Nickel, PAK und PPD in Tattoo-Farben

Gefährliche Stoffe selbst in Henna-Tinte

Der Trend zum Tattoo ist ungebrochen, in Deutschland trägt rund jeder vierte Erwachsene bleibenden Hautschmuck. Über die Risiken von Tätowierungen ist hingegen wenig bekannt. Nur nach und nach verbreiten sich Meldungen über gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe von Tattoo-Tinte. Selbst die vermeintlich harmlosen und natürlichen Henna-Farben können schwere Allergien nach sich ziehen.

henna
Sich die Haut mit Henna verzieren zu lassen, steht bei Touristen hoch im Kurs. Allerdings bergen die Farben, genau wie normale Tattoo-Tinte, mitunter ein Risiko für die Gesundheit.

In herkömmlichen Tätowierfarben können sogenannte PAK stecken, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese Substanzen sind besonders in Verbindung mit Sonne gefährlich, da unter UV-Einwirkung freie Radikale entstehen. Das sind besonders reaktionsfreudige Moleküle, die dem Erbgut Schäden zufügen – und so das Krebsrisiko erhöhen.

Doch nicht nur PAK in Tattoofarben bereitete den Fachleuten auf der ersten Tattoo-Tagung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Sorgen. Besonderes Augenmerk legten die Experten auf Nickel: Das Übergangsmetall stecke in vielen Tätowierfarben und Permanent Make-Up. Dabei muss es nicht einmal Bestandteil der Farbpigmente oder Trägermittel sein, sondern kann auch als Verunreinigung während der Herstellung in das Tätowiermittel gelangen.

Nickel: Allergieauslöser Nummer Eins steckt in Tattoo-Tinte

Zugleich ist Nickel hierzulande der häufigste Auslöser für Kontaktallergien. Der Stoff steckt in Lebensmitteln, Schmuck, Piercings, Lederwaren, Haushaltsprodukten sowie Zahnersatz und Körperimplantaten. Je nach Schätzung leiden zwei bis viereinhalb Millionen Deutsche an einer Nickelallergie, tätowiert sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung – Tendenz steigend. Manche Menschen reagieren mit extremen Allergiesymptomen auf Nickel, das juckende Kontaktekzem kann sogar chronisch werden.

„Weil sich immer mehr Menschen ein Tattoo stechen lassen, ist zu erwarten, dass die Rate von Nickelallergien in den kommenden Jahren zunehmen wird“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. Menschen mit einer Nickelallergie können schwere, krankhafte Hautveränderungen entwickeln. Als Reaktion auf Nickel in Tätowiermitteln berichteten Ärzte auf der Konferenz von allergischen Hautveränderungen wie Flechten- oder Granulombildung.

Vorsicht auch vor Henna-Tattoos auf Zeit

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Doch nicht nur bleibende Tattoos können schwerwiegende Reaktionen hervorrufen. Selbst sogenannte Temptoos, also die vorübergehende Bemalung zum Beispiel mit Henna, steht in der Kritik. Wie der Verband der Kinder- und Jugendärzte mitteilt, können Blasen, Juckreiz, Rötungen sowie erhöhte Lichtempfindlichkeit die Folgen der Bemalung sein. Sogar erhabene, rote sowie nässende Pusteln und permanente Vernarbung gehen bisweilen auf das Konto einer vermeintlich harmlosen Henna-Tätowierung im Urlaub.

Henna wird aus einer Pflanze hergestellt, deren Bestandteile als Paste verarbeitet werden, um Haut, Fingernägel und Wolle zu färben. Doch häufig mischen Tattoo-Künstler der Pflanzensubstanz zum Beispiel schwarzes Haarfärbemittel bei, um das Motiv dunkler und haltbarer zu machen. Die dunkle Farbe aber enthält häufig p-Phenylendiamin (PPD), das allergische Reaktionen und ernsthafte Hautprobleme zur Folge haben kann.

PAK und PPD: Gift, das unter die Haut geht

Die Inhaltsstoffe von Tattoo-Tinten und Permanent Make-Up unterliegen in Deutschland seit 2009 der Tätowiermittelverordnung. Das Gesetz benennt in einer Negativliste Stoffe, die nicht zum Tätowieren erlaubt sind – beispielsweise krebserzeugende Azofarbstoffe und eben das allergene PPD.

Allerdings ist von den wenigsten Stoffen, die in Tätowiermitteln enthalten sind, genau bekannt, wie sie im menschlichen Körper wirken – gerade, wenn wie im Fall des Kontaktallergens Nickel die Hautschranke überwunden wird. Herstellern und Tätowierern liegen dazu oft selbst keine Daten vor – das will das BfR nun ändern. Im Urlaub oder mit ausländischen Produkten laufen Verbraucher zudem Gefahr, dass sich bei uns verbotene Zusatzstoffe in der Farbe verbergen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2013
Quellen: Informationen des BfR zur Tattoo-Konferenz über die Sicherheit von Tätowiermitteln: http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2013/15/nickel_gehoert_nicht_in_taetowiermittel_und_permanent_make_up-187018.html; Mitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte zu gesundheitlich bedenklichen Stoffen in Henna-Tattoos: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles1/show.php3?id=4541&nodeid=26&nodeid=26&query=henna

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