Eingesunkenes Fußlängsgewölbe

Plattfuß (Pes planus): Was hilft bei der Fußfehlstellung?

Jeder zehnte Erwachsene hat eingesunkene Fußlängsgewölbe: Plattfüße. Wie es dazu kommt und wie sich ein Plattfuß behandeln lässt.

barfuss
Plattfüßen beugt am besten ausreichend Bewegung vor – idealerweise barfuß, um die Muskeln zu trainieren.
© iStock.com/scyther5

Die menschlichen Füße sind komplex gebaute Wunderwerke der Natur: Rund 130.000 Kilometer legt ein Mensch durchschnittlich im Laufe seines Lebens auf ihnen zurück. Leider danken wir es ihnen nicht mit einer Extraportion Aufmerksamkeit, sondern riskieren mit ungünstigem Schuhwerk, einseitiger Belastung und zu wenig Bewegung die Entwicklung von Fußfehlstellungen. Sehr verbreitet ist der Plattfuß (Pes planus), der in geringerer Ausprägung auch Senkfuß genannt wird und häufig die Folge eines Knick- oder Knicksenkfußes ist. Experten schätzen, dass acht bis zehn Prozent aller Erwachsenen Plattfüße haben.

Was versteht man unter einem Plattfuß?

Bei einem Plattfuß ist das Fußlängsgewölbe vollständig eingesunken. Das lässt sich gut bei einem Strandspaziergang erkennen: Während ein gesunder Fuß auf weichem Untergrund wegen seines intakten Längsgewölbes einen sichelförmigen Abdruck hinterlässt, gräbt sich bei einem Plattfuß die gesamte Fußsohle in den Sand. Beim Gehen ist ein Plattfuß meist nach innen eingeknickt (Knickfuß) und sein äußerer Rand leicht angehoben, sodass die Schuhsohlen an den inneren Schuhspitzen in der Regel am stärksten abgenutzt sind. Häufig ist dabei auch die Achillessehne verkürzt.

Mediziner unterscheiden zwischen dem flexiblen und dem rigiden (kontrakten) Plattfuß: Nimmt der Fuß an seiner Innenseite eine normale Wölbung an, sobald sich der Patient auf die Zehenspitzen stellt, so spricht man von einem flexiblen Plattfuß; ist bereits die gesamte Fußsohle versteift, so ist von einem rigiden Plattfuß die Rede. Des Weiteren wird zwischen dem symptomatischen (schmerzhaften) und dem asymptomatischen (nicht-schmerzhaften) Plattfuß differenziert.

Welche Symptome verursacht ein Plattfuß?

Normalerweise haben Menschen mit schwach ausgeprägtem, erworbenem Plattfuß keine Schmerzen und können sich auf ihren Füßen ganz normal bewegen. Aufgrund der Fehlstellungen kann es aber im Laufe des Lebens zu weiteren Folgeerscheinungen kommen:

  • Fehlstellungen der Zehen
  • Druckstellen
  • Schwielen an den Fußsohlen
  • Hühneraugen
  • Fersenschmerzen
  • Probleme in anderen Gelenken, wie Knie, Hüfte oder Rücken
  • Gelenkverschleiß

Bei einem gesunden Fuß federt das Längsgewölbe das Körpergewicht ab und sorgt für Schwung beim Gehen. Deshalb kann ein ausgeprägter Plattfuß die gesamte Körperstatik stören. Mit zunehmendem Alter treten bei Betroffenen oft Rücken- oder Knieprobleme auf. Schmerzen in den Fußsohlen, zum Beispiel unter der Ferse, sind ebenfalls häufig ein Symptom eines unbehandelten Plattfußes: Die Ansatzsehnen wichtiger Muskeln sind dann so stark überdehnt und strapaziert, dass das Laufen ohne spezielle orthopädische Schuheinlagen zur Qual werden kann. Auch Schmerzen, Schwellungen oder Entzündungen auf der Innenseite beider Fußknöchel sind möglich. Steht die Ferse schief, belastet das auch das Sprunggelenk sowie die dazugehörigen Sehnen und Bänder.

Ein Plattfuß kann arthritische Beschwerden im Mittelfußgelenk verursachen. Oft sind auch die Zehengrundgelenke oder die Köpfe der Mittelfußknochen im Fußballen überbelastet. Es kann zu Zehenfehlstellungen kommen. Hornhaut und Hühneraugen am Fußballen können ebenfalls Folgen von Fußfehlstellungen wie dem Plattfuß sein.

Wann muss man einen Plattfuß behandeln lassen?

Ein angeborener Plattfuß wird heute in der Regel direkt nach der Geburt operiert und physiotherapeutisch behandelt.

Bei einem erworbenen Plattfuß liegen die Dinge anders: Handelt es sich um einen flexiblen Plattfuß, der nur schwach ausgeprägt ist und keine Beschwerden verursacht, so ist eine orthopädische Therapie meist noch nicht notwendig. Um den richtigen Zeitpunkt für den Beginn einer Plattfuß-Behandlung nicht zu verpassen, sollten sich Menschen mit flacher werdendem Fuß aber so früh wie möglich bei einem spezialisierten Orthopäden vorstellen. Wird ein ausgeprägter Plattfuß dauerhaft nicht therapiert, kann er sich knöchern fixieren (rigider Plattfuß), sodass jegliche Behandlung nur noch schwer möglich ist. Für die Mobilisierung des Fußes mithilfe bestimmter Übungen und ein gezieltes Training ist es niemals zu früh.

Wie kommt es zu einem Plattfuß?

Jedes Kind wird mit scheinbar platten Füßen geboren: Die Fußgewölbe von Säuglingen sind mit einer Fettschicht gepolstert, die nach dem Laufenlernen allmählich verschwindet. Ein angeborener Plattfuß ist aber selten und tritt nur bei unter einem Prozent aller Geburten auf.

Sehr viel häufiger als die Gene sind äußere Umstände Schuld an der Fußfehlstellung. Ob im Kindesalter oder im späteren Leben: zu wenig Bewegung, starkes Übergewicht, einseitige Belastung und ungünstiges Schuhwerk spielen bei der Entstehung eines Plattfußes eine wichtige Rolle. Hinzu kommt, dass unsere Füße auf asphaltierten Wegen und in Schuhen nicht ausreichend trainiert werden: Die Muskeln und Bänder, die das Fußgewölbe stützen, allen voran der tiefe Wadenmuskel (Musculus tibialis posterior), sind dadurch häufig zu schwach.

Diagnose: Unterschied zwischen natürlichem und krankhaftem Plattfuß

Der Orthopäde kann Plattfüße anhand ihres typischen Erscheinungsbilds diagnostizieren. Eine Röntgen-Untersuchung kann vor allem beim angeborenen Plattfuß genauen Aufschluss über die Form der Fußknochen geben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Babys und Kinder bis zum Alter von etwa sechs Jahren natürlicherweise mehr oder weniger stark ausgeprägte Plattfüße haben. Dabei handelt es sich jedoch um keine Fußfehlstellung, sondern um Fettgewebe, das nach und nach verschwindet. Dieser natürliche Plattfuß bei Kindern muss von einem krankhaften unterschieden werden.

Wie lässt sich ein Plattfuß behandeln?

Allgemein unterscheidet man zwischen aktiven und passiven Therapieansätzen. In die erste Kategorie fallen physiotherapeutisches Training und Fußübungen, die den Plattfuß mobilisieren, muskulär stabilisieren und den Gang verbessern. Passive Behandlungsmöglichkeiten sind zum Beispiel orthopädische Einlagen, Orthesen (Hilfsmittel, die Fuß, Knöchel oder Bein stabilisieren, entlasten oder ruhig stellen) sowie orthopädische Schuhe.

Die meisten Orthopäden verschreiben bei einem Plattfuß maßangefertigte orthopädische Einlagen, die den Fuß stützen, stabilisieren und polstern, sodass Schmerzen beim Gehen verschwinden und Folgeschäden vorgebeugt wird. Es gibt allerdings Physiotherapeuten, die das kritisch sehen: Durch orthopädische Einlagen werde der Fuß nicht trainiert, sondern lediglich ruhig gestellt, sodass sich die Fehlstellung auf Dauer sogar verschlimmern könne.

Neben passiven werden heute auch immer häufiger sogenannte aktivierende (sensomotorische) Einlagen gegen einen Plattfuß eingesetzt. Sie sollen Verspannungen und Schmerzen nachhaltig beseitigen, indem sie die Aktivität einzelner Muskeln oder Muskelgruppen bei der Fortbewegung oder im Stehen gezielt verändern und fördern. Während orthopädische Einlagen auf Rezept in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, ist das bei sensomotorischen Einlagen noch nicht der Fall.

Ausgeprägte Plattfüße, durch die bereits Sehnen oder Gelenke in Mitleidenschaft gezogen sind und die man mit Übungen, Schuheinlagen und anderen Hilfsmitteln nicht mehr behandeln kann, müssen manchmal operiert werden, um weitergehende Deformationen zu verhindern. Bei dem Eingriff werden je nach Problemstellung zum Beispiel Sehnen versetzt oder das Fersenbein verschoben. Beim rigiden Plattfuß sind manchmal auch chirurgische Veränderungen an den Weichteilen des Fußes oder Gelenkversteifungen notwendig. Es handelt sich in der Regel um eine aufwendige Operation, nach der die Füße mehrere Wochen lang geschont werden müssen.

Ist durch einen Plattfuß eine Sehne akut entzündet, so können entzündungshemmende Arzneimittel und ein Ruhigstellen des Fußes helfen. Oft müssen Betroffene für längere Zeit einen Gips tragen.

Gibt es Übungen, die bei Plattfuß helfen und vorbeugen?

Angeborenen Plattfüßen kann nicht vorgebeugt werden.

Gute Schuhe, häufiges Barfußgehen und ein der Körpergröße angemessenes Gewicht können dazu beitragen, dass ein Plattfuß im Laufe des Lebens erst gar nicht entsteht.

In einer Fußschule beziehungsweise bei einem Physiotherapeuten erlernen Sie individuell auf Ihre Füße und körperlichen Probleme abgestimmte Übungen, die einen Plattfuß und eine aus dem Lot geratene Körperstatik korrigieren und Ihren Gang optimieren.

Was Sie tun können, um dem Plattfuß entgegen zu wirken

Generell ist bei einem Plattfuß – wie bei jeder anderen Fußfehlstellung auch – jegliche Art der Mobilisierung sinnvoll. Die folgenden Maßnahmen und Übungen können Betroffene mit einem flexiblen Plattfuß zu Hause ausprobieren. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie vorab mit Ihrem behandelnden Arzt Rücksprache halten.

  • Barfußlaufen: Beim Gehen ohne Schuhe auf unterschiedlich beschaffenen Untergründen werden alle Fußmuskeln trainiert; Muskeln, Bindegewebe und Faszien der Fußsohle bleiben dadurch elastisch und kräftig. Von Kindesalter an sollte man also so oft es geht barfuß oder in (Stopper-)Socken herumlaufen. Wer aus hygienischen, gesundheitlichen oder ästhetischen Gründen Schuhe tragen muss, kann sich spezielle Barfußschuhe mit einer sehr dünnen, flexiblen Sohle kaufen.
  • Fußreflexzonenmassage: Nehmen Sie im Sitzen einen Fuß auf den Oberschenkel des anderen Beines und akupressieren Sie mit Ihren Daumen kräftig alle weichen Teile und Reflexzonen der jeweiligen Fußsohle.
  • Faszienmassage: Rollen Sie mit leichtem Druck einen kleinen, harten Flummi unter Ihren nackten Fußsohlen hin und her. Das pflegt und dehnt die Bindegewebshüllen der Muskeln (Faszien). Nach und nach sollte die gesamte Fußsohle bearbeitet werden.
  • Fußgymnastik: Die im Folgenden beschriebenen Übungen können die Fußmuskulatur auf einfache Art und Weise trainieren und mobilisieren. Selbstverständlich sind sie kein Ersatz für individuell zusammengestellte und vom Physiotherapeuten kontrollierte Plattfuß-Übungen.

Einfache Übungen zur Fußgymnastik

Im Stehen:

  • Wechseln Sie barfuß von den Zehenspitzen auf die Fersen und wieder zurück.

Im Stehen oder Sitzen:

  • Üben Sie, mit Ihren Zehen Dinge aufzuheben (zum Beispiel ein Stofftaschentuch).

Im Sitzen:

  • Nehmen Sie einen Tennisball zwischen Ihre beiden Fußsohlen und heben Sie ihn an.
  • Legen Sie Ihre Zehen auf einen Tennisball (die Ferse bleibt auf dem Boden). Drücken Sie mit den Zehen und dem Vorfuß kräftig gegen den Ball, ohne ihn wegzustoßen.
  • Legen Sie einen Tennisball auf den Boden und stellen Sie Ihren Plattfuß dahinter auf. Rollen Sie den Ball dann mithilfe Ihres anderen Fußes auf den Fußrücken herauf und wieder hinunter.
  • Balancieren Sie einen Tennisball auf Ihrem Fußrücken, indem Sie Ihre Zehenspitzen zum Bein ziehen und Ihren Fuß langsam von Untergrund abheben.

Alle beschriebenen Plattfuß-Übungen sollten ohne Schuhe und jeweils hintereinander mit beiden Füßen durchgeführt werden. Bei der Übungsdauer können Sie sich nach Ihrer Kondition richten und mit der Zeit Ihr Pensum langsam steigern.

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