Gesundheitliche Auswirkungen

Zeitumstellung: Abschaffung, ja oder nein?

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In Deutschland wird zweimal im Jahr die Zeit umgestellt, am letzten Sonntag im März und im Oktober. Die meisten Menschen sind für die Abschaffung der Zeitumstellung. Wann dies in der EU umgesetzt wird, ist aber noch unklar. Wie kann man sich am besten an den neuen Rhythmus gewöhnen?

Müder Mann nach Zeitumstellung macht seinen Wecker aus
© Getty Images/South_agency

Ursprünglich wurde die Zeitumstellung eingeführt, um Strom zu sparen. Inzwischen ist längst widerlegt, dass dies funktioniert. Zwar hatte die Europäische Kommission 2018 vorgeschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen, viele Mitgliedstaaten der EU sind jedoch dagegen. Uneinigkeit herrscht vor allem darüber, ob danach die Sommer- oder Winterzeit gelten soll.

Artikelinhalte im Überblick:

Schlaue Tricks gegen die Frühjahrsmüdigkeit

Seit wann gibt es die Zeitumstellung?

Jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober werden vor dem Zubettgehen alle Uhren um eine Stunde zurück auf Normalzeit, also Winterzeit, gestellt.

Die Sommerzeit wurde 1980 mit der Hoffnung eingeführt, Energie zu sparen, indem das Tageslicht besser ausgenutzt werden kann. Dies hat sich allerdings nicht ausgezahlt. Zwar wird weniger Abendbeleuchtung benötigt, allerdings wird dafür in den Morgenstunden mehr Energie verbraucht.

Die Sommerzeit existiert in vielen Ländern, die in der gleichen Zeitzone liegen. Es gibt aber auch Länder, die die Zeitumstellung abgeschafft oder nie eingeführt haben.

Zeitumstellung: Uhrzeit vor- oder zurückstellen?

Die meisten Smartphones oder Funkwecker stellen sich mittlerweile von alleine um. Wer aber Uhren manuell umstellen muss und sich nicht merken kann, ob die Uhren bei der Zeitumstellung vor- oder zurückgedreht werden, kann sich dies einfach mit einer Eselsbrücke merken: Im Frühling werden die Gartenmöbel vor die Tür gestellt, im Winter müssen sie wieder zurück ins Haus. Das bedeutet: Am letzten Märzwochenende wird die Zeit in der Nacht von Samstag auf Sonntag von zwei Uhr auf drei Uhr vorgestellt, Ende Oktober wird sie wieder eine Stunde zurückgestellt.

Auswirkungen der Zeitumstellung auf den Körper

Durch die Zeitumstellung ist es im Sommer abends länger hell. Das hat den Vorteil, dass nach der Arbeit noch länger Freizeitaktivitäten bei Tageslicht möglich sind. Allerdings fehlt vielen Menschen nach der Zeitumstellung eine Stunde Schlaf, was kurzfristig die Stimmung und Aufmerksamkeit beeinflussen kann. Darüber hinaus braucht der Körper etwas Zeit, um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Um diesen Mini-Jetlag zu überwinden, benötigen die meisten Menschen ein paar Tage.

Dabei dürfte die Zeitumstellung im Frühjahr auf die Sommerzeit den meisten Menschen mehr zu schaffen machen als im Herbst auf die Winterzeit. Die meisten gewöhnen sich erst nach ein paar Tagen an die neue Zeit, manche haben sich auch nach vier Wochen noch nicht umgestellt. Vor allem ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung schwerer tut, sind davon betroffen. Und auch Menschen mit Schlafstörungen (Insomnie) oder organischen Erkrankungen haben größere Probleme mit der Zeitumstellung.

Was sagt unsere innere Uhr?

Der 25-Stunden-Tag bei der Zeitumstellung der Uhren im Herbst kommt der inneren Uhr sehr entgegen, denn diese hat – laut Schlafforschung – ohne äußere Faktoren den Drang zum 25-Stunden-Tag. Mithilfe des Tages- und Sonnenlichts passt sich die innere, biologische Uhr an den vorgegebenen 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt, also an die soziale, gesellschaftliche Uhr, an. Wenn nun im Frühjahr und Herbst wieder Zeitumstellung ist, so ist das jedes Mal auch ein Eingriff in die biologische Uhr von Mensch und Tier.

Gesundheitliche Probleme durch Zeitumstellung

Generell sind sich die Expert*innen einig, dass vieles für die Abschaffung der regelmäßigen Zeitumstellung spricht. Viele meinen sogar, dass die Zeitumstellung nur Nachteile bringt. Bei einer Umfrage der Krankenkasse DAK gaben etwa 25 Prozent der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Problemen nach der Zeitumstellung gehabt zu haben. Besonders oft wurden als Symptome Müdigkeit (85 Prozent) und Einschlafprobleme (70 Prozent) genannt.

Studien deuten darauf hin, dass sich in den ersten Tagen nach der Zeitumstellung das Herzinfarktrisiko erhöhen könnte. Fachleute erklären das mit dem leichten Schlafmangel, der durch die kürzere Nacht nach der Umstellung auf die Sommerzeit entsteht.

Ganzjähre Sommerzeit oder Winterzeit: Was wäre gesünder?

Laut der EU-Umfrage haben sich die meisten Bürger*innen für die Umstellung auf die Sommerzeit ausgesprochen. Das ist laut Fachleuten jedoch eher ungünstig. Um 12 Uhr am Mittag würde dann die Sonne nicht mehr am höchsten Punkt stehen, was sich auf unsere innere Uhr auswirkt. Das Risiko für psychische Erkrankungen, Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht steigt an. In Norddeutschland würde es im Winter dann teilweise erst um 10 Uhr hell werden.

Eine dauerhafte Winterzeit entspräche eher dem Biorhythmus, allerdings würde die Sonne dann schon sehr früh aufgehen und die Sommerabende wären kürzer.

Frühjahrsmüdigkeit? Fit in den Frühling

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Tipps für Zeitumstellung

Versuchen Sie, die Zeitumstellung und die Phase danach möglichst entspannt zu verbringen. Zudem können folgende Tipps die Zeitumstellung erleichtern:

  • Trinken Sie ab 17 Uhr keinen Kaffee (oder schwarzen Tee) mehr, um abends besser einschlafen zu können.

  • Legen Sie nicht zu viele Termine auf die Abende, lassen Sie sie in Ruhe ausklingen.

  • Tanken Sie möglichst viel Tageslicht. Fachleute empfehlen schon vor dem Frühstück Sonne zu tanken, zum Beispiel bei einer kurzen Joggingrunde.

  • Morgens kommen sie mithilfe von Wechselduschen leichter in die Gänge. Mit warmem Wasser beginnen und mit kaltem aufhören.

Der Körper braucht für die Umstellung der inneren Uhr einfach etwas Zeit. Hören Sie auf ihn und auf seine Bedürfnisse.

Kinder an die Zeitumstellung gewöhnen

Die veränderte Helligkeit wirkt sich auch auf den Schlafrhythmus von Kindern aus. Wenn die Uhren auf Sommerzeit umgestellt werden, sollten Sie abends die Räume etwa durch Rollläden oder Vorhänge abdunkeln, um die Kinder auf die Schlafenszeit vorzubereiten. Im Gegensatz zur Umstellung auf die Herbstzeit sollten Kinder außerdem am Samstag vor Beginn der Sommerzeit etwas früher ins Bett gehen.

Gestalten Sie den Tag möglichst aktiv, damit die Kleinen am Abend müde sind. Am nächsten Morgen, wenn es draußen durch die Umstellung wieder etwas dunkler ist, sollten Sie für helle Beleuchtung sorgen.

Zehn Winter-Wohlfühl-Tipps gegen Stress
Beratender Experte
Frau Dr. med. Jessica Männel

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