Harnröhrenentzündung (Urethritis)

kondome schützen vor tripper
Kondome können vor der gonorrhoischen Harnröhrenentzündungen schützen.
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Die Harnröhrenentzündung oder fachsprachlich ausgedrückt Urethritis bezeichnet eine entzündliche Erkrankung der Harnröhrenschleimhaut, wobei insbesondere beim Mann die Hoden, deren Ausführungsgänge (Samenleiter) in die Harnröhre münden, mitbetroffen sein können.

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Bei der Frau kommt es zu begleitenden entzündlichen Veränderungen am Muttermund, welcher nur wenige Zentimeter hinter der Harnröhrenmündung im hinteren Scheidengewölbe liegt. Von dort kann die Entzündung zur Gebärmutter, weiter zu den Eileitern und Eierstöcken fortgeleitet werden.

Einteilung der Harnröhrenentzündung

Die Einteilung der Harnröhrenentzündungen erfolgt nach den verursachenden Erregern, wobei prinzipiell zwischen der gonorrhoischen (hervorgerufen durch Erreger der Gonorrhoe) und der nicht gonorrhoischen Urethritis (hervorgerufen durch Bakterien, Viren oder Pilze) unterschieden wird. Diese relativ einfache Einteilung basiert auf der enormen gesundheitspolitischen Bedeutung und dem erhöhten Komplikationsspektrum der Gonorrhoe. Die Erreger der Gonorrhoe infizieren die befallenen Schleimhäute, es kommt zu eitrigen Entzündungen, eine Verteilung der Erreger im gesamten Blutkreislauf ist häufig. Für diese Erkrankung besteht eine namenlose Meldepflicht durch den behandelnden Arzt.

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

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Symptome der Harnröhrenentzündung: Daran erkennen Sie eine Urethritis

Typische Krankheitzeichen der Harnröhrenentzündung sind das Brennen beim Wasserlassen, eine erhöhte Anzahl von Toilettengängen und ein unangenehmes Jucken und Brennen im Harnröhrenbereich. Besonders ein beobachteter morgendlicher Ausfluss (Penis/ Scheide) sollte ärztlich untersucht werden!

Die Menge des Ausflusses variiert individuell von einem Tropfen bis zu zwei bis drei Milliliter. Der Ausfluss kann glasig bis trüb eitrig sein.

Bei der Frau kann sich der normale Ausfluss aus der Scheide (Fluor vaginalis) vermehren. Frauen können es an der zunehmenden Menge und auch an einer unangenehmen Veränderung im Geruch bemerken.

Allgemeinsymptome wie Fieber und Unwohlsein sind bei der Harnröhrenentzündung sehr selten.

Urethritis-Ursachen: Warum entzündet sich die Harnröhre?

Die häufigste Ursache für eine Harnröhrenentzündung ist die Übertragung der Erreger beim Geschlechtsverkehr. Als bakterielle Erreger kommen als Ursache einer Harnröhrenentzündung in Betracht: Gonokokken (Erreger des Trippers), Chlamydien, Ureaplasmen, Mykoplasmen, Streptokokken. Die Harnröhrenentzündung kann auch über eine fortgeleitete Entzündung, von in der Nähe gelegenen Organen (Harnblase, Prostata), verursacht werden.

Meist sind Chlamydien oder Gonokokken die auslösenden Keime

In 30 Prozent der Fälle wird eine Urethritis durch bakterielle Erreger – die Gonokokken – verursacht. Das Krankheitsbild wird als Gonnorrhoe oder Tripper bezeichnet.

Aber auch andere Bakterien können eine Urethritis verursachen. Es kommen unterschiedliche Erreger vor. Mit den lateinischen Namen aufgeführt sind das: Chlamydien (zirka 40 Prozent der Infektionen), Ureaplasmen (zirka 30 Prozent der Infektionen), Mykoplasmen und Streptokokken.

Ausgehend von Entzündungen der Harnblase, der Prostata oder auch der Nieren kann die Entzündung auch sekundär auf die Harnröhre übergreifen und zu einer Urethritis führen. Seltener treten Urethritiden nach medizinischen Untersuchungen an Harnröhre und Blase auf.

Erkrankungen, wie eine vorbestehende Harnröhrenenge, eine Aussackung der Harnröhre (Divertikel) oder auch ein Stein oder Fremdkörper in der Harnröhre, können das Entstehen einer Harnröhrenentzündung begünstigen und unterstützen. Rein mechanische Reizungen können sehr selten eine Urethritis verursachen.

Diagnose: Wie der Arzt eine Harnröhrenentzündung feststellt

Die Untersuchung eines Patienten, der sich mit Krankheitszeichen einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) beim Arzt vorstellt, besteht aus unterschiedlichen Schritten. Mit einem ärztlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung können die wichtigsten Krankheitszeichen des Patienten festgestellt werden. Weitere Untersuchungen sind die rektale Untersuchung (Untersuchung der Prostata beim Mann) und die gynäkologische Untersuchung (Untersuchung des Muttermundes bei der Frau).

Ärztliches Gespräch und Untersuchung

Die Untersuchung des Patienten beim Urologen beginnt mit einem ärztlichen Gespräch (Anamnese). Der Arzt wird beispielsweise nach den Krankheitszeichen, der Entwicklung von beobachteten Symptomen und bisherigen Erkrankungen fragen. Eine körperliche Untersuchung des Patienten schließt diesen allgemeinen Teil der Diagnostik einer Urethritis ab.

Der untersuchende Urologe wird die Harnröhrenmündung inspizieren und Befunde wie Hautveränderungen und Sekretabsonderungen diagnostizieren.

Rektale Tastuntersuchung

Mit der Untersuchung der Prostata über den After (rektale Untersuchung) kann der Arzt eine entzündliche Begleiterkrankung der Prostata beim Mann ausschließen. Diese kurze Untersuchung ist nicht sehr angenehm, aber in der Regel nicht schmerzhaft.

Spezielle Untersuchungen

Spezielle Verfahren umfassen die Untersuchung des Urins und die Analyse des Harnröhrenausflusses. Dazu wird der Patient gebeten, sich morgens, möglichst vor dem ersten Wasserlassen, in der Praxis vorzustellen, um einen Abstrich aus dem vorderen Teil der Harnröhre vornehmen zu können. Dabei handelt es sich um eine harmlose und schmerzfreie Untersuchung, von deren korrekter Durchführung jedoch eine korrekte Diagnosestellung abhängt.

Gynäkologische Untersuchung

Bei der Frau kann mit einer gynäkologischen Untersuchung der Muttermund beurteilt werden. Dabei kann auch ein Abstrich von der Schleimhaut entnommen werden. Dieses Vorgehen unterscheidet sich unwesentlich von der jährlich empfohlenen frauenärztlichen Vorsorgeuntersuchung und sollte auch von einem Frauenarzt durchgeführt werden.

Das entnommene Material beim Abstrich wird durch geeignete diagnostische Nachweisreaktionen auf mögliche Krankheitserreger untersucht. Bereits die Untersuchung unter dem Mikroskop lässt eine grobe Bewertung zu. Viele Krankheitserreger lassen sich an der äußeren Form und Gestalt unterscheiden und diagnostizieren. Mittels spezieller mikrobiologischer Verfahren ist eine genaue Analyse des krankheitsverursachenden Erregers möglich (Nachweis typischer Oberflächenstrukturen von Krankheitserregern).

Blutuntersuchung

Bei allgemeinen Krankheitszeichen werden mittels einer Blutanalyse die sogenannten Entzündungsparameter (zum Beispiel C-reaktives Protein (CRP), Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BKS) oder Bestimmung der Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozytenanstieg)) kontrolliert. Diese Parameter sind bei einer allgemeinen Infektion erhöht und zeigen dem Arzt diese Reaktion des Körpers an.

Anhand der Symptome und der Ergebnisse aller Untersuchungen kann dann das ärztliche Behandlungsregime der Harnröhrenentzündung (Urethritis) festgelegt werden.

Therapie: So wird die Harnröhrenentzündung behandelt

Bakterielle Harnröhrenentzündungen werden mit Medikamenten (Antibiotika) behandelt, die Bakterien im Körper bekämpfen. Da die Urethritis hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, werden immer Frau und Mann gemeinsam mit Antibiotika für etwa fünf bis sieben Tage behandelt.

Die Behandlung einer bakteriellen Harnröhrenentzündung besteht in einer antibiotischen Therapie. Antibiotika sind Medikamente, mit denen unter ärztlicher Kontrolle bakterielle Infektionen behandelt werden können. Durch die regelmäßige Einnahme (zum Beispiel als Tabletten oder Kapseln) werden die Bakterien im Körper in ihrem Wachstum oder in ihrer Vermehrung gestört. Die Bakterienzahl nimmt ab oder steigt nicht weiter an.

Antibiotika nicht eigenmächtig absetzen, Partner mitbehandeln!

Ganz wichtig bei der ärztlichen Behandlung sind die Auswahl der richtigen Substanzgruppe von Antibiotika, die ausreichende Dosierung und auch die adäquate Therapiedauer (zirka fünf bis sieben Tage). Bricht der Patient eigenmächtig die Behandlung wegen Verschwinden der Krankheitszeichen vorzeitig ab, kann es zum Wiederaufkeimen von ruhenden, noch nicht abgetöteten Bakterien kommen. Die Folge ist ein Rückfall und Wiederauftreten von Symptomen. Eine Chronifizierung der Erkrankung kann damit gebahnt werden.

Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie der Harnröhrenentzündung ist die begleitende Behandlung des Partners, denn die krankheitsauslösenden Erreger kommen durch den Geschlechtsverkehr in Kontakt mit der Harnröhre des Partners. Wegen dieser Gefahr der Reinfektion beim Geschlechtsverkehr sollte auch der Partner behandelt werden.

Wird die Partnertherapie unterlassen, kann sich die/der Betroffene trotz korrekter Medikamentendosierung und Therapiedauer beim Partner in der Zukunft erneut infizieren. Die Antibiotika wirken schließlich nur für eine begrenzte Zeit (zirka fünf bis sieben Tage) und nur in dem Körper des Behandelten, nicht aber beim Partner. Für die Zeit der Therapie sollten Patienten auf Sex verzichten.

Urethritis vorbeugen: Das schützt vor Harnröhrenentzündung

Das Risiko, an einer Harnröhrenentzündung zu erkranken, lässt sich reduzieren. Allgemeine Vorbeugemaßnahmen betreffen vor allem den Gebrauch von Kondomen bei häufigem Partnerwechsel, die medikamentöse Partnertherapie bei diagnostizierter Urethritis und die ausreichende tägliche Trinkmenge von mindestens zwei Liter Flüssigkeit.

Verwendung von Kondomen

Die Vorbeugung der Harnröhrenentzündung im Sinne einer Geschlechtserkrankung besteht im Benutzen von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, insbesondere bei häufigem Partnerwechsel. Das Wissen über die Infektionsmöglichkeiten und Infektionswege ist ein wichtiger Schutz.

Partnertherapie

Bei Diagnosestellung einer Urethritis bei einem Partner ist der gemeinsame Gang zum Arzt wichtig. Um die Wiederansteckung beim nächsten Geschlechtsverkehr zu verhindern, müssen beide Partner therapiert werden. In der Zeit der ärztlichen Antibiotikatherapie ist es wichtig, auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Somit lässt sich die wiederholte Neuinfektion mit Bakterien verhindern.

Trinkmenge und Toilettengang

Unterstützende und vorbeugende allgemeine Ratschläge beziehen sich auf das ausreichende Spülen des harnableitenden Systems. Es ist wichtig, viel zu trinken (mindestens zwei Liter Flüssigkeit), um durch eine ausreichend gebildete Harnmenge die Harnröhre bei den Toilettengängen gut durchzuspülen. Damit können vorhandene Bakterien aus der Harnröhre ins Toilettenbecken gespült werden.

Es ist auch empfehlenswert, nach dem Geschlechtsverkehr die Blase zu entleeren, um die Anzahl der eventuell aufgenommenen Krankheitserreger aus der Harnröhre zu reduzieren.

Intimhygiene

Frauen und Mädchen können durch einen ergänzenden Ratschlag das Risiko für eine Harnröhreninfektion verringern. Nach dem Stuhlgang sollte die Reinigung des Afters möglichst in einer Richtung erfolgen – von der Scheide weg. Damit lässt sich die Verbreitung von Erregern aus dem Mastdarm in dem Intimbereich verringern.

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Letzte Aktualisierung:12. Januar 2017

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