Person & Seele

Rotwerden ist kein Grund zum Schwarzärgern

"Tomate, Tomate", so wurden viele Kinder und Jugendliche in der Schule gehänselt, wenn sie plötzlich rot wurden. Teenager haben eine größere Veranlagung zum Rotwerden, sagen Experten. Aber auch 70-Jährige sind nicht davor gefeit. Die Angst vor dem Rotwerden kann sogar zu einer Krankheit werden, die die Betroffenen stark einschränkt. Dabei ist Rotwerden eigentlich eine ganz normale menschliche Reaktion.

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Rotwerden ist eine ganz normale menschliche Reaktion
Getty Images/Goodshoot RF

Rotwerden resultiert aus Stress. Das Gehirn sendet Hormone aus, der Blutdruck steigt. Um sich vor Überhitzung zu schützen, erweitert der Körper die Blutgefäße. Das Resultat: Rotwerden – der Betroffene bekommt die typische "rote Birne". Welche Ereignisse stressen und damit Erröten hervorrufen, ist individuell. Typische Situationen seien Lob, Kritik oder das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen, berichtet Doris Wolf, Autorin des Buches "Keine Angst vor dem Erröten". Dabei ist das Besondere: Wir werden nicht einfach rot, "sondern rufen dieses Erröten in Wirklichkeit selbst hervor", sagt Wolf. "Unser Körper führt lediglich unseren Auftrag zum Rotwerden aus."

Bald entsteht ein Teufelskreis ums Rotwerden: "Da wir es nicht gerne haben, wenn andere Menschen uns unsere Gefühle im Gesicht ablesen können, beginnen wir uns für das Rotwerden zu verurteilen", erklärt Wolf. "Wir beginnen, uns darum zu sorgen, dass wir nicht rot werden." Eine fatale Entwicklung. Denn je mehr jemand fürchtet, zu erröten, desto häufiger passiert's. Und umso sensibler wird er reagieren, wenn er auf das Rotwerden angesprochen wird.

Verhaltenstherapie kann bei Rotwerden helfen

Angst vor dem Rotwerden kann sogar zur Krankheit werden, Erythrophobie genannt. Dabei beginnen die Betroffenen, Situationen zu meiden, in denen sie erröten könnten. Ihr ganzes Leben dreht sich plötzlich nur noch ums Rotwerden. Sie versuchen es im wahrsten Sinne des Wortes zu verdecken, indem sie z.B. stark deckendes Make-up auftragen. Weitere Tricks: "Offene Fenster, leichte Kleidung, dunkle Ecken, vorgetäuschte Hustenanfälle und natürlich das Solarium", erzählt ein Betroffener. Dank Solarium habe er meistens etwas Sonnenbrand, da fiele das Rotwerden nicht mehr so auf.

Wen die Angst vorm Rotwerden stark bestimmt, der sollte sich an einen Fachmann wenden. Experten raten zu einer Verhaltenstherapie. Bei der konfrontiert der Therapeut den Patienten mit Situationen, die er zu vermeiden versucht. So soll er lernen, wie er sie bewältigen kann. Patienten, die an einer schwachen Erythrophobie leiden, berichten, dass ihnen leichte pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian helfen.

Entscheidend ist es jedoch, zu merken: Rotwerden ist gar nicht so schlimm. Das fördert die Selbstsicherheit und hemmt das Erröten. Der betroffene Moritz berichtet: "Von einer Minute auf die andere war es verschwunden: Ich musste für einen Ferienjob ins Ausland (wo ich vorher gelebt hatte) und mir nichts dir nichts war ich wie ausgewechselt, mein Selbstbewusstsein wieder hergestellt, mein Hadern mit mir wie weggeblasen - und damit auch das Erröten (bis auf die 'Rampenlicht'-Situationen). Was ein schönes Gefühl, wieder man selbst zu sein, sich nicht verkriechen zu wollen!"

Die Röte kommt. Was tun?

• Rotwerden nicht alle Schwäche deuten, sondern als normale menschliche Reaktion.

• Sich das Rotwerden erlauben. Es ist okay, zu erröten. Der rote Kopf wird auch wieder abklingen. Alles nicht so wild.

• Anderen Menschen erlauben, das eigene Rotwerden zu sehen. Je mehr jemand versucht, es zu verstecken, umso mehr Anspannung erzeugt er und desto länger bleibt die Röte.

• Andere können die Gründe für das Rotwerden nicht sehen. Röte kann auf Freude, Angst und Erregung deuten, aber auch Scham, Wut oder ganz andere Gefühle anzeigen.

• Atemübungen helfen, sich zu entspannen: Eine Hand flach unterhalb des Nabels auf die Bauchdecke legen und tief einatmen. Sich dabei vorstellen, wie der Atem langsam bis hinunter zur Hand fließt und schließlich die Hand hoch atmet. Sich anschließend vorstellen, wie der Atem wieder über den Brustraum und die Nase nach außen entweicht. Dabei auf die Hand konzentrieren. Übung mehrmals wiederholen.

• Das Selbstbewusstsein stärken. Sich die eigenen Stärken und Fähigkeiten ins Gedächtnis rufen.

• Kommentare ignorieren. In großen Runden nicht auf Bemerkungen zum Rotwerden eingehen. Es würde dem Erröten einen besonderen Stellenwert sichern.

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