Diabetische Retinopathie: Häufige Folgeerkrankung bei Diabetes

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Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte sind schlecht für die Blutgefäße. Das gilt auch für die sehr feinen Äderchen in der Netzhaut des Auges. Bei schlechter Diabetes-Einstellung kann es daher zu einer Verschlechterung des Sehvermögens und sogar zur Erblindung kommen. Alles über Vorbeugung, Symptome und Behandlung der Diabetischen Retinopathie.

Augenuntersuchung
© iStock.com/mingazitdinov

Diabetes führt zu Schäden an den Blutgefäßen. Ist die Netzhaut des Auges von diesen Schäden betroffen, kann dies zu einer Verminderung der Sehfähigkeit bis hin zur Erblindung führen – der Arzt spricht in diesem Fall von einer Diabetischen Retinopathie. Eine solche Retinopathie tritt bei circa einem Viertel der Menschen mit Typ-1-Diabetes auf, beim Typ-2-Diabetes ist die Häufigkeit mit 12,5 Prozent ungefähr halb so groß. Bei jedem dritten Betroffenen liegen bereits zum Zeitpunkt der Diabetes-Diagnose Veränderungen an der Netzhaut vor. Pro Jahr erblindet durchschnittlich einer von 5.000 Menschen mit Diabetes aufgrund einer Diabetischen Retinopathie.

Artikelinhalte im Überblick

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Ursachen der Diabetischen Retinopathie

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel führt zu Einlagerungen von Fett und Eiweißstoffen in die Gefäßwände, was als Mikroangiopathie bezeichnet wird. Es bilden sich Gefäßausbuchtungen, sogenannte Mikroaneurysmen, aus denen Blut austreten kann. In diesem Frühstadium der Erkrankung – auch „nichtproliferative Retinopathie“ genannt – merkt der Betroffene davon noch nichts.

Im Laufe der Erkrankung, insbesondere bei schlecht eingestelltem Diabetes, verschlimmert sich die Situation. Einzelne Blutgefäße können durch die Ablagerungen verstopfen; der Körper reagiert mit der Bildung neuer Blutgefäße in der Netzhaut, um die schlechte Sauerstoffversorgung auszugleichen. Das beeinträchtigt die Funktion der Netzhaut. Schließlich führen in den Glaskörper hineingewachsene und geplatzte Blutgefäße zu Einblutungen in den Glaskörper. Die Sicht wird verschwommen. Diese Form der Retinopathie bei Diabetes wird als proliferativ bezeichnet. Sehbehinderungen bis hin zu Netzhautablösung und Erblindung sind die Folge. In manchen Fällen ist auch die Makula, der Bereich des schärfsten Sehens der Netzhaut, betroffen. In diesem Fall spricht man von einer Diabetischen Makulopathie oder einem Makulaödem.

Symptome einer Diabetischen Retinopathie

Eine Diabetische Retinopathie bleibt lange Zeit symptomlos, der Betroffene spürt nichts von der Erkrankung. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium kann es zu spürbaren Problemen beim Sehen kommen, darunter:

  • Verschlechterung der Sehschärfe, die sich nicht durch eine Sehhilfe korrigieren lässt

  • Leseschwierigkeiten bis zum Verlust der Lesefähigkeit

  • gestörte Farbwahrnehmung

  • verzerrtes oder verschwommenes Sehen

  • „Rußregen“ vor dem Auge (wenn ein Gefäß einreißt und in den Glaskörper blutet)

So wird eine Diabetischen Retinopathie diagnostiziert

Da eine Diabetische Retinopathie über Jahre unerkannt bleiben kann, sollten Menschen mit Diabetes sich einmal im Jahr vom Augenarzt untersuchen lassen. Hierbei wird zunächst die Sehschärfe bestimmt. Dazu werden standardisierte Lesetafeln verwendet, die der Betroffene aus einer festgelegten Entfernung laut vorliest.

Mithilfe einer sogenannten Spaltlampe wird dann der vordere Augenabschnitt kontakt- und schmerzlos auf diabetische Veränderungen untersucht. Im Anschluss erfolgt eine Begutachtung der Netzhaut. Dafür wird die Pupille mit Tropfen erweitert und anschließend die gesamte Netzhaut mithilfe eines besonderen Mikroskops untersucht. Nach dieser Untersuchung ist das Sehvermögen wegen der erweiterten Pupille für einige Stunden vermindert, dafür ist die Lichtempfindlichkeit erhöht. Die Teilnahme am Straßenverkehr sollte daher vermieden werden.

Liegen bereits Schäden an der Netzhaut vor, nimmt der Arzt eine Augeninnendruckmessung vor. So erhält er Hinweise auf wuchernde Blutgefäße an Stellen, die mithilfe der Spaltlampe nicht sichtbar sind. In besonderen Fällen wird die Durchblutung des Augenhintergrundes mit einer speziellen Kamera untersucht. Dabei wird vorher ein Farbstoff in eine Vene gespritzt. Veränderungen der Blutgefäße und aufgequollenes Gewebe sind mit dieser – Fluoreszenzangiografie genannten – Methode besonders gut zu erkennen.

Wenn die Makula geschädigt ist, führt der Arzt eine sogenannte „optische Kohärenztomographie (OCT)“ durch. Dabei wird ungefährliches Laserlicht auf die Netzhaut gerichtet, das Untersuchungsgerät berechnet daraus ein Bild der verschiedenen Netzhautschichten. So lässt sich zum Beispiel die Einlagerung von Gewebeflüssigkeit in der Makula beurteilen.

Behandlung einer Diabetischen Retinopathie

Die Therapie der Diabetischen Retinopathie erfolgt in zwei Bereichen: Der Hausarzt oder Diabetologe sorgt für die optimale Einstellung von Blutzucker und Blutdruck, der Augenarzt behandelt die Schäden am Auge. Die Entscheidung für eine Behandlung hängt vom Stadium der Erkrankung ab:

  • Schäden an der Netzhaut können mithilfe einer Lasertherapie behandelt werden. Dadurch wird eine Netzhautablösung verhindert, bei etwa 3 von 100 Betroffenen wird so ein schwerer Sehverlust vermieden.

  • Ist auch der Punkt des schärfsten Sehens (die Makula) betroffen, können Medikamente helfen, die direkt ins Auge gespritzt werden. Diese Spritzen müssen alle ein bis drei Monate wiederholt werden und verbessern bei etwa 30 von 100 Betroffenen das Sehen.

  • Bei Blutungen oder starker Narbenbildung im Glaskörper empfehlen die Experten eine operative Entfernung des Glaskörpers, die sogenannte „Vitrektomie“.

Vorbeugung einer Diabetischen Retinopathie

Das Tückische an der diabetischen Retinopathie ist, dass sie bei einem Drittel der Diabetiker bereits bei Diagnosestellung vorliegt. Nach 15 bis 20 Jahren Krankheitsdauer sind vier von fünf Patienten betroffen; die schwere Form, eine Makulopathie, hat dann ein Viertel der Diabetiker. Die Krankheit lässt sich nicht heilen, mit der richtigen Behandlung aber oftmals verlangsamen.

Von enormer Bedeutung ist hier eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck. Da Rauchen die Durchblutung verschlechtert, sollte es unbedingt vermieden werden. Der Augenarzt sollte mindestens einmal im Jahr – und bei jeder plötzlichen Verschlechterung der Sehkraft – für eine Kontrolluntersuchung aufgesucht werden. Grundsätzlich steht ein Besuch beim Augenarzt auch direkt nach der Diagnose, nach Feststellung einer Schwangerschaft sowie vor und nach einer schnellen und deutlichen Blutzuckersenkung an.

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