Experteninterview zum Thema Blasenentzündung

Die Zystitis und ihre Behandlung: Acht Fragen an die Expertin

Das Thema Blasenentzündung begleitet viele Frauen das ganze Jahr hindurch. Im Herbst und Winter können die kalten Temperaturen eine Blasenentzündung begünstigen, im Sommer ist oft nasse Badebekleidung der Auslöser dafür.

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Wir haben mit Professor Karin Kraft, Fachärztin für Innere Medizin, über das Thema Blasenentzündung gesprochen.

Können Sie uns einige statistische Daten zur Blasenentzündung nennen?

Professor Karin Kraft: Akute Blasenentzündungen treten besonders häufig bei Frauen auf. Im Alter von 15 bis 39 Jahren haben 15,2 Prozent der Frauen jährlich mindestens einen Harnwegsinfekt, von den 40 bis 59 Jährigen gilt dies für 11,4 Prozent, bei den Frauen von 60 bis 79 Jahre sind es immerhin noch 9,7 Prozent. Dies liegt daran, dass Frauen eine wesentlich kürzere Harnröhre haben als Männer, dadurch können pathogene Keime leichter in die Harnblase gelangen.

Bei Männern sind Blasenentzündungen zwischen 17 bis 79 Jahren selten, nur 2,2 Prozent leiden pro Jahr darunter, ab dem 80. Lebensjahr sind es 5,3 Prozent. Begünstigende Faktoren sind hier Dauerkatheter, Aufenthalt im Krankenhaus und anatomische Veränderungen im Alter, insbesondere die Vergrößerung der Prostata.

Was sind die typischen Symptome einer Blasenentzündung?

K. K.: Typische Symptome der Blasenentzündung sind Brennen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang mit kleinen Urinportionen, erschwertes Wasserlassen, nächtlicher Harndrang, Schmerzen in der Blasengegend, das heißt oberhalb des Schambeins, und Blasenkrämpfe. Gelegentlich sieht der Urin trüb aus und/oder er riecht unangenehm. Eine Blasenentzündung kann aber auch vollkommen unbemerkt auftreten.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

K. K.: Die meisten Blasenentzündungen verlaufen bei Frauen unkompliziert und heilen mit der richtigen Behandlung komplikationslos aus. Wenn Kinder, Schwangere, Männer sowie Patienten mit Veränderungen an den Harnwegen oder Diabetiker eine Blasenentzündung haben oder wenn dabei Fieber auftritt, sollte jedoch stets ein Arzt aufgesucht werden, da mit einem komplizierten Verlauf gerechnet werden muss.

Wie kann ich einer Blasenentzündung vorbeugen?

K. K.: Bereits bei der alltäglichen Lebensweise kann man mit der Vorbeugung beginnen. Eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von zwei Litern ist grundsätzlich ratsam. Eine vollständige Blasenentleerung sowie die richtige Abwischtechnik nach dem Stuhlgang – von vorne nach hinten – sind essenziell, um einer Bakterienbesiedlung der Blase vorzubeugen. Von übertriebener Genitalhygiene in Form von Intimsprays und langen Sitzbädern ist abzuraten, ebenso von Verhütungsmethoden wie Scheidendiaphragmen und Spermiziden.

Bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung gibt es die Möglichkeit, mit speziell dafür entwickelten pflanzlichen Kombinationspräparaten aus der Apotheke eine akute, unkomplizierte Blasenentzündung in ihrer Entstehung einzudämmen.

Wie wird eine Blasenentzündung üblicherweise diagnostiziert?

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K. K.: Die Diagnose ergibt sich vor allem aus den typischen Beschwerden. Zusätzlich wird, wenn die Diagnose dadurch nicht eindeutig möglich ist, ein Urinteststreifen eingesetzt. Bei positiven Hinweisen wird dann gegebenenfalls eine Urinkultur aus dem Mittelstrahlurin angelegt. Dazu wird der Urin des Patienten 24 bis 48 Stunden lang in einem Brutschrank aufbewahrt, um anhand der Keimbesiedlung Rückschlüsse auf eine mögliche Infektion ziehen zu können. In manchen Fällen, zum Beispiel bei blutigem Urin, ist auch eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase oder eine Blasenspiegelung sinnvoll. Bei Männern wird stets eine Urinkultur angelegt.

Wie sieht die typische Behandlung einer Blasenentzündung im Normalfall aus? Ist ein Antibiotikum zwingend notwendig?

K. K.: Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung sollte auf Antibiotika verzichtet werden, da diese hochpotenten Substanzen eine nicht unerhebliche Zahl an Nebenwirkungen hervorrufen können. Das Risiko einer Antibiotikaresistenz der Erreger ist bei häufiger Anwendung ebenfalls gegeben.

Antibiotika sollten deshalb komplizierten Verläufen vorbehalten bleiben, bei welchen sie unverzichtbar sind. Durch Ruhe, Wärmezufuhr und pflanzliche Medikamente kann eine akute und unkomplizierte Blasenentzündung gezielt und gut verträglich behandelt werden.

Welche pflanzlichen Wirkstoffe sind geeignet, um die Beschwerden bei einem Harnwegsinfekt zu lindern?

K. K.: Pflanzliche Wirkstoffe, wie die von Birkenblättern, Brennnesselkraut, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Löwenzahnblättern und -wurzeln, Orthosiphonblättern, Schachtelhalmkraut, Wacholderbeeren und Spargelwurzel, bieten sich bei Harnwegsinfekten an. Vor allem die Kombination mehrerer Heilpflanzen, wie zum Beispiel Goldrutenkraut, Orthosiphon und Hauhechel hat sich bewährt.

Ihre Wirkweise reicht von antientzündlich, harntreibend, krampflösend bis hin zu antibakteriell. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass sie auch das Anheften und Eindringen der Bakterien in die Harnblasenwand und die Bildung von sogenannten Biofilmen, in denen die Bakterien vor den Angriffen aus dem Immunsystem geschützt sind, behindern.

Einige Arzneipflanzen werden auch als Bestandteil von Blasen- und Nierentees verwendet. Die Kombination der Wirkstoffe in Tablettenform bietet aber den Vorteil einer genaueren Dosierung und somit einer kontrollierten Wirkstoffabgabe, da die Pflanzenextrakte hier standardisiert vorliegen.

Wie werden Phytopharmaka von den Patientinnen angenommen?

K. K.: Die Akzeptanz ist sehr gut, insbesondere weil den Patientinnen die Problematik der Antibiotikaresistenz und die unerwünschten Wirkungen und Folgeerscheinungen einer Einnahme von Antibiotika gut bekannt sind. Hier sind nebenwirkungsarme Alternativen wie Phytopharmaka hochwillkommen.

Informationen zu unserer Interviewpartnerin Professor Karin Kraft:

Frau Professor Karin Kraft ist Lehrstuhlinhaberin für Naturheilverfahren an der Universität Rostock. Nach dem Medizinstudium in Bonn hat sie ihre Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin beendet, bevor sie 1993 im selben Fachbereich habilitierte. Im Jahr 1991 begann Professor Kraft mit der Weiterbildung in Naturheilverfahren und hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer Expertin auf diesem Gebiet entwickelt.

Nicht zuletzt wird dies, neben zahlreichen Auszeichnungen durch Fachgesellschaften, auch durch die Veröffentlichung ihres Lehrbuchs für Medizinstudenten und Ärzte „Naturheilverfahren“ (2010) belegt. Die Forschungsschwerpunkte von Professor Kraft liegen im Bereich Phytotherapie und naturheilkundliche Behandlungsmethoden.

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