Medizin-Mythos

Vertragen Asiaten Milch und Alkohol?

Ein Sahnecocktail würde vielen Asiaten zweifach zusetzen: Er enthält durch das Milchprodukt viel Laktose und zugleich hochprozentigen Alkohol. Lifeline erklärt, worauf die Intoleranzen gründen und wie viele Menschen betroffen sind.

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Babys und Kinder vertragen Milch in der Regel weltweit. Mit dem Alter nimmt diese Fähigkeit beim Großteil aller Menschen immer weiter ab, bis hin zur Laktoseintoleranz.
© iStock.com/LP7

Beide Intoleranzen gründen auf einem Mangel an Enzymen: der Laktase im Fall der Milchzuckerunverträglichkeit und der Acetaldehyd-Dehydrogenase (ALDH) für den Alkoholabbau. Produziert ein Mensch zu wenig von diesen Enzymen oder fehlen sie völlig, entsteht eine Unverträglichkeit, weil der Körper den zugeführten Stoff nicht oder nur langsam verstoffwechseln kann.

Im Fall von Alkohol läuft der Abbau in zwei Schritten ab. Im ersten zerlegt ein weiteres Enzym, die Alkoholdehydrogenase, den Alkohol Ethanol in Acetaldehyd – ein giftiges Zwischenprodukt, das vermutlich für die Katersymptome am Tag danach verantwortlich ist. Im zweiten Schritt bauen oben genannte ALDH-Enzyme den Aldehyd in ungefährliche Essigsäure um. Bei vielen Menschen aus dem asiatischen Raum arbeitet jenes zweite Enzym, die ALDH, nur langsam oder gar nicht – zahlenmäßig betrifft die Alkoholintoleranz je nach Schätzung und Land 50 bis 80 Prozent der Bevölkerung.

Enzymmangel mit unangenehmen Folgen

Das bedeutet aber keineswegs, dass betroffene Chinesen, Japaner oder Koreaner völlig auf Alkohol verzichten müssen. Die Begleiterscheinungen sind dadurch, dass sich der Acetaldehyd anreichert, aber sehr prompt und unangenehm. Sie reichen von Übelkeit und Herzrasen über eine rote Gesichtsfarbe („Red Flush“) bis hin zu einem schnelleren Rausch. Wirtschaftsminister Rösler, der aus Vietnam stammt, schilderte den Zustand gegenüber dem „Spiegel“ so: „Bei mir gibt es keinen Rausch, nur den Kater.“ Ein Glas Wein vertrage er aber.

Im Fall der Laktoseunverträglichkeit ist es ähnlich: Als Babys vertragen alle Menschen (Mutter-)Milch, mit dem Alter nimmt die Aktivität des Enzyms Laktase im Normalfall Schritt für Schritt ab. Die Ausnahme von der Regel bilden demnach nicht die Asiaten, sondern die Europäer und ihre Nachfahren, von denen etwa 90 Prozent noch als Erwachsene Milch verdauen können. In Afrika und Asien ist dieses Zahlenverhältnis genau umgekehrt.

Alkoholintoleranz als Anpassung

Der Bauplan für Enzyme ist im genetischen Code der DNA festgeschrieben. Dort können sich Mutationen ereignen, die sich aber im Lauf der Evolution normalerweise nur halten, wenn sie einen Vorteil für das Individuum bedeuten. Die Laktasepersistenz der meisten Europäer etwa entstand vermutlich durch das Aufkommen der Milchwirtschaft.

Über den Ursprung der Alkoholintoleranz beziehungsweise -verträglichkeit kursieren verschiedene Theorien. Einerseits soll im europäischen Mittelalter ein Selektionsdruck geherrscht haben, der die Fähigkeit zum Alkoholabbau vorantrieb. Andererseits konservierten asiatische Bauern ihren Reis in den Anfangszeiten des Ackerbaus mit Alkohol. Die Intoleranz gegenüber Alkohol könnte als Selbstschutzmechanismus entstanden sein – durch das Zellgift im Grundnahrungsmittel hätten der Bevölkerung andernfalls schwere Organschäden gedroht.

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