Genesung

Reha nach dem Herzinfarkt: Das erwartet Patienten in der Klinik

Rehabilitation ist mehr als nur Nachsorge mit ein paar Trainingseinheiten auf dem Fahrrad-Ergometer: Sie bildet die Grundlage für den künftigen Lebensstil. Darum empfiehlt es sich, die Reha-Klinik sorgfältig auszusuchen. Worauf es ankommt und was Herzinfarktpatienten dort erwartet!

herzinfarkt mann
Ein Herzinfarkt belastet auch die Psyche des Patienten in hohem Maß.
(c) Tay Jnr

Eine Rehabilitation ist bei der Verschlusskrankheit meist nach einem operativen Eingriff angezeigt, das heißt im Stadium III oder IV. Der Reha-Aufenthalt nach einer Verschlusskrankheit wie Herzinfarkt dauert rund drei Wochen, er kann sich jedoch bis auf sechs Wochen ausdehnen. Im Stadium IV, wenn bereits Gewebe abgestorben ist, findet die Reha immer stationär statt – ebenso, wenn der Patient im Stadium III einen Bypass bekommen hat. Ärzte empfehlen eine stationäre Rehabilitation zudem nach einer Ballondilatation im Stadium III, auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten ist sie in diesem Fall allerdings auch ambulant möglich. Im Stadium II besucht der Patient meist eine Tagesklinik.

Reha nach Herzinfarkt: Patient geht wieder länger ohne Schmerzen

Krankengymnastik ist neben der medikamentösen Behandlung die wirkungsvollste Therapie der Verschlusskrankheit. Wichtig: Der Patient muss die Übungen auch zu Hause täglich praktizieren. Denn wird der Körper einige Zeit nicht belastet, verlangsamen sich seine Funktionen, die physiologischen Prozesse schalten auf Sparflamme: Das Blut zirkuliert langsamer, die Muskulatur erschlafft, die Gelenke verlieren an Beweglichkeit und Stabilität. Genesung Ziel der Gymnastik ist, den Körper an Anstrengung zu gewöhnen, damit der Blutkreislauf wieder richtig in Schwung kommt. Dann bilden sich sogenannte Kollateralkreisläufe oder Umgehungskreisläufe, durch die das Blut fließen kann, wenn die Hauptader verstopft ist. Der Patient kann somit länger schmerzfrei gehen.

Gehtraining: Jede Woche steigert sich das Tempo

Das Bewegungs- und Gehtraining beginnt mit einer Aufwärmphase: Zehenstand im Zeitlupentempo, Wadendehnung, Beinpendeln, Gewichtsverlagerungen auf den ganzen Fuß und abschließende Erholung, bei der die Patienten die Beine über zwei bis drei Minuten im stetigen Wechsel ausschütteln. Danach folgt das eigentliche Gehprogramm. Das Gehtraining besteht aus einer sechswöchigen Gewöhnungsphase, in der die Patienten das Gehtempo in jeder Woche steigern. Auf diese Weise werden auch die schmerzfreien Gehphasen immer länger. Die Patienten lernen auch, die Füße leise aufzusetzen und entspannt abzurollen. Denn die Beine sollen wie von allein laufen, mit einem Minimum an Anstrengung. Der Gefäßkranke findet auf diese Weise auch am besten sein eigenes Gehtempo.

Nach der Reha sollte der Patient das Bewegungstraining in ambulanten Claudicatio-Gruppen fortsetzen – Claudicatio heißt auf Deutsch übrigens Hinken. In den letzten Jahren entstanden analog zu den Herzsportgruppen immer mehr ambulante Gefäßsportgruppen. Adressen der Trainingsgruppen vermitteln Reha-Kliniken, Selbsthilfegruppen und Verbände.

Ernährungstraining findet direkt in der Küche statt

Meistens sind Gefäßpatienten Raucher. In der Reha-Klinik bieten Psychologen deshalb Nichtrauchertraining an. Die Ärzte behandeln manchmal auch mit Akupunktur, auf medikamentöse Entwöhnung verzichten sie jedoch meist.

Neben dem Nichtrauchertraining steht auch ein Ernährungstraining auf dem Programm. Dabei geht es recht handfest zu, denn die Patienten werden von Diätassistenten direkt in der Küche geschult. Bei dem Hypertonie- oder Blutdrucktraining lernen die Patienten, wie sie sich selbst den Blutdruck messen und diesen selbst medikamentös regulieren können. Die Reha nach Herzinfarkt oder anderen Gefäßerkrankungen bietet dem Patienten also viele Möglichkeiten, seinen Lebensstil dauerhaft positiv zu verändern.

Ernährung für ein gesundes Herz: Sieben Tipps!

 

Jeder Infarktpatient hat das Recht auf eine Reha-Behandlung. Wichtig ist, dass sie den Antrag früh stellen. In der Regel bereitet schon der Sozialarbeiter im Krankenhaus den Antrag auf eine Rehabilitation vor und leitet ihn an den Kostenträger – die Renten- oder Krankenversicherung – weiter.

Klinik mit Qualitässiegel für die Herzinfarkt-Reha auswählen!

Dabei sollte die Klinik in jedem Fall ein Qualitätssiegel der deutschen Gesellschaft zur Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (DGPR) tragen. Es garantiert, dass in der Reha-Klinik Ärzte arbeiten, die auf Herzerkrankungen spezialisiert und genügend Geräte für eine genaue Diagnose vorhanden sind. Bevor ein Herzpatient aber das volle Angebot mit Bewegungstraining und Ernährungsseminaren ausschöpfen kann, muss er einige Zeit warten.

Der Patient wird oft schon nach zehn Tagen aus dem Krankenhaus entlassen und kommt sehr geschwächt in der Reha-Klinik an. Für die Ärzte geht es deshalb zunächst darum, die richtigen Medikamente in optimaler Dosierung für den Herzkranken zu finden. Erst danach kann das Reha-Programm richtig beginnen.

Das gehört zum Programm in der Reha-Klinik

In der Reha-Klinik arbeiten Ärzte, Schwestern, Bewegungstherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter und Diätassistenten zusammen, um dem Patienten zu zeigen, wie er seine Lebensweise gesund gestalten kann.

Auf dem Programm stehen:

  • Information über den Herzinfarkt, seine Folgen und über vermeidbare Risikofaktoren

  • Bewegungstraining wie Gehtraining, Gymnastik und Übungen am Heimtrainer - Dauer und Intensität der Bewegungstherapie ermitteln Ärzte durch ein Belastungs-EKG

  • Entspannungstraining, das helfen soll, Nervosität, Herzjagen und hohen Blutdruck in den Griff zu bekommen

  • Diätberatung zur Gewichtsreduktion mit Tipps für eine cholesterin- und salzarme sowie vitaminreiche Kost

  • Psychosoziale Beratung etwa bei Problemen am Arbeitsplatz oder mit dem Partner. Die Sozialarbeiter helfen auch, einen Schwerbehinderten-Ausweis und Umschulungen zu beantragen

  • Vermittlung von Herzsport- oder Selbsthilfegruppen

Die Rehabilitation dauert normalerweise drei Wochen. Doch nicht alle Patienten möchten diese Zeit fern von Freunden und Familie verbringen. Für sie ist die ambulante Reha in einer Art Tagesklinik eine Alternative. Ungefähr 20 Prozent der Patienten wünschen ausdrücklich ein ambulantes Anschluss-Heilverfahren.

Für Patienten, die familiäre Probleme haben, empfiehlt sich die ambulante Reha aber nicht. Sie finden nur während eines stationären Aufenthalts in einer Reha-Klinik Ruhe und Entlastung. Abstand vom Alltag ist für sie auch so wichtig, damit sie erkennen, wo die Ursachen für ihren Infarkt liegen könnten.

Herzinfarkt belastet auch psychisch

Auch die psychologische Betreuuung spielt eine große Rolle: Trotz Überlebensraten, die für die meisten Herzoperationen bei über 95 Prozent liegen, empfinden viele Patienten einen Eingriff am Herzen als eine lebensbedrohliche Situation. Dies ist, so Professor Friedrich Wilhelm Mohr, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), nicht zuletzt den emotionalen Assoziationen geschuldet, die mit dem Herzen als lebenserhaltendem Organ verbunden sind.

Dabei hängt die Notwendigkeit einer psychologischen Betreuung nicht allein vom Resultat der Operation ab. Auch nach komplikationslosen Eingriffen können ein verändertes Körpergefühl oder ästhetische Begleiterscheinungen (wie Narbenbildungen) zu psychischen Störungen führen. Besonders gefährdet für die Entwicklung von Depressionen oder Belastungsstörungen seien dabei Patienten unter 55 Jahren und solche, denen die Absicherung durch ein funktionierendes soziales Netzwerk fehlt.

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Letzte Aktualisierung: 27. September 2015

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