Nährstoffversorgung

Ernährung bei ADHS: Die wichtigsten Fakten

kind mit adhs beim essen
Grundsätzlich fehlen im Zusammenhang mit der Vermutung, Zucker könne ADHS verstärken, wissenschaftliche Belege.
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Gibt es eine spezielle ADHS-Diät? Kann Zucker ADHS verstärken? Gibt es bestimmte Nährstoffe, auf die man bei ADHS besonders achten sollte? Erfahren Sie hier mehr zum Thema Ernährung bei ADHS.

Immer wieder stolpern Eltern über die Frage: Darf mein Kind mit ADHS überhaupt Süßigkeiten essen? Gibt es Nährstoffe, die ADHS-Symptome lindern oder vorbeugend wirken? Und welche allgemeinen Regeln sollte man in Zusammenhang mit der Ernährung bei ADHS beachten? Hier die Antworten auf die häufigsten Fragen:

Ist Zucker bei ADHS tabu?

Grundsätzlich fehlen im Zusammenhang mit der Vermutung, Zucker könne ADHS verstärken, wissenschaftliche Belege. Insofern kann aus Experten-Sicht diese Frage verneint werden. Allerdings berichten Eltern immer wieder, dass der übermäßige Verzehr von Süßigkeiten durchaus ADHS verstärken kann. Was den Zucker-Konsum und ADHS angeht, kommt es auch auf individuelle Erfahrungswerte an.

Omega-3-Fettsäuren stärken die Konzentration bei ADHS

Gerade Kinder sollten ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, sagt Alex Richardson von der Uni Oxford – unter anderem, um dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) vorzubeugen. „Die körperlichen Risiken, die von einer Mangelernährung ausgehen, sind wohlbekannt", sagt Alex Richardson – "aber nicht die Schäden, die Verhalten, Lernfähigkeit und Laune von Kindern davontragen." Bei Omega-3-Fettsäuren handelt es sich um ungesättigte Fettsäuren, die bekannt für ihren positiven Einfluss auf Gefäße und Gehirn sind. Manche Omega-3-Fettsäuren, vor allem die Lipide EPA und DPA, spielen eine wichtige Rolle bei der Synapsenbildung sowie bei der Signalübertragung im Gehirn.

Das erklärt, warum bestimmte Omega-3-Fettsäuren von Experten als wichtige Nährstoffe für das Denken und Lernen eingestuft werden. Eine 2015 publizierte Studie hat gezeigt, dass eine Supplementation mit den „Gehirnfettsäuren“ die Symptome bei ADHS reduzieren kann und liefert damit Hinweise darauf, dass Omega-3-Fettsäuren eine sinnvolle Ergänzung der medikamentösen Standardtherapie bei ADHS sein kann.

Bei weitem nicht alle Kinder bekommen genug von den wichtigen Hirnfettsäuren ab. Vergrößert wird die Omega-3-Lücke in der Bevölkerung nach Ansicht der Forscher dadurch, dass jeder zweite gegessene Fisch aus Aquakultur stammt – und dadurch eine Ernährung bekommt, die seine Omega-3-Bilanz verschlechtert .

Zusätzlich zu natürlichen Quellen für Omega-3-Fettsäuren – wie Seefisch, Leinöl und Walnüssen – besteht die Möglichkeit, die Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen. Neuerdings gibt es sogar eigens mit Omega-3 angereicherte Wurstwaren zu kaufen.

Diese Lebensmittel liefern Omega-3-Fettsäuren

 

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren immer dann besonders gefragt ist, wenn es um

  • Denkvermögen,
  • Lernvermögen und
  • Konzentrationsfähigkeit

geht.

Wie Eltern die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sichern

Im Zusammenhang mit der Förderung von Denk- und Lernvermögen heben Forscher immer wieder die Bedeutung von zwei besonderen Omega-3-Fettsäuren hervor: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese Omega-3-Fettsäuren finden sich vor allem in fettreichem Seefisch. Gute Lieferanten sind zum Beispiel:

Um Ihr Kind ausreichend mit Omega-3-Fettsäuren zu versorgen, empfehlen Experten etwa 300 mg EPA und DHA pro Tag – das entspricht etwa zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Doch welches Kind isst schon gerne Fisch, wenn Pizza und Pasta doch viel, viel besser schmecken? Hier ein paar Tipps, wie Sie Ihr Kind ausreichend mit Omega-3-Fettsäuren versorgen können:

  • Mit gutem Beispiel voran: Was bei Mama und Papa regelmäßig auf dem Teller landet, kann doch gar nicht so schlecht schmecken.

  • Gut getarnt: Fisch ist nicht gleich Fisch. Filetiert und mit leckeren Kartoffeln und dem bunten Lieblings-Gemüse dazu

  • Fisch als Ritual, zum Beispiel: Freitag ist Fisch-Tag! Führen Sie das Ritual doch einfach ab sofort und ohne großes Aufhebens ein. So wird Fisch nicht mehr zum Thema, über das großartig diskutiert werden muss. Und schon haben Sie eine Fisch-Mahlzeit pro Woche sicher.

  • Ihr Haushalt lebt vegetarisch oder vegan? Auch kein Problem: Massenhaft Hirnfettsäuren stecken in Lein- und Rapsöl, Leinsamen und Gesunde Walnüsse: Vier Gründe, sie öfter zu knabbern. Sie sind zwar schlechter verwertbar als die tierischen Omega-3-Quellen, dennoch ist ein Mangel sehr unwahrscheinlich.

  • Noch ein Tipp: Wenn Sie Ihr Kind trotzdem nicht zum Fisch-Freund machen können und auch die Omega-3-reichen Kerne nicht gut ankommen, könnten Nahrungsergänzungsmittel möglicherweise eine Alternative sein, um die empfohlene EPA- und DHA-Zufuhr zu sichern.

Gibt es eine spezielle ADHS-Diät?

Die bisherige Studienlage reicht nicht aus, um für ADHS klare Richtlinien für eine spezielle Diät geben zu können. Natürlich ist eine vollwertige und ausgewogene Ernährung grundsätzlich empfehlenswert. In einigen Fällen hat sich auch eine oligoantigene Diät bewährt.

Das Prinzip dieser Diät: Verzehrt werden bestimmte Basis-Lebensmittel, während andere Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen, bewusst weggelassen werden. Vor dem möglichen Zusammenhang von ADHS-Symptomen und einer Lebensmittelallergie sollten dann auch die ADHS-Symptome nachlassen.

Schritt für Schritt führt man dann immer mehr Lebensmittel wieder ein, um die Veränderung der ADHS-Symptomatik zu beobachten. Insofern ist eine oligoantigene Diät bei ADHS eventuell vorübergehend sinnvoll, um gewisse symptomverstärkende Lebensmittel zu identifizieren, die man dann in Zukunft meiden kann.

Kinderernährung und geistige Leistungsfähigkeit

Grundsätzlich sollte man bei seinen Kindern natürlich auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, damit alle komplexen Gehirnfunktionen möglichst reibungslos ablaufen können. Empfohlen für Kinder ist in etwa eine Trinkmenge von einem Liter pro Tag – dabei sollten sie aber möglichst auf zuckerhaltige Getränke wie Limonade oder Cola verzichten. Besser sind Wasser, ungesüßter Tee oder auch Fruchtsaftschorlen.

Nicht zuletzt sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind regelmäßige Mahlzeiten und gesunde Zwischenmahlzeiten zu sich nimmt. Losgehen sollte es jeden Tag mit einem reichhaltigen Frühstück, schließlich ist gerade vormittags in der Schule jede Menge Hirnleistung gefragt.

Konzentration bei Schulkindern fördern

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