Psycho-Wahnsinn an Weihnachten

Stille Nacht, stressige Nacht: Ohne mich!

Besinnlich und ruhig soll der Advent sein – eigentlich. Psychologe Roberto Rojas von der Uni Ulm erklärt, warum die Zeit des Plätzchenbackens, der Weihnachtsmarkt-Dates und Geschenkekäufe stattdessen regelmäßig einem Höllentrip gleicht.

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Es heißt Heiliger Abend, nicht perfekter: Geschenkekauf in überfüllten Geschäften und Plätzchenback-Marathon sollten nicht in Stress ausarten.
© iStock.com/svetikd

Für viele von uns bedeuten die Tage und Wochen vor Weihnachten Stress, Hektik, Erwartungsdruck. "Zunächst haben wir Spaß daran, Geschenke für unsere Lieben zu besorgen und das perfekte Weihnachtsfest zu planen", sagt Rojas.

Tinnitus und Rückenschmerzen durch Weihnachtshektik

"Kommt es jedoch durch mehrere Stressoren und Zeitdruck zur Überlastung und vernachlässigen wir Aktivitäten, die uns sonst Freude bereiten und Kraft geben, kann dies unser Wohlbefinden oder sogar unsere Gesundheit beeinträchtigen." Der Psychologe weiß aus der Praxis, dass Patienten dann vermehrt über Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Ohrgeräusche (Tinnitus) oder Rückenschmerzen klagen.

Und selbst in der Erholungsphase, wenn alle Geschenke verteilt und die Verwandten abgereist sind, zwingt uns der Körper womöglich zu einer Ruhepause: "Es ist bekannt, dass ausgeprägter Stress im Körper Energie mobilisiert, wodurch wir den Stressor bewältigen können. Fällt die Anspannung ab, reagiert der Mensch nicht selten mit psychosomatischen Beschwerden", sagt Professorin Iris-Tatjana Kolassa, die in Ulm das Institut für Klinische und Biologische Psychologie leitet.

Akkus aufladen gegen den Weihnachtsstress

Doch was passiert genau in unserem Körper, wenn wir gestresst sind? "Die Aktivierung der sogenannten sympathiko-adreno-medullären-Stressachse versetzt uns in Alarmbereitschaft – erhöhte Anspannung, Wachsamkeit und emotionale Erregung sind die Folge", sagt Kolassa – "etwa zwanzig Minuten nach Wahrnehmung eines Stressors beginnt die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol durch die Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse."

Stress über einen längeren Zeitraum könne zu einer geringeren Frustrationstoleranz sowie zu Überlastungssymptomen führen. Die Psychologieprofessorin empfiehlt Berufstätigen eine geschickte Planung der Feiertage. Dabei dürfen eigene Interessen keineswegs vernachlässigt werden: "Gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit sollte man seine Energiequellen beibehalten und weiterhin Zeit für den Lieblingssport oder Treffen im Freundeskreis einplanen", sagt auch Roberto Rojas.

Kluge Planung statt überzogener Erwartungen

Nicht zuletzt verursachen zu hohe Erwartungen, die wir an uns selbst und an andere stellen, Stress und Druck rund um das Fest der Feste. Hier gilt es, einfach mal Nein zu sagen und anzunehmen, dass das Weihnachtsfest nicht perfekt sein muss. Meist freut sich die Familie mehr über entspannte, gut gelaunte Gesichter unter dem Tannenbaum als über eine aufwändige Feier, ein Fünf-Gänge-Menü und teure Geschenke.

"Weihnachten als Fest der Besinnung ist eine Chance, zur Ruhe zu kommen und zu reflektieren. Diese Haltung sollten wir auch über die Feiertage hinaus mit ins nächste Jahr nehmen, um so den Alltagsstress dauerhaft zu reduzieren", sagt Roberto Rojas und liefert Weihnachtsgestressten damit auch gleich einen Vorsatz fürs neue Jahr.

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