Party-Weisheiten im Check

Alkohol-Mythen: Die drei größten Irrtümer im Überblick

"Alkohol wärmt von innen" oder "Bier auf Wein, das lass sein": Jeder kennt diese Weisheiten um den vermeintlichen Stimmungsmacher. Doch viele solcher Sprüche sind - wie der Alkohol selbst - mit Vorsicht zu genießen. Denn Schnaps und Bier sind in mehr als einer Hinsicht "schwindelerregende" Genussmittel.

Alkohol-Mythen
Alkohol macht selbstbewusster, kontaktfreudiger und attraktiver: Zahllose Gerüchte über die positive Wirkung tragen dazu bei, dass Gefahren des Nervengifts unterschätzt werden.
iStock

Alkohol soll die Laune heben, selbstbewusster machen und das Gegenüber schöner. In Wahrheit, das dürfte Anhängern des Genussmittels klar sein, macht das Zellgift Ethanol vor allem eins: betrunken. Und auf Dauer auch die Leber kaputt. Weniger klar ist der Wahrheitsgehalt der unzähligen Alkohol-Mythen, die sich um das Rauschmittel ranken. Lifeline hat die drei bekanntesten Volksweisheiten rund um Bier, Wein und Schnaps unter die Lupe genommen:

1. Alkohol wärmt von innen

Hilft Glühwein besser als Tee beim Aufwärmen in der Kälte? Kann Schnaps sogar Erfrierungen vorbeugen? Irrtum! Zwar sorgen Glühwein, Grog und Co. kurzfristig für einen wärmenden Effekt, die Körpertemperatur selbst steigt durch den Alkoholkonsum aber nicht an. Im Gegenteil: "Alkohol erzeugt zwar ein zunächst wärmendes Gefühl, da er die Blutgefäße erweitert. Das alkoholbedingte Wärmeempfinden ist aber trügerisch", sagt Diana Schulz von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Vorsicht! Versteckter Alkohol in Lebensmitteln

Durch die Erweiterung der Hautgefäße - die wir subjektiv zunächst als wohlige Wärme empfinden - fließt mehr Blut an die Körperoberfläche. Davon zeugt zum Beispiel auch die durch Adern rot gewordene Säufernase. Das warme Blut aus dem Körperinnern verliert jedoch an der Körperoberfläche schnell an Temperatur. Wir kühlen ab - mit fatalen Folgen.

Der Mensch, der eigentlich ein Warmblüter ist, muss stets eine gleichmäßige Körpertemperatur von rund 37 Grad Celsius aufrechterhalten, damit alle Organe richtig funktionieren können. Die aufgenommene Wärme, die Wärmeproduktion und die abgegebene Wärme müssen daher immer im Gleichgewicht sein.

Trügerische Wärmeempfindung durch Alkohol kann tödlich enden

 Durch den Alkoholkonsum wird diese natürliche Wärmeregulation außer Kraft gesetzt. Den Wärmeverlust können wir durch die betäubende Wirkung des Alkohols nicht mehr richtig wahrnehmen, was zu einer folgenschweren Fehleinschätzungen führt: "Wir fühlen uns warm, kühlen aber gleichzeitig langsam innerlich aus. Erfrierungen bis hin zum Kältetod können daher die Folge winterlichen Alkoholtrinkens sein", klärt der Mediziner und Autor Dr. Carsten Lekutat in seinem Buch "Halbwahrheiten der Medizin" auf.

Was bei klirrender Kälte dagegen tatsächlich hilft, sind warme, alkoholfreie Getränke. Auch Suppen können Wärme spenden, besonders wenn sie mit Chili, Ingwer, Rosmarin, Thymian oder Zimt gewürzt sind. Diese Gewürze fördern die Durchblutung der Verdauungsorgane, die ein wesentlicher Wärmespeicher im Körper sind.

2. Bier auf Wein, das lass sein

Seit der Mensch Alkohol trinkt, versucht er Mittel und Wege zu finden, den berüchtigten Kater danach zu verjagen. Heringe, Salzgebäck und Gurken sollen dazu beitragen. Auch vorbeugende Ratschläge sind uns allen bekannt. Der populärste ist wohl die Tresen-Weisheit: "Bier auf Wein, das lass sein"! Und im Umkehrschluss: "Wein auf Bier, das rat ich Dir!" Doch stimmt das?

"Fakt ist, dass es völlig egal ist, in welcher Reihenfolge wir alkoholische Getränke zu uns nehmen. Einzig und allein die Menge macht den Kater!", schreibt Dr. Carsten Lekutat zu diesem populären Alkohol-Mythos. Das Durcheinandertrinken werde fälschlicherweise als Ursache für die Beschwerden verantwortlich gemacht.

Alkohol: Gesund oder ungesund?

Lifeline/Dr. Heart

Bei einem Drink bleiben hilft über Umwege gegen den Kater

"Wenn wir den ganzen Abend lang nur eine Sorte von alkoholischem Getränk zu uns nehmen, dann wird uns schnell langweilig und wir hören irgendwann mit dem Trinken auf", so Lekutat. "Wechseln wir allerdings den Drink, sorgt die geschmackliche Abwechslung dafür, dass wir mehr Alkohol konsumieren." Für die Verträglichkeit und Wirkung von Alkohol ist also nicht die Reihenfolge der konsumierten alkoholischen Getränke entscheidend, sondern die Menge.

3. Man kann sich sein Gegenüber schöntrinken

Je später der Abend, desto schöner die Gäste? Glaubt man diesem urbanen Mythos, kann Alkohol wahre Wunder vollbringen: Einige Schlucke genügen und schon verwandelt sich der Durchschnittstyp in unseren Traumpartner. Wirklich? Können wir uns andere Menschen schöntrinken? Oder werden wir bloß mit jedem Drink genügsamer?  

Auch britische Wissenschaftler haben sich bereits mit diesem Phänomen beschäftigt. Sie haben in England die Wirkung von Alkohol an 84 Studenten und Studentinnen getestet. Während die eine Hälfte der Probanden einen Viertelliter eines alkoholischen Getränks zu sich nahm, begnügte sich die andere Hälfte der Gruppe - ohne es zu wissen - mit der alkoholfreien Variante. Anschließend sollten die Teilnehmer die Attraktivität bestimmter Personen des anderen oder gleichen Geschlechts beurteilen.

Das Ergebnis: Die leicht alkoholisierten Teilnehmer bewerteten die Personen durchweg attraktiver, verglichen mit der Einschätzung der Nüchternen. Was die Wissenschaftler und Probanden allerdings überraschte: Das Schöntrinken funktioniert auch mit dem eigenen Geschlecht. Nach dem Alkoholkonsum empfanden die heterosexuellen Versuchsteilnehmer auch Menschen des eigenen Geschlechts anziehender.

Doch trifft die Studie auch im wahren Leben zu? "Männer können sich Frauen in der Tat schöntrinken ", bestätigt Lekutat in seinem Buch über Medizin-Mythen. Allerdings komme auch schnell die Ernüchterung: Denn Frauen, die meist weniger trinken, fänden betrunkene Männer durchweg unattraktiver. Unter Alkoholeinfluss haben Männer also deutlich geringere Chancen bei Frauen.

Der Rausch vernebelt unsere Sinne

Aber wie funktioniert das Phänomen "Schöntrinken" genau? Eine Person gilt dann als besonders attraktiv, wenn sie zwei ebenmäßige Gesichts- und Körperhälften hat. Physiognomische Symmetrie deutet angeblich unterbewusst auf eine genetisch bessere Ausstattung und somit auf Fortpflanzungsfähigkeit hin. Unter Alkoholeinfluss verschlechtert sich allerdings die Fähigkeit, Symmetrien zu erkennen.  Wenn jemand getrunken hat, fallen ihm körperliche Unregelmäßigkeiten deshalb nicht mehr so stark auf.

Das Fazit: Menschen werden unter Alkoholeinfluss weniger kritisch, das Gegenüber aber keineswegs schöner.

Alkohol: 21 Fakten und Mythen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. September 2014
Quellen: Interview mit Diana Schulz von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

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