Sex & Erotik

Was ist eigentlich Erotik?

Schreibtisch, Kochtopf und Kinderhausaufgaben – Alltag und zugleich Feuerprobe für jede Beziehung. Erotik und Sex können da schnell zu Fremdwörtern werden. Dabei ist die körperliche Anziehung zwischen einem Paar nicht nur mit Spaß verbunden, sie ist auch wichtig für die Stabilität einer Beziehung. Denn auch Erotik und Sex sind Formen sozialer Kommunikation.

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Partnermassage: Erotik pur
Getty Images/Hemera

Wer verliebt ist könnte die ganze Welt umarmen. Der Körper schüttet Glückshormone aus, die in einen wahren Rausch versetzen und erotische Gefühlen ungeahnter Kraft erwachen lassen. Ist die erste Verliebtheit erst einmal vorüber, dann besteht das Risiko, dass der Alltag auch im Ehebett Einzug hält. Sexualität und Erotik drohen zu Fremdwörtern zu werden. Dabei ist das gegenseitige sexuelle Begehren wichtig für eine Partnerschaft.

Was ist Erotik?

Erotik bringt frischen Wind ins Schlafzimmer und ist zudem ein wichtiger Bestandteil der Liebe. Sie  ist Grundlage und Voraussetzung für guten Sex und daher wichtig für jede Paarbeziehung. Fehlt die Erotik, so wird sich das früher oder später auch auf die Sexualität auswirken und damit auch auf die Beziehung.

Viele wissenschaftliche Studien belegen, dass Sex wichtig ist für die Partnerschaft. Denn beim Liebesspiel werden Hormone ausgeschüttet, die die Basis für die emotionale Bindung eines Paares sind. Das Vertrauen wird ebenso gestärkt, wie die Aufmerksamkeit und der Respekt füreinander. Grundlage für Sex ist das sexuelle Begehren, also die Erotik. Was als erotisch definiert wird, ist dabei genauso individuell wie jeder einzelne Mensch und jede einzelne sexuelle Beziehung. Ein Blick, ein bestimmter Tonfall in der Stimme, eine zufällige Berührung – all das können erotische Signale sein.

Erotik ist nicht gleich Erotik: Sie hängt auch von kulturellen Unterschieden ab. Denn jede Gesellschaft macht gewisse Vorgaben, was als begehrenswert gilt. Während in Europa ein nackter Busen als erotisch wirkt, verbinden manche afrikanische Völker keine Erotik mit diesem Bild. Erotik kann dabei Züge annehmen, die uns als sehr fremdartig erscheinen: So fanden chinesische Männer früherer Jahrhunderte verkrüppelte Füße bei Frauen reizvoll, weswegen viele Frauen zu dieser Zeit versuchten, sich ihre Füße mit bestimmten Techniken zu verkrüppeln oder verkrüppeln zu lassen.

Abseits dieser kurios anmutenden Formen ist die Erotik – egal in welcher Ausprägung – die Basis des gemeinsamen Liebeslebens. Darüber hinaus ist sie auch ein Instrument sozialer Kommunikation. Denn in dem Verlangen, den Partner berühren, riechen und schmecken zu wollen zeigt sich der Wunsch nach Nähe und Miteinander. Respekt, Interesse am anderen – das sind wichtige Pfeiler einer Beziehung, die durch Erotik mitgeteilt werden.

Erotische Signale

Was auf den Gegenüber erotisch wirkt, lässt sich nicht pauschal festlegen. Zunächst können es rein optische Aspekte wie ein athletischer Körper, eine Frisur oder ein ebenmäßiges Gesicht sein. Auch der Tonfall einer Stimme, ein bestimmter Duft oder ein Kleidungsstil kann erotisch wirken. Es gibt jedoch auch Studien, die belegen, dass im Allgemeinen seltener die optischen Reize entscheidend sind, sondern vielmehr die Art und Weise, wie sich ein Mensch gibt.

Sexappeal basiert folglich nicht nur auf langen Beinen oder einem Waschbrettbauch, sondern vor allem auf Selbstvertrauen. Wer sich schüchtern hinter seiner Tasse Kaffee versteckt anstatt offensiv zu flirten, hat weniger Chancen auf erotische Momente als ein flirtfreudiger Mensch. Offenheit wirkt ebenfalls betörend, da diese Nähe herstellt. Unnahbare Menschen wirken ebenso wie perfekte Menschen eher abschreckend. Deshalb gilt: Stehen Sie zu Ihren kleinen Schwächen. Dann werden aus kleinen Fehlern sogar große Stärken.

Erotische Massage

Lustvoll ist es auch, beim anderen "Hand anzulegen", dessen Körper des spielerisch und zärtlich zu erforschen. Für eine gelungene erotische Massage ist das Ambiente wichtig. Eine angenehme Stimmung erzeugen Sie mit duftenden Ölen, die Sie am Besten im Wasserbad aufwärmen, sanftem Licht und entspannender Musik. Auch warme Temperaturen sind wichtig, denn bei einer erotischen Massage sind beide Partner nackt.

Die erotische Massage für Fortgeschrittene

Wer die Muskeln seines Partners regelmäßig knetet und damit Verspannungen löst, kann dies auch mit Erotik verbinden und damit Lust und Sinnlichkeit wecken. Ihrer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

  • Nutzen Sie den ganzen Körper!  Beispielsweise können Sie das Massageöl auf dem Körper Ihres Partners anstatt mit den Händen durch das Reiben Ihres Körpers verteilen.
  • Nach dem Kneten der einzelnen Muskelpartien können Sie nochmals zärtlich über die Muskeln streicheln.
  • ihm oder ihr schöne Dinge zuflüstern beispielsweise wie weich die Haut ist oder wie sehr Sie seinen Körper begehren. 
  • zum Liebestest

    In langjährige Partnerschaften schleicht sich oft Gewohnheit ein. Testen Sie, ob es in Ihrer Beziehung noch knistert oder ob sie etwas zur Auffrischung tun sollten!

Selbst geübte Massierer vergessen bei einer erotischen Massage oft ein wichtiges Körperteil: den Kopf. Dabei können auch hier wirksam Verspannungen gelöst werden - eine perfekte Vorbereitung für die erotische Massage. Bei der sinnlichen Kopfmassage werden vor allem Streichtechniken eingesetzt. Dazu können Sie ein duftendes Massageöl verwenden, aber auch ganz ohne Öl massieren. Je nachdem, was Sie und Ihr Partner bevorzugen. 

So wird die Kopfmassage durchgeführt

  • Der Partner liegt bequem auf dem Rücken.
  • Sie knien hinter ihm – sein Kopf ruht in einem Kissen auf Ihrem Schoß.
  • Legen Sie behutsam beide Hände gleichzeitig auf seine Stirn, streichen sie etwa 20mal abwechselnd mit der linken und rechten Hand von der Nasenwurzel zum Haaransatz.
  • Fragen Sie Ihren Partner, ob der Druck angenehm ist. 
  • Legen sie dann Ihre Hände so auf den Kopf Ihres Partners, dass die Handflächen auf den Schläfen liegen und sich die Finger in Höhe der Augenbrauen treffen. Bei diesem sogenannten „Dritten Auge“ kann Ihr Partner ganz entspannen und die Geborgenheit genießen.
  • Lassen Sie etwa zwei Minuten Ihre Hände so liegen.
  • Legen Sie dann beide Hände auf die Wangen Ihres Partners, die Fingerspitzen berühren das Kinn. Streichen Sie dann das Kinn entlang bis zum Kiefer. Wiederholen Sie auch diesen Massageteil etwa 20 mal.

Sie können die Massage natürlich nach Lust und Laune abwandeln und erweitern. Beispielsweise können Sie zärtlich die Wangenknochen entlang oder über Augenbrauen, Augenlider und Mundkonturen streichen. Auch ein zartes Kreisen mit Ihren Daumen an den Schläfen kann entspannend sein.

Die erotische Massage für Anfänger

Selbst wenn Sie Ihren Partner noch nie massiert haben, können Sie ihn mit einer erotischen Massage verwöhnen. Dabei sollten Sie es jedoch bei einer leichten Streichmassage belassen. Uns so geht’s:

  • Erwärmen Sie zunächst das Massageöl im Wasserbad.
  • Ölen Sie dann Ihren Partner von Kopf bis Fuß damit ein.
  • Verstreichen Sie das Öl mit großen und kleinen kreisenden Bewegungen mit Ihren Fingerspitzen, Handflächen und vielleicht auch Armunterseiten. Oder nutzen Sie zum Verstreichen Ihren Körper.
  • Streichen Sie mit leichtem Druck über die einzelnen Muskelpartien Ihres Partners. Beginnen Sie am Besten im Nacken und arbeiten Sie sich den ganzen Körper hinunter.
  • Verändern Sie dabei den Druck, indem Sie mehr oder weniger Gewicht auf die Hände legen.
  • Fragen Sie Ihren Partner, ob ihm der Druck angenehm ist und verändern Sie den Druck, falls dieser zu niedrig oder zu hoch ist.

Erotische Hilfsmittel

Natürlich gibt es auch tatsächlich greifbare Instrumente. Erotische Spielzeuge wie beispielsweise Penisringe, Dessous oder Erotik-Videos zählen dazu. Die Vielfalt an erotischen Hilfsmitteln ist groß. Hier wird sich mit Sicherheit das passende Spielzeug finden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Partner darüber reden, was Ihnen Lust bereitet, und welche Art der erotischen Hilfsmittel und Spielarten Sie gerne einmal testen möchten.

Auch die Sprache kann dabei als erotisches Hilfsmittel dienen. Allerdings führen die wenigsten Menschen offene Gespräche über sexuelle Bedürfnisse, Erotik und Verlangen. Die Ursachen:  Hemmungen, sich dem Partner zu öffnen oder schlicht fehlendes Vokabular. Wenn Sie über Erotik und Sexualität sprechen, können Sie medizinische Begriffe nutzen, wie beispielsweise „Vagina“ oder „Penis“. Sie können natürlich auch umgangssprachliche Wörter verwenden. Diese verknüpfen sich jedoch häufig mit negativen Assoziationen. Das gilt zum Beispiel für Ausdrücke wie „Möpse“, „Eier“ oder „vögeln“, die häufig als vulgär bewertet werden. Einigen Sie sich deshalb zuerst hinsichtlich der passenden Wortwahl. Welche Wortwahl Sie dabei bevorzugen, ist Ihnen überlassen. Es ist also wichtig, dass Sie sich darauf verständigen, welche Worte Sie lieber nicht verwenden möchten, welche Sie mögen und welche Sie angemessen finden. Klären Sie, was Sie und Ihr Partner unter den jeweiligen Worten verstehen, wenn es nicht ohnehin schon eindeutig ist. Möchten Sie zum Beispiel das Wort „ficken“ nutzen, meinen Sie damit im Allgemeinen den eigentlichen Sexualakt. Konkret versteht man darunter, dass Sie als Partnerin von Ihrem Partner „genommen werden“ wollen und ihm die Kontrolle überlassen.

Helfen können auch Wortneuschöpfungen, die Sie gemeinsam mit Ihrem Partner entwickeln. Wichtig ist, dass die Vokabeln für Sie eine positive Assoziation haben. Alternativ können Sie auch verhüllende Worte für Ihr erotisches Spiel einsetzen. So können Sie Ihre „Vagina“ untereinander auch als „Muschel“ bezeichnen. Nachdem Sie die richtigen Vokabeln gefunden haben, können Sie sie entsprechend als erotisches Hilfsmittel nutzen.

Erotische Gespräche können Sie aber auch während des Liebesspiels einbauen. Sie können die Begriffe aber auch für das Vor- und Nachspiel nutzen. Sie können Ihren Partner mit Fantasien anregen und ihn beim Liebesspiel anfeuern.

Erotik in der Beziehung

Kamasutra: Prickelnde Stellungen für Bettsportler

Schon kleine Veränderungen reichen aus, um neuen Wind in die Sexualität zu bringen. Sie können beispielsweise ausgefallene Orte für den Liebesakt wählen. Ist es im Büro zu heikel, weil Sie erwischt werden könnten? Dann nutzen Sie doch einfach das Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung. Sie werden bemerken, wie auf- und anregend das sein kann – auch ohne die prickelnde „Gefahr“ von den Kollegen beim Liebesspiel erwischt zu werden. Übrigens muss es nicht unbedingt und immer zum Geschlechtsverkehr kommen. Sie können sich auch einfach leidenschaftlich im Fahrstuhl oder im Kino küssen. Das sorgt mit Sicherheit für erotische Spannung.

Wer miteinander spricht, hat besseren Sex

Wichtig ist außerdem die Kommunikation: Wer in der Beziehung nicht redet, riskiert dass sich die Lustlosigkeit auch auf Erotik und Sexualität auswirkt. Deshalb: Reden Sie über Gefühle, Bedürfnisse, Pläne, Ziele oder einfach nur über den Alltag.

Ein wichtiges erotisches Element ist außerdem die Neugier auf den Partner. Sie meinen, Sie kennen nach einer jahrelangen Beziehung jedes Detail am Körper Ihres Partners? Dann irren Sie sich mit Sicherheit, denn jeder Mensch entwickelt sich weiter. Auch Sie werden viel Neues an Ihrem Partner entdecken, wenn Sie nur danach suchen. Bewahren Sie sich also die Neugier, testen Sie alles, worauf Sie Lust haben, seien Sie kreativ und bewahren Sie so die Erotik in Ihrer Beziehung.

Acht Gründe, warum Sex gesund ist

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Februar 2017
Quellen: Maria M. Kettenring: Erotische Partnermassage, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2004 Lynn Hagens: Perfekt im Bett. So machen Sie ihn beim Sex wirklich glücklich, Humboldt -Verlag, Hannover, 2008 Paul Kochenstein: Ratgeber Sexualität: Sexuelle Störungen beheben, Leidenschaft neu entdecken, Sexualität lustvoller erleben, Klinkhardt-Verlag, Bad Heilbrunn, 2006 Rudolf Hoberg: Sprache - Erotik – Sexualität, Erich Schmidt Verlag, 2001 David Schnarch: Die Psychologie sexueller Leidenschaft, Pieper-Verlag, München, 2009 Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)Célia Maria Fatia: Glücksbedingungen in der Partnerschaft, Onlineveröffentlichung (Dezember 2010) Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)Steve und Shaaron Biddulph: Drei Arten von Anziehung: Sympathie, Liebe und Lust, Onlineveröffentlichung (Dezember 2010)

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