Ernährungsformen

Vegane Ernährung: Für wen sie sich besonders lohnt

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat mit veganer Ernährung über 20 Kilo abgespeckt und seine koronare Herzkrankheit in den Griff bekommen. Schauspielerin Alicia Silverstone hat ein Kochbuch dazu verfasst und auch Sängerin Leona Lewis wechselte jüngst zur veganen Kost. Was bringt diese Ernährungsweise, worauf sollte man achten?

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Wer sich vegan ernährt, lässt Lebensmittel weg, die tierischen Ursprungs sind – und isst beispielsweise ein Kokosnuss-Curry mit Kürbis und Kichererbsen. Oder Quinoa, oder Hirse, oder Couscous, oder...
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Neben dem ethischen Aspekt des Tierschutzes soll eine rein pflanzliche Ernährung gesünder sein: Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Rheuma, Bluthochdruck und Alzheimer soll eine vegane Ernährung lindern und ihnen gar vorbeugen können. Buchautorin Gabriele Lendle etwa ist vor rund zehn Jahren an Rheuma erkrankt. Sie erfuhr damals, wie sehr eine rheumatische Erkrankung mit der Ernährung zusammenhängen kann.

Weil sie aktiv dagegen ankämpfen wollte, hat Lendle daraufhin ihren Speiseplan komplett umgestellt: "Ich war Fast-Vegetarierin nach der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre", erinnert sie sich – "und bin einige Zeit später auf die Vollwerternährung nach Bruker gestoßen. Auch diese Regeln des so genannten Vollwert-Papstes habe ich für mich übernommen, viel Rohkost und Vollkornprodukte verzehrt und war lange beschwerdefrei."

Im Januar 2010 aber ereilte sie ein schwerer Gichtanfall. Daraufhin empfahl ihr ein Arzt vegane Ernährung, bis die Gicht ausgeheilt sei. Doch nach dem ersten Monat mit veganer Kost habe sie sich so fit und gesund gefühlt, habe besser und tiefer geschlafen, dass sie seither Veganerin blieb. Mehr noch: Weil nahezu jeder gefragt habe, was denn da noch essbar sei als Veganer, hat die passionierte Hobbyköchin ihre besten Rezepte der vergangenen Jahre in das Buch "Ab jetzt vegan!" (Trias Verlag) gepackt, um anderen die vegane Kost buchstäblich schmackhaft zu machen.

Was genau bedeutet vegan?

Wer sich vegan ernährt, lässt Lebensmittel weg, die tierischen Ursprungs sind – dazu gehören Butter, Sahne, Milch, Joghurt, Käse, Eier und natürlich auch Wurst, Fleisch, Fisch und Honig. Aufpassen muss der Veganer aber auch bei Pasta, die mit Ei hergestellt wurde oder Brot und Backwaren, die oft Milch, Quark oder Eier enthalten. Auch Leder und Pelz sind bei einer veganen Lebensweise selbstverständlich tabu.

Das hört sich zunächst schwieriger an, als es ist. Denn für vieles gibt es Ersatzprodukte wie pflanzliche Margarine anstelle von Butter, Sojasahne anstelle von Kuhsahne, Mandel-, Reis-, Hafer- oder Sojamilch anstelle von Kuhmilch, Sojagurt anstelle von Joghurt. Und jede Menge weitere Varianten, die Gabriele Lendle in ihrem Buch nennt.

Medizinische Erkenntnisse zur veganen Ernährung

Der Arzt Ernst Walter Henrich hat das Buchprojekt als medizinischer Berater begleitet und liefert im Kapitel "Vegan – was sagt die Medizin dazu?" die wissenschaftlichen Argumente für eine rein pflanzliche Ernährungsweise. Tierische Nahrungsmittel, allen voran Milchprodukte und Fleisch begünstigen zahlreiche Wohlstandserkrankungen, weshalb eine abwechslungsreiche vegane Ernährung die gesündeste sei.

So zeige die inzwischen in zweiter Auflage erschienene "China Study" von Professor T. Colin Campbell der Cornell Universität in New York die Zusammenhänge zwischen eiweißreicher Ernährung und der Entstehung chronischer Erkrankungen auf.

Im Mittelpunkt von Campbells Buch steht eine großangelegte Krebsstudie im ländlichen China an mehreren tausend Personen. Am gesündesten waren letztendlich die Chinesen, die die niedrigsten Cholesterinwerte hatten und sich hauptsächlich pflanzlich ernährten. Menschen mit einem höheren Cholesterinspiegel neigen zu  Wohlstandskrankheiten – Krebs, Herzerkrankungen und Diabetes. Dies werde begünstigt durch Lebensmittel tierischen Ursprungs begünstigt, so das Fazit der "China Study".

Zitiert wird in der zweiten Auflage auch der Arzt Dean Ornish, der koronare Herzerkrankungen mittels veganer Ernährung, Bewegung und Entspannungsübungen umkehrt. Seine Patienten sind Personen wie Bill Clinton, die bereits an weitgehenden Gefäßverschlüssen litten oder schon Stents gelegt bekamen.

Unterversorgung mit Vitamin B 12 – wie vermeiden?

Häufigster Kritikpunkt an der veganen Kost ist die Unterversorgung langjähriger Veganer mit Vitamin B12. Dazu sagt Mediziner Henrich, dass es per Nahrungsergänzungsmittel substituiert werden sollte. Während er das Problem einer Eisenunterversorgung nicht sieht, sobald zum jeweils eisenhaltigen Essen beispielsweise ein Glas Orangensaft – also etwas Vitamin-C-haltiges – getrunken werde. Denn das hilft dem Körper, das Eisen aufzunehmen.

Wichtigste Eisenquellen für Veganer sind Nüsse: So enthalten 14 Gramm Pistazien rund zwei Milligramm, was für einen Tag reicht. Daneben ist in Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide wie Hirse und Vollkornbrot, Samen wie Sesam, Trockenfrüchten vor allem Aprikosen sowie in grünem Blattgemüse ausreichend Eisen vorhanden.

Kritikpunkte an veganer Kost

So überzeugend die Studienergebnisse sind, eine vegane Ernährung ist für die meisten nicht einfach durchzuhalten. Der Gang in die Kantine kann dazu führen, dass außer den Gerichten vom Salatbuffet nichts essbar ist. Genausowenig kann ein Veganer mal eben beim Bäcker ums Eck einkaufen gehen, denn in Teigwaren können sich tierische Fette verstecken.

Eine Essenseinladung bei Freunden kann zur Zerreißprobe werden, ein Abend im Restaurant dürfte auf Beilagen hinauslaufen und die Reise in ferne Länder artet gar zu einer größeren Fastenkur aus, es sei denn, es geht nach Indien.

Daher ist das Buch von Lendle und Henrich eine große Hilfe für all diejenigen, die es trotz aller Hürden ihrer Gesundheit oder den Tieren zuliebe versuchen möchten. Es bietet 140 Rezepte für jeden Geschmack von Kürbis-Gnocchi über schwäbisch-vegane Spätzle mit Linsen bis zu Schlemmerspeisen wie veganem Käsekuchen oder Rehrücken. Damit ist der erste Schritt für beispielsweise eine vierwöchige Testphase auch schon getan.

Vegane Ernährung? Am besten selbst testen!

Wer an einer der eingangs erwähnten Wohlstandskrankheiten von Diabetes über Bluthochdruck bis zu Kreislaufbeschwerden leidet, dem sei die vegane Kost aus medizinischer Sicht besonders empfohlen. Ernährungswissenschaftler sehen es mittlerweile als bestätigt an, dass Vegetarier nicht so leicht übergewichtig werden und länger leben. Dabei darf allerdings nicht verschwiegen werden, was die neuesten Studien auch zutage gebracht haben: Dass die rund sechs Millionen Vegetarier Deutschlands wenig bis gar keinen Alkohol zu sich nehmen, selten rauchen und sich mehr bewegen – also grundsätzlich gesünder leben.

Dennoch ist eine vegane Ernährung mit der größte Beitrag der jeweiligen persönlichen Ernährungsweise zum Klimaschutz – oder zum viel bemühten Stichwort Nachhaltigkeit. Laut World Watch Institute sind der Viehhaltung über 50 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen zuzuschreiben. Damit spart ein Veganer im Vergleich zum Allesesser oder Ovo-Lakto-Vegetarier am meisten CO2-Äquivalente ein.

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