Latent insulinpflichtiger Diabetes mellitus im Erwachsenenalter

LADA: Sonderform von Typ-1-Diabetes

Diabetes-Variante, die lange unbekannt war

Bisher war das Weltbild beim Diabetes mellitus recht einfach. Es gab einen von Beginn an insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes und den über Jahre mit Tabletten therapierbaren Typ-2-Diabetes. Vor einiger Zeit ist der LADA hinzugekommen.

lada diabetes sonderform
LADA-Patienten sprechen meist gut auf Insulin an.
© iStock.com/PeopleImages

Die relativ neue Form der Ratgeber Diabetes, der sogenannte latent insulinpflichtige Diabetes mellitus im Erwachsenenalter (LADA) ist prinzipiell eine Form des Typ-1-Diabetes. Denn obwohl nicht gleich Insulin gespritzt werden muss, weisen Patienten mit LADA Merkmale eines Typ-1-Diabetes auf: Die Insulinsekretion durch die Bauchspeicheldrüse ist von Beginn an eingeschränkt. Im Blut finden sich Antikörper gegen die Produktionsstätten für Insulin, das heißt gegen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Inselzellantikörper, ICA). Es handelt sich also wie beim Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Neben oder zusätzlich zu den ICA sind auch Antikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GADA) nachweisbar.

LADA wird anfangs meist für Typ-2-Diabetes gehalten

LADA-Patienten sind zudem üblicherweise im Gegensatz zum typischen Typ-2-Diabetes-Patienten nicht übergewichtig, und bei ihnen lassen sich die Blutzuckerwerte meist schon nach wenigen Monaten nicht mehr mit der üblichen Basistherapie und Tabletten in den Normbereich bringen. Diese Form des Insulinmangel-Diabetes ist also ein verzögert auftretender Typ-1-Diabetes. Wie beim Typ-1-Diabetes geht man davon aus, dass eine Infektion mit einem Virus, eine Erkrankung oder Umweltgifte der Auslöser für die autoaggressive Aktivität des Immunsystems sind. Der Prozess der Zerstörung der Inselzellen verläuft aber beim LADA langsamer als beim Typ-1-Diabetes. Weil die Krankheit erst im Erwachsenenalter in Erscheinung tritt, wird zunächst aber oft von einem Typ-2-Diabetes ausgegangen.

Symptome des LADA

Je nach Ausmaß des Insulinmangels kann diese Form mit mehr oder weniger ausgeprägten Symptomen einhergehen. Dies sind

  • häufiges Harnlassen (Polyurie)
  • starker Durst (Polydipsie)
  • Müdigkeit/Abgeschlagenheit
  • ungewollte Gewichtsabnahme

Der starke Durst und die Austrocknung (Exsikkose) gehen auf die große Menge an mit dem Urin ausgeschiedenen Zucker zurück. Denn ab einer Blutzuckerkonzentration von 160-200 Milligramm pro Zehntelliter (mg/dl), kann die Niere den Zucker nicht mehr aus dem Urin zurückgewinnen (resorbieren); er geht mit dem Harn ab und entzieht aufgrund seiner Neigung, Wasser zu binden (Osmose) dem Körper Wasser. Dieser trocknet daher aus, was im Extremfall zu Bewusstseinsstörungen führen kann. UG| LADA: Symptome

Bei Symptomen zum Arzt

Wenn die Ratgeber Diabetes-typischen Symptome auftreten, ist ein umgehender Besuch des Hausarztes für eine exakte Diagnose angezeigt. Dies gilt umso mehr, wenn der Patient selbst oder Verwandte ersten Grades eine Autoimmunerkrankung haben, also eine Krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Das kann zum Beispiel eine bestimmte Schilddrüsenkrankheit sein (Hashimoto-Thyreoiditis), ein entzündliches Gelenkrheuma (UG| Rheumatoide Arthritis ) oder eine Darmentzündung (Colitis ulcerosa: Symptome und Tipps für die Ernährung).

Der Arzt wird dann den Zuckergehalt in Blut und Urin bestimmen und bei Verdacht auf einen LADA auch einen Bluttest auf die Antikörper Glutamat-Decarboxylase (GADA) und zytoplasmatische Inselzellen (ICA) durchführen.

Hinweis: Symptome bei Diabetes als Folge einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Auch für eine Zuckerkrankheit, die auf eine akute oder länger bestehende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Bauchspeicheldrüsenentzündung: Diese Symptome weisen auf Pankreatitis hin) zurückgeht, gilt, dass die vier Diabetes-typischen Symptome, also starker Durst, häufige Toilettengänge, Müdigkeit/Abgeschlagenheit und unerklärter Gewichtsverlust, auftreten können, aber nicht müssen.

Was spricht für einen LADA?

An einen LADA sollte immer dann gedacht werden, wenn der eher normalgewichtige Patient bei der Entdeckung des Diabetes mellitus noch recht jung ist. Etwa ein Drittel aller Patienten, bei denen zwischen dem 25. und 34. Lebensjahr erstmalig ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wird, haben einen LADA. Sind die Patienten dagegen bei der Erstdiagnose der Zuckerkrankheit schon zwischen 54 und 65 Jahre alt, haben nur etwa acht Prozent einen LADA. In der Mehrzahl der Fälle gibt es aus der Familiengeschichte oder auch beim Patienten selber Hinweise auf Autoimmunerkrankungen beispielsweise der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow), der Haut (Vitiligo) oder des Magen-Darm-Traktes, ohne dass diese sich durch Symptome äußern müssen. Die Diagnose der Blutzuckerstörung erfolgt häufig wegen akuter Symptome wie häufigem Harnlassen (Polyurie) oder starkem Durst (Polydipsie).

Diabetes-Tests zum Nachweis

Besteht der Verdacht, dass es sich um die latent insulinpflichtige Form eines Diabetes mellitus (LADA) handelt, erfolgt üblicherweise zunächst ein Test auf ICA und GADA im Blut. Ist er positiv, wird ein Glukagon-Test durchgeführt, der die Unterscheidung zwischen einem Typ-1- und einem Typ-2-Diabetes erlaubt. Dafür wird zunächst aus dem Blut ein Basiswert bestimmt, dann eine Lösung mit einem Milligramm Glukagon intravenös gespritzt und nach sechs Minuten der Spiegel des C-Peptids gemessen. Dieses ist ein Maß für die Stimulierbarkeit der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Der Wert lässt auch eine Einschätzung zu, wann mit einer Insulin-Therapie begonnen werden muss. Einen weiteren Hinweis auf einen LADA gibt ein Therapieversuch: LADA-Patienten sprechen gut auf Insulin, aber schlecht auf die oftmals als Einstiegstherapie bei Typ-2-Diabetes verordneten Sulfonylharnstoff-Präparate an. Für eine sichere Diagnose eines LADA sind die Krankengeschichte, die klinischen Zeichen und der Nachweis der Inselzell- und Glutamat-Decarboxylase-Antikörper gleichermaßen von Bedeutung. Inzwischen geht man davon aus, dass durch die frühe Insulin-Therapie von Patienten mit LADA der Krankheitsverlauf langfristig günstig beeinflusst werden kann. Für die anfängliche Therapie mit Tabletten wird meist Metformin gewählt, da es die Inselzellen schont.

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