Alternativmedizinisches Verfahren

Angewandte Kinesiologie: Die Muskeln sprechen für den Körper

Die angewandte Kinesiologie ist ein alternativmedizinisches Diagnose- und Behandlungsverfahren, bei dem Störungen und Ungleichgewichte im Energiefluss des Körpers erkannt und behoben werden können. Dabei soll ein Muskeltest Aufschluss über mögliche Störfaktoren oder die Ursachen von Krankheiten und Beschwerden geben.

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Der Muskeltest ist die gebräuchliche Diagnosemethode bei der Kinesiologie. Dabei übt der Therapeut manuell Druck aus, um eine direkte Rückmeldung des Körpers zu erhalten.
(C) 2009 Jupiterimages

Der amerikanische Chiropraktiker George Goodheart entwickelte die Angewandte Kinesiologie ("Applied Kinesiology" - Abkürzung AK) in den 1960er Jahren. Goodheart nahm an, dass sich seelische Belastungen, Störungen im Energiefluss des Körpers und Krankheiten in der Muskelkraft widerspiegeln, indem sie diese schwächen. Die Kinesiologie als Diagnose- und Therapieverfahren beruft sich daneben auch auf die Lehre von den Meridianen, den Energiebahnen, die aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bekannt ist.

Durch direkte Rückmeldung mithilfe eines Muskeltests will der Kinesiologe nicht nur eine Diagnose durchführen, sondern auch die geeignete Therapie herausfinden. Ziel der Kinesiologie ist es, Störungen im Energiefluss zu beseitigen und das Wohlbefinden zu steigern.

Wofür die Kinesiologie eingesetzt wird

Mit Angewandter Kinesiologie praktizierende Ärzte sehen in dem Verfahren eine ganzheitliche Untersuchungs- und Therapiemethode, mit der Auslöser für immer wiederkehrende Erkrankungen und Beschwerden. DieUrsachen dafür sind nicht selten an ganz anderen Körperregionen zu finden, als dort, wo Symptome auftreten.

Solche Beschwerden und Erkrankungen sind zum Beispiel:

  • chronische Gelenkbeschwerden, diese können zum Beispiel durch Fußfehlstellungen, Zahnprobleme und -Zahnfehlstellungen verursacht werden
  • Rückenschmerzen - mögliche Ursachen sind auch Operationsnarben, Störungen mit Magen-Darm-Trakt, Fehlstellungen im Kiefergelenk,
  • chronische Infektionen, hervorgerufen durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Zahnprobleme, Impfnarben
  • Verdauungsstörungen
  • chronische Müdigkeit
  • Kopfschmerzen

Kinesiologen setzen das Verfahren darüber hinaus zur Diagnose von Allergien und (Nahrungsmittel-)Unverträglichkeiten ein und wollen damit Herde, Störfelder, Narben, toxische Belastungen erkennen und emotionale Schlüsselkonflikte aufdecken. Es ist dazu lediglich ein schmerzfreier Muskeltest, zum Teil kombiniert mit Körperbefragungen, erforderlich.

Aus der Kinesiologie heraus entwickelten sich mit der Zeit weitere Verfahren wie die Touch for Health-Methode, Edu-Kinestetik oder Brain-Gym für Kinder. Seit einigen Jahren wird Kinesiologie zum Beispiel auch in psychotherapeutischen und wirtschaftlichen Bereichen eingesetzt.

Der Muskeltest beim Kinesiologen

Das wichtigste Verfahren in der angewandten Kinesiologie ist der Muskeltest, mit dem eine direkte Rückmeldung des Körpers erkannt werden soll. Der Test ist nicht schmerzhaft und wird ohne technische oder apparative Hilfsmittel durchgeführt. Er dient dem Kinesiologen sowohl zur Diagnose als auch zur Auswahl von passenden Präparaten zur Therapie.

Beim Muskeltest prüft der Kinesiologe den Widerstand bestimmter Muskeln, während er verschiedenen Körperregionen berührt oder der Klient verschiedene Gegenstände in der Hand hält, deren Einfluss auf den Körper der Therapeut untersuchen möchte.

So läuft der Muskeltest ab

Während der Sitzung fordert der Kinesiologe dazu auf, entweder einen Arm oder ein Bein nach vorne auszustrecken. Er drückt dann dagegen, während er gleichzeitig seine andere Hand auf die Region des Körpers legt, deren Gesundheitszustand er untersuchen möchte. Wenn der Klient dabei dem Druck auf den Arm oder das Bein standhalten kann, bedeutet das laut kinesiologischem Muskeltest, dass das entsprechende Organ gesund ist. Geben Arm oder Bein dem Druck nach, so heißt das, dass das Organ krank ist.

Allergien erkennen mit Muskeltest

Zusätzlich prüft der Kinesiologe so auch, ob bestimmte Lebensmittel vertragen oder nicht vertragen werden. Dazu gibt er dem Patienten die entsprechende Substanz in die Hand. Wenn der Arm dabei angehoben und stabil gehalten werden kann, weist das darauf hin, dass die Substanz gut vertragen wird.  Wenn der Arm mit dem Lebensmittel in der Hand nachgibt, geht der geht der Kinesiologe davon aus, dass das entsprechende Lebensmittel nicht vertragen wird.  Oft stellen Kinesiologen ergänzend dazu direkte Fragen nach dem Gesundheitszustand und prüfen dabei die Muskelreaktion verschiedener Muskelgruppen.

Auswahl von Arzneien mit Muskeltest

Der Muskeltest wird auch zur Auswahl der passenden Behandlungsmethoden genutzt. Dabei gibt der Kinesiologe dem Klienten verschiedene Präparate in die Hand und prüft die Antwort der Muskeln. Anhand dieser Antwort will er erkennen, ob das Präparat die richtige Behandlung ist: Kann der Arm gehalten werden, ist das Präparat geeignet. Häufig stellt er auch Fragen zu unterschiedlichen Behandlungsmethoden und prüft dabei an verschiedenen Stellen die Muskelreaktion.

In der Regel testet und verordnet der Kinesiologe nur Naturheilmittel beziehungsweise homöopathische Präparate. Ergänzt wird die Behandlung durch spezielle Massagen und Berührungen, gymnastischen oder mentalen Übungen. Diese sollen Energieblockaden im Körper lösen.

Weitere Methoden der Kinesiologie

Touch for Health

In Anlehnung an die Kinesiologie entwickelte der Amerikaner John Thie in den 1970er Jahren die Touch for Health-Methode.  

Touch for Health bedeutet soviel wie „Gesundheit durch Berührung“. Die Methode bezieht sogenannte Meridiane mit ein. Der Begriff Meridian kommt aus dem Chinesischen und bedeutet „Energiekanal“. Anwender der Touch for Health-Methode ordnen jedem Muskel einen bestimmten Meridian zu. Durch Ausstreichungen oder Druck auf einzelne Muskeln – beziehungsweise Meridiane – wird versucht, Energieblockaden zu lösen und damit die Gesundheit positiv zu beeinflussen.

Kinesiologie für Kinder

Kinesiologie wird auch bei Kindern angewendet. Dabei setzen Kinesiologen vor allem die beiden Verfahren Edu-Kinestetik und Brain-Gym ein. Diese Methoden sollen unter anderem dabei helfen, Lernschwierigkeiten zu beseitigen.

Bei diesen Verfahren soll die Arbeit der beiden Gehirnhälften des Kindes durch verschiedene gymnastische und mentale Übungen ausbalanciert werden. Ziel ist es, die Lernfähigkeit Ihres Kindes zu verbessern. Begründet wurden die beiden Verfahren von dem Amerikaner Paul Dennison. An einigen Schulen wenden Lehrer Edu-Kinestetik und Brain-Gym im Unterricht an.

Wer bietet angewandte Kinesiologie an?

Die angewandte Kinesiologie wird sowohl von alternativmedizinisch orientierten Ärzten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten  praktiziert, wird aber auch von medizinischen Laien angeboten.

Die Deutsche Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie (DGAK) hat Qualitätskriterien für eine dreijährige Ausbildung festgelegt, mit denen man sich „begleitender Kinesiologe“ nennen darf. Kurse an solchen Instituten dauern in der Regel drei Jahre.

Wer bereits eine medizinische oder therapeutische Ausbildung absolviert hat, kann die Zusatzbezeichnung "Medizinisch Therapeutischer Kinesiologe" erlangen. Dafür müssen mindestens 150 Stunden in kinesiologischen Kursen, einen Aufbaukurs und diverse Prüfungen nachgewiesen werden. Mit diesen Ausbildungen will man sich vor allem von Laien-Therapeuten abgrenzen, denn "Kinesiologe" und "Kinesiologie" sind keine geschützten Bezeichnungen.

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