Sitzen und Schwitzen auf der Autobahn

Mit dem Auto in den Urlaub

So kommen Sie nach langen Fahrten entspannt und schmerzfrei an

Für die Deutschen ist ihr Auto das beliebteste Verkehrsmittel, um in den Urlaub zu fahren. Doch mit Oma, Opa und Kindern an Bord wird die Fahrt zur oft zur Belastungsprobe für Nerven und Körper. Hitze und langes Sitzen setzen allen zu. Mit diesen Tipps kommen Sie entspannt an und der Streit zur richtigen Temperatur der Klimaanlage kommt gar nicht erst auf.

Je entspannter Sie losfahren, desto besser stehen die Chancen auf eine harmonische Fahrt. Besorgungen in letzter Minute erzeugen unnötigen Stress und die Nerven liegen auf den ersten Kilometern schon blank. Schreiben Sie sich eine Checkliste, was von Vignette bis Sonnencreme alles mit muss und planen Sie die unterschiedlichen Ansprüche aller Mirfahrer ein. Nicht jeder hält ohne "Pipi-Pause" durch und auch Beifahren ist anstrengend. Mit diesen Ratschlägen kommt die ganze Familie entspannt und ohne "Rücken" am Urlaubsziel an:

Der richtige Reiseproviant

Beginnen Sie die Fahrt ausgeschlafen und satt, aber auch nicht mit zu vollem Magen. Unterwegs lieber öfter kleine Mahlzeiten mit leichter Kost (Salate, gegartes Gemüse, wenig Fleisch) genießen. Etwa zwei Liter am Tag trinken, am besten ungesüßte Säfte oder Wasser. Essen Sie nicht während der Fahrt. Ihr Körper kann nicht gleichzeitig aktiv und aufmerksam sein und dabei verdauen. Ein Picknick an der Raststätte verhindert zusätzlich lästige Krümel im Auto.

Was man bei Hitze nicht tun sollte!

Lifeline/Wochit

Reisekleidung im bequemen Zwiebel-Look

Ziehen Sie sich bequem an: Es gibt leichtes, luftige Kleidung aus Funktionsmaterial, das den Schweiß durchlässt und verhindert, dass er bei offenem Autofenster auf der Haut verdunstet oder der Stoff nasskalt am Körper klebt. Das kann nämlich zu Muskelverkrampfungen und Schnupfen führen. Planen Sie auch ein, dass das Wetter am Urlaubsort sich deutlich von dem zu Hause unterscheiden kann. Im Idealfall ist zu Hause noch die Strickjacke ein wärmender Begleiter, die aber am Urlaubsziel im Süden leicht abgestreift werden kann.

Tipps gegen geschwollene Beine

Lifeline/Wochit

Musik und Unterhaltung ersetzen keine Pausen

Sorgen Sie aktiv dafür fit, guter Laune und aufmerksam zu bleiben – mit Bewegung und Erholung. Bei unterschiedlichem Musikgeschmack bekommt jeder Reisende seine "Sendezeit", der Fahrer sollte aber den Verkehrsfunk am Radio aktivieren, um über Warnungen auf der Strecke schnell informiert zu sein. Das letzte Wort bei der Musikwahl hat ohnehin immer der Fahrer, denn Musik beeinflusst das Fahrverhalten.

Geben Sie auch Ihren Kindern die Chance sich zwischendurch öfter auszutoben. Da hilft wirklich nur, alle zwei Stunden eine Pause von etwa einer viertel Stunde. Das beugt auch der Reiseübelkeit vor, die bei Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren sehr häufig auftritt.

Vor allem, wenn Sie sich müde fühlen, erst mal ein ruhiges Plätzchen suchen und eine kleine Schlafpause von etwa 15 Minuten einlegen. Mit der Länge der Etappe nimmt die Müdigkeit natürlich zu und mit ihr das Risiko für lebensgefährlichen Sekundenschlaf am Steuer. Soweit das Auto über keinen Müdigkeits-Assistenten verfügt, sind alle Beifahrer gefordert erste Erschöpfungssymptome des Fahrers zu erkennen. Planen Sie deshalb Fahrerwechsel ein, abgestimmt auf die Streckenverhältnisse, denn nicht jeder fährt gerne Autobahn oder Serpentinen.

Die Klimaanlage richtig einstellen

Damit sich das Auto nicht zu einer Sauna entwickelt, kann man im Schatten parken oder die Scheiben abdecken. Wichtige Teile wie Armaturenbrett, Lenkrad, Schaltknauf oder den Kindersitz am besten mit einer Decke oder einem Handtuch schützen. Empfehlenswert ist auch ein Sonnenschutz an den hinteren Scheiben.

Vor Fahrtantritt kann erst einmal gelüftet werden, denn so entweicht die angestaute Hitze. Dann sollte die Klimaanlage nicht auf die niedrigste Temperatur gestellt werden, weil zu starkes Herunterkühlen den Kreislauf belasten und zu Erkältungen führen kann. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur sollte nicht mehr als sechs Grad Celsius betragen. Klimaanlagen mit Automatikmodus lässt man am bestens auf der einmal gewählten Wohlfühltemperatur zwischen 22 und 23 Grad eingestellt. Die Anlage kühlt von alleine mit maximaler Leistung herunter, bis der Zielwert erreicht ist.

Verzichten Sie, vor allem den Kindern zuliebe, aufs Rauchen im Auto. Sie schonen die Gesundheit aller und reagieren außerdem schneller.

Denken Sie an den Sonnenschutz: eine gute Sonnenbrille und, wenn Sie offen fahren, immer eine Kopfbedeckung tragen, um keinen Sonnenstich zu bekommen. Das gilt nicht nur für Cabrio-Fahrer, denn auch durch ein Glasdach kommt noch jede Menge Sonnenstrahlung hindurch. Tragen Sie deshalb rechtzeitig, also etwa 20 Minuten vor Fahrtantritt Sonnencreme mit möglichst hohem Schutzfaktor auf. Je nach Hauttyp reicht bei intensiver Sonne meist schon ein Viertelstündchen ohne Schutz um sich einen Sonnenbrand einzuhandeln, denn reflektierende Teile am Auto und die Schieben können die Sonnenstrahlen bündeln und ihre Wirkung verstärken.

Langes Sitzen im Auto kann zum Gesundheitsrisiko werden

Kaum Beinfreiheit, stundenlang zur Bewegungslosigkeit verdammt: Flugreisen, lange Bus- und Autofahrten, können besonders bei großer Hitze im Auto gefährlich werden. Wer länger als vier bis fünf  Stunden sitzend unterwegs ist, hat ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko!

Reisethrombose ist Stau in den Venen

Stundenlanges Sitzen ohne Bewegungspausen kann den Blutfluss in den Venen so beeinträchtigen, dass sich Blutpfropfen (Gerinnsel) bilden, die auch größere Adern ganz verschließen können. Weil im Sitzen besonders die Venen in den Kniekehlen dauerhaft abgeknickt sind, betrifft dies vor allem die Unterschenkel, aus denen das Blut nicht mehr ungehindert abfließen kann. Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen, Alkohol und Kaffee (beide harntreibend) machen das Blut zusätzlich "dicker". Der Körper wirkt diesem Problem durch die sogenannte "Muskelpumpe" entgegen, wenn die Muskelbewegungen den Blutfluss unterstützen. Fehlt diese, kann sich binnen stunden eine tiefe Venenthrombose bilden, die nicht nur schmerzhaft sonder wirklich gefährlich ist. Lösen sich Teile des Gerinnsels und gelangen diese durch den Blutkreislauf in Herz oder Lunge, können diese zum Verschluss von Gefäßen führen und eine Lungenembolie oder einen Infarkt auslösen. Vorsicht: Diese Gefahr bleibt auch mehrere Tage nach der Reise noch gegeben.

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Hämorrhoiden nehmen lange Autofahrten übel

Langes Sitzen ist unangenehm, besonders für Hämorrhoiden-Patienten. Sie haben während der Fahrt das Gefühl nur auf der halben Fläche sitzen zu können und ständig hin und her zu rutschen. Im Sommer verstärkt das Schwitzen die Beschwerden zusätzlich, denn Schweiß setzt der angegriffenen Haut um den After zusätzlich zu und steigert den Juckreiz.

Ein Luftkissenpolster oder ein Schwimmring kann Autofahrten erträglicher machen, weil die betroffene Po-Region nicht direkt mit dem Sitz in Kontakt kommt.

So kommen Sie gesund am Urlaubsort an

  • Auf Autoreisen sollte alle 1 1/2 bis zwei Stunden eine Bewegungspause eingelegt werden, im Flugzeug ist alle halbe Stunde Fußgymnastik angesagt
  • Pro Stunde einen guten Becher (0,2 bis 0,5 Liter) trinken und zwar lieber keinen Kaffee. Auf Alkohol sollten Sie sogar schon am Vorabend verzichten: Beide wirken harntreibend, entziehen dem Körper dadurch Flüssigkeit und Sie müsen mehr pausen einlegen als nötig.
  • Die Beine nicht übereinander schlagen und die Knie nicht zu stark beugen.
  • Bequeme Baumwollkleidung und Stützstrümpfe (Kompressionsstrümpfe) oder Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe tragen.
  • Den Fußraum nicht unnötig durch Taschen oder Spielzeug  einschränken, die im Kofferraum ohnehin sicherer verstaut sind
  • Flache, leichte Schuhe tragen, beim Laufen richtig abrollen und als Beifahrer im Sitzen einfach ausziehen
  • Bei hohem Risiko nach Absprache mit dem Arzt gerinnungshemmendes Heparin spritzen oder spritzen lassen. Rückreise nicht vergessen!

Mit speziellen Dehn-, Streck- und Lockerungsübungen können Sie die Durchblutung nach Ihrem Powerschläfchen wieder anregen. Der Kreislauf kommt in Schwung, das Hirn wird durch intensivere Atmung "belüftet", also gut mit Sauerstoff versorgt und wach. Wenn sie zu mehreren sind, ist auch ein kleines Ballspiel nicht zu verachten. Diese Übungen lassen sich auf jedem Rastplatz durchführen, aber auch im Sitz des Autos oder Flugzeugs:

  • Auf der Stelle laufen, leicht federn, Füße dabei von der Ferse auf die Zehen rollen, Tempo steigern, mindestens drei Minuten alle zwei Stunden Kniebeugen machen, Rücken gerade halten, so weit Sie hinunter kommen und so oft Sie können
  • Eine Fußspitze am Boden aufsetzen, das jeweils andere Bein nach vorne anheben, den Fuß strecken und anziehen, je 15 Mal
  • Abwechselnd mit sanftem Druck von den Fersen auf die Ballen abrollen und umgekehrt, 20-30 Mal
  • Beide Fersen bleiben am Boden, Fußspitzen anheben und kräftige Drehbewegungen nach innen und außen machen, 20-30 Mal Füße abwechselnd mit der ganzen Fußsohle am Boden fest heranziehen und wieder vorstrecken
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