Meist eine vorübergehende Erscheinung

Schwangerschaftsdiabetes: Blutzucker außer Kontrolle

Schwangerschaftsdiabetes tritt meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf und trifft rund fünf Prozent der Schwangeren. Meist reguliert sich der Blutzuckerspiegel nach der Geburt wieder, dennoch ist künftig Wachsamkeit gefragt.

schwangerschaftsdiabetes
Schwangerschaftsdiabetes ist meist gut durch eine Umstellung der Ernährung in den Griff zu bekommen.
© iStock.com/artursfoto

Als Schwangerschaftsdiabetes, fachsprachlich Gestationsdiabetes genannt, wird eine im Laufe der Schwangerschaft auftretende Entgleisung des Zuckerstoffwechsels bei Frauen bezeichnet, die bis dahin normale Blutzuckerwerte hatten. Etwa fünf Prozent aller Schwangeren sind betroffen.

Zwar normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel nach der Entbindung in der Mehrzahl der Fälle wieder. Dennoch bestehen Folgerisiken: Frauen, die in einer Schwangerschaft mit diesem Gesundheitsproblem zu tun hatten, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit (circa 80 Prozent) auch in der nächsten Schwangerschaft wieder betroffen sein. Zudem entwickelt fast jede Zehnte dieser Frauen im weiteren Leben einen Typ-2-Diabetes.

Im Überblick:

Die richtige Ernährung in der Schwangerschaft

Lifeline / Wochit

Ursachen des Schwangerschaftsdiabetes

Es gibt drei wichtige Risikofaktoren für die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes:

  1. Lebensalter über 30 Jahre zum Zeitpunkt der Geburt
  2. familiäre Veranlagung
  3. Übergewicht

Ohne mindestens einen dieser Risikofaktoren ist es eher unwahrscheinlich, dass der Glukosestoffwechsel während der Schwangerschaft entgleist. Wie aber kommt es zum Schwangerschaftsdiabetes? Einige, während der Schwangerschaft vermehrt gebildete Hormone wirken als Gegenspieler des Hormons Insulin, welches für die Absenkung des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist.

 

Insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft bildet der Mutterkuchen (Plazenta) verstärkt Blutzucker-erhöhende Hormone wie Progesteron, Prolaktin und Östrogen. Die Bauchspeicheldrüse muss daher die Insulinproduktion intensivieren, um die Blutzuckerwerte im Sollbereich zu halten. Gelingt dies nicht, entsteht Schwangerschaftsdiabetes.

Symptome des Schwangerschaftsdiabetes

Die Mehrzahl der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ist beschwerdefrei. Daher wird standardmäßig zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Blutzuckertest durchgeführt, bei Frauen mit Risikofaktoren auch früher.

Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes können auf Seiten der werdenden Mutter eine übermäßige Gewichtszunahme, ein gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie) oder Harnwegs- und Nierenentzündungen sein.

Tritt eines dieser Symptome auf, sollte vorsichtshalber der Arzt konsultiert werden. Er entdeckt darüber hinaus unter Umständen Zucker im Urin (Glukosurie) oder auch einen erhöhten Blutdruck (Hypertonie).

Zudem kann Schwangerschaftsdiabetes zu Veränderungen der Fruchtwassermenge und einem ungewöhnlich starken Wachstum des ungeborenen Kindes, das als fetale Makrosomie bezeichnet wird, führen.

Diagnose bei Gestationsdiabetes

Der Arzt führt einen sogenannten Zuckerbelastungstest, fachsprachlich auch als oraler Glukosetoleranztest (oGTT) bezeichnet, durch. Der schwangeren Frau wird morgens auf nüchternen Magen zunächst Blut abgenommen, um die Blutzuckerkonzentration im Nüchternzustand zu bestimmen.

Anschließend muss die Schwangere zügig 250 bis 300 Milliliter Wasser, in dem 75 Gramm Glukose gelöst sind, trinken. Eine sowie zwei Stunden später wird erneut eine Blutprobe genommen und der Blutzuckerspiegel bestimmt.

Bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird die Glukose langsamer abgebaut. Daher sind die Blutzuckerwerte nach einer und zwei Stunden höher als bei Gesunden. Wenn mindestens einer der drei Grenzwerten erreicht oder überschritten ist, spricht man vom Schwangerschaftsdiabetes.

Tabelle: Grenzwerte (nach IADPSG und WHO) der Blutzuckerwerte bei Schwangerschaftsdiabetes:

Messzeitpunkt Werte in mg/dl Werte in mmol/l
nüchtern ≥ 92 ≥ 5,1
nach einer Stunde ≥ 180 ≥ 10
nach zwei Stunden ≥ 153 ≥  8,5

Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes

Um ernsthafte gesundheitliche Probleme von Mutter und Kind zu verhindern, muss Schwangerschaftsdiabetes schnell behandelt werden. Andernfalls drohen der Mutter ein schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Präeklampsie), Krampfanfälle und vermehrt (Harnwegs)-Infekte. Das ungeborene Kind kann Entwicklungsstörungen davontragen oder sogar aufgrund einer Unterversorgung der Plazenta sterben. Zudem führt das übermäßige Wachstum des Kindes womöglich zu Schwierigkeiten bei der Geburt.

In der Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes ist primär die Eigeninitiative gefragt. Denn der Blutzucker sollte möglichst schonend für das Kind normalisiert werden. Eine Therapie mit Tabletten ist oft nicht möglich, da diese über die Plazenta das ungeborene Kind schädigen können. Daher wird zunächst versucht, durch eine Umstellung der Ernährung und Steigerung der körperlichen Aktivität den Blutzucker zu normalisieren. Mit dieser Basistherapie lässt sich das Problem bei 80 bis 90 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes beheben.

Gelingt dies nicht, muss auch beim Schwangerschaftsdiabetes eine Insulintherapie begonnen werden. Je nach Blutzuckerprofil kann es reichen, vor der Hauptmahlzeit ein schnell wirksames Insulin zu spritzen oder es muss zusätzlich vor dem Schlafengehen ein langwirksames, sogenanntes Basalinsulin gespritzt werden. In manchen Fällen ist eine Insulinpumpe erforderlich. In jedem Fall muss die Schwangere ihren Blutzucker selbst mit Teststreifen regelmäßig messen, um die Werte zu kontrollieren.

Wie kann man vorbeugen?

Frauen sollten am besten vor und während der Schwangerschaft darauf achten, sich regelmäßig zu bewegen und ausgewogen zu ernähren. Kommt Diabetes mellitus in der Familie gehäuft vor, ist es besonders ratsam, Normalgewicht anzustreben.

Blutzucker-Check nach der Geburt

Selbst, wenn der Blutzuckerwert kurz nach der Entbindung wieder im Normbereich ist, sollten Frauen, die bereits einmal an Schwangerschaftsdiabetes gelitten haben, den Wert regelmäßig kontrollieren. Denn das Risiko, nach der Geburt ihres Kindes einen Diabetes Typ-2 zu entwickeln, ist bei ihnen deutlich erhöht.

Sinnvoll ist ein erster Blutzucker-Check sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt. Findet sich dabei nichts Auffälliges, lassen die Frauen ihren Blutzuckerspiegel am besten trotzdem jedes zweite oder dritte Jahr kontrollieren, um eine drohende Zuckerkrankheit möglichst früh erkennen und bekämpfen zu können.

Damit sich aus dem Schwangerschaftsdiabetes nach der Entbindung keine dauerhafte und ernste Erkrankung entwickelt, empfehlen Fachleute Müttern, ihr Baby mindestens drei Monate zu stillen.

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