Mikromedizin in Obst und Gemüse

Sekundäre Pflanzenstoffe: Wo sind sie drin, was können sie?

Sekundäre Pflanzenstoffe schützen den menschlichen Körper vor Krebs, das ist inzwischen für die Wissenschaft geklärt. Was die bunten Geheimwaffen noch alles können und worin sie in besonders hoher Konzentration enthalten sind, erfahren Sie hier.

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In blauem und rotem Obst stecken besonders viele Anthocyane, die Krebs vorbeugen und zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören.
© iStock.com/OlenaMykhaylova

Unter sekundären Pflanzenstoffen versteht man etwa 60.000 verschiedene, bioaktive Wirkstoffe, von denen nur rund tausend bekannt sind. Sekundäre Pflanzenstoffe (SPS) können, wie der Name schon sagt, nur von Pflanzen gebildet werden und dienen diesen als Schutz etwa vor Fressfeinden oder Krankheitserregern. Ein bitterer Geschmack kann beispielsweise andeuten, dass sich die Pflanze vor Schädlingen schützt.

Desweiteren wirken manche sekundären Pflanzenstoffe wie Sonnenmilch: Sie schützen vor schädigender UV-Strahlung. Andererseits regen sie als auffällige Farbstoffe Tiere zum Fressen der Früchte an, damit so ihre Samen verbreitet werden. Das Besondere: Die Konzentration der sekundären Pflanzenstoffe ist gering. Dennoch wirken sie im Menschen bisweilen ähnlich wie Medikamente.

Jeder nimmt über seine Ernährung täglich ungefähr 1,5 Gramm sekundäre Pflanzenstoffe zu sich. und Veganer konsumieren weitaus mehr. Wesentlich weniger bioaktive Wirkstoffe nehmen dagegen Menschen zu sich, die viel Fastfood und wenig Frisches wie Salat, Gemüse oder Obst verspeisen.

Sekundäre Pflanzenstoffen können Krebs ausbremsen

Dass sekundäre Pflanzenstoffe giftig seien oder gar Krebs fördern könnten, war noch bis vor wenigen Jahren ein gängiger Irrglaube. Inzwischen haben viele Studien im Gegenteil untermauert, dass sie die menschliche Gesundheit fördern. Wissenschaftler konnten beweisen, dass Menschen, die viel Obst und Gemüse essen wie etwa Vegetarier oder Veganer, wesentlich seltener an Krebs erkranken. Und fast alle ihre inneren Organe waren seltener von Krebs befallen. Dazu gehören Magen, Dick- und Mastdarm, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Leber, Mundhöhle, Brust und Kehlkopf.

Die sekundären Pflanzenstoffe schützen den Körper außerdem vor Infektionen mit Bakterien und Viren, hemmen die Entstehung von schädlichen Stoffwechselprodukten, regen das Immunsystem an, verhindern Blutgerinnsel und fördern die Verdauung. Lange Zeit galt die These, dass vor allem Umweltschadstoffe für die steigende Zahl der Krebserkrankungen verantwortlich sind.

Wie Pflanzenstoff gegen Tumorzellen wirken

Heutzutage scheint für die Wissenschaft geklärt zu sein, dass die Art und Weise der Ernährung die Krebsgefahr maßgeblich vergrößert neben dem weiteren Faktor Rauchen. Bis zu 30 Prozent der Krebserkrankungen, gehen jeweils auf das Konto dieser beiden vermuteten Verursacher – zusammen macht das schon 60 Prozent.

Ein hoher Anteil an sekundären Pflanzenstoffen in der Ernährung vermag das Krebsrisiko zu mindern. Seit einigen Jahren wissen Forscher auch, wie das funktioniert: Manche der bioaktiven Wirkstoffe sind wie ein Gegengift, sie machen krebserregende Giftstoffe unschädlich. Andere hemmen Substanzen im Körper, die die Krebserreger aktivieren und damit erst schädlich machen. Wieder andere schirmen das Erbgut gegen diese Giftstoffe ab. Ein weiterer Mechanismus stärkt die Selbstheilung des Menschen, der den Krebsauslösern keinesfalls hilflos ausgeliefert ist.

Mikromedizin zum Essen

Der Körper verfügt über Systeme, die die gefährlichen Schäden im Erbgut zu reparieren vermögen. Manche sekundären Pflanzenstoffe bringen den körpereigenen Reparaturdienst auf Trab. Andere hemmen Hormone, die bei verschiedenen Krebsarten eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel sind die Östrogene, weibliche Geschlechtshormone, die bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen.

Ein weiterer Mechanismus ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Zellen. Krebszellen erhalten von den umliegenden, gesunden Zellen keine Informationen mehr darüber, dass sie ihre unkontrollierte Vermehrung stoppen sollten, sie sind von ihrer Umgebung abgeschottet. Die bioaktiven Wirkstoffe erhöhen die Zahl der Verbindungskanäle zwischen den Zellen wieder, so wird die Krebszelle zugänglich und stoppt ihre Vermehrung.

Es gibt aber auch einige wenige giftige sekundäre Pflanzenstoffe wie etwa das Solanin aus der Kartoffel, das die Körperzellen schädigt. Aber sie sind im Vergleich in der Minderheit.

Gemüse und Obst: Forscher feilschen um die Tagesdosis

Die gesundheitsfördernde Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen, die wir über die Ernährung zu uns nehmen, ist mittlerweile unumstritten. Das Nationale Krebsinstitut der USA empfiehlt daher, täglich fünf bis neun (!) Portionen Gemüse und Obst zu essen. Als Portion gilt dabei ein Apfel, eine Karotte oder der Salat zum Essen genauso wie zum Beispiel die Tomatensoße über den Spaghetti.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Empfehlungen ausgesprochen: Jeder sollte am Tag mindestens 200 Gramm Gemüse, eine Portion Salat von etwa 75 Gramm und mindestens ein bis zwei Stück Obst zu sich nehmen. Das macht eine Gesamtportion von etwa 650 Gramm Gemüse und Obst pro Tag. Gute Nachrichten für Frischkost-Muffel: Neuere Studien gehen davon aus, dass bereits 400 Gramm täglich ausreichen könnten.

Da viele sekundäre Pflanzenstoffe fettlöslich sind, empfiehlt sich der Verzehr der Säfte zu den Mahlzeiten oder mit einem Spritzer Pflanzenöl versetzt, damit der Körper sie optimal aufnehmen und verwerten kann.

Sekundäre Pflanzenstoffe gegen Krebs
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