Risse in der Haut

Dehnungsstreifen: Woher kommen sie und kann man sie entfernen?

Dehnungsstreifen treten nicht nur in der Schwangerschaft auf, sondern zum Beispiel auch bei starker Gewichtszunahme. Wie man den unerwünschten Geweberissen vorbeugen kann und mit welchen Behandlungsmethoden sich Dehnungsstreifen entfernen lassen.

Frau hat Dehnungsstreifen auf der Haut
© Getty Images/Yusuke Ide

Dehnungsstreifen (Striae cutis distensae) bilden sich durch eine Überdehnung der Haut und sind anfangs blau-rötlich gefärbt. Im Laufe der Jahre werden die Hautveränderungen immer heller und sehen wie feine, längliche Narben aus. Häufig sind Brust, Bauch, Hüfte, Gesäß, Oberarm oder Oberschenkel betroffen. Treten sie in der Schwangerschaft auf, werden sie als Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum) bezeichnet.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was sind Dehnungsstreifen?

Durch eine zu starke Dehnung der Lederhaut (mittlere Hautschicht) kommt es zu Rissen in den Kollagenfasern, die Elastizität der Haut nimmt ab und sie dünnt aus. Das in der Unterhaut liegende Bindegewebe ist stark durchblutet und schimmert aufgrund der Faserrisse durch – erkennbar als blau-rötliche Dehnungsstreifen. Reparaturmechanismen in der Haut lassen sie mit der Zeit verblassen, sichtbar bleiben die Risse dennoch.

Je nach Ursache werden die Linien anders genannt:

  • Schwangerschaft: Striae gravidarum

  • Wachstum: Striae adolescentium

  • Schnelle Gewichtszunahme: Striae obesitatis

  • Infektionen: Striae in­fectio­sae

Gesundheitlich sind die Hautveränderungen kein Problem, vielmehr werden sie von Betroffenen als kosmetisch störend empfunden. Wer stark unter Dehnungsstreifen leidet und sich dadurch im Alltag eingeschränkt fühlt, kann versuchen, sie entfernen zu lassen.

Dehnungsstreifen entfernen

Haben sich Dehnungsstreifen gebildet, verschwinden sie in der Regel nicht wieder. Stark ausgeprägte Streifen können in der dermatologischen Praxis mit verschiedenen Behandlungsmethoden weniger sichtbar gemacht werden – ganz entfernen lassen sie sich meistens nicht:

  • Vitamin-A-Säure (Tretinoin): Die starke Säure beschleunigt die Zellteilung und stimuliert die Bildung von Kollagen. Deshalb wird der verschreibungspflichtige Wirkstoff auch in der Akne-Therapie eingesetzt. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Vitamin-A-Säure nicht verwendet werden.

  • Trichloressigsäure: Ein chemisches Peeling mit Trichloressigsäure dringt tief in die Haut ein, um die Kollagenbildung anzuregen. Diese Behandlung wird auch bei Hornhaut und Warzen angewendet.

  • Kryotherapie: In der Hautarztpraxis wird das Gewebe mit flüssigem Stickstoff zerstört und vom Körper wieder neu gebildet.

  • Mesotherapie: Mit sehr feinen Nadeln spritzt die*der Ärztin*Arzt Wirkstoffe wie Hyaluronsäure in die Haut, um die Elastizität von innen zu stärken.

  • Microneedling: Hierbei wird die Haut mit einer Rolle bearbeitet, die mit winzigen Nadeln besetzt ist. Diese Mikro-Verletzungen aktivieren die Hautregeneration und regen die Kollagenbildung an.

  • Fraxel-Laser: Der*die Arzt*Ärztin behandelt die Dehnungsstreifen punktuell mit Laserlicht. Durch die Hitze des Lasers entstehen kleinste Verletzungen in der Haut, was wiederum die Regeneration und Produktion von Kollagen anregt.

  • Lokale Dynamische Mikromassage (LDM): Ultraschallwellen mit verschiedenen und schnell wechselnden Frequenzen regen im Gewebe die Neubildung von Bindegewebe an.

Welche der Behandlungen die individuell passende ist, entscheiden die behandelnden Fachleute und Patient*innen gemeinsam. Da es sich bei Dehnungsstreifen um ein rein kosmetisches Problem handelt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten in der Regel nicht.

Hausmittel gegen Dehnungsstreifen?

Durch die regelmäßige Anwendung von Cremes, Massagen und Wechselduschen lassen sich die Risse meistens nur geringfügig abschwächen. Infrage kommen Cremes mit Vitamin A, das auch zur Behandlung von Narben eingesetzt wird, sowie Vitamin E, das die Hautregeneration anregt. Um den Farbunterschied auszugleichen, kann man es auch mit etwas Selbstbräuner versuchen – damit fallen die Dehnungsstreifen womöglich weniger auf.

Ursachen von Dehnungsstreifen

Auch wenn viele bei Dehnungsstreifen an Schwangere denken, können sie jeden Menschen betreffen. Denn auch Personen, die schnell und stark zugenommen haben, können die Geweberisse an den entsprechenden Stellen entwickeln – das betrifft Männer und Frauen. Jedes zusätzliche Kilo Gewicht beansprucht die Haut und das Risiko einer Überdehnung steigt.

In der Pubertät erleben viele Jugendliche Wachstumsschübe. Fallen diese besonders stark aus, kann vor allem am Oberschenkel und Rücken die Haut reißen. Wer schnell viele Muskeln aufbaut, kennt Dehnungsstreifen mitunter ebenfalls. Das sind vor allem Bodybuilder*innen und Menschen, die schwere Gewichte heben. Die dauerhafte Einnahme von Glukokortikoiden kann die Hautveränderungen genauso begünstigen.

Risikofaktoren für Dehnungsstreifen:

Wie entstehen Schwangerschaftsstreifen?

Nicht jede schwangere Frau bekommt während der Schwangerschaft Dehnungsstreifen. Mutmaßlich hängt dies mit der Bildung von Kollagen im Körper zusammen, also wie viel oder wenig er produziert. Zusätzlich sinkt die Kollagenbildung während der Schwangerschaft.

Der höchste Risikofaktor für Schwangerschaftsstreifen ist eine übermäßige Gewichtszunahme. Dabei ist laut dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) eine Zunahme von durchschnittlich zehn bis 15 Kilogramm normal. Um den individuellen Wert ermitteln zu können, hilft der Body-Mass-Index (BMI) vor der Schwangerschaft:

  • Untergewicht (BMI kleiner 18,5): Gewichtszunahme 12,5-18 kg

  • Normalgewicht (BMI 18,5-24,9): Gewichtszunahme 11,5-16 kg

  • Übergewicht (BMI 25-29,9): Gewichtszunahme 7-11,5 kg

  • Adipositas (BMI über 30): Gewichtszunahme 5-9 kg

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Diagnose von Dehnungsstreifen

Normalerweise verursachen die Hautveränderungen keine Schmerzen oder anderweitige Symptome. Wer sehr stark unter den Dehnungsstreifen leidet, sollte eine Hautarztpraxis aufsuchen und sich über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Dort können die Streifen mittels Blickdiagnose festgestellt werden: An der Brust, am Bauch, an den Oberschenkeln oder am Gesäß zeigen sich blau-rötliche bis lila-rötliche oder weiße Hautstreifen. Vor allem zu Beginn können sie leicht erhaben sein.

Massagen und Öl: Kann man Dehnungsstreifen vermeiden?

Schwangere Frauen können Dehnungsstreifen am besten vorbeugen, indem sie möglichst nicht übermäßig viel Gewicht zunehmen. Dadurch kann sich die Haut langsamer an den wachsenden Bauchumfang anpassen und das Risiko für Geweberisse sinkt. Auch eine entsprechende Hautpflege und Massagen können vorbeugen. Dabei ist die regelmäßige Durchführung wichtig, um Dehnungsstreifen möglichst gut vorzubeugen.

Tipps zum Vorbeugen:

  • Hautpflege mit speziellen Cremes. Passende Inhaltsstoffe sind Sheabutter, Vitamin A und E, Mandelöl, Jojobaöl, Arganöl und Nachtkerzenöl. Sie halten die Haut elastisch und pflegen sie.

  • Massagen der betroffenen Hautpartien. Zum Massieren eignen sich Öle wie zum Beispiel Mandelöl, Arganöl, Traubenkernöl oder Jojobaöl – für den Babybauch gibt es auch spezielle Schwangerschaftsöle. Besonders wirksam ist eine Zupfmassage: Dabei wird die Haut leicht mit Daumen und Zeigefinger vom Körper weggezupft. Kurz vor dem Geburtstermin sollten Schwangere keine Zupfmassage mehr machen, um nicht frühzeitige Wehen auszulösen.

  • Kalte Güsse nach dem Duschen. Dazu den Duschkopf in kreisenden Bewegungen sanft über die Hautpartien führen, die anfällig sind für Dehnungsstreifen. Wechselduschen fördern die Durchblutung der Haut und verbessern ihre Dehnfähigkeit. Ein Massagehandschuh kann diese Wirkung noch unterstützen.

  • Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Für die Hautgesundheit sollte viele frisches Obst und Gemüse auf dem Teller landen sowie viel Flüssigkeit zugeführt werden. Außerdem können Haut und Bindegewebe durch leichtes Training von innen gestärkt werden. Das gilt auch für schwangere Frauen, weshalb Sport in der Schwangerschaft empfehlenswert ist – solange keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen.

Ernährung für eine gesunde Haut: Diese Lebensmittel machen schön!
Beratender Experte
Herr Dr. med. Oliver Mainusch

Facharzt für Haut u. Geschlechtskrankheiten in Velbert

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