Körperschmuck als Kult?

Piercing

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Piercing: Bestechender Schmuck
Getty Images/Hemera

Vor 25 Jahren galt ein Piercing noch als Provokation. Das hat sich geändert. Bereits 2006 gaben bei einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach 43 Prozent der Befragten an, dass Piercings im Trend lägen.

Sieben Prozent der Deutschen sind gepierct

Wieviele Menschen sich in Deutschland tatsächlich für ein Piercing entschieden haben, zeigt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum vom Frühjahr 2014. Stichprobenartig waren rund 2000 deutschsprachige Männer und Frauen ab 16 Jahren zu Tattoos und Piercings befragt worden. Insgesamt rund sieben Prozent trugen ein Piercing (Ohrlöcher nicht eingerechnet), wobei der Körperschmuck, der unter die Haut geht, bei Frauen beliebter ist als bei Männern: neun Prozent der Frauen, aber nur drei Prozent der Männer gaben an, gepierct zu sein. Am häufigsten werden Piercings in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen getragen.

Piercing-Träger sind im Schnitt älter geworden

Damit hat sich verglichen mit Studien aus den Jahren 2006 und 2009 zur Verbreitung von Tattoos und Piercings in Deutschland kaum etwas verändert: 2006 hatten 6,5 Prozent der Befragten angegeben, ein Piercing zu haben, und 2009 waren es wie 2014 drei Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen. Allerdings hat sich die Altergruppe nach hinten verschoben, in der Piercings am meisten verbreitet sind: 2006 war das noch die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen gewesen.

Mit anderen Worten: Piercings gelten nicht mehr als der letzte Modeschrei. Dafür sind sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen und werden auch in höherem Alter toleriert. Am beliebtesten sind Piercings im Kopfbereich, bei Frauen auch am Bauchnabel. Intimpiercings nehmen eine Sonderstellung ein, da hier auch der Lustgewinn beim Sex eine Rolle spielt.

Zungen-Piercing

Dass Zungen-Piercings sehr beliebt sind, ist kein Wunder: Sie fallen kaum auf und lassen sich daher problemlos mit dem Geschäftsleben vereinbaren. Gleichzeitig haben sie einen hohen erotischen Beigeschmack.

Lage der Zungen-Piercings wichtig

Die Zunge ist ein durchaus empfindliches Organ. Deswegen ist es umso wichtiger, die Lage des Piercings exakt zu bestimmen. Es gehört mittig in die Zunge, weil auf der Unterseite der Zunge zwei recht breite Adern verlaufen, die nicht verletzt werden dürfen. Die individuelle Lage dieser Adern kann ein erfahrener Piercer in der Regel gut erkennen. Unter Umständen wird er sogar von einem Zungen-Piercing abraten – in manchen Fällen lassen die Adern nicht genug Platz für den Piercing-Kanal. Die Stichrichtung selbst muss nicht senkrecht verlaufen, sondern kann zum Beispiel leicht nach vorne geneigt sein. Grundsätzlich sollte der Austrittspunkt unterhalb der Zunge jedoch nicht zu weit hinten liegen, damit das Zungenbändchen auf keinen Fall verletzt wird.

Der richtige Schmuck für ein Zungen-Piercing

Die übliche Schmuckform für ein Zungen-Piercing ist ein langer Stab (Barbell) mit Gewinden an jedem Ende, auf die Kugeln geschraubt werden. Der Piercer setzt zunächst einen Barbell ein, der zwischen 19 und 24 Millimeter lang ist und so noch genug Raum lässt, wenn die Zunge nach der Behandlung anschwillt. Nach etwa einer Woche kann der Stecker durch eine kürzere Variante ersetzt werden. Grundsätzlich ist auch ein Ring möglich, aber nicht empfehlenswert. Die Infektionsgefahr ist größer, weil Essensreste an einem Ring leichter hängen bleiben.

Hohes Risiko bei Zungen-Piercings

Wie bei jedem Piercing besteht die Gefahr, dass Nerven oder kleinere Adern verletzt werden. Darüber hinaus ist bei einem Zungen-Piercing die Infektionsgefahr sehr groß. Der Träger sollte daher besonders am ersten Tag den Mund mit einer desinfizierenden Lösung spülen und nur Nahrung zu sich nehmen, die weich ist, aber möglichst keine Säuren enthält. Milchprodukte und Rauchen sind in den ersten Tagen ebenfalls tabu.

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Die Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie warnt, dass es trotzdem in jedem vierten Fall zu Komplikationen wie Entzündungen oder Einblutungen komme. Verläuft alles gut, ist das Zungen-Piercing nach etwa zwei bis vier Wochen verheilt.

Lippen-Piercing

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Lippen-Piercing (Labret) zu stechen. Das Labret sitzt normalerweise an der Unterlippe, meist in der Mitte, es kann aber auch seitlich versetzt gestochen werden. Als Medusa-Piercing bezeichnen Fachleute hingegen ein Piercing, das oberhalb der Oberlippe in der Mitte positioniert ist. Das Madonna-Piercing ist im oberen Bereich seitlich versetzt – wie der Leberfleck des Popstars Madonna. Weitere Variationen im Mundbereich sind Piercings durch die Wangen oder das Lippenbändchen. Beide sind jedoch nicht empfehlenswert, weil das Risiko für Folgeschäden sehr hoch ist.

Heilungsprozess dauert drei Monate

Als ideale Schmuckform für ein Lippen-Piercing gilt der Labret Stud. Das ist ein gerader Stab, der an der einen Seite mit einer schmalen Platte endet. Die wird innen getragen und ist für den Mundraum schonender als eine Kugel. Am anderen Ende des Stabs befindet sich ein Gewinde, auf das eine Kugel oder eine Spitze geschraubt wird. Wie beim   ist der erste Stab etwas länger, weil die Lippe nach der Behandlung anschwillt. Außerdem lässt es sich so vermeiden, dass die Enden an den Wunden reiben. Nach ein bis zwei Wochen wird das Schmuckstück durch einen kürzeren Stab oder einen Ring ausgetauscht. Insgesamt dauert der Heilungsprozess aber an die drei Monate.

Beim Lippen-Piercing darf der Schmuck nicht reiben

Grundsätzlich gilt: Das Piercing darf innen nicht gegen die Zähne stoßen, und die Reibung am Zahnfleisch sollte so gering wie möglich sein. Selbst unter besten Bedingungen warnen Zahnärzte  jedoch vor Lippen-Piercings. Die ständige Reibung könne zu einer Rückbildung des Zahnfleisches führen oder sogar die Zähne selbst beschädigen.

Nasen-Piercing

Für Nasen-Piercings gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei allen ausgefallenen Methoden, etwa Piercings auf dem Nasenrücken oder Stäben, die durch die Nasenscheidewand geschoben werden, ist jedoch die Gefahr groß, dass die Knorpelschicht so stark beschädigt wird, dass es später zu einer Verformung der Nase kommt.

Piercing am Nasenflügel weniger riskant

Dieses Risiko besteht zwar auch am Nasenflügel, ist dort aber deutlich geringer. Trotzdem können natürlich Nerven verletzt werden, oder die Wunde entzündet sich. Eventuell bilden sich Abszesse, die operativ behoben werden müssen.

Kugel für Naseninnenseite nicht geeignet

Bei der Nase ist die Wahl des Schmucksbesonders wichtig. Denn eine Kugel an der Innenseite könnte die Atmung behindern und erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass es am Stecker zu Ablagerungen kommt. An der Innenseite sollte der Stab also mit einer flachen Scheibe enden. Ein Ring wird aus dem gleichen Grund normalerweise nur im unteren Bereich des Nasenflügels eingesetzt. Außerdem ist diese Positionierung dann mit nur einer Einstichstelle möglich.

Lange Heilungszeit beim Nasen-Piercing

Bei einem Nasen-Piercing dauert der Heilprozess sehr lange. Sechs Monate gelten als die Regel.

Augenbrauen-Piercing

Das Augenbrauen-Piercing ist sehr häufig, und auf den ersten Blick scheint das Risiko nicht allzu hoch zu sein, da der Piercer nur Haut durchsticht. Das ist jedoch ein Trugschluss.

Risiko für Nervenverletzungen und Narben

Auch hier kann es zu Verletzungen der Nerven kommen. Noch häufiger ist aber eine Narbenbildung. Der Körper versucht, den Fremdkörper beim Heilungsprozess abzustoßen. Der kann dadurch wandern oder sogar vollständig herauswachsen. Wird das nicht rechtzeitig erkannt, bleiben Narben zurück. Umso wichtiger ist deswegen die Wahl des Schmuckstücks: Ein Ring muss relativ breit sein und darf keinen zu kleinen Durchmesser haben.

Augenbrauen-Piercing gehört an den Rand der Braue

Wird eine Stabform gewählt, etwa ein Barbell mit zwei Kugeln an den Enden, muss der Stab leicht gebogen sein. In beiden Fällen gehört das Piercings an den äußeren Rand der Augenbraue. Denn dort ist die Gefahr geringer, Nerven zu verletzen. Zudem muss die untere Austrittsstelle bei einem Ring weiter innen Richtung Nase liegen als die obere. Das Schmuckstück steht dadurch nicht so weit ab. Ohne Komplikationen dauert der Heilungsverlauf des Augenbrauen-Piercings etwa sechs bis acht Wochen.

Bauchnabel-Piercing

Ein Bauchnabel-Piercing ist vor allem bei Frauen sehr beliebt. Das Stechen ist jedoch nur möglich, wenn die Hautfalte oberhalb des Nabels dafür ausreichend überlappt - der Stichkanal sollte etwa einen Zentimeter lang sein. Als Schmuckform empfiehlt sich ein gebogenes Barbell. Dabei liegt das untere Ende im Nabel und kann durch Steine, Ketten oder aufgeschraubte Figuren zum Blickfang werden. Das obere Ende ist in der Regel als schlichte Kugel auf der Haut zu sehen. Auch ein Ring ist möglich. Erfahrene Piercer raten jedoch davon ab, weil Kleidung an einem Ring leicht hängen bleibt.

Bauchnabel-Piercing heilt sehr langsam

Der Heilungsprozess ist bei einem Bauchnabel-Piercing meistens sehr aufwändig, weil die Wunde stark beansprucht wird: Beim Sitzen entsteht Druck auf der Wunde, Kleidung reibt am Piercing, zudem sammeln sich dort Schweiß und andere Ablagerungen. Selbst bei sorgfältiger Pflege dauert die Heilung daher etwa neun Monate.

Piercing-Schmuck: Materialien

Gold: Das Edelmetall ist sehr teuer, gilt für den Einsatz als Körperschmuck aber als unproblematisch. Allerdings ist es auch recht schwer und übt entsprechend großen Druck auf die Wunde aus. Deswegen sollte es nicht unbedingt als erster Piercing-Schmuck eingesetzt werden. Weißgold ist übrigens problematischer als Gelbgold, weil es häufiger Allergien auslöst.

Titan: Als Piercing-Schmuck muss Titan unbedingt nickelfrei sein. Dann ist es jederzeit gut geeignet, weil es auch deutlich leichter ist als Gold. In Deutschland wird Titan sogar für chirurgische Implantate verwendet.

Polytetrafluorethylen (PTFE): Der Kunststoff hat eine sehr glatte Oberfläche und gilt daher als ideal für das erste Schmuckstück nach dem Piercing. Bakterien siedeln sich dort nicht so leicht an.

Chirurgenstahl: Chirurgenstahl darf nicht eingesetzt werden, so lange die Wunde nicht vollständig verheilt ist, da er Nickel enthält. Aus dem gleichen Grund sollten ihn Allergiker grundsätzlich nicht als Piercing-Schmuck verwenden. Außerdem ist er schwerer als Titan.

Acryl: UV-aktiver Piercingschmuck, der auffällig leuchtet, ist in der Regel aus Acryl. Er darf aber erst nach Abheilung der Wunde getragen werden.

Silber: Silber oxidiert, wenn es mit Blut oder Schweiß in Berührung kommt. Außerdem kann es Allergien auslösen. Daher sollte es nicht als Erstschmuck für Piercings verwendet werden.

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