Risiken und Nebenwirkungen

"Naturkosmetik ist nicht unbedingt gesund"

Im Interview: Lifeline-Experte und Hautarzt Dr. Oliver Mainusch

Natürliche Rohstoffe statt Chemie im Cremetopf – Naturkosmetik-Produkte gelten bei Verbrauchern als besonders gut und pflegend für Haut und Haar. Doch nicht alles, was natürlich ist, ist auch gesund. Lifeline fragte bei einem Experten nach.

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Wer Naturkosmetik nutzt, ist nicht vor allergischen Hautreaktionen geschützt.
© Jupiterimages/Getty Images

Ohne chemische Konservierungsstoffe, ohne Parabene, Silikon und nur mit natürlichen pflanzlichen Rohstoffen hergestellt – Naturkosmetik ist beim Verbraucher beliebt. Sie wird gemeinhin als bessere und schonendere Alternative gesehen. Manche Haut reagiert jedoch auf Natur ganz anders als gewünscht – mit Pickeln, Pusteln, roten, brennenden Stellen und anderen allergischen Reaktionen. Wir befragten den Lifeline-Experten und Hautarzt Dr. Oliver Mainusch zu Risiken und Nebenwirkungen von Naturkosmetik.

Lifeline: Was sollten Verbraucher bei der Verwendung von Naturkosmetik wissen?

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    Allergien auslösen können Pollen, aber auch Schimmelpilze, Nahrungsmittel oder Metalle. Testen Sie, ob Sie gefährdet sind!

Dr. Oliver Mainusch: Grundsätzlich wird jedes Naturprodukt, auch Kosmetik, heute wohl kaum noch komplett natürlich hergestellt. Die Produkte werden alle in irgendeiner Art industriell gefertigt - und dazu sind nun einmal chemische Prozesse nötig – zum Beispiel, um Pflanzenöle zu reinigen oder bestimmte Wirkstoffe aus Pflanzen zu gewinnen. Das Wichtigste ist jedoch: Jegliche kosmetische Anwendung – egal, ob dafür Produkte aus konventioneller Herstellung oder kontrollierte Naturkosmetik verwendet werden – kann eine allergische Reaktion hervorrufen. Bei einem naturkosmetischen Produkt, welches oft eine Vielzahl von pflanzlichen Stoffen enthält, ist dieses Risiko sogar noch höher. Auch bei der besten, geprüften Naturkosmetik können empfindliche Menschen überreagieren. Diese sollten entsprechend vorsichtig sein.

Und wenn ich noch nicht weiß, dass ich allergisch reagiere?

O. M.: Dann hilft nur ausprobieren, indem man zum Beispiel etwas von der Creme oder dem Shampoo in die Armbeuge gibt. Einen Tag später kann diese sogenannte biologische Vorprobe noch einmal wiederholt werden. Wenn sich keine Hautreaktion feststellen lässt, kann das Produkt angewendet werden. Eine Garantie, dass es verträglich ist, hat man jedoch nicht. Oft entwickeln sich Allergien und Empfindlichkeiten erst nach einer gewissen Zeit. Wer nach der Anwendung von neuen Kosmetikproukten  Hautreizungen feststellt, sollte diese von einem Hautarzt abklären lassen. Zusätzlich lohnt es sich, die Drogerie oder die Apotheke zu informieren. In einem guten Geschäft  bekommt man oft sogar das Geld zurück, wenn man ein Produkt nicht verträgt.

Bei welchen Inhaltsstoffen in Naturkosmetik ist besondere Vorsicht geboten?

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Hautarzt und Lifeline-Experte Dr. Oliver Mainusch
(c) Dr. Mainusch

O. M. Ätherische Öle werden in Naturkosmetik-Produkten als Duftstoffe, zum Teil auch wegen ihrer konservierenden Wirkung eingesetzt – oder weil man sich davon spezielle pflegende Effekte verspricht. Diese ätherischen Öle, zum Beispiel von Zitrusfrüchten oder Teebaumöl, können bei empfindlichen Menschen jedoch Hautreizungen hervorrufen. Wer allergisch auf Korbblütler reagiert, sollte auf Kosmetik, in denen Kamille enthalten ist, lieber verzichten. Bienenwachs ist für Pollenallergiker nicht die richtige Wahl. Bestandteile von Johanniskraut oder Zitrone machen die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenbestrahlung.

Was sollten Menschen beachten, die Probleme mit der Haut haben?

O. M.: Zunächst sollte die Hautveränderung oder -erkrankung diagnostisch durch einen Hautarzt abgesichert und entsprechende Therapien eingeleitet werden. Viele meinen zum Beispiel, sie hätten eine Schuppenflechte, dabei stellt sich im Sprechzimmer dann heraus, dass es sich um eine Neurodermitis oder ein anderes Ekzem handelt. Beide Erkrankungen werden ganz unterschiedlich behandelt.

Können solche Hauterkrankungen auch mit natürlichen Mitteln behandelt werden?

O. M.: Ich würde eine ergänzende Therapie empfehlen. Olivenöl ist zum Beispiel ein Klassiker in der Dermatologie. Es ist sehr nutritiv, sprich reichhaltig, und wirkt sich zum Beispiel bei Schuppenproblemen sehr positiv auf Haut oder Kopfhaut aus. Olivenöl ist ein sehr preiswertes natürliches Mittel, leider hat es einen deutlichen Eigengeruch. Teurer, aber mit noch besserer Wirkung ist Klettwurzelöl. Auch mit Schweineschmalz erzielt man sehr gute schuppenlösende Effekte.

Was raten Sie als Hautarzt zum Umgang mit Naturkosmetik?

O. M.: Grundsätzlich sollte der Wohlfühleffekt im Vordergrund stehen. Wenn Sie eine Creme, ein Produkt als angenehm empfinden, was ja hoffentlich erwünscht ist, dann ist sie für den Einzelnen auch gut verträglich. Und das ganz unabhängig davon, ob das Produkt Naturkosmetik enthält oder konventionelle Inhaltsstoffe.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Naturkosmetik
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