Indirekte Tollwutübertragung - Ängste unbegründet?

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

13.01.2018 | 13:43 Uhr

Hallo,

mich plagt seit zwei Tagen eine starke Sorge, dass ich mich mit Tollwut infiziert haben könnte. Und zwar ist folgendes passiert:

Ein streunender Hund kam in Bagan, Myanmar auf mich zu, geprägt durch viele kleine Bisswunden und ein steifes oder hinkendes Hinterbein, relativ dünn. Ich hatte Mitleid, wusste aber gleichzeitig: nicht anfassen! Also warf ich ein Stück Gebäck auf den Boden. Dieses hatte er eventuell im Maul, ich bin mir aber nicht sicher. Gegessen hat er es jedenfalls nicht, sehr verwunderlich und nach Recherchen den Verdacht der Tollwut unterstützend... Jedenfalls passierte der Fehler danach: ich hob das Gebäck auf und warf es in den Müll. Etwa fünf bis zehn Minuten später aß ich weiter (ein paar Bisse), und der klebrige Zucker brachte mich dazu, mir an den Fingern zu lecken...

Tja. Abends bekam ich Bauchschmerzen, Unwohlsein und nachts Durchfall, und mir kam der Gedanke, dass ich mich eventuell fatal verhalten habe, auch, wenn jenen Symptomen sicherlich eher eine Lebensmittelvergiftung zugrunde liegt...

Ich habe mich dann am nächsten Tag, etwa 24 Stunden, impfen lassen. Unbekannter Impfstoff, Indirab, inaktiviert. Der Plan sieht 0-3-7-14-21 vor, und den werde ich auch einhalten.

Jedoch habe ich extreme Sorge, dass das alles nichts bringt. Immunoglobuli zum Beispiel habe ich auch nicht bekommen. Kann mir die jemand nehmen?

Mit besten Grüßen

E.

Helfen Sie mit Ihrer Bewertung: Ja, dieses Thema ist hilfreich!

0
Bisherige Antworten
Experte-Leidel
Beitrag melden
13.01.2018, 18:47 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend ezkhimo,

ich weiß nicht, ob ich das Problem richtig verstanden habe. In Myanamar begegnete ihnen ein Hund, der Bisswunden aufwies und auch sonst nicht wirklich gesund wirkte. Sie warfen ihm ein Stück Gebäck hin, das er vielleicht ins Maul nahm, aber nicht fraß. Sie haben das Gebäckstück aufgehoben (vielleicht war Hundespeichel dran) und warfen es in den Müll. Dann aßen Sie einige Minuten später ein anderes Gebäckstück und leckten sich die Finger, mit denen Sie das zuuvor von dem Hund möglicherweise ins Maul genommene Stück aufgehoben und weggeworfen haben. Es gab keinen Biss des Hundes, kein Belecken einer Wunde oder Ihrer Augen.

Wenn das so stimmt, konnten Sie sich eigentlich nicht infiziert haben. Und die Beschwerden am Abend waren ganz sicher kein Hinweis darauf, dass Sie sich mit Tollwut angesteckt haben könnten.

Sicherheitshalber haben Sie dann aber doch eine sog. Postexpositionelle Prophylaxe (PEP) durchführen lassen. Geimpft wurden Sie mit Indirab, einem dort, so weit ich das prüfen konnte, zugelassenen und guten Impfstoff und nach einem richtigen und so empfohlenen Schema. Dass Sie kein Immunglobulin bekommen haben, war bei der Art des Kontaktes korrekt. Das wäre hier auch nicht geschehen.

Fazit: Ich sehe keinen Grund, aus dem Sie sich Sorgen machen müssten. Sie haben mit der aktiven PEP eigentlich schon mehr getan, als nötig gewesen wäre. Aber das schadet nicht und schützt Sie vielleicht bei einem weiteren Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier. Jedenfalls sollten Sie die PEP, wo diese schon begonnen wurde, ruhig zu Ende führen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

Diskussionsverlauf
Stellen Sie selbst eine Frage!

...an andere Nutzer der Lifeline-Community oder unsere Experten

Stichwortsuche in Fragen und Antworten

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe aus Gesundheit und Medizin die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.