere Qualität.

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