Wenn die Psyche Probleme macht

Staphisagria – Homöopathie für Seele und Körper

Ausgelöst durch Kränkung oder Demütigung entstehen häufig – vor allem bei Frauen – psychosomatische Erkrankungen wie Harnwegsinfekte, Magenkrämpfe und -koliken sowie Hautprobleme. Die Homöopathie bezieht stets auch die Psyche in das Krankheitsbild ein. Ein besonders günstiger Wirkstoff für die Seele: Staphisagria.

Symphytum officinale
Symphytum officinale wird vor allem äußerlich angewendet.
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Das Stephanskraut (Delphinium staphisagria) gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und ist in den schattigen, trockenen Gegenden Südeuropas, Nordafrikas und Kleinasiens heimisch. Die Blütenstände erinnern an Delphine – worauf vermutlich der botanische Name zurückzuführen ist. Im Volksmund gibt es viele weitere Bezeichnungen für die krautige Pflanze, unter anderem Rittersporn und Läusepfeffer. Dieser Name führt auf die Volksmedizin zurück, in der die Samen der Pflanze – die sogenannten Stephanskörner – gegen Parasitenbefall, bei juckenden Hautbeschwerden und Warzen, bei Kopfläusen und zur Darmreinigung verwendet wurden.

Die brennenden, scharf-bitteren Samen enthalten das toxische Alkaloid Delphinin. Wird dieses Gift unverdünnt aufgenommen, kommt es zu Atemlähmung oder Herzstillstand, bei Hautkontakt verursachen die Körner der blaublühenden Pflanze Entzündungen. Homöopathische Mittel dagegen haben aufgrund der Potenzierung keine toxische Wirkung mehr auf unseren Körper – im Gegenteil: Nach dem Ähnlichkeitsprinzip wird Gleiches mit Gleichem bekämpft. Löst Staphisagria in Reinform zum Beispiel Hautentzündungen aus, hilft sie in homöopathischer Dosierung gegen solche Symptome und regt zudem die Selbstheilungskräfte an.

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Stephanskraut in der Homöopathie – bei seelischen und körperlichen "Einschnitten"

In der Homöopathie hat das Stephanskraut ein weites Anwendungsgebiet. Denn bei diesem Naturheilverfahren wird die Diagnose nicht nur aufgrund der körperlichen Symptome gestellt, sondern es werden auch psychische Leiden und Auffälligkeiten einbezogen. Nur so entsteht ein ganzheitliches, individuelles Krankheitsbild, auf das bestmöglich eingegangen werden kann. Staphisagria ist der Wirkstoff, der sich vor allem gegen Beschwerden richtet, die ihren Ursprung in einer seelischen Verletzung haben.

Diese durch Kränkungen, Ärger oder Demütigungen ausgelösten psychischen Wunden können ebenso wie körperlicher oder seelischer Missbrauch tiefe Spuren in der Psyche der Betroffenen hinterlassen. Die seelischen Einschnitte äußern sich früher oder später häufig auch in körperlichen Leiden. So kann der Patient unter Magen-Darmerkrankungen leiden oder Beschwerden im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane entwickeln. Manche psychischen Leiden gehen sprichwörtlich "unter die Haut" und die Patienten kämpfen mit Hauterkrankungen und -problemen.

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Staphisagria ist jedoch nicht nur bei Einschnitten in das seelische Heil im Einsatz. Auch bei tatsächlichen Schnittverletzungen oder nach operativen Eingriffen ist der Rittersporn der ideale Wirkstoff, um den Körper in seiner Selbstheilung zu unterstützen. Weitere Anwendungsgebiete von Staphisagria sind Entzündungen der Augen, kariöse Zähne und Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Typische Potenzen und Dosierung

Die gängigsten Potenzen für Staphisagria sind D6 und D12, meist wird eine Dosierung von 5 Globuli empfohlen und die Einnahme erfolgt zwei- bis dreimal täglich. Da aber beim Einsatz von Staphisagria vor allem die psychische Komponente eine tragende Rolle spielt, sollte die Dosierung und Potenz stets individuell nach Abklärung der Beschwerden von einem qualifizierten Homöopathen, Arzt oder Apotheker verschrieben werden. Will man jedoch mithilfe der Leitsymptome eine Selbsttherapie vornehmen, sind dies einige Richtwerte für die Einnahme der Globuli:

  • Lidrandentzündungen, gerötete Verhärtungen und Druckgefühl am Auge, ausgelöst durch seelische Konflikte oder nach chirurgischen Behandlungen: D6, 3-mal täglich, 5 Globuli

  • Zahnprobleme, psychisch bedingt: D6, 3-mal täglich, 5 Globuli

  • schnelle sexuelle Erregung, häufiger Harndrang, keine vollständige Entleerung aufgrund einer Prostatavergrößerung: D12, 2-mal täglich, 5 Globuli

  • Haarverlust, ausgelöst durch seelische Belastung: D12, 2-mal täglich, 5 Globuli

  • Schnittwunden (Operation, Messerschnitt) oder Geburtsverletzungen (Kaiserschnitt, Dammschnitt): D6, 3-mal täglich, 5 Globuli

  • vor der Entbindung: Empfohlen wird hier oft die Potenz D30. Die genaue Dosierung und Dauer der Gabe sollte jedoch mit einem Arzt abgesprochen werden, da sich der Geburtstermin verschieben kann, jede Schwangerschaft anders verläuft und jede Frau individuell auf die unterschiedlichen Wirkstoffe reagiert. Außerdem handelt es sich bei D30 um eine sogenannte Hochpotenz, die in der Dosierung etwas komplexer ist als Niedrigpotenzen wie D6 oder D12, die sich gut zur Selbsttherapie eignen.

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Achtung! Vor allem Schwangere und Stillende sollten die Einnahme jeglicher Arzneimittel abklären. Sowohl Dosierung als auch Potenz können sich in diesen Lebensphasen verändern. Jedoch hat sich Staphisagria bereits als Mittel gegen Sodbrennen und Harnwegsprobleme während der Schwangerschaft bewiesen und spielt auch in der Geburtsvorbereitung eine Rolle.

Leitsymptome für Staphisagria

Treten mehrere der folgenden psychischen und körperlichen Beschwerden und Besonderheiten auf, kann Staphisagria das richtige Mittel sein, um den Körper in seiner Selbstheilung zu unterstützen.

  • Zittern, ausgelöst durch unterdrückte Wut
  • erhöhte Empfindsamkeit bei Beleidigungen und Kränkungen
  • übermäßige Ausbrüche von Zorn
  • Verlagerung von Beschwerden (z.B. Bauchkrämpfe) durch unterdrückte Wut
  • Gerstenkörner
  • Zahnschmerzen bedingt durch kariöse Zähne
  • Hunger
  • Leeregefühl im Magen
  • Bauch- oder Magenschmerzen durch psychische Aufregung
  • häufiger Harndrang/Reizblase
  • Blasenprobleme bei Frauen
  • erhöhtes sexuelles Verlangen
  • heftiges Gähnen

Außerdem kennzeichnen sich Staphisagria-Patienten durch ihre sensible, mitfühlende aber auch nachtragende Art, die in weiterer Folge zum Gefühl führen kann, innerlich verletzt zu sein. Die Betroffenen neigen generell zu Entzündungen.

Beschwerden verschlechtern sich durch:

  • emotionale Stresssituationen wie Ärger, Wut, Demütigung oder Streit
  • sexuelle Befriedigung
  • Berührungen
  • kühle Getränke
  • Tabakkonsum
  • kurze Schlafphasen während des Tages

Beschwerden verbessern sich durch:

  • Wärme
  • warme Getränke
  • Ruhe

Wer auf Staphisagria anspricht, sollte keinesfalls auf das Frühstück verzichten. Die erste Mahlzeit des Tages spielt eine entscheidende Rolle, denn es tritt nach dem Essen eine allgemeine Besserung der Symptome ein und das Wohlbefinden steigt.

Vergleichbare homöopathische Mittel mit ähnlichen Leitsymptomen

Die folgenden beiden Wirkstoffe weisen ähnliche Leitsymptome auf, unterscheiden sich in bestimmten Bereichen jedoch auch signifikant:

  • Ignatia wird ebenso eingesetzt bei einer Intensivierung der Beschwerden durch unterdrückten Ärger und Berührungen, zudem bei einem Leeregefühl im Magen und krampfhaftem Gähnen ohne Müdigkeit. Der Unterschied für die richtige Wahl der Behandlung liegt in der Art des Ärgers: Ignatia-Patienten leiden im Stillen, der Ärger wird zum Kloß im Hals und engt die Brust ein – Menschen mit Staphisagria-Indikation hingegen fallen eher durch Magenschmerzen, Haut- und Blasenprobleme auf.

  • Nux vomica ist bei Menschen angezeigt, die aufgrund von Erregung und Stress zu krampfartigen Magen- und Bauchschmerzen und zu Zittern aufgrund von Ärger neigen. Nux-vomica-Patienten lassen den zornigen Emotionen jedoch freien Lauf und es handelt sich meist um sehr lebhafte und ehrgeizige Personen mit der Neigung zu Verstopfung und Sodbrennen.

Darreichungsformen in der Homöopathie

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. April 2017
Quellen: Markus Wiesenauer: Maxi-Quickfinder Homöopathie, Gräfe und Unzer, 2015; Eugene B. Nash: Leitsymptome in der homöopathischen Therapie, Karl F. Haug Verlag, 2015, 3., unveränderte Auflage

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