"Natürlicher" Süßstoff auf der Probe

Ist Stevia gesünder als Zucker und andere Süßstoffe?

Als Lebensmittelzusatzstoff E 960 seit Dezember 2011 in der EU zugelassen, wird das Süßungsmittel Stevia als natürliche und gesündere Alternative zu Zucker und synthetischen Süßstoffen gehandelt. Diabetesverbände allerdings mahnen zum Gebrauch in Maßen.

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Aus Stevia gewonnene Süßstoffe sind kein Naturprodukt, sondern werden chemisch extrahiert. Deshalb sind Steviolglykoside unter Fachleuten umstritten.
© iStock.com/bdspn

Das aus der in Südamerika beheimateten Staudenpflanze Stevia rebaudiana - auch Honigkraut oder Süßblatt genannt - gewonnene pflanzliche Süßungsmittel hat die zwei- bis dreihundertfache Süßkraft von Zucker und enthält dabei keine Kalorien. Es ist weder karies- noch krebserregend, gilt als unschädlich in Schwangerschaft und Stillzeit und wirkt möglicherweise blutdrucksenkend. Auch Wirkungen auf die Blutzuckerregulation werden dem weißen Pulver nachgesagt, wobei verlässliche Studienergebnisse hierzu noch ausstehen.

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Ob mit Stevia gesüßte Softdrinks gesünder sind, muss sich noch zeigen

Bisher ist die Verwendung von Stevia unter anderem bei der Zubereitung von Speiseeis, Konfitüren und Gelees, Süßwaren oder Knabbereien auf Kartoffel-, Getreide-, Mehl- oder Stärkebasis sowie in Zubereitungen aus Obst und Gemüse erlaubt. Auch für die Anwendung in der häuslichen Küche ist es im Handel in flüssiger Form, als Pulver oder Tablette erhältlich. Zudem erobern mit Stevia gesüßte Erfrischungstränke den Markt.

Dabei gilt das Mittel mit dem scheinbaren Wunderprofil insbesondere Ernährungswissenschaftlern und Diabetesforschern nicht nur als willkommene Neuentdeckung. Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE) und Leiter des Ressorts Wissenschaft von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, warnt unter anderem vor den ungeklärten Auswirkungen einer Überdosierung des Süßstoffes, dessen Konsum bisher nur bis zu einer Höchstdosis von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich eingestuft sei.

Süßkram bleibt Süßkram und damit ungesund, mahnen Experten

Und auch das trügerische „Labeling“ von ungesunden Nahrungsmitteln als unbedenklich, nur weil der Zucker durch Süßungsmittel wie Stevia ersetzt wurde, sehen Experten des Verbandes der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe (VDBD) als Problem an. Sahnetorte, Kuchen, Plätzchen und Pralinen bleiben Nahrungsmittel mit schlechtem Nährwertprofil, egal ob mit Zucker oder der Wunderpflanze aus dem brasilianischen Hochland gesüßt und sollten damit nur in Maßen genossen werden.

Denn ebenso wie Haushaltszucker oder andere Süßstoffe erhöht auch Stevia die Geschmacksschwelle für „süß“, verändert das Ernährungsverhalten ungünstig, macht den Griff zur Pralinenschachtel unwiderstehlicher und erhöht insgesamt das Verlangen nach Süßem. Und Studien zeigten, dass wir unser Gehirn nicht hereinlegen können, was "falsche" Süße und den Energiegehalt einer Mahlzeit angeht.

Aus Stevia hergestellter Süßstoff ist kein Naturprodukt mehr

Auch Lifeline-Experte Dr. Roger Eisen findet, dass Stevia mit Vorsicht zu genießen ist. Der Nutzerin "TanteTilda", die unter Diabetes leidet, rät der Ernährungsmediziner dazu, weitgehend auf künstliche Süßungsmittel zu verzichten. "Auch Stevia ist ein künstlich hergestellter Extrakt aus der Stevia-Pflanze und kein Naturprodukt", erklärt Dr. Eisen. Zudem sei es ratsam, dem Körper die Lust auf Süßes und Zuckriges generell abzugewöhnen und den Heißhunger darauf mit natürlichem Süßkram - sprich Obst - zu stillen. Das beugt Übergewicht und Diabetes vor.

Bis zum Beweis der Unschuld gilt für Stevia also: Die Dosis macht das Gift - und Genuss bleibt eine Frage des richtigen Maßes.

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