Diskussion zur Sommer- und Winterzeit

Zeitumstellung abschaffen?

Eine Stunde weniger Schlaf, dafür abends mehr Licht: Die Zeitumstellung bleibt umstritten. Deshalb führte die EU eine Online-Umfrage durch. Das Ergebnis ist eindeutig: Die meisten Menschen sind für die Abschaffung der Zeitumstellung und zwar auf die Sommerzeit.

zeitumstellung
Unglücklich über die Zeitumstellung sind viele Menschen, aber nach ein paar Tagen ist alles wieder beim Alten.
© iStock.com/Darkcloud

Ursprünglich wurde die Zeitumstellung auf Sommer- und Winterzeit eingeführt, um Strom zu sparen. Inzwischen ist längst widerlegt, dass dies funktioniert. Das Thema ist jedoch umstritten, einige Länder, wie beispielsweise Finnland, fordern die Abschaffung der Zeitumstellung. Dann stellt sich jedoch die Frage, ob auf die reguläre Winterzeit oder die Sommerzeit umgestellt werden sollte.

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Welche ist die Normalzeit?

Wenn am letzten Wochenende im Oktober die Winterzeit eingeläutet wird, heißt das konkret: Wir dürfen an diesem Abend vor dem Zubettgehen wieder alle Uhren um eine Stunde zurück auf Normalzeit, also auf Mitteleuropäische Zeit (MEZ), stellen und Sonntag Nacht eine Stunde länger schlafen. Die Sommerzeit ist somit die künstlich eingeführte Zeit.

Zeitumstellung wirkt wie Mini-Jetlag

Die Zeitumstellung wurde unter anderem eingeführt, damit es abends länger hell ist – dann, wenn wir von der Arbeit kommen. Dies wirkt sich aber auch negativ aus: Zum einen fehlt vielen Menschen nach der Zeitumstellung eine Stunde Schlaf, was kurzfristig die Stimmung und Aufmerksamkeit beeinflussen kann. Darüber hinaus benötigt der Körper etwas Zeit, um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Um diesen Mini-Jetlag zu überwinden, benötigen die meisten Menschen ein paar Tage. Genau das fanden auch Erlanger Wissenschaftler in einer Studie heraus: Die Lebenszufriedenheit erreicht in der Mitte der Woche nach der Zeitumstellung ihren Tiefpunkt und erholt sich dann allmählich wieder.

Dabei dürfte die Zeitumstellung im Frühjahr auf die Sommerzeit den meisten Menschen mehr zu schaffen machen als im Herbst auf die Normalzeit. Viele können schlechter einschlafen, werden nachts wach, sind tagsüber müde, unkonzentriert, verstimmt oder gar depressiv. Die meisten gewöhnen sich erst nach ein paar Tagen an die neue Zeit, manche haben sich auch nach vier Wochen noch nicht umgestellt. Vor allem ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung schwerer tut, sind davon betroffen. Und auch Menschen mit Schlafstörungen (Insomnie) oder organischen Erkrankungen haben hier anscheinend größere Probleme.

Was sagt unsere innere Uhr?

Der 25-Stunden-Tag bei der Zeitumstellung der Uhren im Herbst kommt unserer inneren Uhr sehr entgegen, denn diese hat – laut Schlafforschung und Chronobiologie – den Drang zum 25-Stunden-Tag. Taktgeber für unsere innere Uhr ist das Tages- und Sonnenlicht. Mit seiner Hilfe passt sich die innere, biologische Uhr an den vorgegebenen 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt, also an die soziale, gesellschaftliche Uhr, an. Wenn nun im Frühjahr und Herbst wieder Zeitumstellung ist, so ist das jedes Mal auch ein Eingriff in die biologische Uhr von Mensch und Tier.

Probleme mit der Zeitumstellung: Von Kühen und Menschen

Sogar Kühe reagieren auf den neuen Tageslauf. Bei der Zeitumstellung von Sommer- auf Normalzeit kann es bei ihnen über eine Woche dauern, bis sie sich an die späteren Melkzeiten gewöhnt haben. Wird eine Kuh später gemolken, hat sie oft Schmerzen, da ihr Euter praller gefüllt ist. Russlands "unglückliche Kühe" könnten nicht begreifen, "dass sie nun zu einer anderen Zeit gemolken werden", erklärte der ehemalige Präsident Russlands Dmitri Medwedew, der bereits im Frühjahr 2011 wieder die dauerhafte Sommerzeit einführte. Sein Argument: Die Umstellung verursache Stress und Krankheiten und bringe den Rhythmus durcheinander.

"Ganz generell darf man auch kleine Veränderungen in einem biologischen System nicht unterschätzen", meint Prof. Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Zentrum für Chronobiologie. "Sie scheinen aus menschlicher Sicht trivial und haben dennoch – in größerem Zusammenhang gesehen – dramatische Auswirkungen. Da diese schleichend und langfristig sind, bemerken wir sie kaum. Es ist zu früh, um über einen Effekt der Zeitumstellung auf die Gesundheit der Menschen zu spekulieren. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass das Problem sehr ernst genommen werden muss und sehr viel genauer erforscht werden sollte."

Zeitumstellung – ja oder nein?

Generell sind sich die Experten einig, dass vieles für die Abschaffung der regelmäßigen Zeitumstellung spricht. Viele meinen sogar, dass die Zeitumstellung nur Nachteile bringt. Studien deuten darauf hin, dass sich in den ersten Tagen nach der Zeitumstellung das Herzinfarktrisiko erhöhen könnte. Forscher erklären das mit dem leichten Schlafmangel, der durch die kürzere Nacht nach der Umstellung auf die Sommerzeit entsteht.

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Tipps für die Anpassung an die Winterzeit

Egal, ob Sie eine Lerche oder eine Eule sind: Versuchen Sie, bei der Zeitumstellung den Wechsel auf die Winterzeit und die Phase danach möglichst entspannt zu verbringen! Bürden Sie sich nicht zu viele Aufgaben auf.

  • Legen Sie nicht zu viele Termine auf die Abende, lassen Sie sie in Ruhe ausklingen.

  • Wenn Sie können, tanken Sie viel natürliches Tageslicht.

  • Machen Sie nach der Arbeit einen Spaziergang an der frischen Luft, auch wenn es schon dämmert oder bereits dunkel ist.

  • Gehen Sie in die Sauna, nehmen Sie ein Entspannungsbad mit Duftessenzen oder auch nur ein warmes Fußbad.

  • Morgens kommen sie mithilfe von Wechselduschen leichter in die Gänge. Mit warmem Wasser beginnen und mit kaltem aufhören.

Ihr Körper braucht für die Umstellung der inneren Uhr einfach etwas Zeit. Hören Sie auf ihn und auf seine Bedürfnisse, dann wird er es Ihnen danken.

Zu guter Letzt noch ein positiver Ausblick: "Es zeigte sich, dass die Anpassung der inneren an die Umstellung der sozialen Uhr im Herbst kaum Probleme macht", so Professor Roenneberg. "Sehr viel schwieriger dagegen ist die Anpassung an die Sommerzeit im Frühjahr." Vielleicht wird diese dann sogar – wie in Russland schon geschehen – beibehalten, denn laut Umweltbundesamt sind sich alle Fachleute in einem einig: "Die Mehrzahl der Menschen begrüßen die Einführung der Sommerzeit, weil sie den Tag besser gestalten können." Dies hat auch die kürzlich durchgeführte Umfrage der EU gezeigt.

Kinder an die Zeitumstellung gewöhnen

Die veränderte Helligkeit wirkt sich auch auf den Schlafrhythmus von Kindern aus. Wenn die Uhren auf Sommerzeit umgestellt werden, sollten Sie abends die Räume etwa durch Rollläden oder Vorhänge abdunkeln, um die Kinder auf die Schlafenszeit vorzubereiten. Im Gegensatz zur Umstellung auf die Herbstzeit sollten Kinder außerdem am Samstag vor Beginn der Sommerzeit etwas früher ins Bett gehen.

Gestalten Sie den Tag möglichst aktiv, damit die Kleinen am Abend müde sind. Am nächsten Morgen, wenn es draußen durch die Umstellung wieder etwas dunkler ist, sollten Sie für helle Beleuchtung sorgen. Ab dem zehnten Lebensjahr gewöhnt sich die innere Uhr der Kinder von selbst an die Zeitumstellung.

Noch mehr Tipps, wie Sie ohne Probleme durch die Zeitumstellung kommen, was gegen Jetlag hilft oder wie Sie mit den Strapazen der Arbeit im Schichtbetrieb besser zurechtkommen, finden Sie im Chronobiologie.
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