Am 26.10.2014 die Uhren eine Stunde zurückdrehen

Zeitumstellung bringt die innere Uhr aus dem Takt

Mit diesen Tipps bekommen Sie die Müdigkeit schnell in den Griff

Wenn am letzten Wochenende im Oktober wieder die Winterzeit eingeläutet wird, heißt das konkret: Wir dürfen an diesem Abend vor dem Zubettgehen wieder alle Uhren um eine Stunde zurück auf Normalzeit, also auf Mitteleuropäische Zeit (MEZ), stellen und Sonntag Nacht eine Stunde länger schlafen.

Zeitumstellung: Schlaf aus dem Takt
Die Zeitumstellung - ob auf Reisen oder jetzt zur Winterzeit - kann leicht zu Schlafstörungen führen. über 80 Prozent der Lifeline-Leser würden die Zeitumstellung deshalb am liebsten abschaffen.
(c) Getty Images/iStockphoto

Der 25-Stunden-Tag bei der Umstellung der Uhren im Herbst kommt unserer inneren Uhr sehr entgegen, denn diese hat - laut Schlafforschung  und Chronobiologie - den Drang zum 25-Stunden-Tag. Takt- und Zeitgeber für unsere innere Uhr ist das Tages- und Sonnenlicht. Mit seiner Hilfe passt sich die innere, biologische Uhr an den vorgegebenen 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt, also an die soziale, gesellschaftliche Uhr, an. Wenn nun letztere im Frühjahr und Herbst umgestellt wird, so ist das jedes Mal auch ein Eingriff in die biologische Uhr von Mensch und Tier.

Der Körper wird von Circadiane Rhythmen bestimmt

Unsere Organe, unser Geist und unsere Seele arbeiten in genau festgelegten Zeittakten, in Tages-, Monats- und Jahreszyklen. Die Chronobiologie bezeichnet die Rhythmen während eines Tages als "circadiane Rythmen" (von lateinisch circa "ungefähr" und dies "Tag"). Die Rhythmen haben unter anderem Einfluss auf den Schlaf- und Wachzustand, die Hormonproduktion, Gehirnaktivität, Körpertemperatur und Verdauung. "Dieses so genannte Entrainment ist außerordentlich exakt.  Winterzeit: Schlaf aus dem Takt

Besonders wichtig ist dabei die Dämmerung, also der Wechsel von Tag und Nacht, von Hell und Dunkel. Unser Schlafverhalten passt sich sogar dem zeitlichen Fortgang der Dämmerung von Osten nach Westen innerhalb einer Zeitzone an", berichtet der Informationsdienst Wissenschaft (idw). Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam um Professor Till Roenneberg an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Zentrum für Chronobiologie. Sie werteten dafür Daten aus, die sie von rund 55.000 Menschen in einer großen Fragebogenaktion erhalten hatten.

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Unser Tag hat eigentlich 25 Stunden

Biologische Rythmen werden aber nicht nur über endogene, sondern auch exogene Zeitgeber beeinflußt. Verschiedene Untersuchungen mit blinden Menschen, mit Schichtarbeitern und Versuchspersonen, die ohne äußere, exogene Zeitgeber wie Licht oder ähnliche Reize in einem Bunker eingeschlossen waren, zeigten, dass die circadiane Periodik der meisten Menschen mehr einem zeitlichen Ablauf von circa 25 Stunden entspricht.

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"Das Argument, bei der Zeitumstellung handle es sich 'nur' um eine Stunde, trügt", so Professor Till Roenneberg. Ihre Ergebnisse aus der Fragebogenaktion erhärteten die Forscher am Zentrum für Chronobiologie durch eine zweite, experimentelle Studie. Dabei untersuchten sie das Schlafverhalten sowie die Aktivität von 50 Personen acht Wochen rund um die Umstellungen im Herbst 2006 und Frühjahr 2007. Ergebnis: Die saisonalen Umstellungen zweimal im Jahr haben drastischere Auswirkungen als bislang vermutet. Roenneberg: "Wir waren selbst überrascht, wie stark die Effekte sind. Es ist durchaus denkbar, dass die Zeitumstellung langfristig weit größere Auswirkungen hat als bisher geglaubt."

Dies betrifft sowohl die späten Chronotypen oder "Eulen" als auch die frühen Chronotypen oder "Lerchen". Roenneberg: "Die Temperatur erreicht bei allen Chronotypen kurz vor dem (freiwilligen) Einschlafen ihren Höhepunkt und ungefähr in der Mitte des Schlafes ihr Minimum. Der Höhepunkt ist also immer am Abend und das Minimum immer am frühen Morgen, im Schlaf. Nur wann diese Zeitpunkte genau sind, hängt vom Chronotyp ab. Die extremste Lerche hat ihr Temperatur-Minimum um Mitternacht und die extremste Eule um acht Uhr morgens, alle anderen liegen irgendwo dazwischen."

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Die Zeitumstellung führt zum Mini-Jetlag

Ohne Frage greift die gesellschaftliche - mittlerweile doch recht fragwürdige - Übereinkunft auf den biologischen Schlaf- und Wachrhythmus ähnlich ein wie ein Mini-Jetlag. Wobei der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit besonders Frauen zu schaffen macht. Diesen Schluss legt zumindest eine Forsa-Umfrage im Auftrag der gesetzlichen Krankenversicherung KKH-Allianz nahe, die kürzlich veröffentlicht wurde. 46 Prozent der befragten Frauen gaben an, wegen der Zeitumstellung kurzzeitig Probleme mit dem Schlafrhythmus zu haben, bei den Männern waren es nur 36 Prozent.

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Dabei dürfte die Umstellung im Frühjahr auf die Sommerzeit den meisten Menschen mehr zu schaffen machen als im Herbst auf die Normalzeit. Viele können schlechter einschlafen, werden nachts wach, sind tagsüber müde, unkonzentriert, verstimmt oder gar depressiv. Die meisten gewöhnen sich erst nach ein paar Tagen an die neue Zeit, manche haben sich auch nach vier Wochen noch nicht umgestellt. Vor allem ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung schwerer tut, sind davon betroffen. Und auch Menschen mit Schlafstörungen (Insomnie) oder organischen Erkrankungen haben hier anscheinend größere Probleme.

Probleme mit der Zeitumstellung: Von Kühen und Menschen

Sogar Kühe reagieren auf den neuen Tageslauf. Bei der Umstellung von Sommer- auf Normalzeit kann es bei ihnen über eine Woche dauern, bis sie sich an die späteren Melkzeiten gewöhnt haben. Wird eine Kuh später gemolken, hat sie oft Schmerzen, da ihr Euter praller gefüllt ist. Russlands "unglückliche Kühe" könnten nicht begreifen, "dass sie nun zu einer anderen Zeit gemolken werden", erklärte der ehemalige Präsident Russlands Dmitri Medwedew, der schon im Frühjahr 2011 wieder die dauerhafte Sommerzeit einführte. Sein Argument: Die Umstellung verursache "Stress und Krankheiten" und bringe den Rhythmus durcheinander.

"Ganz generell darf man auch kleine Veränderungen in einem biologischen System nicht unterschätzen", meint Roenneberg. "Sie scheinen aus menschlicher Sicht trivial und haben dennoch - in größerem Zusammenhang gesehen - dramatische Auswirkungen. Da diese schleichend und langfristig sind, bemerken wir sie kaum. Es ist zu früh, um über einen Effekt der Zeitumstellung auf die Gesundheit der Menschen zu spekulieren. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass das Problem sehr ernst genommen werden muss und sehr viel genauer erforscht werden sollte."

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Nehmen Sie sich für ein Bad Muße, nicht nur dann, wenn die Uhren zurück- oder vorgestellt werden.
(c) Stockbyte

Praktische Tipps für die Anpassung an die Winterzeit

Egal, ob Sie eine Lerche oder eine Eule sind: Versuchen Sie, den 26. Oktober und die Phase danach möglichst entspannt zu verbringen! Bürden Sie sich nicht zu viele Aufgaben auf. Legen Sie nicht zu viele Termine auf die Abende, lassen Sie sie in Ruhe ausklingen. Wenn Sie können, tanken Sie viel natürliches Tageslicht. Machen Sie nach der Arbeit einen Spaziergang an der frischen Luft, auch wenn es schon dämmert oder bereits dunkel ist. Gehen Sie in die Sauna, nehmen Sie ein Entspannungsbad mit Duftessenzen oder auch nur ein warmes Fußbad. Morgens kommen sie mit Hilfe von Wechselduschen leichter in die Gänge. Mit warmem Wasser beginnen und mit kaltem aufhören.

Ihr Körper braucht für die Umstellung der inneren Uhr einfach etwas Zeit. Hören Sie auf ihn, auf seine Bedürfnisse, dann wird er es Ihnen danken.

Zu guter Letzt noch ein positiver Ausblick: "Es zeigte sich, dass die Anpassung der inneren an die Umstellung der sozialen Uhr im Herbst kaum Probleme macht", so Professor Roenneberg. "Sehr viel schwieriger dagegen ist die Anpassung an die Sommerzeit im Frühjahr." Doch die ist erst wieder in einem halben Jahr. Vielleicht wird diese dann sogar - wie in Russland schon geschehen - beibehalten, denn laut Umweltbundesamt sind sich alle Fachleute in einem einig: "Die Mehrzahl der Menschen begrüßen die Einführung der Sommerzeit, weil sie den Tag besser gestalten können."

Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2014
Letzte Änderung durch: ag / sw

Quellen: Thomas Kantermann, Myriam Juda, Martha Merrow and Till Roenneberg: "The Human Circadian Clock's Seasonal Adjustment is disrupted by Daylight Saving Time". In: Current Biology, 24. Oktober 2007; http://www.charite.de/dgsm/rat/zirkad.html;http://www.medizinfo.de/kopfundseele/schlafen/sommerzeit.shtml;http://www.imp.med.uni-muenchen.de/research/chronobiology/index.html;http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/zeitumstellung.pdf

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