Tipps für Angehörige

Pflege: Gezielte Unterstützung nach Schlaganfall

Der richtige Umgang mit Schlaganfall-Patienten ist entscheidend, um Unsicherheiten und ein vermindertes Selbstwertgefühl bei dem Betroffenen zu vermeiden sowie verloren gegangene Fähigkeiten zu aktivieren. Die gelähmte Körperhälfte oder Sprachstörungen können durch die richtige Ansprache des Patienten neu trainiert werden.

Das koennen die Angehoerigen tun-78655762.jpg
Angehörige können nach einem Schlaganfall auf viele Arten helfen.
© Pixland/Getty Images

Die Gedächtnisleistung kann nach einem Schlaganfall unterschiedlich stark beeinträchtigt sein. Damit sich Schlaganfall-Patienten dennoch im Alltag zurechtfinden können, benötigen sie daher unter Umständen kleine Orientierungshilfen durch Angehörige:

  • Alltägliche Gegenstände sollten immer am gleichen Platz stehen. So sind sie leichter zu finden.
  • Der Betroffene sollte über alle Handlungen vorher informiert werden.
  • Orientierungshilfen einsetzen, um Unfälle zu verhindern, zum Beispiel die Markierung von "heiß" und "kalt" an Gegenständen, Lebensmitteln und Getränken.
  • Wenn Sie die Kleidung der Reihe nach hinlegen, erleichtern Sie dem betroffenen Patienten das selbstständige Ankleiden.

Ernährung bei Schluckstörung durch Schlaganfall

Eine Lungenentzündung ist eine häufige Komplikation bei Schlaganfall-Patienten, die unter Schluckstörungen leiden. Das kann auch durch Angehörige nicht vermieden werden. Infolge des "Verschluckens" kann es zu einer Lungenentzündung kommen, die den Genesungsprozess der Patienten verzögert. Eine entscheidende Maßnahme ist daher die kontrollierte Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung.

Patienten, die unter ausgeprägten Schluckstörungen leiden, müssen zeitweise über eine Sonde ernährt werden und ein Schlucktraining unter Anleitung eines Logopäden erhalten. Der Schluckvorgang wird bereits durch die Bewegung der Nahrung zum Mund vorbereitet. Hilfsmittel wie eine rutschfeste Unterlage oder ein günstiges Trinkgefäß unterstützen die selbstständige Nahrungsaufnahme. Weitere Hinweise, die sie während der Nahrungsaufnahme beachten sollten, sind:

  • Die Konsistenz von Speisen, besonders von Flüssigkeiten muss gegebenenfalls angepasst werden. Dabei können wiederum Angehörige helfen: Feste Nahrung wird in weicher Form zubereitet, zum Beispiel in Form von Püree. Flüssigkeiten werden mit speziellen Präparaten angedickt.
  • Getränke nur in kleinen Schlucken anbieten.
  • Ungünstige Speisen wie Reis, kleine Nudeln, Nüsse oder Blattsalat vermeiden.
  • Vor dem Schlucken sollte der Betroffene das Kinn auf die Brust legen. Die Luftröhre ist in dieser Lage verschlossen.

Blasentraining gegen Harninkontinenz

Einige Patienten können nach einem Schlaganfall das Wasser nicht mehr halten. Ärzte sprechen dann von einer Blasenschwäche (Harninkontinenz). Angehörige brauchen in diesem Fall viel Geduld. Die Blasenschwäche kann sich kurz- oder langfristig zurückbilden – zum Beispiel, indem der Betroffene mithilfe eines speziellen Blasentrainings die Kontrolle seiner Urinausscheidung neu erlernt. Bis dahin ist die Anwendung von Einlagen für viele Patienten eine praktikable und die Pflegenden entlastende Zwischenlösung.

So funktioniert das Blasentraining:

  • Der Patient wird nach individuell abgestimmten Zeiten zur Toilette begleitet, auch wenn er keinen Urindrang verspürt.
  • Die abgesprochenen Zeiten müssen täglich beibehalten werden.
  • Dem Patienten sollte für einen Toilettengang ausreichend Zeit zur Verfügung stehen.
  • Der Patient kann das Blasentraining auch selbstständig durchführen. Wichtig ist daher, auf eine zunehmende Selbstständigkeit der Patienten hinzuarbeiten.

Die Einnahme von Medikamenten und die geringe tägliche Bewegung begünstigen eine Verstopfung (Obstipation). Wichtig ist daher auch, dass Angehörige auf regelmäßigen Stuhlgang des Schlaganfall-Patienten achten. Die fehlende Stuhlkontrolle kann jedoch auch, wie die Blasenschwäche, eine Ursache des Schlaganfalls sein.

Abführende Lebensmittel: Dieses Essen fördert die Verdauung

Gelähmte Körperhälfte nach Schlaganfall reaktivieren

Betroffene mit einer Halbseitenlähmung neigen dazu, die gelähmte Seite zu vernachlässigen, und die bewegliche Seite bevorzugt einzusetzen. Die Entwicklung der betroffenen Seite wird somit gehemmt und Spastiken entstehen. Es ist wichtig, das Zusammenspiel der betroffenen und gesunden Körperhälfte neu zu trainieren. Um die gelähmte Körperhälfte aktiv einzubeziehen, sind folgende Dinge zu beachten:

  • Sprechen Sie Ihren Angehörigen nach dem Schlaganfall immer von der gelähmten Körperhälfte an.

  • Führen Sie die tägliche Pflege und das Bewegungstraining immer von der gelähmten Seite aus durch. Sie veranlassen ihn damit zu einer inneren Bewegung, auch wenn er sich augenscheinlich nicht rührt.

  • Machen Sie Ihren Angehörigen darauf aufmerksam, seine betroffene Körperhälfte nach dem Schlaganfall  in alle Bewegungsabläufe einzubeziehen.

  • Beim Gehen sollte der Schlaganfall-Patient an der gelähmten Seite geführt werden. Der betroffene Arm muss an Ellenbogen und Hand gestützt werden. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Physiotherapeuten anleiten.

  • Im Sitzen muss die gelähmte Seite mit einem Kissen unterstützt werden, um nicht den Halt zu verlieren.

  • Platzieren Sie Alltagsgegenstände neu: Wichtige Gegenstände immer in Richtung der gelähmten Körperhälfte aufstellen. Der Patient muss versuchen, die betroffene Körperhälfte aktiv einzusetzen, was die Krankengymnastik unterstützt.

  • Beim Hantieren in der Küche sollten Schlaganfall-Patienten versuchen, die gelähmte Körperseite beim Kochen oder Schneiden abzuwenden. Es besteht die Gefahr, sich unbemerkt zu verletzen. Zum Beispiel, wenn der Patient eine Heiß-Kalt-Wahrnehmungsstörung hat. Fettspritzer aus der heißen Pfanne führen zu unbemerkten Verbrennungen.

Übungen mit dem Theraband

Sprachstörung nach dem Schlaganfall

Die Schädigung der linken Gehirnhälfte ist häufig mit einer Sprachstörung verbunden. Der Betroffene benötigt viel Zeit und kleine Pausen zum Sprechen. Zudem kann er den Gesprächsinhalt nicht so schnell verarbeiten. Angehörige sollten daher ruhig und langsam sprechen und sich auf ein Thema konzentrieren. Gerät der Schlaganfall-Patient zu lange ins Stocken und findet die Worte nicht, kann ihm der Gesprächspartner ein Schlüsselwort anbieten. Fehler und falsche Worte dürfen nicht ständig verbessert werden, dies kann den Patienten sonst zusätzlich verunsichern und eine zunehmende Verschlossenheit des Betroffenen begünstigen. Um das Sprechen neu zu erlernen, führt ein Logopäde ein spezielles Sprachtraining durch. Dieser kann auch den Angehörigen weitere Hinweise für die Gesprächsführung mit dem Schlaganfall-Patient vermitteln.


Manchmal kommt es vor, dass Angehörige über das Ziel hinausschießen: Sie betreiben immerzu "Sprachtherapie". Natürlich ist es wichtig, die Unterhaltung nach einem Schlaganfall trotz gestörter Sprache aufrecht zu erhalten. Doch ist Kommunikation nicht auf verbale Fähigkeiten beschränkt. Ebenso kommunikativ ist es, gemeinsam etwas zu erleben. Dabei kann der Betroffene erfahren, dass er sich auf anderen Ebenen weiterhin ausdrücken kann – zum Beispiel beim Malen, Fotografieren oder Spielen. Sind Sprachproduktion und Sprachverständnis vollständig aufgehoben oder ist das Gespräch durch eine Bewusstseinsstörung nicht möglich, ist der Körperkontakt umso wichtiger: Das Halten der Hand, Streicheln oder auch festerer Druck sind Möglichkeiten, Gefühle mitzuteilen.

Schlaganfall: Vorboten und akute Symptome erkennen
Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Meistgeklickt zum Thema
Schlaganfall: Vorboten und akute Symptome erkennen
Schlaganfall

Ein Schlaganfall passiert im Inneren des Körpers. Wer die Vorboten erkennt, kann ihn verhindern mehr...

Schlaganfall und seine Folgen
Von Lähmungen bis Sprachstörungen

Nach einem Schlaganfall sind die Folgen vielfältig und können ganz unterschiedliche Körperteile betreffen mehr...

So mindern Sie Ihr Schlaganfallrisiko
Schlaganfall

Die Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, ein erhöhter Cholesterinspiegel und ein ungesunder Lebensstil durch Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.