@Hashis und Wechseljahre

Kategorie: Frauenheilkunde » Forum Wechseljahre

07.03.2018 | 10:40 Uhr

Liebe Ringelblume und alle anderen,

gestern kam das Thema Schilddrüsenerkrankungen im Thread von Annabell auf. Leider lief dieser etwas aus dem Ruder und wurde etwas unübersichtlich, da die Fragestellung ja eine andere war. Da ich aber sehe, dass das Thema von größerem Interesse ist, möchte ich hier mal ein paar Dinge beitragen, auch wenn natürlich z. T. schon bekannt.

Dass das Thema Hashimoto bzw. entzündliche Schilddrüsenerkrankungen gerade in den Wechseljahren gehäuft auftritt, hat etwas mit den damit verbundenen Hormonumstellungen zu tun. Auch in der Pubertät und in der Schwangerschaft kann Hashimoto zum Ausbruch kommen. Deshalb ist es wichtig, bei Beschwerden in den Wechseljahren auch immer an die Schilddrüse zu denken, da die Symptome einer Unterfunktion den WJ-Symptomen ähneln. (Bitte googlen: Symptome Schilddrüsenunterfunktion).

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung und verläuft in sog. Schüben. Bei jedem Schub kann erst einmal eine Überfunktion auftreten und es wird ein Teil der Schilddrüse zerstört. Danach kommt man je nach Zerstörungsgrad in eine Unterfunktion, da ja ein Teil der Schilddrüse "fehlt".

Jeder Verlauf einer Autoimmunerkrankung ist anders, so auch bei Hashi. Bei dem einen gibt es einen Schub, die Schildi ist noch weitgehend intakt und bleibt lange schubfrei. Dabei braucht es meistens dann auch noch keine oder nur eine geringe Medikation. Bei dem anderen kommt ein Schub nach dem anderen und die Hormonsituation geht rauf und runter und die Betroffenen haben das Gefühl, ihr Körper spielt "verrückt", was die Situation ganz gut beschreibt. Hier muss interveniert werden, da bei weitgehender Zerstörung der Schildi natürlich die Hormone nur noch in geringer Menge gebildet werden. Ohne Schilddrüsenhormone kann man nicht leben. Deshalb finde ich es auch unverantwortlich, hier vor der Einnahme von Schilddrüsenhormonen zu warnen.

Dieses Szenarium erklärt auch, warum es so schwer ist, Hashi zu behandeln. Es gehört viel Erfahrung dazu. Leider ist diese Erfahrung oft auch bei Spezialisten nicht in vollem Umfang gegeben, wie wir sehr deutlich im Thread von Annabell sehen konnten. Viele behandlen nur nach "Tabelle" und nicht nach dem Befinden des Patienten. Zu einer umfassenden Diagnose gehören ein Szintigramm (Nuklearmediziner), Blutuntersuchung TSH, ft 3, ft4, Antikörper. Kontrollen, ebenfalls Blutuntersuchung und Ultraschall.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch etwas im Vertrauen sagen. Leider muss ich, was Schilddrüsenerkrankungen angeht, vor den Empfehlungen unseres verehrten Professors warnen. Inzwischen sieht er einen TSH von 3,0 zwar nicht mehr als "lebensverlängernde Maßnahme" an, aber er empfiehlt immer noch, Jod und Selen einzunehmen. Ist Selen bei Hashi noch tolerierbar, ist Jod jedoch kontraindiziert. Jod heizt die Entzündung noch an und ist auf jeden Fall zu meiden. Auch sollte man darauf achten, jodhaltige Lebensmittel zu meiden, was allerdings nicht für Fisch gilt. Auch auf Soja-Produkte sollte man verzichten, da sie die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen behindern.

Meine Lieben, das sollte nur ein kleiner Beitrag sein, da sonst Infos in einem Thread ja etwas untergehen.

@Conche: Du leidest ja an Struma und solltest unbedingt entsprechend therapiert werden. Ohne Schilddrüsenhormone werden deine Knoten weiter wachsen. Eine zweite OP ist immer schwierig, da sich durch die erste Narbengewebe gebildet hat.

LG Anna

 

 

Helfen Sie mit Ihrer Bewertung: Ja, dieses Thema ist hilfreich!

0
Bisherige Antworten
Beitrag melden
07.03.2018, 10:55 Uhr
Antwort

Hallo Anna,

sehr schön und verständlich erklärt. Vielen Dank!

LG Midi 

Beitrag melden
07.03.2018, 10:57 Uhr
Kommentar

Danke.

LG Anna

Beitrag melden
07.03.2018, 11:04 Uhr
Antwort

LIebe Anna,

vielen Dank für deinen Bericht, kann ich alles so bestätigen. Meine SD fand Schwangerschaft und Geburten nicht toll. Deshalb haben wir auch kein 3. Kind bekommen. Seitdem ist sie ruhig. Habe ich das richtig verstanden, Seefisch ist ok? Ich verwende schon seid vielen Jahren kein Jodsalz, früher habe ich auch Seefisch und Meeresfrüchte völlig vermieden. Das mache ich aber nicht mehr. Ich es es jetzt ab und zu. Komisch das mit dem Jod ändert sich immer mal wieder, mal ja mal nein. 

LG Ringelblume

Beitrag melden
07.03.2018, 11:34 Uhr
Kommentar

Liebe Ringelblume,

da man Seefisch ja nicht täglich isst, sondern, so wie du ab und zu, ist das natürliche Jod o.k. Wobei ich auch das vermeiden würde, wenn ich merke, es geht mir schlechter.

Problem ist die heutige "Durchjodierung" unserer Nahrung. Man kann zusätzliches Jod kaum vermeiden, da ja auch Kühe z. B. jodiertes Futter bekommen und wir mit Milchprodukten, Fleisch usw. zusätzlich Jod aufnehmen. Nicht zu Unrecht mutmaßt man, dass das gehäufte Auftreten von Hashi in der neueren Zeit diesem Umstand geschuldet ist. Hashis haben da schlechte Karten, zumal wenn sie als Berufstätige in Kantinen o.ä. ihr Essen zu sich nehmen müssen.

Aber deine Schildi benimmt sich ja anständig. Hoffe, dass das lange so bleibt.

LG Anna

Beitrag melden
08.03.2018, 10:40 Uhr
Kommentar

Möchte nur noch ergänzen, dass das natürlich auch für alle anderen Schilddrüsenkranken gilt, die mit Schilddrüsenhormonen fein eingestellt sind. Sie könnnen durch zusätzliches Jod und Selen in eine instabile Stoffwechsellage geraten und Überfunktionssymptome entwickeln.

LG Anna

Beitrag melden
07.03.2018, 14:24 Uhr
Antwort

Ich habe folgende Symptome: nachts schwitzen, tagsüber frieren, Zittern der Hände, Schwäche von Armen und Beinen, trockene Haut, brüchige Fingernägel, Schwindel mit Benommenheit.

Passt das zu Hashimoto? Oder Hashimoto und WJ?

Würde mir Einnahme von SchilddrüsenHormonen helfen?

Kennt jemand Guten Arzt in und um Frankfurt?

LG

Beitrag melden
07.03.2018, 16:54 Uhr
Kommentar

Liebe Sushi,

alles, was ich dir sagen kann, haben wir gestern schon besprochen. Du hast eine sehr kleine Schilddrüse von 8 ml. Die normale SD einer Frau beträgt ca. 18 ml. Also ist deine SD nur die Hälfte groß. Außerdem schriebst von einer inhomogenen SD. Das können Anzeichen für Hashimoto sein, ohne dass Antikörper nachgewiesen werden können. Man nennt das dann seronegativ. Dadurch bist du lt. deiner Werte in einer latenten Unterfunktion, was natürlich Beschwerden macht.

Eine entsprechende Diagnose, Behandlung und Medikation kann nur ein Arzt leisten. Ich weiß, dass das schwer ist, aber du musst einen guten Endokrinologen finden, da bei dir ja nicht nur die SD zu behandeln ist, sondern evtl. noch Wechseljahresbeschwerden und nach den Nebennieren solltest du bei der Gelegenheit auch gleich mit schauen lassen. Deine Beschwerden können von allen drei Hormonbereichen stammen.

Für den Moment kann ich dir nur empfehlen: Zinkorot 25 mg täglich zu dir zu nehmen (Apotheke). Beim Endo dann Zink, Vit D3, Vit B12, Folsäure mit bestimmen lassen.

Gute Besserung und liebe Grüße

Anna

 

Beitrag melden
07.03.2018, 17:10 Uhr
Kommentar

Danke für die ausführliche Erklärung!

LG, Sushi

 

Beitrag melden
07.03.2018, 18:06 Uhr
Antwort

@Anna

Da du ja offensichtlich mich meintest mit der Warnung vor Schilddrüsenhormonen, muss ich dich bitten, meinen Beitragnochmal zu lesen.

Ich habe nicht die Schilddrüsenhormone gemeint, sondern die Hormone insgesamt.

Ich muss sagen, dass ich ein wenig entsetzt bin, wie viele Frauen Hormone nehmen. Mir geht es zum Teil auch sehr schlecht unter den Wechseljahren. Aber ich würde niemals Hormone nehmen. Ich habe 2007 die Pille abgesetzt und da das erste Mal gemerkt, was Hormone anrichten. Daher meine Entscheidung, nie wieder Hormone zu nehmen.

Beitrag melden
07.03.2018, 18:41 Uhr
Kommentar

Hallo Lotus,

wenn du für dich entschieden hast keine Hormone zu nehmen finde ich das völlig in Ordnung, aber das Entsetzen kann ich jetzt nicht nachvollzIehen. Wahrscheinlich meinst du das gar nicht so aber es kommt ein bißchen so rüber als wenn Frauen die eine HT machen leichtfertig sind und man es einfach aushalten muss. Wenn du mit der Pille Probleme hattest tut es mir leid und ich kann deinen Entschluß völlig verstehen. Ich bin froh, das uns Frauen heute Möglichkeiten zur Verfügung stehen Beschwerden zu lindern und man nicht mehr die Zähne zusammenbeißen muss, ist auch nicht gut für die Zähne.

;-)

LG Ringelblume

Beitrag melden
07.03.2018, 18:41 Uhr
Kommentar

Hallo, Lotus, 

vielleicht meinst du einen anderen Beitrag. In dem, den ich meinte, ging es nur um Hashi und SD-Hormone.

Ohne WJ-Hormone kann man leben, ohne SD-Hormone nicht. 

Es ist mir deshalb völlig gleich, ob du WJ-Hormone nehmen möchtest oder nicht. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Anna

Beitrag melden
07.03.2018, 20:19 Uhr
Kommentar

Ich meinte schon den richtigen Beitrag...

Dass es dir egal ist, ob ich Hormone nehme oder nicht, kann ich mir gut vorstellen. 

Und genau solche überheblichen Zeitgenossen wie du sind es, die es einem verleiden, irgendwo noch irgendwas zu schreiben.

Du bist übrigens nicht die Einzige, die medizinische Kenntnisse hat.

 

Beitrag melden
07.03.2018, 20:33 Uhr
Kommentar

Lass dich nicht verdrießen, Lotus!

Ich bin auch ohne Hormone durch die Wechseljahre gegangen.

Schilddrüsenhormone oder z.B. Insulin stehen auf einem anderen Blatt.

Roxana

Beitrag melden
07.03.2018, 19:15 Uhr
Antwort

Liebe Anna,

Danke für deine Ausführung hier und die Mühe die du dir machst. 

Ich habe heute, in der Klinik, das Problem mit der Schilddrüse angesprochen und morgen früh werden hierzu Blutwerte erhoben. Die würde ich aktuell hier reinstellen.

Und ja, mich hat es auch die ganzen Jahre gewundert keine Medikamente zu erhalten. Blutwerte wurden regelmäßig kontrolliert.  Da im Normbereich..... nicht behandlungsbedürftig. Knoten sind wieder da aber auch jetzt kein Anlass für Medikamente. Was soll ich machen....Kann mir ja keine Medikamente selbst verordnen;-)

Merkt man eigentlich solch einen Schub in der Schilddrüse? Manchmal fühlt es sich so an im Hals.

LG

Conny

Beitrag melden
08.03.2018, 10:30 Uhr
Kommentar

Guten Morgen, liebe Conny,

gut ist es schon mal, dass wenigstens die Werte regelmäßig kontrolliert wurden bzw. werden.

Das Problem ist, dass die Entzündung schmerzlos verläuft und die Zerstörung der Schildi langsam und schleichend, so dass man davon wenig bis gar nichts mitbekommt. Die dann auftretenden Probleme werden dann auf, je nach dem, die Wechseljahre, das Alter (z. B. Gedächtnis- bzw. Konzentrationsstörungen) usw. geschoben, da diese kaum zu unterscheiden sind.

Du empfindest wahrscheinlich so eine Art Druck am Hals. Rollkragen ist dann meist auch unangenehm usw. In deinem Fall würde ich denken, dass der Druck zz. von den Knoten kommt.

Bin mal gespannt, was dabei rauskommt.

LG Anna

Stellen Sie selbst eine Frage!

...an andere Nutzer der Lifeline-Community oder unsere Experten

Stichwortsuche in Fragen und Antworten

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe aus Gesundheit und Medizin die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Übersicht: Expertenrat