Wenn jeder Schritt schmerzt

Fersensporn: Behandlung mit Einlagen meist erfolgreich

Stechende Fersenschmerzen stehen häufig in Zusammenhang mit einem Fersensporn, auch Kalkaneussporn genannt. Der knöcherne Auswuchs am Fersenbein muss an sich nicht behandelt werden. Nur wenn Beschwerden hinzukommen, ist eine Behandlung nötig. Schon das Tragen von Einlagen kann dabei erfolgreich sein. Alles rund um Symptome, Therapie und Ursachen des Fersensporns.

Ein Fersensporn verursacht meist keine Beschwerden. Erst wenn zum Beispiel eine Entzündung dazukommt, entstehen Fersenschmerzen.
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Das Gewicht unseres Körpers lastet beim Stehen, Gehen und Laufen komplett auf unserer Fußsohle. Das geht vor allem an der Ferse nicht immer spurlos vorbei: Viele Menschen leiden dort unter einem stechenden Schmerz, im Volksmund als Fersensporn bezeichnet.

Fersensporn: So wird man ihn los

Von einem Fersensporn (Kalkaneussporn) ist die Rede, wenn sich am Übergang der Fußsohlensehnenplatte (auch Aponeurosis plantaris, Plantaraponeurose, Plantarsehne oder Plantarfaszie genannt) zur Ferse ein dornartiger, knöcherner Auswuchs bildet.

Mediziner sprechen weniger vom Fersensporn als vielmehr vom Fersenschmerz. Denn der Kalkaneussporn an sich ist schmerzlos und muss daher selten behandelt werden. Erst, wenn sich zusätzlich eine Entzündung gebildet hat, kommt es zum therapiebedürftigen Schmerz.

Dieser wird von Laien häufig mit dem Fersensporn gleichgesetzt und lässt sich unterteilen in:

Zehn Prozent der Bevölkerung entwickeln laut Schätzungen einen Fersensporn. Am häufigsten sind 40- bis 60-Jährige betroffen.

Fersensporn gar nicht erst entstehen lassen!

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Symptome: Daran erkennt man den Fersensporn

Bei einem Fersensporn handelt es sich um eine Knochenzacke am Fersenbein (Calcaneus). Daher wird er auch als Kalkaneussporn bezeichnet. Dieser verursacht selbst meist keine Beschwerden, vielmehr ist eine Entzündung des umliegenden Gewebes als Symptom behandlungswürdig.

"Der Fersensporn ist an sich schmerzlos", sagt Johannes Flechtenmacher, Facharzt für Orthopädie und Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). Es kann jedoch zu einem heftigen Stechen kommen, wenn sich das umliegende Gewebe entzündet.

Ein dorsaler Fersensschmerz (Haglund-Exostose) kann zusätzlich zu Schmerzen beim Abrollen und bei Zug auf die Achillessehne mit Schwellungen und Rötungen einhergehen.

Ein medialer Fersenschmerz (oft in Verbindung mit einem plantaren Fersensporn) kann sich durch Anlaufschmerzen äußern, die nach den ersten Schritten häufig abklingen.

Manchmal lässt sich ein Fersensporn sogar ertasten. Das ist dann der Fall, wenn er bereits eine gewisse Größe erreicht hat. Trotzdem ist er nur in Verbindung mit anderen Erkrankungen, zum Beispiel einer Entzündung der Plantarsehne (Fasciitis plantaris), die das Fußgewölbe stützt, schmerzhaft. Daher wird der Auswuchs oft gar nicht entdeckt. Ohne Beschwerden ist auch keine Behandlung nötig.

Wie entsteht ein Fersensporn? Die Ursachen

Beim Fersensporn handelt es sich um eine degenerative, also durch Verschleiß bedingte Krankheit. Er entsteht meist durch eine übermäßige oder falsche Belastung des Fußes.

Die Haglund-Exostose (dorsaler Fersenschmerz) bildet sich durch Druck auf die Achillessehne und betrifft häufig Sportler. Die Achillessehne wird gereizt, es kommt zu einer Verdickung der Ferse. Der Übergang zur Sehne verkalkt, es bildet sich ein Knochenauswuchs, der zudem etwas aufgeraut ist. Das umliegende Gewebe entzündet sich und schmerzt.

Die sieben häufigsten Fußbeschwerden

Der plantare Kalkaneussporn kommt häufig in Verbindung mit dem medialen (plantaren) Fersenschmerz vor. Dieser kann durch verschiedene Erkrankungen entstehen, zum Beispiel: 

Risikofaktoren sind Tätigkeiten, aber auch anatomische Gegebenheiten, die die Achilles- beziehungsweise Plantarsehne überlasten:

Fersensporn: So läuft die Diagnose

Verschiedene Erkrankungen können einen Fersensporn und damit verbundene Beschwerden auslösen. Die genaue Ursache ermittelt der Arzt über eine Differentialdiagnose.

"Der Fersenschmerz ist ein komplexes Bild", sagt Orthopäde Johannes Flechtenmacher. Krankheiten wie Rheuma, Morbus Bechterew oder Gicht müssen ausgeschlossen werden.

Bei der Differentialdiagnose geht der Arzt folgendermaßen vor:

Der tatsächliche Fersensporn wird über Röntgenaufnahmen entdeckt. Dann ist ein ein bis fünf Millimeter langer Knochenauswuchs am Fersenbein (Calcaneus) zu erkennen.

Häufig bleibt ein Fersensporn, der keine Beschwerden verursacht, unentdeckt und muss dann auch nicht behandelt werden. Erst wenn Schmerzen als Symptom hinzukommen, besteht Handlungsbedarf.

Fersensporn-Behandlung mit Einlagen und Übungen

Im Vordergrund der Behandlung steht nicht die Entfernung des Fersensporns, sondern die Bekämpfung der Erkrankung, die zum Schmerz führt.

Ein Fersensporn – auch Kalkaneussporn genannt – ist ein dornartiger Knochenauswuchs, der sich am Fersenbein bilden kann. 
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Beschwerden können nach Ansicht von Johannes Flechtenmacher in 98 bis 99 Prozent der Fälle durch konservative (also nicht-operative) Behandlungsmethoden beseitigt werden:

Obwohl die Heilungsaussichten durch diese konservativen Therapieformen gut sind, kann es zu Rückfällen kommen. Nur wenn die nicht-operative Behandlung auf Dauer nicht wirksam ist, kommt ein chirurgischer Eingriff in Betracht.

Bei dem endoskopischen (minimal-invasiven) Eingriff werden über ein bis zwei Hautschnitte in die Fußsohle eine Kamera sowie chirurgische Instrumente eingeführt. Während des Eingriffs wird in der Regel die Plantarfaszie eingeschnitten (partielle Plantarfasziektomie), um eine größere Dehnbarkeit der Sehne zu erreichen. Vor einer operativen Abtragung des Fersensporns selbst wird gewarnt. Nur wenn der Kalkaneussporn sehr groß ist, wird auch der Knochenauswuchs selbst mit einer Fräse entfernt.

Verlauf: Nicht-operative Behandlung des Fersensporns erfolgreicher

Die Aussichten auf Beschwerdefreiheit nach einer konservativen Behandlung des Fersensporns sind gut. Die Meinungen über die Wirksamkeit des operativen Eingriffs sind hingegen gespalten.

In 98 bis 99 Prozent der Fälle sind nicht-operative Therapien bei Fersenschmerzen erfolgreich. Trotzdem kann es zu Rückfällen kommen.

Auch nach einer operativen Fersenspornabtragung können erneut Schmerzen auftreten. Laut BVOU-Präsident Johannes Flechtenmacher erzielt die OP im Allgemeinen keine guten Ergebnisse. Wurden die Beschwerden jedoch erst durch die Deformität des Knochenauswuches verursacht, kann eine Abtragung des Fersensporns dies dauerhaft beheben, erklären die Spezialisten der Orthopädischen Gelenk-Klinik in Freiburg auf ihrer Internetseite.

Der Fuß muss bis zu sechs Wochen nach der OP geschont werden und darf nur teilweise belastet werden. Ein Gipsverband oder Gipsersatz kann nötig sein.

Die Narben an der Fußsohle nach einer Operation sind mitunter sehr schmerzhaft. Sind die Wunden komplett abgeheilt, kann der Fuß wieder voll belastet werden. Manchmal ist während des Heilungsprozesses auch eine begleitende Physiotherapie notwendig. Eine lange Beschwerdedauer vor der Operation sowie Übergewicht können das Ergebnis beeinträchtigen.

Fersensporn verhindern: Maßnahmen zur Vorbeugung

Einem Fersensporn und damit einhergehenden Beschwerden kann man vorbeugen, indem man Überbelastung oder Fehlbelastung des Fußes vermeidet. 

Wichtigste Maßnahme ist passendes Schuhwerk mit abfedernder, dämpfender Wirkung. Die Schuhe dürfen nicht zu eng sein und so Druck auf die Achillessehne ausüben (Risiko für Haglund-Exostose).

Experten raten außerdem dazu, bei starker Belastung durch langes Stehen des Öfteren die Körperhaltung zu variieren.

Wer übergewichtig (BMI über 25) oder fettleibig ist (BMI ab 30) und Probleme mit schmerzenden Füßen hat, sollte über eine Gewichtsreduktion nachdenken. Jedes überschüssige Kilo Körperfett belastet nicht nur die Gelenke (Gefahr für Rheuma und Arthrose), sondern auch die Füße, auf denen das gesamte Körpergewicht lastet, enorm.

Um den Kalkaneussporn durch Sport zu verhindern, sollte man neben passenden Schuhen auf ausreichende Aufwärm- und Dehnübungen vor beziehungsweise nach dem Training achten und Überbelastung vermeiden.

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Letzte Aktualisierung: 06. März 2017
Quellen: Dr. med. Johannes Flechtenmacher: Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), www.ortho-zentrum.de; www.gelenk-klinik.de; Martin Hübsch: Orthopädieschuhtechnikermeister bei der Firma Streifeneder; AOK Bundesverband; Techniker Krankenkasse; Das neue große Gesundheitsbuch: Medizinisches Wissen und ärztlicher Rat für die ganze Familie; Prof. Dr. med. H. Lucas; Sonderausgabe 1999; Lehrbuch Anatomie; Urban & Schwarzenberg, 2. Auflage