Chili-Substanz in Pflaster, Gel und Kapseln

Capsaicin: Wie Schärfe Schmerzen lindert

Capsaicin verleiht Chilis, Pepperoni, Pfeffer und Paprika die typische Schärfe. Der natürliche Pflanzenstoff ist jedoch mehr als ein Gewürz: Viele schwören auf Capsaicin als Pflaster und Creme gegen Gelenk- und Muskelschmerzen, als Nasenspray bei Schnupfen, Kapseln gegen Übergewicht und sogar gegen Krebs. Was wirklich dran ist an der Wirkung von Capsaicin, lesen Sie hier.

Chili
Chilis enthalten Capsaicin. Die Substanz fördert die Durchblutung und kann den Schmerz nehmen. Wärmepflaster und Schmerzsalben enthalten deshalb häufig den natürlichen Wirkstoff.
iStock

Manche essen Chilis wie Chips, verwenden beim Essen Tabasco wie Tomaten-Ketchup. Anderen laufen bereits die Augen und die Kehle brennt wie Feuer, wenn sie nur ein bisschen Cayenne-Pfeffer verwenden. Schärfe wird subjektiv ganz unterschiedlich wahrgenommen, ihre Akzeptanz lässt sich trainieren.

Mann kann Schärfe aber auch objektiv messen: Die sogenannte Scoville-Skala gibt den Schärfegrad an. Die Schärfe von Paprika beträgt etwa 10, die von Tabasco bis zu 5.000, die von Jalapeño-Chili kann 8.000 erreichen. Äußerst scharfe Chili-Sorten wie Bhut Jolokia und Carolina Reaper schaffen Werte im Millionenbereich.

Gewürze mit Heilwirkung

Capsaicin ist ein natürliches Alkaloid, das in allen Pflanzen der Capsicum-Gattung vorkommt. Zu diesen Pflanzen gehören:

  • Pfeffer
  • Paprika
  • Chili
  • Peperoni

Der Pflanzenstoff löst sich in Öl, jedoch nicht in Wasser. Deshalb helfen, wenn man zu scharf gegessen hat, fetthaltige Lebensmittel wie Joghurt oder ein Stück Käse und andere Milchprodukte. Wasser dagegen löscht das Brennen in Mund und Kehle nicht. Capsaicin lässt sich für Medikamente auch synthetisch herstellen.

Gesunde Schärfe: Die Wirkung von Capsaicin

Die direkte Wirkung von Schärfestoffen kennt vermutlich jeder: Wer auf ein Pfefferkorn beißt oder in eine Chilischote, dem brennen Mund und Schleimhäute, beim Verschlucken je nach Empfindlichkeit und Gewöhnung an die Schärfe zusätzlich Speiseröhre und Magen. Während beim normalen Pfeffer Piperin dafür verantwortlich zeichnet, ist es bei Chili und Cayenne-Pfeffer die Substanz Capsaicin. Beim Ingwer wiederum heißt der Schärfestoff Gingerol.

Die zehn schärfsten Chilis der Welt

Lifeline/Wochit

Laut Volksmus brennen capsaicinreiche Speisen zweimal: Auch beim Ausscheiden, also dem Toilettengang, können besonders empfindliche Menschen nochmals brennende Schmerzen wahrnehmen, diesmal am Anus, wenn der Stuhl mit Resten von Capsaicin den Körper verlässt.

Capsaicin brennt zuerst, dann betäubt es

Der genaue Wirkmechanismus: Capsaicin reizt die Nervenenden in Haut und Schleimhaut. Die Schärfemoleküle setzen sich auf entsprechende Rezeptoren der Zellen, Botenstoffe werden ausgeschüttet und leiten die Signale "Hitze" und "Schmerz" ans Gehirn. Bleibt der Auslöser, also Capsaicin länger auf Haut und Schleimhaut, sind erstmal alle Botenstoffe verbraucht und es gehen keine Signale mehr ans Gehirn. Spürbar ist das durch eine leichte, lokale Betäubung. Sie hält eine Weile, bis der Körper die Botenstoffe nachproduzieren kann. Diese Wirkung von Capsaicin deckte eine Studie auf.

Die Forscher hoffen, damit einen Weg zur Entwicklung von neuen Schmerzmedikamenten gefunden zu haben.

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Lokale Anwendung von Capsaicin in Schmerzpflastern

Für lokal wirkende Medikamente wird Capsaicin jedoch schon länger genutzt. Schmerzlindernde Salben, Gels und Pflaster nutzen diesen Effekt. Weitere Wirkungen von lokal angewendeten Capsaicin sind:

  • wärmt
  • fördert die Durchblutung
  • erweitert die Gefäße

Der schmerzlindernde Effekt setzt langsam ein, wenn das Brennen nachlässt und die Schmerzbotenstoffe ausgeschöpft sind. Salben, Gels und Pflaster mit Capsaicin werden deshalb bei folgenden Beschwerden empfohlen:

  • Nervenschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Verspannungen
  • rheumatischen Beschwerden

Zusätzlich gibt es Capsaicin in niedriger Konzentration als Nasenspray. Diese Anwendungsform hat sich bei Schnupfen und verstopfter Nase bewährt.

Innerliche Anwendung von Capsaicin

Daneben wirkt der Pflanzenstoff auch innerlich. Studien entdecken immer mehr Effekte – und gänzlich erforscht sind die Effekte von Capsaicin auf die Gesundheit bis jetzt noch nicht. Demnach wirkt die gesunde Schärfe bereits, wenn Sie öfter Pepperoni, Pfeffer und Chili essen. Noch intensiver ist die Wirkung von Capsaicin-Kapseln und -Tabletten.

Bekannt sind bis heute folgende Eigenschaften von Capsaicin:

  • Es ist ein starkes Antioxidans und wirkt gegen Keime (antibakteriell) und Pilze (fungizid).
  • Bluthochdruck: entspannt die Blutgefäße und senkt den Blutdruck.
  • Blutfett: senkt den Cholesterinspiegel.
  • Diabetes: senkt den Blutzuckerspiegel.
  • Leber: schützt das Organ vor Toxinen.
  • Magen: bewahrt den Magen vor Schleimhautschäden.
  • Impotenz: verbessert die Erektionsfähigkeit.
  • Abnehmen: regt den Stoffwechsel an und fördert damit die Fettverbrennung.

Wirkt Capsaicin gegen Krebs?

Besonders interessant und vielversprechend zeigt sich Capsaicin im Kampf gegen Krebs. Verschiedene Studien beschäftigten sich mit diesem Thema und förderten erstaunliche Erkenntnisse zutage. So kann Capsaicin das Selbstmordprogramm (Apoptose) von Krebszellen einleiten. Die Tumorzellen sterben also, gesunde Zellen dagegen bleiben unversehrt. Vor allem bei fortgeschrittenem Krebs könnte Capsaicin deshalb eine neue Behandlungsoption bieten. Hinweise auf die positive Wirkung des Pflanzenstoffs gibt es bei:

Wie Capsaicin gegen Krebs wirkt, haben Forscher ebenfalls entschlüsselt: Häufig arbeitet ein bestimmtes Enzym (Caspase-3) bei Krebs nicht mehr richtig. Es sitzt an jeder Zelle und würde normalerweise erkennen, wenn eine Zelle sehr krank ist, und dann deren Zelltod einleiten. Ist Caspase-3 nicht mehr aktiv, können sich Krebszellen unkontrolliert vermehren. Hier greift Capsaicin ein. Es übernimmt die Rolle des inaktiven Enzyms und treibt Krebszellen in die Apoptose.

Capsaicin hat Nebenwirkungen

Vor allem bei der lokalen Anwendung von Capsaicin, also der Behandlung mit Pflaster, Gel, Salbe oder Nasenspray kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

Bei der Anwendung von Capsaicin-Nasenspray kann auch starkes Niesen als Nebenwirkung entstehen.

Typisch für die meisten Nebenwirkungen von Capsaicin-Produkten ist, dass sie meist nur anfangs auftreten und bei häufigerer Anwendung milder werden oder gänzlich verschwinden. Sind die Nebenwirkungen stark und belastend, muss die Behandlung jedoch abgebrochen werden. Capsaicin-Produkte sollte nicht angewendet werden bei:

  • vorgeschädigter Haut,
  • Babys und Kindern sowie
  • in der Schwangerschaft

Capsaicin darf niemals in Augen oder Ohren gelangen. Wenn Sie mit Capsaicin kochen, also Tabasco verwenden, Chilis kleinschneiden oder Pepperoni abwaschen, sollten Sie am besten Küchenhandschuhe tragen und niemals damit Ihre Augen berühren, in die Nase fassen oder mit anderen Schleimhäuten in Kontakt kommen. Dort könnten die an den Fingern haftenden Schärfemoleküle sogar zu Verätzungen führen. Immerhin ist Capsaicin Hauptbestandteil von Pfefferspray, dessen Wirkung auf Augen und Schleimhäute äußerst unangenehm ist.

Capsaicin als Droge

Daneben könnte Capsaicin noch eine weitere riskante Eigenschaft haben. Berichte über Einzelfälle lassen vermuten, dass hochdosiertes Capsaicin wie in Pfefferspray die Wirkung mancher Drogen, etwa die von Kokain, extrem steigert und dadurch zum Tode führen kann.

Abgesehen von diesen Wechselwirkungen in Zusammenhang mit Drogen werden Gerichte mit Chili tatsächlich oftmals als "suchterregend" eingestuft. Weil sich Zunge und Gaumen langsam an die Schärfe gewöhnen, verträgt man immer mehr davon – ein typisches Anzeichen von Sucht. Im Gehirn übrigens soll Capsaicin die Aussschüttung von Glückshormonen anregen, ähnlich wie Schokolade. Der wissenschaftliche Nachweis hierfür steht noch aus, doch Chili-Schokolade hat auch ohne ihn eine Menge Anhänger.

Die "Glücks-Diät": 22 Lebensmittel für gute Laune

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. August 2015

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