Wenn die Dauererregung zur schmerzhaften Qual wird

Orgasmuskrankheit: Persistent Sexual Arousal Syndrome (PSAS)

Permanent erregt und bis zu 250 sexuelle Höhepunkte pro Tag. Das Persistent Sexual Arousal Syndrome (PSAS) ist eine seltene Erkrankung, die zumeist bei Frauen auftritt und durch dauerhafte Erregung mit unkontrollierbaren Orgasmen gekennzeichnet ist.

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Die "Orgasmuskrankheit" PSAS geht mit schmerzhafter Dauererregung und unfreiwilligen Höhepunkten einher. Der psychische Leidensdruck Betroffener ist enorm groß.
© iStock.com/khorzhevska

Das Persistent Sexual Arousal Syndrome (PSAS), auch als Persistent genital arousal disorder (PAGD) bezeichnet, beschreibt eine persitierende (andauernde) Erregungsstörung der Genitalien. Dabei lösen Laufbewegungen beim Gehen oder Sport, leichte Vibrationen wie etwa beim Autofahren, aber auch niederfrequente, basslastige Klänge oder das bloße Geräusch eines Föns, heftige, im Tagesverlauf immer schmerzhafter werdende Orgasmen aus.

Bis zu 100 qualvolle Ejakulationen täglich

PSAS ist eine vergleichsweise noch recht "junge" Erkrankung, die im Jahr 2001 erstmals beschrieben wurde. Dementsprechend gering ist das Wissen über PSAS und eine Therapie bislang nicht bekannt. Auch die Zahl der Betroffenen ist unklar, da an PSAS Erkrankte sich aus Scham häufig nicht zum Arzt trauen. Die Mediziner wissen bislang nur, dass die Erkrankung spontan auftreten kann, dann dauerhaft bleiben oder auch nur phasenweise vorkommt und dann für mehrere Tage oder Wochen verschwinden kann.

Bislang wurde PSAS überwiegend bei Frauen nachgewiesen. In einigen Fällen bekommen die Betroffenen bis zu 250 Orgasmen am Tag. Der Fall eines 37-jährigen Amrikaners zeigt, dass auch Männer davon betroffen sein können. Am Beispiel des Dale Decker aus Wisconsin erkannten die Mediziner jetzt, dass auch ein Unfallereignis oder ein Verletzung des Rückenmarks PSAS auslösen können. Im Fall des zweifachen Familienvaters führte ein Bandscheibenvorfall zum Entstehen der Krankheit. Seither durchlebt Decker pro Tag bis zu 250 unbeabsichtigte, zufällig auftretende Samenergüsse.

Psychische Belastung bei PSAS schlimmer als der Schmerz

Vordergründiges Symptom bei PSAS sind die Orgasmen, deren starke Muskelkontraktionen bei den betroffenen Frauen und Männern Schmerzen auslösen, jedoch keine echte sexuelle Befriedigung. Selbst die Erregung ist meist schmerzhaft. Da ein Orgasmus bei PSAS jederzeit und überall auftreten kann, belastet die Erkrankung das Sozialleben der Betroffenen immens. Um dem Gefühl der Scham zu entgehen, bei einem Orgasmus öffentlich beobachtet zu werden, ziehen sich PSAS-Erkrankte weitgehend aus der Gemeinschaft zurück. Sexualität wird zur Qual und belastet die Partnerschaft. Dies führt in vielen fällen zur Entstehung einer Depression bei PSAS.

Die fünf Kriterien für PSAS

  • Die sexuelle Erregung der Genitalien und Klitoris hält über einen Zeitraum von mehreren Stunden oder Tagen an.
  • Die sexuelle Erregung kommt nicht von einem echten Verlangen nach Sex.
  • Die sexuelle Erregung verschwindet nicht nach einem Orgasmus, sondern erfordert in der Regel mehr Orgasmen.
  • Das Gefühl der sexuellen Erregung ist aufdringlich und unerwünscht.
  • Die sexuelle Erregung der Genitalien und Klitoris ist mindestens mäßig schmerzhaft.

Die Leitsymptome von PSAS

Körperlichen Symptomen des PSAS sind Kribbeln in der Klitoris, Schwellung der Genitalien, der auch als weibliche Ejakulation bezeichneten Lubrikation, Orgasmen bei Kontraktionen in der Scheide, Kribbeln in der Scheide, Schmerzen in der Klitoris und Schmerzen in der Scheide, beziehungsweise Schmerzen im Penis, bei fehlendem Auslöser oder ohne Stimulation. Bei vielen Betroffenen ist der Zustand der sexuellen Erregung dauerhaft. Bei anderen treten die Beschwerden hingegen nur periodisch auf.

Zu psychischen Auswirkungen des PSAS zählen allgemeines Unwohlsein und Schamgefühl, Schuld, Ekel, Sorgen und Ängste bis hin zu Depressionen.

Bislang keine Heilung für PSAS möglich

Erst 2001 "entdeckt", ist das Wissen über die Ursachen und Auslöser des PSAS noch gering. Dementsprechend ist ein Heilmittel derzeit nicht bekannt, die Symptome können jedoch gelindert werden. Eine wesentlicher Faktor in der erfolgreichen PSAS-Behandlung ist die Sexual-, Paar- und Psychotherapie, die den Betroffenen aus ihrer Isolation hilft und für die nötige Unterstützung durch Partner und sozialem Umfeld sorgt.

Medikamente können einen unausgeglichenen Hormonhaushalt korrigieren, etwa durch ein Gel direkt im Bereich der Scheide appliziert oder oral eingenommen. Soweit ein physischer Auslöser, etwa ein verletzter oder geklemmter Nerv nach einem Bandscheibenvorfall, ursächlich für das Erregungssyndrom ist, sind auch chirurgisch operative Methoden zur Behandlung des PSAS denkbar.

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