Schlankmacher oder Kalorienbombe?

Eiweißbrot: Wie gesund ist es wirklich?

Brot im Übermaß ist ein Dickmacher. Wie gut, dass findige Foodspezialisten hier eine auf den ersten Blick geniale Alternative gefunden haben: das Eiweißbrot. Es soll lange satt machen und gleichzeitig beim Abnehmen helfen. Lifeline hat bei einer Expertin nachgefragt, ob das wirklich funktioniert.

Eiweißbrot
Eiweißbrot wird meist mit Quark gebacken. Allerdings sehen viele Rezepte auch eine Menge Gluten vor.
© iStock.com/OlgaMiltsova

Es ist schwer, sehr saftig und enthält jede Menge Körner: Eiweißbrot gibt es heutzutage als Frischeprodukt in Bäckereien, aber auch abgepackt in vielen Supermärkten und als Backmischung für zu Hause. Das Spezialbrot ist der neue Trend in Sachen Abnehmen. Hauptbestandteil des Diät-Brots sind Soja- und Weizeneiweiß, Sojaschrot und -mehl, Leinsaat sowie Lupinenmehl. Damit enthält es rund viermal so viel pflanzliches Eiweiß wie herkömmliche Brotsorten, dafür jedoch ein Sechstel weniger Kohlenhydrate.

Eiweißbrot zum Abnehmen?

Nach den Prinzipien von Insulin- oder Low-Carb-Diäten wie "Schlank im Schlaf" wäre Eiweißbrot ein ideales Lebensmittel, um Übergewicht abzubauen. Doch das trifft so nicht zu. "Der Erfolg dieser Art von Diäten ist wissenschaftlich nicht erwiesen", erklärt Isabelle Keller, Diplom-Ökotrophologin von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gegenüber Lifeline.

Die Hypothese, mit viel Eiweiß und stark reduzierter Menge an Kohlenhydraten die Pfunde purzeln zu lassen, hat sich in der Praxis nicht bewährt. "Damit nimmt man nur anfangs gut ab", sagt die Expertin. Ursache dafür ist die Ernährungsumstellung. Doch auf Dauer lässt sich und nach ein bis zwei Jahren hat sich das Anfangsgewicht wieder eingestellt.

Die Argumente der Insulin- oder Low-Carb-Diät-Anhänger, es käme auf die Verteilung von Eiweiß und Kohlenhydrate an sowie auf die Tageszeit der Mahlzeiten, lässt die Wissenschaftlerin nicht gelten: "Beim Abnehmen kommt es nicht darauf an, wann man welche Nährstoffe zu sich nimmt, sondern auf die gesamte Energiebilanz." Um Gewicht zu reduzieren sollte der Organismus mehr Energie verbrennen, als ihm zugeführt wird. Diese negative Energiebilanz lässt sich nur mit Bewegung oder reduzierter Kalorienmenge erreichen.

Eiweißbrot hat viele Kalorien und kann die Nieren belasten

Kritisch bewertet die Wissenschaftlerin daher den hohen Energiegehalt von Eiweißbrot. "Es ist fettreicher als normales Brot", warnt sie. Hundert Gramm Eiweißbrot haben rund 260, Pumpernickel- und gängiges Mehrkornbrot dagegen nur knapp 200 Kilokalorien. Denn die im Eiweißbrot enthaltenen Saaten sind sehr fettreich. Eiweiß und Kohlenhydrate liefern außerdem gleich viele Kilokalorien. Wer viel Eiweißbrot isst, könnte davon also sogar zunehmen.

Gegen das Spezialbrot sprechen noch weitere Tatsachen: Vor allem der hohe Eiweißgehalt ist nicht ungefährlich, denn er belastet die Nieren. "Als Grenzwert, der auf keinen Fall überschritten werden sollte, gelten zwei Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht", erklärt Keller. Ein 75-Kilo-Mann sollte also nicht mehr als 150 Gramm Eiweiß pro Tag zu sich nehmen. 100 Gramm Eiweißbrot enthalten bereits knapp 40 Gramm Proteine.

Eiweißbrot enthält oft eine Menge Gluten

Riskant ist Eiweißbrot zudem für alle, die . Gluten ist das Glebereiweiß aus Getreide und Hauptbestandteil vieler Rezepte für Eiweißbrot. Weil große Mengen an Gluten als Abfallprodukt in der Lebensmittelindustrie anfallen, ist das Klebereiweiß auch günstig. Rezepte für Eiweißbrot, die glutenfrei sind, gibt es wenige (siehe unten).

Außerdem sollte nicht übersehen werden, dass manche Inhaltsstoffe dieser neuen Brotrezeptur auch das Potenzial haben, Allergien auszulösen. Das gilt vor allem für Soja, auf das bereits viele Menschen allergisch reagieren. "Am besten sollten sich Allergiker in der Bäckerei die Zutatenliste geben lassen und genau prüfen, ob die aufgeführten Inhaltsstoffe für sie unbedenklich sind", rät Expertin Keller.

Fazit: Ist Eiweißbrot gesünder als normales Brot?

Dass Eiweißbrot ein notwendiges Lebensmittel sei, lässt sich somit nicht nachvollziehen. Wertvolle Eiweißquellen bietet nämlich der normale Speiseplan in ausreichender Menge – mit Hülsenfrüchten, Gemüse, Milchprodukten, Fleisch und Fisch. Zum Abnehmen eignet sich das kalorienreiche Spezialbrot kaum. Nur für Sportler, die für Muskelkraft viel Eiweiß brauchen, ist Eiweißbrot empfehlenswert. Denn Muskeln nehmen an Masse zu, wenn sie beansprucht werden und ihnen genügend Proteine zum Einbau zur Verfügung stehen.

Eiweißhaltige Lebensmittel: Die 22 besten Proteinspender

Eiweißbrot selber backen: Zwei simple Rezepte

Einfaches Eiweißbrot mit Hefe

  • 200 Gramm Gluten (Reformhaus)
  • je 50 Gramm Sojamehl und Mandelmehl
  • je 50 Gramm Sämereien nach Geschmack: Leinsamen, Sesam, Sonnenblumenkerne
  • 2 Tüten Trockenhefe
  • 1 Prise Zucker
  • etwas Salz, Koriander und Kümmel
  • 300 Milliliter lauwarmes Wasser

Vermengen Sie zuerst alle trockenen Zutaten gut miteinander, rühren Sie dann das lauwarme Wasser unter und lassen Sie den Teig zugedeckt an einem warmen Ort gehen, bis er größer geworden ist. Danach zu einem Laib formen, eine entsprechende Form mit Backpapier auslegen und den Teig hineingeben, bei etwa 180 Grad rund eine Stunde backen.

Eiweißbrot mit Quark (glutenfrei)

  • 200 Gramm Magerquark
  • 4 Eier
  • je 50 Gramm gemahlene Mandeln, geschrotete Leinsamen und gemahlene Sonnenblumenkerne
  • 1 Päckchen Backpulver
  • Salz und Kümmel

Verrühren Sie Quark und Eier sorgfältig, lassen Sie dann nacheinander die anderen Zutaten einrieseln. Schmecken Sie mit Salz und Kümmel ab. Legen Sie eine Kastenform mit Backpapier aus und geben Sie den Teig hinein. Mit warmem Wasser bestreichen und bei 180 Grad backen (Backzeit: etwa 45 Minuten).

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